15.07.2019

Rabcat: 18 Jahre Gaming und Gambling mit den Big Playern der Spielebranche

Den Grafikdienstleister für Videospielproduktionen Rabcat gibt es mittlerweile seit 18 Jahren. Gründer Thomas Schleischitz feierte bereits 1999 und 2001 mit dem Gaming-Klassiker "Die Völker" und dessen Fortsetzung bemerkenswerte Erfolge. Im Interview spricht der Entrepreneur über das zweite Geschäftsmodell seiner Firma, die schwierigen Anfänge mit leeren Auftragsbüchern und wie man Giganten der Branche, wie Blizzard, Rockstar oder Microsoft, als Kunden gewinnen konnte.
/artikel/rabcat-18-jahre-gaming
Rabcat, Thomas Schleischitz, Gaming, Microsoft, Ubisoft, Blizzard, Rockstar Games, Gambiln, win2day, Lotterien
(c) Rabcat - Rabcat-CEO Thomas Schleischitz zum Thema Qualität: "Gerade junge Gründer neigen dazu sich in die eigene Tasche zu lügen, bloß um diesen einen Auftrag zu ergattern".

Rabcat hat zwei Standbeine: Dazu zählt Game Art, eine Highend-Grafikdienstleistung für AAA-Videospielproduktionen und Gambling, sowie die Produktion und der internationale Vertrieb von Online-Casino-Spielen auf Basis von „Revenue Share Deals“. Wie kam es zur Idee Rabcat zu gründen?

Begonnen hat alles sehr klassisch in der Garage meines Elternhauses. Wir begannen 1996 hochmotiviert, jedoch absolut unerfahren, ein Videospiel zu entwickeln. Kurz bevor wir alles hinschmeißen wollten, um uns „richtige Arbeit“ zu suchen, kam die erlösende Zusage von „Neo Software“ (später Rockstar Vienna). Wir hatten also endlich unseren ersten Deal. Gemeinsam mit JoWooD als Publisher entstanden daraus zwei erfolgreiche Videospiele: „Die Völker“(1999) und die „Die Völker 2“ (2001).

Wie ging es nach dem Erfolg dann weiter?

Zwei Vollpreistitel in so kurzer Zeit zu „releasen“ war eine sehr wertvolle, aber auch extrem fordernde Erfahrung mit Übernachtungen im Büro. 16-Stunden-Tage und „weekend-crunches“ waren irgendwann der Standard. Aus dieser Historie heraus und aufgrund der sich damals klar abzeichnenden Tendenz, dass Videospielproduktionen stetig aufwändiger wurden, entwickelten Arnold Blüml und ich die Idee, einen Grafikdienstleister für Videospielproduktionen zu gründen.

+++ Software und Gaming sind Zugpferde der heimischen Kreativwirtschaft +++

Und Rabcat war geboren. Was bedeutet der Name eigentlich?

Einige Teammitglieder des „Die Völker 2“-Gründungsteams hatten ebenfalls Lust auf etwas Neues und schlossen sich uns an. Da standen wir nun da, ein sechsköpfiges Gründungsteam, das mit den Anfangsbuchstaben der Vornamen den Firmenwortlaut Rabcat kreierte.

Alle noch an Bord?

Ein gut gemeinter Rat an alle Leser, die ebenfalls mit dem Gedanken spielen, ein Unternehmen zu gründen: Macht nicht denselben Fehler wie wir. Gründet höchstens allein, zu zweit oder zu dritt, denn zu viele Köche verderben den Brei. Und nicht jeder eignet sich als Unternehmer. Den ersten Gesellschafter verloren wir bereits nach ein paar Wochen. 2004 waren es noch drei und gegen Ende 2005 war nur noch das „T“ von Rabcat übrig. Es war Zeit den Reset-Knopf zu betätigen. Gemeinsam mit drei neuen Gesellschaftern – Gerhard Seiler, Hannes Seifert und Harald Riegler – erfolgte eine Neugründung. Ich übernahm die operative Geschäftsführung und wir starteten neu durch.

