08.06.2022

Realitätscheck: Wie Unternehmen auf die neue Arbeitswelt reagieren können

Die nächste Generation an Fachkräften legt besonders viel Wert auf Flexibilität und Sinn. Wir haben den HR-Experten der Erste Bank und zwei junge Talente gefragt, wie Unternehmen mit der neuen Realität am Arbeitsmarkt umgehen können.
/artikel/realitaetscheck-wie-unternehmen-auf-die-neue-arbeitswelt-reagieren-koennen
Manuel Szecsenyi, Christian Dorfinger, Viktoria Donauer und Moderator Dejan Jovicevic © brutkasten Media
Manuel Szecsenyi, Christian Dorfinger, Viktoria Donauer und Moderator Dejan Jovicevic © brutkasten/Erste Bank
sponsored

Die Pandemie war Katalysator für eine Entwicklung, die sich am Arbeitsmarkt bereits länger abzeichnet: Homeoffice, Remote Work oder 4-Tage-Woche – nicht nur junge Menschen wollen flexibler arbeiten. Gleichzeitig wollen immer mehr Menschen den Sinn ihrer Tätigkeit verstehen und in Einklang mit ihren eigenen Werten bringen. Wie sollen Unternehmen mit dieser neuen Situation umgehen und womit kann man junge Talente heute anziehen, motivieren und halten? 

Es ist aber nicht nur die flexiblere Gestaltung des Arbeitstages, was junge Menschen antreibt. “Wir stellen gerade in der Gen Z einen Wertewandel in Richtung Sinnhaftigkeit und Work-Life-Balance fest”, sagt HR-Spezialist Christian Dorfinger, Erste Bank Head of Talent Acquisition & Talent Management, im Podcast “Realitätscheck der neuen Arbeitswelt” im Rahmen der Erste-Bank-Initiative “Unternehmen wir Zukunft”. “Ich finde das auch gut. In meiner Generation standen noch eher Karriere und vielleicht sogar etwas Status im Vordergrund. Wir haben uns damals nicht getraut, was sich die Generation jetzt traut – zu sagen, dass es auch neben dem Job etwas gibt, das wichtig ist, nämlich das eigene Leben. Um Talente am Markt ansprechen zu können brauchen große Unternehmen und auch Mittelständler Angebote wie Remote Work, Homeoffice und flexible Arbeitszeiten”. 

Flexibilität und Sinn

Bei der Frage nach dem Arbeitsort findet Viktoria Donauer “das Mittelding cool”. Donauer ist bei der Erste Bank Praktikantin in der Abteilung „Target Group Campaigning“ und nach zwei Jahren Pandemie gerne im Büro, um sich mit Kolleg:innen auszutauschen. “Ein bis zwei Tage Homeoffice pro Woche kann auch sehr angenehm sein. Der Mix ist für mich der richtige Weg”, sagt die junge Frau. Ob ein Job die Möglichkeit bietet, von daheim zu arbeiten oder nicht, wäre für sie aber kein Ausschlusskriterium. Wie vielen anderen ihrer Generation ist es vielmehr der sinnvolle Beitrag, den sie mit ihrer Arbeit leisten kann. “Ich muss mit einem gewissen Stolz sagen können, dass ich bei einem bestimmten Unternehmen arbeite. Ich fühle mich mitverantwortlich dafür, was das Unternehmen produziert oder macht”, erklärt Manuel Szecsenyi, Praktikant in der Abteilung „BI Processing“ in der Erste Digital. “Ich könnte wahrscheinlich nicht für jedes Unternehmen arbeiten. Die Vision ist mir schon sehr wichtig und ich muss mich mit Vision und Produkt identifizieren können”. 

Viktoria Donauer © brutkasten/Erste Bank
Viktoria Donauer © brutkasten/Erste Bank

“Gen Z ist sehr ehrgeizig”

Dass Sinn und Work-Life-Balance im Vordergrund stehen, bedeutet nicht, dass junge Menschen Leistung scheuen. “Ich bin nicht extrem Karriere-driven, aber ich will etwas leisten, ich will weiterkommen und neue Dinge lernen”, sagt Donauer. “Ich glaube, dass die Gen Z sehr ehrgeizig ist, wenn einem das Thema Spaß macht”. Auch für Szecsenyi ist ein hoher Workload kein Problem, solange es gewisse Freiheiten bei der Einteilung der Aufgaben gibt: “Ein monotoner, fremdbestimmter Job wäre für mich sehr demotivierend. Ich arbeite in der Entwicklung und kann mir aussuchen, welches Ticket ich als nächstes angehe”, sagt der Softwareentwickler. 

