29.01.2020

Millionen-Exit: Tiroler Startup RateBoard wird Teil der Zucchetti Group

Das Tiroler TourismTech-Startup RateBoard geht zur Gänze an die italienische Zucchetti Group. Der Kaufpreis wurde nicht genannt, dürfte aber im achtstelligen Euro-Bereich liegen.
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v.l.n.r.: Die beiden Gründer der RateBoard GmbH: Matthias Trenkwalder und Simon Falkensteiner Copyright: fotovm.at/Victor Malyshev

Das Innsbrucker Startup RateBoard ist mit seiner Hotel Revenue Management Software in den Fokus des italienischen Softwarehauses Zucchetti Group gerückt und hat kurz darauf ein attraktives Übernahmeangebot erhalten. RateBoard wurde vor nicht einmal fünf Jahren gegründet. Der Kaufpreis wird nicht kommuniziert. Aufgrund der geschätzten Bewertung bei der letzten Finanzierungsrunde im Sommer 2018, bei der für einen siebenstelligen Betrag ein zweistelliger Prozentsatz der Anteile abgegeben wurde, und der Entwicklung seitdem (siehe unten) kann aber von einem achtstelligen Betrag ausgegangen werden.

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Die Investoren aws Gründerfonds, Falkensteiner Ventures und Next-Floor Ventures sowie die Gründer Simon Falkensteiner und Matthias Trenkwalder übertragen ihre Anteile im Zuge des Verkaufs zur Gänze an Zucchetti. Zucchetti und RateBoard haben sich der Öffentlichkeit zum ersten Mal als Teil derselben Gruppe auf dem Hotel Revenue Forum, das am 23. Januar 2020 in Mailand stattfand, vorgestellt.

„Wir sind für die letzten fünf Jahre sehr dankbar. In dieser bewegten Zeit durften wir mit einem herausragenden Team zusammenarbeiten, Unternehmen mit Weitblick zu unseren Partnern zählen und das Vertrauen vieler Kunden genießen“, heißt es von den beiden RateBoard-Gründern, Simon Falkensteiner und Matthias Trenkwalder: „Nur dadurch war es uns möglich zu wachsen und RateBoard als führendes Revenue Management System in Mitteleuropa zu etablieren. Nun freuen wir uns, mit der Zucchetti Gruppe den idealen Partner gefunden zu haben, um gemeinsam noch weiter zu expandieren und in den kommenden Jahren tausende Hotels von unserer Lösung zu überzeugen.“

RateBoard bleibt in Österreich

Der italienische IT-Marktführer Zucchetti integriert die Software von RateBoard in deren Produktportfolio und baut den Bereich „Hospitality and Retail“ damit weiter aus. Die Gründer Simon Falkensteiner und Matthias Trenkwalder sowie die 20 Mitarbeiter des Unternehmens bleiben weiterhin an den beiden österreichischen Standorten in Innsbruck und Wien beschäftigt.

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„RateBoard hat eine sehr innovative Lösung entwickelt, die dem Management von Hotels und Hotelketten echte Vorteile bringt. Aus diesem Grund hatten wir bereits einen Handelsvertrag für den Vertrieb ihrer Dienstleistungen unterzeichnet, der den besten Tarif empfiehlt“, sagt Angelo Guaragni, Direktor von Zucchetti Horeca: „Diese Übernahme ermöglicht es uns, diese Synergie weiter zu verstärken und zu optimieren und unseren Kunden eine integrierte Lösung mit den anderen Komponenten unseres Angebots für die Welt der Gastfreundschaft anzubieten.“

„Zucchetti, ein bewährter italienischer Marktführer im Horeca-Bereich (Anm.: Hotel/Restaurant/Café), kann durch die Übernahme einer international bekannten Marke wie RateBoard auch weltweit schneller wachsen“, sagt Enrico Itri, COO von Zucchetti International: „In unserer Strategie für 2020 wollen wir den weltweiten Horeca-Markt nicht nur für ERP- und HR-Anwendungen verbessern, sondern auch für spezifische Lösungen für vertikale Märkte wie Hotellerie.“

aws Gründerfonds, Falkensteiner Ventures und Next-Floor Ventures als Investoren

Erst 2018 erhielt RateBoard ein Investment von aws Gründerfonds, Falkensteiner Ventures und Next-Floor Ventures zur Umsetzung der Wachstumspläne. Mit dem Investment wurde die Expansion im DACH-Raum und in Italien weiter vorangetrieben und die technologische Weiterentwicklung der Plattform mit zusätzlichen intelligenten Features umgesetzt. Seither sind die Nutzerzahlen auf das Sechsfache angewachsen und es wurde ein monatliches zweistelliges Umsatzwachstum erwirtschaftet. Unter anderem wurde RateBoard von TIC (Travel Industry Club) und VIR (Verband Internet Reisevertrieb) im November 2019 unter die Top drei der erfolgreichsten Travel Startups in der DACH-Region gewählt.