Ihr arbeitet jetzt mit den Big Playern der Branche zusammen. Wie schnappt man sich solche Giganten wie Microsoft, Blizzard, Ubisoft oder Rockstar? Besonders in einem stark umkämpften Markt.

Aller Anfang ist schwer, das war im Falle von Rabcat nicht anders. Mit einem Bankkredit, der wie ein Damoklesschwert über den Gründern schwebte und der Tatsache, dass die Auftragsbücher anfangs gähnend leer waren, blieb nur die Flucht nach vorn. Mangels ausreichend potentieller Kunden im eigenen Land waren wir dazu gezwungen, in den Flieger zu steigen und auf möglichst allen relevanten Messen präsent zu sein (zum Beispiel GDC, E3, GC). Nach und nach baute sich ein Netzwerk auf und das Geschäft lief an. Der Weg zur ersten Umsatzmillion war nicht leicht, aber von da an war uns klar, dass im Unternehmen eine Menge Potential steckt.

Wo lagen damals für euch die größten Hürden?

Der Markt war und ist extrem kompetitiv. Man konkurriert nicht mit lokalen Anbietern von nebenan, die denselben Rahmenbedingungen wie man selbst unterliegen, sondern mit unzähligen internationalen Produzenten, die schon allein durch ihren Standort enorme Vorteile ausspielen können – und das auch tun. Ein Umstand, der uns sehr geholfen hat, den Konkurrenten aus Billiglohnländern die Stirn zu bieten und uns letztendlich am Markt zu etablieren, war unsere Begeisterung für kompromisslose Qualität.

+++ Mehr spannende Gaming-Themen in unserem eSports-Channel +++

Was bedeutet das genau?

Zahlreiche Projekte, an denen wir mitwirken durften, landeten oft nur deshalb auf unserem Tisch, weil die Resultate, die davor von anderen Grafikdienstleistern aus Indien, Vietnam oder China erzielt wurden, nicht im Einklang mit den Erwartungshaltungen der auftraggebenden Developern oder Publishern standen.

Und wann kam der erste große Durchbruch?

Unseren ersten Großkunden zogen wir 2004 an Land. „Atari Frankreich“ beauftragte uns mit der originalgetreuen Umsetzung von mehr als 100 Fahrzeugen für das Racing Franchise „Test Drive Unlimited“. Um dem Leser die Größenordnung aus Sicht unseres damals Zehn-Mann-Teams näherzubringen: Pro Fahrzeug waren etwa zwei bis drei Mitarbeiter für ein Monat beschäftigt. Die Auftragsbücher waren also langfristig voll. Darauf folgten unzählige weitere prestigeträchtige Projekte und Kunden wie beispielsweise Rockstars „GTA Vice City“, Microsofts „Forza Serie“, Blizzards „Overwatch“, Ubisofts „The Crew“ oder aktuell Epics „Fortnite“.

Rabcat, Thomas Schleischitz, Gaming, Microsoft, Ubisoft, Blizzard, Rockstar Games, Gambiln, win2day, Lotterien, Fortnite, Forza, Overwatch
(c) Rabcat – 3D-Modell eines Spielcharakters des beliebten Shooters von Epic Games „Fortnite“.

Wie funktioniert eigentlich der „Art-Support“ für Videogames?

Vereinfacht gesagt, der Kunde tritt an uns heran und teilt uns seinen Bedarf an „Art-Content“ mit. Das kann in sehr konkreter Form passieren, beispielsweise ein „Briefing Package“, das keine Fragen unbeantwortet lässt; sei es technischer, inhaltlicher oder künstlerischer Natur, gepaart mit einem Produktionsplan und einer detaillierten Aufwandsschätzung. Große Player haben meist mehr Erfahrung mit dem Outsourcing solcher Dienstleistungen.

Und die kleinen Studios?

In solchen Fällen ist es nicht selten der Fall, dass wir sowohl bei der Definition der technischen Produktionspipeline, als auch beim Festlegen des Art-Styles mitwirken dürfen. Beide Szenarien sind für unser Team hochinteressant und bieten jeweils andere spannende Herausforderungen und Entfaltungsmöglichkeiten. In der Realität des Tagesgeschäfts gibt es klarerweise Anfragen in den unterschiedlichsten Facetten.

