03.10.2022

Quismo: Grazer Startup versieht Zigaretten-Filter mit bitterstem Stoff der Welt

Mit dem Produkt des Startups Quismo aus Graz schmecken die Zigaretten nicht mehr gut. Nach 30 Tagen soll man damit rauchfrei sein.
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Quismo - Grazer Startup versieht Zigaretten-Filter mit bitterster Substanz der Welt
Mit Quismo bringt man die bitterste bekannte Substanz an den eigenen Zigaretten-Filtern an | (c) Pawel Czerwinski via Unsplash

Kennen auch Sie Menschen, die meinen, sie hätten mit dem Rauchen aufgehört, weil ihnen „die Zigaretten nicht mehr schmecken“? Das Grazer Startup Quismo will diesen Effekt mit seinem Produkt absichtlich hervorrufen. Dazu nutzt man Denatoniumbenzoat, die bitterste bekannte Substanz. Unter dem Markennamen Bitrex wird sie unter anderem (in sehr kleinen Mengen) dafür genutzt, gefährliche Produkte wie Mäusegift und Haushaltschemikalien für Kinder ungenießbar zu machen, um diese vor einer Vergiftung zu schützen.

„Dadurch empfindest Du das Rauchen als unangenehm“

Quismo wird in drei Stärke-Stufen geliefert, die aufsteigend in drei aufeinanderfolgenden Phasen zu je zehn Tagen genutzt werden sollen. Raucher:innen führen ihren Zigarettenfilter vor dem Rauchen kurz in eine Öffnung der Packung ein. „Der Bitterstoff kommt direkt auf Deinen Zigarettenfilter, den Du während dem Rauchen zuerst über die Lippen und dann über die Zunge aufnimmst. Dadurch empfindest Du das Rauchen als unangenehm und Deinem Belohnungssystem wird ein negativer Reiz entgegengesetzt“, heißt es auf der Page des Startups.

Laut Quismo kein Stress und keine Entzugserscheinungen

Das soll dann in den oben erwähnten drei Stufen zu einer schrittweisen Rauch-Entwöhnung führen. Man müsse es nur wollen und offen für neues sein, heißt es von Quismo. Damit ist wohl die Bereitschaft gemeint, seine Zigaretten konsequent selbst absichtlich bitter und damit wenig genießbar zu machen. Dabei handle es sich um eine „bewährte Methode aus der Verhaltenstherapie“, die aber im Gegensatz zu anderen Rauch-Entwöhnungsprodukten keinen Stress und keine Entzugserscheinungen verursache.

Drei Phasen bis zur „letzten Zigarette“

Schon in der ersten Phase mit dem noch relativ gering dosierten Bitterstoff soll dann eine erste Zigaretten-Reduktion passieren. In der zweiten Phase werde einem dann das Rauchen jeder einzelnen Zigarette bewusst. „Du wirst Dich immer öfter fragen, warum Du in bestimmten Situationen rauchst, obwohl es Dir nicht mehr schmeckt. Das ist der Zeitpunkt, an dem eine wichtige Veränderung in Dir passiert“, heißt es auf der Page. In der dritten Phase schließlich fange man immer mehr an, die täglichen Gewohnheiten zu ändern. „Du siehst zunehmend keinen Sinn mehr im Rauchen. Nun bist Du bereit für Deine letzte Zigarette und freust Dich auf Dein neues Leben“, heißt es von Quismo.

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Münchens Startup-Ökosystem spielt in einer anderen Liga | (c) Anastasiya Dalenka via Unsplash
Münchens Startup-Ökosystem spielt in einer anderen Liga | (c) Anastasiya Dalenka via Unsplash

Die gute Nachricht für das österreichische Startup-Ökosystem: Im ersten Halbjahr 2026 gab es beim Finanzierungsvolumen ein ordentliches Plus im Vergleich zum Vorjahr, wie brutkasten berichtete. 472 Millionen Euro wurden laut EY-Barometer in heimische Startups und Scaleups investiert – nur die ersten Halbjahre 2021 und 2022 waren stärker. Bei der Anzahl der erfassten Finanzierungsrunden wurde sogar ein neuer Rekord erreicht.

Die dritte Liga

Nun die schlechte Nachricht: Im internationalen Vergleich sind das Peanuts. Ohne Zweifel sollte man die Finanzierungsrunden als individuelle Erfolge einzelner Startups nicht kleinreden. Als gesamtes Ökosystem spielt Österreich international aber bestenfalls in der dritten Liga.

In der ersten Liga bleiben US-Ökosysteme weiterhin unter sich – mit dem Silicon Valley als ewigem Champion. In den Vereinigten Staaten landeten laut Daten des Portals Crunchbase zuletzt wieder mehr als 80 Prozent des globalen Risikokapitals. Finanzierungsrunden für die KI-Riesen im zwei- bis sogar dreistelligen Milliardenbereich sind hier die Spitze des Eisbergs eines Systems, gegen das alle anderen alt aussehen.