Interne Mobilität für mehr Erfahrung

Zu diesen Freiheiten gehört auch eine gewisse Abwechslung in den Aufgaben, die mitunter auch einmal einen Wechsel in eine andere Abteilung, Rolle oder gar ein anderes Unternehmen bedeuten kann. “Das Thema interne Mobilität ist in den letzten Jahren sehr wichtig geworden. Die Gen Z bleibt im Schnitt zwei Jahre in einer Rolle. Bei den Generationen davor waren es noch sechs Jahre oder sogar zehn. Auch mit dieser Flexibilität müssen sich Unternehmen auseinandersetzen. Dieser interne Turnover ist auch sehr befruchtend und bringt nicht nur für Mitarbeiter:innen viel Erfahrung in kurzer Zeit, sondern auch dem Unternehmen etwas”, sagt Dorfinger. Die Erste Bank begleitet Mitarbeiter:innen dabei mit einem breiten Angebot an Kursen und Trainings, das auch gerne angenommen wird: “Mich interessieren viele Bereiche. Ich bin Frontend Entwickler, würde aber auch gerne einmal Product Owner probieren oder andere Bereiche der Applikation. In der Erste Bank gibt es viele Trainings und Kurse, die man mit einem Klick buchen kann”, sagt Szecsenyi. 

Manuel Szecsenyi © brutkasten Media
Manuel Szecsenyi © brutkasten/Erste Bank

Für Unternehmen sei diese gesteigerte Mobilität von Arbeitskräften auch eine Herausforderung. Wichtig sind aus Sicht von Dorfinger einerseits ein Fokus auf die strategische Nachfolgeplanung für wichtige Positionen: wen im Unternehmen kann ich rasch in die Richtung einer wichtigen Position weiterentwickeln, wenn es Abgänge gibt? Zudem sollte man mit Retention-Programmen daran arbeiten, Menschen mit den richtigen Skills möglichst lange zu halten. “Das wichtigste ist der Dialog mit den Leuten und sie regelmäßig zu fragen, wie es ihnen geht und was sie brauchen. Ich glaube, dass Unternehmen, die einmal im Jahr ein Mitarbeitergespräch führen, keine Zukunft haben. Dieser Dialog muss viel häufiger stattfinden”, so Dorfinger.


Den Talk als Podcast anhören: 


“Leadership hat sich massiv geändert”

New Work ist flexibler und weniger Orts- und zeitgebunden – dafür braucht es auch im Leadership neue Ansätze, erklärt der Experte. “Leadership hat sich massiv geändert. Vor fünf Jahren war man es noch gewohnt, seine Mitarbeiter:innen täglich zu sehen und meistens genau zu wissen bzw. zu sehen, was sie tun. Das ist ein großer Unterschied zu einer Situation, in der man Mitarbeiter:innen vielleicht nur noch einmal pro Woche oder nur noch virtuell sieht. Man muss viel mehr vertrauen und viel mehr passieren lassen. Dafür braucht es viel Training – wir haben ein sehr großes Portfolio an Weiterbildungsmaßnahmen. Führungskräfte müssen das Mindset lernen, dass man nicht täglich alles im Griff haben und kontrollieren muss”, sagt Dorfinger und Szecsenyi und Donauer stimmen zu: “Vertrauen ist für mich ein sehr wichtiger Faktor. Besonders wichtig ist mit auch die Wertschätzung, wenn ein Projekt abgeschlossen ist”, sagt Donauer. 

Dorfinger ist überzeugt, dass auch mittelständische Unternehmen mit individuellen Maßnahmen rasch am neuen Arbeitsmarkt punkten können, ohne die Organisation zu überfordern. “Flexible Arbeitszeiten, Homeoffice und eine bunte Arbeitswelt – also auch einmal andere Dinge ausprobieren zu können – diese Mischung macht es aus”, sagt er abschließend. 