Um was für Aufträge handelt es sich da konkret?

Ebenso unterschiedlich wie Briefings sein können, variieren auch die angefragten Auftragsvolumen. Von Kleinaufträgen, wie der Erstellung eines App-Icons, über Projekte, die den Einsatz etlicher Monate und unterschiedlichster Asset-Kategorien erfordern. Dazu zählen“characters“, „environment/levels“, „vehicles“, „weapon“ oder „props“. Es kann auch so weit gehen, dass gewisse Aufträge, eine Buchung des gesamten Studios über ein Jahr hinweg und mehr vorsehen. Dies tritt dann ein wenn die gesamte Spielewelt modelliert und texturiert werden soll.

Wie kam es mit „Online Gambling“ zum zweiten Standbein?

Bedingt durch die Wirtschaftskrise, die Ende 2008 auch nach Europa überschwappte, mussten wir feststellen, wie verletzlich unser kleines Unternehmen ist. Einige unserer Kunden meldeten Insolvenz an, Zahlungsausfälle waren die Folge. Diese Phase hat uns zwar nicht umgebracht, jedoch unmissverständlich vor Augen geführt, dass wir uns breiter aufstellen müssen. Das Resultat war ein zweites Standbein, das nicht nur auf einen anderen Markt abzielte, sondern auch auf einem gänzlich anderen Geschäftsmodell basierte. Konkret: „browser-based online-video-slots“, die via „Revenue Share Deals“ international vertrieben werden.

+++ Wiener Startup Hero berät Malta bei neuer Gambling-Lizenz +++

Zum Beispiel wie auf win2day.at. Wie kam es zum Einstieg der Österreichischen Lotterien bei Rabcat?

Wir haben bereits in frühen Gründungsjahren begonnen Spielkonzepte und Unterhaltungssoftware für diesen Kunden zu entwickeln. 2009 begannen die Österreichischen Lotterien Notiz von unseren Bemühungen zu nehmen, selbst Fuß am Online-Glücksspielmarkt zu fassen. Es kam zu ersten Strategiegesprächen, bei denen sich rasch herausstellte, dass die jeweiligen Zielsetzungen ein „perfect match“ ergaben. Einige Monate später, nach erfolgter Due Diligence und dem Signing, kam es Mitte 2010 zum Exit meiner damaligen Mitgesellschafter und zum Einstieg der Österreichischen Lotterien als Mehrheitseigentümer. Ich selbst blieb als geschäftsführender Gesellschafter an Bord.

Rabcat, Thomas Schleischitz, Gaming, Microsoft, Ubisoft, Blizzard, Rockstar Games, Gambiln, win2day, Lotterien, Fortnite, Forza, Overwatch
(c) Rabcat – Auch Microsoft mit seiner Motorsport-Spieleserie Forza Horizon konnte von Rabcat als Kunde gewonnen werden.

Wie genau funktioniert das Geschäftsmodell eures zweiten Standbeins?

Dieses gliedert sich in drei Kernbereiche. Der erste Teil umfasst die Kreation des Großteils des auf win2day verfügbaren „Online Gambling“-Spieleangebots. Der zweite Teil beinhaltet die Kreation von innovativen Eigenproduktionen. Der dritte Teil beschäftigt sich hingegen mit dem internationalen Vertrieb beider zuvor erwähnten Produktkategorien. Der Vertrieb in regulierten Märkten erfolgt über eines der weltgrößten B2B-Casino-Operator-Netzwerke, welches von Microgaming betrieben wird.

Mit eurer Erfahrung in beiden Bereichen: Wie haben sich eigentlich die Anforderungen im Gambling und vor allem bei Videogaming seit euren Anfängen verändert?