Kunzmann: „Wegbegleiter auf Zeit“

„RateBoard hat sich erstaunlich schnell in den Sweetspot eines internationalen Strategen hineinentwickelt. Es ist eine gute Chance für die Gründer, das Unternehmen nachhaltig auf Wachstumskurs zu führen und nun noch schneller zu skalieren. Als VC ist unsere Rolle immer ‚Wegbegleiter auf Zeit‘ und wir sind stolz auf den in so kurzer Zeit durch Simon Falkensteiner und Matthias Trenkwalder realisierten Exiterfolg“, sagt Ralf Kunzmann, Geschäftsführer aws Gründerfonds, über den Exit: „Aktives Beteiligungsmanagement spielt dabei für uns eine wichtige Rolle. Bernhard Ungerböck hat als zuständiger Investment Manager gemeinsam mit den beiden Gründern wesentliche Eckpfeiler des schnell und stark wachsenden Startups mitgestaltet und Entwicklungsimpulse ins Unternehmen getragen. Wir sind davon überzeugt, dass die beiden Gründer auch weiterhin einen so steilen Erfolgsweg vor sich haben und sind schon gespannt auf die weitere Entwicklung.“

„Das Thema Revenue Management ist ein unglaublich spannender Bereich für die Hotellerie. Ein Bereich, der nicht nur derzeit relevant für jeden Hotelier ist, sondern auch immenses Zukunftspotenzial hat. Daher war für mich von Anfang an klar, dass ich dieses Thema unterstützen möchte“, ergänzt Erich Falkensteiner, Geschäftsführer Falkensteiner Ventures: „Auch beim Verkauf, war es mir wichtig, den richtigen Partner für RateBoard zu finden. Daher freue ich mich auch, dass RateBoard mit Zucchetti einen so starken und passenden Exitpartner gefunden hat. Ich bin mir sicher, dass RateBoard gemeinsam mit Zucchetti eine erfolgreiche Zukunft bevorsteht.“

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Teamfoto Klartext AI | (c) Leandra Schurz Photography

Elektronikprodukte enthalten wertvolle Rohstoffe, werden aber häufig so entwickelt, dass sie sich nicht einfach reparieren, wiederverwenden oder recyceln lassen. Das Wiener Startup Klartext AI will mit Künstlicher Intelligenz dazu beitragen, das zu ändern. Das 2025 gegründete Unternehmen entwickelt KI-Lösungen für unterschiedliche Anwendungsbereiche, darunter doclarity, ein Tool zur Erstellung barrierefreier PDF-Dokumente. Im Rahmen des Eureka-Forschungsprojekts „ManageR“ entwickelt es einen KI-Assistenten, der Elektronikhersteller bei Entscheidungen zur Kreislaufwirtschaft unterstützen soll. Dafür erhält Klartext AI eine Förderung von rund 250.000 Euro von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG).

Das Projekt startete am 1. Oktober 2026 und läuft über drei Jahre. Klartext AI ist dabei für die KI-Technologie zuständig und entwickelt den sogenannten ‚ManageR Copilot‘. Dieser soll Informationen über Produkte, Materialien und gesetzliche Vorgaben zusammenführen und daraus Handlungsempfehlungen ableiten.

KI soll Reparatur und Wiederverwendung bewerten

Im Mittelpunkt von ManageR steht ein digitales Bewertungs- und Optimierungstool. Dieses soll Unternehmen dabei helfen, für einzelne Produkte und Komponenten geeignete Kreislaufstrategien zu finden. Dabei geht es beispielsweise um die Frage, ob Bauteile repariert, wiederverwendet, aufbereitet oder recycelt werden sollten. Die Software soll in unterschiedlichen Phasen des Produktlebenszyklus zum Einsatz kommen – etwa bei der Entwicklung oder im Einkauf. Je nach Lebenszyklusphase soll das System unterschiedliche Handlungsmöglichkeiten aufzeigen. Neben ökologischen Faktoren soll dabei auch die Wirtschaftlichkeit berücksichtigt werden.

Eine Herausforderung ist dabei die Vielzahl an benötigten Informationen. Dazu zählen etwa Produktstücklisten, Materialdaten, regulatorische Anforderungen und branchenspezifisches Fachwissen. Diese Informationen sind häufig auf unterschiedliche Systeme und Abteilungen verteilt oder liegen bei einzelnen Experten. Das Wiener Startup entwickelt deshalb ein KI-Agentensystem samt Benutzeroberfläche, das die Daten verknüpfen soll. Ein besonderer Schwerpunkt liegt laut Anna Poledna, Business Development bei Klartext AI, auf der Nachvollziehbarkeit: Nutzer sollen erkennen können, auf welchen Informationen und Quellen die Vorschläge beruhen. Technologisch setzt das Startup dafür unter anderem auf Wissensgraphen und Multi-Agenten-Systeme.

Eine Rolle bei der Entstehung des Projekts spielten laut Poledna auch neue EU-Vorgaben. Die Ökodesign-Verordnung (ESPR) soll unter anderem die Langlebigkeit und Reparierbarkeit von Produkten verbessern. Der Digitale Produktpass soll künftig Informationen zu Materialien, Reparaturmöglichkeiten und Umweltauswirkungen verfügbar machen.

Zusammenarbeit mit Fraunhofer und Industrieunternehmen

An ManageR sind neben Klartext AI das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA), die Universität Stuttgart sowie die deutschen Unternehmen ifm und Ansmann beteiligt. Fraunhofer koordiniert das Projekt und entwickelt unter anderem ein Bewertungsmodell, während die Universität Stuttgart ihre Expertise in der Ökobilanzierung einbringt. Die beiden Industrieunternehmen stellen ein 3D-Kamerasystem und ein Ladegerät zur Verfügung, an denen die Technologie getestet werden soll.

„Für uns ist es großartig, dass wir unsere KI-Forschung direkt in die Anwendung bringen können. In ManageR entwickeln wir gemeinsam mit führenden Forschungseinrichtungen neue Methoden und testen sie gleichzeitig an echten Industrieprodukten“, sagt Poledna.

Nach Abschluss des Forschungsprojekts im September 2029 soll die Technologie laut Poledna kommerziell angeboten werden. Geplant ist, sie künftig auch für weitere Elektronikprodukte einzusetzen. Wie breit das System anwendbar sein wird, hängt insbesondere von der Verfügbarkeit entsprechender Daten ab.

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