Christian Dorfinger und Viktoria Donauer © brutkasten Media
Christian Dorfinger und Viktoria Donauer © brutkasten/Erste Bank
Deine ungelesenen Artikel:
29.07.2026

75.000 neue Jobs: Was Europas Sicherheitsinvestitionen für Österreich bedeuten

Eine Studie von EY und DekaBank beziffert die jährliche Produktionswirkung sicherheitsrelevanter Infrastruktur auf 822 Mrd. Euro europaweit. Für Österreich ergibt sich daraus ein Investitionsbedarf von 7,5 Mrd. Euro pro Jahr.
/artikel/75-000-neue-jobs-was-europas-sicherheitsinvestitionen-fuer-oesterreich-bedeuten
29.07.2026

75.000 neue Jobs: Was Europas Sicherheitsinvestitionen für Österreich bedeuten

Eine Studie von EY und DekaBank beziffert die jährliche Produktionswirkung sicherheitsrelevanter Infrastruktur auf 822 Mrd. Euro europaweit. Für Österreich ergibt sich daraus ein Investitionsbedarf von 7,5 Mrd. Euro pro Jahr.
/artikel/75-000-neue-jobs-was-europas-sicherheitsinvestitionen-fuer-oesterreich-bedeuten
Bild: KI-generiert / Google Gemini

Die europäischen NATO-Länder werden ihre Verteidigungsausgaben in den kommenden zehn Jahren massiv erhöhen. Neben den direkten Verteidigungsausgaben, die auf 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen sollen, sind weitere 1,5 Prozent des BIP für sicherheitsrelevante Investitionen vorgesehen: etwa für die Anpassung der Verkehrsinfrastruktur, für den Bevölkerungsschutz oder für Cyber- und Netzwerksicherheit. Europaweit entspricht das jährlich rund 320 Mrd. Euro.

Auch für Österreich als Nicht-NATO-Staat hat das Folgen. Legt man das 1,5-Prozent-Ziel als Referenzmaßstab zugrunde, ergibt sich ein potenzieller jährlicher Investitionsbedarf von rund 7,5 Mrd. Euro. Das geht aus der Studie „Verteidigungsrelevante Infrastruktur als Rückgrat souveräner Sicherheitsvorsorge“ von EY und der deutschen DekaBank hervor.

Jeder Euro löst 2,45 Euro aus

Die Investitionen stoßen laut Studie in den europäischen NATO-Ländern eine Produktion von insgesamt 822 Mrd. Euro pro Jahr an, 17 Mrd. Euro davon entfallen auf Österreich. Jeder investierte Euro führt demnach zu einem gesamtwirtschaftlichen Impuls von etwa 2,45 Euro. Profitieren dürften vor allem Bauunternehmen, Informations- und Kommunikationsunternehmen, Logistikfirmen sowie die Elektronik- und Elektrotechnikbranche.

Dazu kommen die Beschäftigungseffekte: Sofern die Infrastrukturinvestitionen wie vorgesehen zu ohnehin geplanten Projekten erfolgen, entstehen europaweit 4,4 Millionen Arbeitsplätze. Knapp 1,8 Millionen davon direkt in der Infrastrukturindustrie, ähnlich viele bei Zulieferern. In Österreich wären es rund 75.000 Jobs.

„Investitionen in Infrastruktur, von Mobilität über Energie bis zu Häfen, Flughäfen, Schutzräumen und Cyber-Sicherheit, bilden das Rückgrat militärischer Fähigkeiten“, sagt Axel Preiss, Partner bei EY Österreich und Defence Leader Europe. Die Effekte gingen über den Rüstungssektor hinaus: Solche Investitionen könnten die Konjunktur stärker ankurbeln als Rüstungsinvestitionen im engeren Sinn und bieten zugleich die Chance auf eine Modernisierung von Logistik, Verkehr und Energie.

Investitionsstau und knappe Kassen

Der Bedarf trifft allerdings auf strukturelle Engpässe. In Österreich wie in ganz Europa besteht bereits heute ein hoher Investitionsstau, die zugesagten Mittel müssten zusätzlich und möglichst kurzfristig aufgebracht werden.