Wir mischen erst seit 2013 aktiv am internationalen „Online-Gambling-Markt“ mit, dennoch nehmen wir ein deutliches Anziehen der Anforderungen und eine Veränderung des Marktes wahr. Zum einem nimmt die Regulierung der Märkte sowohl hinsichtlich Komplexität, als auch Anzahl der Territorien zu. Spielehersteller benötigen die entsprechenden Lizenzen und Zertifizierungen, um in den bestehenden und neu hinzukommenden Jurisdiktionen anbieten zu dürfen. Eine positive Entwicklung, da sie für mehr Kontrolle, Transparenz und Fairness für alle Beteiligten sorgt.

Ist es beim Spielverhalten ähnlich?

Das Spielerverhalten ändert sich durch eine Vielzahl an Faktoren. Attraktive Märkte sorgen für die entsprechende Konkurrenz. Jährlich betreten mehr Spieleentwickler den Markt, um sich ein Stück des Kuchens zu sichern. Casino-Operatoren bieten mittlerweile 1000 und mehr Video-Slots je Casino-Portal an. Wir haben es somit mit einer ähnlichen Sättigung zu tun, wie man sie von diversen App-Stores kennt. Auch der Anspruch des Endkonsumenten an das Produkt und an das Spielerlebnis steigt merklich an. Die nachrückenden Generationen fordern Qualität ein, ein Umstand, der sich auch in den Produktionskosten niederschlägt. Will man heutzutage online international vertreiben und die erforderliche Marktpenetration erreichen, bedeutet das unzählige Devices (cross-platform: phone, tablet, desktop) zu „supporten“ und Spiele in mindestens 26 Sprachen zu übersetzen.

Zurück zu euren Anfängen. Woher kam das Kapital, um Rabcat zu gründen? Bootstrapping oder Fremdfinanzierung?

Bootstrapping kam für uns nicht in Frage, da wir die notwendige Initialzündung nicht mit Eigenmitteln stemmen konnten. Ein Hineinziehen von „Family & Friends“ kam für uns aufgrund des finanziellen Risikos nicht in Frage, daher wurde eine Fremdfinanzierung über unsere Hausbank realisiert. Erfreulicherweise war der „Break-Even“ nach wenigen Jahren erreicht. Ab diesem Zeitpunkt stand das Unternehmen gesund ohne Verbindlichkeiten da, konnte stets positiven Cashflow und wachsende Umsätze generieren. Das war sowohl zu Indie-Zeiten bis 2010, als auch nach dem Einstieg der Österreichischen Lotterien der Fall.

Wie sieht eure Marketingstrategie aus?

Bei „Game Art“ setzen wir ganz bewusst einen Konterpunkt zu unserem digitalen Business, indem wir alle ein bis zwei Jahre ein sehr hochwertig produziertes Hardcover-Printportfolio an unsere Kunden versenden. Es ist etwas, das man anfassen kann und aufgrund der Verarbeitungsqualität auch gerne anfasst. Das Buch ist ein hervorragendes Werkzeug, um dem Betrachter sehr rasch zu vermitteln, wer wir sind, was wir tun und auf welchem Niveau wir das tun.

Rabcat, Thomas Schleischitz, Gaming, Microsoft, Ubisoft, Blizzard, Rockstar Games, Gambiln, win2day, Lotterien, Fortnite, Forza, Overwatch, Castler Builder
(c) Rabcat – Zu einem der erfolgreichsten Eigenkreationen von Rabcat zählt die Video-Slot-Reihe „Castle Builder“.

Und bei „Gambling“?

Im Falle von „Gambling“geht es primär um die Produktstrategie, da viele Marketing-Agenden von unseren B2B-Partnern abgedeckt werden. Bei den Spielen, insbesondere im Falle unserer Eigenproduktionen, versuchen wir sehr bewusst unsere Stärken auszuspielen und gewisse Risiken einzugehen, um Innovation zu ermöglichen. Zu unseren erfolgreichsten Eigenkreationen zählt die „Castle Builder-Reihe“, die sich sehr deutlich von konventionellen Video Slots abhebt, indem sie bewährte Mechaniken von Videogames aufgreift. Progressiver Spielfortschritt, RPG-Elemente, Achievements, oder interaktive Elemente.