In der zweiten Liga wird es spannender: Dort findet sich nicht nur der gewiss ernsthafteste USA-Herausforderer China, sondern auch große europäische Länder wie das traditionell starke Vereinigte Königreich, Deutschland und Frankreich, kleinere wie die Schweiz sowie Schweden und starke internationale Ökosysteme wie Israel, Singapur und Kanada.

Und irgendwo, nicht in der Spitzengruppe, sondern im Mittelfeld der dritten Liga kommt dann auch Österreich.

Warum eigentlich?

Warum? Mit dieser Frage beschäftigt sich das heimische Startup-Ökosystem in Dauerschleife. Denn wir sind ja ein reiches Land – das Kapital wäre eigentlich da. Wir sind ja ein kluges Land – viele unserer Forschungseinrichtungen sind im internationalen Vergleich hervorragend. Wir sind ja ein effizientes Land – Österreich zählt zur globalen Spitzengruppe bei der Arbeitsproduktivität.

Also woran liegt’s? Vielleicht am Mindset? An der Kultur? Wenn es um den Vergleich zum Silicon Valley geht, wird man hier definitiv fündig. Ein völlig anderes Level an Risikobereitschaft sei hier nur als herausstechender Unterschied genannt. Auch beim Match mit dem ähnlich bevölkerungsreichen, aber extrem Startup-starken Schweden kommt man mit dem Argument durchaus weiter. Die skandinavische Mentalität ist anderes und die tief verankerte Kapitalmarktkultur macht einen entscheidenden Unterschied.

Déjà-vu

Und dann ist da Bayern südlich des sogenannten „Weißwurstäquators“ – das Land der Lederhosen, der Bierzelte, des Leberkäses und der hübschen alpinen Landschaften, dessen Bewohner:innen diesen (aus Sicht des Rests von Deutschland) lustigen Dialekt sprechen. Das kommt einem doch bekannt vor.

Gut, man kann Ähnlichkeit natürlich nicht nur an solchen stereotypischen Faktoren festmachen. Aber es lässt sich schwer bestreiten, dass man bei einem Vergleich zwischen Österreich und Bayern mit den Argumenten „andere Kultur“ und „anders Mindset“ nicht weit kommt. Zudem sind die rechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland und Österreich bekanntermaßen sehr ähnlich und auch gesamtwirtschaftlich spielen Deutschlands südöstliches Bundesland und die Alpenrepublik in einer Liga – wiewohl Bayern hier die Nase etwa beim BIP pro Kopf etwas vorne hat.

Und doch: Österreich kam im ersten Halbjahr auf die besagten 472 Millionen Euro Gesamt-Investmentvolumen mit zwei Finanzierungsrunden zu je 100 Millionen Euro als größte Einzelinvestments. Währenddessen: Allein in der bayerischen Hauptstadt München gab es dieses Jahr mit Quantum Systems und Helsing bereits zwei Investments über mehr als eine Milliarde Euro, mit Proxima Fusion (411 Millionen Euro) noch ein weiteres, das schon alleine am österreichischen Gesamthalbjahresvolumen kratzt. Hinzu kommt mit Isar Aerospace (270 Millionen Euro) sogar eine Mega-Runde für ein Startup mit österreichischem Co-Founder und CEO.

Man findet freilich auch hier Gründe, warum der Vergleich nicht zulässig ist, wenn man danach sucht. Etwa dass die beiden Milliardenrunden an DefenseTech-Startups gingen – eine Hype-Branche, die im neutralen Österreich weniger Tradition hat und schwerer zu beackern ist. Aber damit sind gerade einmal die beiden auffälligsten Ausreißer erklärt.

Sucht man weiter, findet man gewiss noch einige Gründe mehr, die sich nicht von heute auf morgen ändern lassen, etwa die traditionell herausragende Stärke von Bayerns Industrie.

Genauer Blick an die Isar

Aber man kommt auch zu einigen Gründen, die mit gezielten politischen Maßnahmen zu erklären sind. Und mit starken universitären Initiativen, allen voran UnternehmerTUM an der TU München. Und ja, hier steht die reichste Frau Deutschlands, Susanne Klatten, als Mäzenin dahinter. Aber: Das Geld wurde richtig gut genutzt. Geld gäbe es schließlich auch hierzulande prinzipiell genug.

Ein genauer Blick an die Isar ist also nicht nur für die heimische Politik lohnend. Mit Offenheit statt Ausreden. Dann könnte es doch auch mit dem Aufstieg aus der dritten in die zweite Liga der Startup-Ökosysteme klappen. Das muss das Ziel sein. Denn wenn Leute mit Lederhosen, Bierzelten, Leberkäse, hübschen alpinen Landschaften und lustigem Dialekt das können, dann können wir das eben.

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