Für Matthias Danne, stellvertretender Vorsitzender des Vorstands der DekaBank, führt daran kein Weg vorbei: „Der Staat wird die hohen Kosten der militärischen Infrastrukturinvestitionen nicht allein schultern können, ohne privates Kapital ist eine ausreichende Resilienz nicht erreichbar.“ Er verweist auf ÖPP-Modelle, die bei deutschen Behörden unbeliebt, international aber etabliert seien. Besonders bei Dual-Use-fähiger Infrastruktur in den Bereichen Energie, Netze, Logistik und Kommunikation ermögliche privates Kapital eine zügigere Skalierung. Auch in Österreich werde verstärkt diskutiert, wie sich privates Kapital für öffentliche Zukunftsprojekte mobilisieren lässt, ergänzt Preiss.

Als weitere Hürden nennt der EY-Partner lange Vorlaufzeiten, komplexe Genehmigungsverfahren und begrenzte kurzfristige Skalierbarkeit. Nötig seien daher beschleunigte Genehmigungen, eine koordinierte zivil-militärische Planung und eine stärkere europäische Abstimmung bei grenzüberschreitender Infrastruktur.

Was das für die heimische Szene bedeutet

Für Österreichs Technologieunternehmen trifft der erwartete Investitionsschub auf ein Feld, das sich gerade erst öffnet. Reine DefenseTech-Startups gibt es hierzulande kaum, die meisten agieren im Dual-Use-Bereich, also mit Produkten, die sich zivil wie militärisch einsetzen lassen. Genau dort setzt auch die Studie an, wenn sie Dual-Use-fähige Infrastruktur in Energie, Netzen, Logistik und Kommunikation als bevorzugtes Feld für privates Kapital nennt. Bewegung kommt zusätzlich von politischer Seite: Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer hat angekündigt, gesetzliche Hürden für die heimische Rüstungs- und DefenseTech-Branche abzubauen, unter der Bedingung, dass die Neutralität gewahrt bleibt.

Erste Finanzierungsrunden zeigen, dass das Thema auch bei Investor:innen ankommt. Das 2025 gegründete Grazer Startup GuardAero, dessen Systeme Drohnenbedrohungen an Militärfahrzeugen autonom erkennen und neutralisieren, holte sich zuletzt ein Seed-Investment im niedrigen Millionenbereich von Angels United und der Beteiligungsgesellschaft von Bernhard Klemen. Zuvor hatte das Team die „Austrian Defence Innovation Garage 2025“ gewonnen und kooperiert bei Entwicklungstests mit dem Bundesheer. Ob die von EY skizzierten Milliarden tatsächlich auch bei heimischen Startups landen, wird weniger von den Zusagen abhängen als von Genehmigungsverfahren, Vergabepraxis und der Frage, wie schnell Österreich seinen eigenen regulatorischen Rahmen nachschärft.

Toll dass du so interessiert bist!
Hinterlasse uns bitte ein Feedback über den Button am linken Bildschirmrand.
Und klicke hier um die ganze Welt von der brutkasten zu entdecken.

brutkasten Newsletter

Aktuelle Nachrichten zu Startups, den neuesten Innovationen und politischen Entscheidungen zur Digitalisierung direkt in dein Postfach. Wähle aus unserer breiten Palette an Newslettern den passenden für dich.

Montag, Mittwoch und Freitag

AI Summaries

Realitätscheck: Wie Unternehmen auf die neue Arbeitswelt reagieren können

AI Kontextualisierung

Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Realitätscheck: Wie Unternehmen auf die neue Arbeitswelt reagieren können

AI Kontextualisierung

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Realitätscheck: Wie Unternehmen auf die neue Arbeitswelt reagieren können

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Innovationsmanager:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Realitätscheck: Wie Unternehmen auf die neue Arbeitswelt reagieren können

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Investor:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Realitätscheck: Wie Unternehmen auf die neue Arbeitswelt reagieren können

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Politiker:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Realitätscheck: Wie Unternehmen auf die neue Arbeitswelt reagieren können

AI Kontextualisierung

Was könnte das Bigger Picture von den Inhalten dieses Artikels sein?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Realitätscheck: Wie Unternehmen auf die neue Arbeitswelt reagieren können

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Personen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Realitätscheck: Wie Unternehmen auf die neue Arbeitswelt reagieren können

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Organisationen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Realitätscheck: Wie Unternehmen auf die neue Arbeitswelt reagieren können