+++ Gaming-Startup own3d media GmbH erhält sechsstelliges Investment +++

Wie geht der Weg weiter bei Rabcat?

Im „Online-Casino-Bereich“ wollen wir den Richtungsvektor beibehalten, sprich, verstärkt auf technisch und inhaltlich innovative Produkte setzen. Wir sehen hier großes Potential und interessante Chancen. Sich dem Verdrängungswettbewerb am gesättigten konventionellen „Online Casino Markt“ zu stellen, ist unserer Ansicht nach für kleine Anbieter wie Rabcat nicht ratsam. Wir sind kein Flugzeugträger, der mit schierer Masse dominiert, eher ein Schnellboot, das seine Wendigkeit ausspielen muss, um zu punkten. Parallel zum Hauptgeschäft sehen wir uns derzeit auch andere Terrains an, moderne „land-based cabinets“ etwa stellen mittlerweile eine beeindruckende technische Basis bereit, die uns sehr reizt. Ein anderes spannendes Thema ist sicherlich der Bereich „Social Gambling“ und „free-to-play“.

Und in Sachen Videospiele

Betreffend Grafikdienstleistung für Videogames wollen wir uns vermehrt in Richtung Co-Development entwickeln. Ein erfolgreiches Beispiel hierfür wäre unser Mitwirken an der „Forza Horizon Serie“, wo wir Seite an Seite mit dem“Playground Games-Team“ in Großbritannien, an der Erschaffung der Spielewelt gearbeitet haben.

Gibt es bereits neue Projekte?

Soviel kann ich verraten: parallel zu „Overwatch“ und „Fortnite“, arbeitet „Game Art“ derzeit mit Hochdruck an noch nicht angekündigten Projekten für Supercell, ToysForBob & Riot Games. Und „Gambling“ feiert derzeit den 15. „Game-Release“ und freut sich über den Umstand, mittlerweile in mehr als 350 Online Casinos vertreten zu sein. 2019 peilen wir mit unserem 45-köpfigen Team Umsätze in der Höhe von fünf Millionen Euro an.

+++ Multinationaler Konzern Playtika kauft Grazer Game-Startup Supertreat +++

Als Tipps für andere Gründer: Was sind eure bisherigen Learnings?

Das erste Learning: Richtig verpackt, setzt sich Qualität immer durch, sie darf und muss ihren Preis haben. Das mag anfangs schwierig durchzusetzen sein, aber weicht man davon ab, sägt man an dem Ast, auf dem man sitzt. Gerade junge Gründer neigen dazu sich in die eigene Tasche zu lügen, bloß um diesen einen Auftrag zu ergattern. Das mag in Ausnahmefällen, geht es beispielsweise um strategische Relevanz, legitim sein, aber langfristig pulverisiert das die Substanz des Unternehmens.

Und das zweite Learning?

Das wertvollste Kapital sind die Mitarbeiter. Unser Team ist handverlesen. Wir sind bei Neuzugängen äußerst „picky“. Das müssen wir sein, da wir „Qualität-Freak“ sind. Und wir müssen „Qualität-Freaks“ sein, weil es anders nicht möglich ist am teuren Standort Österreich zu bestehen. Etwa jeder hundertste Bewerber, der sich für eine Stelle in unserer Grafikabteilung bewirbt, hat das Zeug an einem Projekt wie „Overwatch“ mitzuarbeiten, die Luft wird hier also sehr dünn.

War im Nachhinein gesehen Österreich als Gründerland eigentlich die richtige Entscheidung?

Trotz aller bürokratischer Hürden und sonstiger lokaler, „rustikaler“ Besonderheiten überwiegen meines Erachtens die Vorteile. Generell bewegt sich Vieles in die richtige Richtung, Förderstellen verstehen deutlich besser als noch vor zehn oder 20 Jahren, was für angehende Gründer und Startups wirklich Relevanz hat. Insofern war es definitiv die richtige Entscheidung für Rabcat. Und es ist schön für uns zu sehen, dass Arbeitsplätze im Heimatland geschaffen werden und auch die Wertschöpfung hier verortet ist.


⇒ Zur Homepage des Grafikdienstleister

Redaktionstipps
Deine ungelesenen Artikel:
16.07.2026

CEO European Startup Network: „Wir haben Roaming fürs Handy, aber Startups können keine Grenzen überschreiten“

Interview. Clark Parsons, CEO des European Startup Network, über EU Inc., den Wettbewerbsnachteil der europäischen Fragmentierung – und warum gerade Österreich eine Chance verschläft.
/artikel/ceo-european-startup-network-wir-haben-roaming-fuers-handy-aber-startups-koennen-keine-grenzen-ueberschreiten
16.07.2026

CEO European Startup Network: „Wir haben Roaming fürs Handy, aber Startups können keine Grenzen überschreiten“

Interview. Clark Parsons, CEO des European Startup Network, über EU Inc., den Wettbewerbsnachteil der europäischen Fragmentierung – und warum gerade Österreich eine Chance verschläft.
/artikel/ceo-european-startup-network-wir-haben-roaming-fuers-handy-aber-startups-koennen-keine-grenzen-ueberschreiten
Clark Parsons, CEO des European Startup Network | (c) Parsons

Macht es richtig oder macht es gar nicht“ – Mit diesen Worten brachte EU-Inc.-Mitinitiator Andreas Klinger im Vorjahr die Frustration des Startup-Ökosystems auf den Punkt. Begonnen hatte alles im Oktober 2024 mit einer Koalition europäischer Gründer:innen und Investor:innen, deren Petition zehntausende Unterschriften sammelte. Dann kam der Auftritt von Ursula von der Leyen in Davos, im März schließlich der Vorschlag der Kommission – der schon vor seiner Präsentation geleakt wurde und die Szene enttäuschte. In einem offenen Brief warnten EU-INC, Allied for Startups und das European Startup Network vor „27 verschiedenen Geschmacksrichtungen“ der neuen Rechtsform.

In den kommenden Tagen legt das Parlament seinen Bericht vor. Clark Parsons, CEO des European Startup Network, ist seit Beginn Teil dieses Prozesses. Im Interview spricht der ehemalige Gründer und heutige Investor über die 28. Rechtsform, den Widerstand von Gewerkschaften und Notaren – und über eine Chance, die Österreich gerade verschläft.


brutkasten: Warum ist eine EU Inc. so wichtig? Warum konzentriert ihr euch nicht eher auf den Kapitalmarkt oder andere Aspekte?

Der Kapitalmarkt ist die andere Hälfte des Themas, keine Frage. Aber EU Inc. ist aus ein paar Realitäten entstanden. Wir haben in Europa keinen Binnenmarkt für Startups und keinen für Kapital. Wenn Sie ein Tech-Unternehmen gründen, haben Sie 27 Mitgliedstaaten und rund 60 verschiedene Rechtsformen. In Wien mag es genügend Investoren im Ökosystem geben. Aber sind Sie in Bukarest oder Athen, gibt es sehr wenig Kapital. Viele europäische Gründerinnen und Gründer gründen deshalb nie in ihrem Heimatland – manchmal in Estland, manchmal in London, meistens in Delaware. Und die Ironie ist: Selbst Gründer aus Frankreich oder Deutschland gehen nach Delaware.

Warum ausgerechnet Delaware?

Weil es zum De-facto-Standard geworden ist. Jeder kennt es, jeder versteht es, es gibt einen langen Bestand an Rechtsprechung. Wachstumskapital ist in Europa schwer zu bekommen, also gehen Sie früher oder später in die USA – und dort sagen alle Investoren: „Es wäre viel einfacher, wenn du eine Delaware Inc. hättest, in die ich investieren kann, statt deine verrückte GmbH-Struktur verstehen zu müssen.“ Manche amerikanische Investoren kommen nie nach Deutschland, weil sie sich sonst zwei Tage lang beim Notar den Vertrag vorlesen lassen müssten – ein Kabuki-Theater, das außerhalb des deutschsprachigen Raums als verrückt gilt. Also haben Leute wie Andreas Klinger gefragt: Warum schaffen wir nicht etwas, das mit Delaware konkurriert?

Das ist die Idee des 28. Regimes.

Genau. Die Draghi- und die Letta-Berichte haben beide festgestellt: Wir sind nicht wettbewerbsfähig genug, und einer der Hauptgründe ist, dass wir keinen echten Binnenmarkt haben. Wir sind zu fragmentiert, und das schadet uns massiv. Beide griffen eine Idee auf, die Brüssel seit dreißig Jahren das 28. Regime nennt: ein Rechtsrahmen, der europaweit gilt. Sie registrieren einmal, es gibt ein Vehikel, das jeder kennt. Wir haben Roaming fürs Handy, unsere Bürger und Arbeitnehmer überqueren Grenzen problemlos – aber unsere Startups können das nicht. Das ist doch Wahnsinn.

Kritiker sagen, das sei ein Nischenthema. Nur für ein paar reiche Investoren.

Tech ist in Europa in einem Jahrzehnt von vier auf fünfzehn Prozent des BIP gewachsen. Das ist die nächste Ökonomie für Europa. Wenn Sie glauben, wir fallen hinter die USA und China zurück; wenn Sie wollen, dass alte Industrie überlebt, muss sie mit Robotik und KI modernisiert werden. Selbst wenn Ihr Hauptthema der Klimawandel ist: All das lösen Startups und Scaleups. Regierungen lösen das nicht, Gründerinnen und Gründer tun es. Sie schaffen Werte und Arbeitsplätze. Wenn Sie also nicht dafür arbeiten, dass man in Europa gründen und wachsen kann, dann beschweren Sie sich später nicht, dass Ihre Kinder keine Jobs haben. Das ist kein Nischenthema – es ist die Quelle, aus der alles fließt.

Und woran würde man messen, ob EU Inc. funktioniert?

An ziemlich einfachen KPIs. Wie viele EU Incs werden gegründet? Setzen unsere Gründer künftig eine EU Inc. auf statt einer deutschen GmbH oder einer englischen Limited? Aktuell überschreiten nur rund 18 Prozent unseres Investmentkapitals Grenzen. Und einen KPI, an den niemand denkt: Wie viele EU Incs werden von Menschen gegründet, die gar nicht in Europa sitzen? Amerikaner, Inder, Chinesen gründen in Delaware. Warum sollten sie nicht eine EU Inc. gründen – und damit sofort Zugang zu einem Markt von 450 Millionen Menschen haben? Für Beitrittskandidaten wie die Ukraine oder Montenegro, aber auch für die Schweiz, Norwegen oder das Vereinigte Königreich könnte das die Speerspitze wirtschaftlicher Integration sein.

Welche Rolle könnte Österreich dabei spielen?

Österreich hat sich lange als Westeuropas Tor nach Osteuropa verstanden. Das muss nicht verschwinden – im Gegenteil, es lässt sich mit einer EU Inc. stärken. Bislang war es vielleicht einfacher, in Wien Anwälte und Notare zu haben, die wissen, wie man am Balkan operiert. Wenn eine EU Inc. automatischen Zugang zu diesen Gründern gibt, könnt ihr euch als Tor nach Osteuropa neu erfinden. Wenn ein Wiener VC plötzlich leicht in ein Bukarester Team investieren kann, ohne einen Anwalt für 50.000 Euro zu bezahlen, der das rumänische System erklärt, dann nehmen wir enorm viel Reibung heraus. In Wien gibt es mehr Kapital als in vielen dieser Städte, direkte Flüge, juristische Kompetenz. Das ist eine echte Chance – und keine, über die man ein Märchen erzählen müsste.

Die Gewerkschaften fürchten, EU Inc. höhle Arbeitsrechte aus.

Das hat mit der Realität wenig zu tun. Es ist eine optionale Rechtsform – keine bestehende Form verschwindet. Und das Arbeitsrecht ist hier gar nicht drin: Stelle ich einen Deutschen an, gilt deutsches Arbeitsrecht, mit Kündigungsschutz und ab einer bestimmten Zahl mit Betriebsrat – immer dort, wo der Beschäftigte sitzt und arbeitet. Niemand wird betrogen. Man hatte Angst, ein Wirt in Tirol zahle dem Koch dann kein Gehalt, sondern nur Anteile. Ich dachte, es gibt einen Mindestlohn. Wenn Sie wollen, schreiben wir hinein, dass Mindestlohngesetze weiter gelten – kein Problem. Was mich wirklich verblüfft, ist der Kampf gegen Mitarbeiterbeteiligung. Karl Marx wollte, dass die Arbeiter die Produktionsmittel besitzen – und wir müssen hart darum kämpfen, die Beschäftigten zu bereichern.

Und die Notare, die auf Rechtssicherheit pochen?

Viele Mitgliedstaaten kommen ohne Notare im Prozess bestens zurecht. Niemand behauptet, estnischen Startups fehle Rechtssicherheit, obwohl man dort in zehn Minuten online gründet. Wir schaffen ja Kontrollen nicht ab – Artikel 14 erlaubt die Prüfung durch ein Gericht, eine zuständige Behörde oder einen Notar. Wir streichen nur den verpflichtenden Kanal, nicht die Kontrolle. Dass rigorose KYC- und Geldwäscheprüfungen online funktionieren, hat Wien mit Bitpanda längst gezeigt.

Gibt es einen Anreiz, die Notare an Bord zu holen?

Absolut. Staaten können Prüffunktionen delegieren – für den TÜV gehe ich zur DEKRA, nicht zur Stadt. Wenn österreichische oder deutsche Notare zu ihren Regierungen gingen und sagten: „Macht uns zum Teil dieser Zertifizierung innerhalb von zwei Werktagen“ – man würde sie mit offenen Armen empfangen. Sie könnten eine großartige Cottage-Industrie aufbauen, die Brücke zum Bankkonto oder zur Steuernummer sein. Ein österreichischer Notar könnte nach Dubai fliegen und sagen: „Gründet eine EU Inc., kommt nach Österreich, wir machen den One-Stop-Shop.“ Sonst übernehmen Stripe Atlas, Qonto und die Neobanks das Geschäft. Ich habe bloß noch keine einzige Idee der Notare gesehen, wie sie Teil der Lösung sein wollen. Sie sollten, ich wage es zu sagen, ein bisschen wie Startups denken.

Toll dass du so interessiert bist!
Hinterlasse uns bitte ein Feedback über den Button am linken Bildschirmrand.
Und klicke hier um die ganze Welt von der brutkasten zu entdecken.

brutkasten Newsletter

Aktuelle Nachrichten zu Startups, den neuesten Innovationen und politischen Entscheidungen zur Digitalisierung direkt in dein Postfach. Wähle aus unserer breiten Palette an Newslettern den passenden für dich.

Montag, Mittwoch und Freitag

AI Summaries

Rabcat: 18 Jahre Gaming und Gambling mit den Big Playern der Spielebranche

AI Kontextualisierung

Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Rabcat: 18 Jahre Gaming und Gambling mit den Big Playern der Spielebranche

AI Kontextualisierung

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Rabcat: 18 Jahre Gaming und Gambling mit den Big Playern der Spielebranche

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Innovationsmanager:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Rabcat: 18 Jahre Gaming und Gambling mit den Big Playern der Spielebranche

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Investor:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Rabcat: 18 Jahre Gaming und Gambling mit den Big Playern der Spielebranche

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Politiker:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Rabcat: 18 Jahre Gaming und Gambling mit den Big Playern der Spielebranche

AI Kontextualisierung

Was könnte das Bigger Picture von den Inhalten dieses Artikels sein?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Rabcat: 18 Jahre Gaming und Gambling mit den Big Playern der Spielebranche

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Personen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Rabcat: 18 Jahre Gaming und Gambling mit den Big Playern der Spielebranche

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Organisationen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Rabcat: 18 Jahre Gaming und Gambling mit den Big Playern der Spielebranche