20.03.2026

„Public AI“: Fünf neue KI-Anwendungen sollen Österreichs Bundesverwaltung umkrempeln

Die Digitalisierung der österreichischen Verwaltung nimmt langsam Fahrt auf. Nach dem Aufbau einer eigenen KI-Infrastruktur im Bundesrechenzentrum präsentiert Digitalisierungsstaatssekretär Alexander Pröll nun fünf konkrete KI-Use-Cases. 
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Am 19. März 2026 nahm Staatssekretär Alexander Pröll (m.) an der KI-Konklave im Haus der Digitalisierung teil. Im Bild gemeinsam mit dem Vorsitzenden des KI-Beirates Horst Bischof (r.) und BRZ-Geschäftsführer Roland Ledinger (l.), bei der anschließenden Pressekonferenz. | © BKA/Valentin Brauneis

Dass Künstliche Intelligenz ein massiver Treiber für effizientere Prozesse sein kann, ist in der heimischen Innovationsszene längst bekannt. Der Fachkräftemangel zwingt nun aber auch den öffentlichen Sektor zum Handeln. Die österreichische Bundesregierung forciert daher den breiteren Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der öffentlichen Verwaltung. Im Rahmen des „KI-Konklave“ im Haus der Digitalisierung in Tulln stellte Digitalisierungsstaatssekretär Alexander Pröll gestern das Projekt „Public AI“ vor.

Ziel des Vorstoßes ist ein koordinierter Ansatz anstelle von vielen parallelen Einzellösungen. „Am Ende des Tages ist das Einzige, was zählt: Bekommt die Bürgerin oder der Bürger schneller eine Antwort? Wird der Antrag rascher bearbeitet? Wenn ja, haben wir unsere Arbeit gemacht“, erklärte Pröll bei der Präsentation.

Die fünf konkreten Use-Cases

Im Zentrum der neuen Strategie stehen fünf spezifische Anwendungen, die für eine spürbare Entlastung sorgen sollen:

  • GovGPT: Eine generative KI für den Arbeitsalltag. Das Tool soll datenschutzkonform, souverän und speziell auf die Verwaltung maßgeschneidert sein. Bis zum Ende des ersten Halbjahres 2026 soll es für alle 180.000 Bundesbediensteten verfügbar sein.
  • KI im ELAK (Der intelligente Akt): Der klassische elektronische Akt wird mit KI-Funktionen aufgerüstet. Mitarbeiter:innen können künftig Fragen an ganze Aktenbestände stellen und erhalten sofort eine strukturierte Zusammenfassung.
  • KAPA: Eine „KI für parlamentarische Anfragen“, die bei der Recherche, Konsolidierung und Zusammenführung der Antworten unterstützt. Dabei gilt strikt das „Human-in-the-loop“-Prinzip – der Mensch behält dabei das letzte Wort.
  • KI-SUN: Ein KI-System mit dem Fokus auf Schulung und Wissenstransfer.
  • Agentische KI: Eine KI, die selbst handelt. Ein vollautomatischer Chatbot soll künftig freie Slots prüfen, Termine buchen und Bestätigungen verschicken. Konkrete Verfahren dafür befinden sich für das kommende Jahr in Ausarbeitung.

Eigene Infrastruktur sorgt für Datensouveränität

Dass diese konkreten Anwendungen nun in die Umsetzung gehen können, baut auf den Vorarbeiten der vergangenen Monate auf. Wie brutkasten bereits berichtete, hat die Regierung zuletzt eine eigene KI-Infrastruktur im Bundesrechenzentrum (BRZ) auf den Weg gebracht. Der große Vorteil dieses zentralen Ansatzes: Die einzelnen Behörden müssen nicht jeweils eigene KI-Systeme von Grund auf neu aufbauen.

„Die Infrastruktur ist geschaffen. Nun gilt es, die Anwendungen darauf aufzusetzen und sie mit Leben zu erfüllen“, kommentierte Pröll den nächsten Schritt. Da in der öffentlichen Verwaltung naturgemäß mit hochsensiblen Daten gearbeitet wird, sollen diese möglichst innerhalb der staatlichen Infrastruktur verarbeitet werden. „Gerade beim Einsatz von KI im Staat ist digitale Souveränität entscheidend“, so der Staatssekretär. „Deshalb arbeiten wir an einer gemeinsamen Infrastruktur, die unsere Daten schützt und gleichzeitig Innovation ermöglicht.“

Hackathon mit TU Austria

Um das heimische KI-Ökosystem zusätzlich zu motivieren, flankiert das Staatssekretariat die „Public AI“-Offensive mit weiteren Initiativen. Unter anderem ist ein Hackathon in Kooperation mit der TU Austria zur Entwicklung innovativer KI-Anwendungen geplant. Zudem wird KI als neue Kategorie in den Staatspreis Digitalisierung aufgenommen, um künftige Leuchtturmprojekte in der öffentlichen Verwaltung vor den Vorhang zu holen.

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Bildunterschrift: V. l. n. r.: Jonathan Grothaus (CEO & Founder myflexbox), Martin Trittler (CFO DeinFach), Lukas Beckedorff (CEO DeinFach) und Peter Klima (CTO & Founder myflexbox) | (c) myflexbox

Der Salzburger Paketstationen-Anbieter myflexbox und DeinFach, eine Tochter der Deutschen Post AG, schließen sich zusammen. Das gaben die DHL Group und myflexbox am Donnerstag in einer Aussendung bekannt. Die anbieteroffenen Automatennetze der beiden Unternehmen sollen künftig unter der Marke myflexbox geführt werden. Die Marke DeinFach wird schrittweise in myflexbox überführt.

Laut Aussendung betreibt myflexbox rund 3.000 Paketstationen in Deutschland und Österreich. Sie ergänzen das deutsche Automatennetz aus rund 19.000 DHL-Packstationen, Poststationen und DeinFach-Automaten. Nach Angaben der Unternehmen entsteht damit das mit Abstand größte anbieteroffene Paketstationsnetz im deutschsprachigen Raum. Das Modell, Stationen für verschiedene Paketdienstleister bereitzustellen, soll erhalten bleiben.

Verkauf an die DHL-Gruppe

Wie der Deal rechtlich und wirtschaftlich ausgestaltet ist, geht aus der Aussendung nicht hervor. Dort ist von einem Zusammenschluss die Rede, Angaben zu Anteilen, Kaufpreis und künftiger Führung fehlen.

Laut einem Bericht von salzburg.ORF.at wird myflexbox an die DHL-Gruppe verkauft. Der Kauf erfolge über die DHL-Tochter AZL GmbH, die bisher die Marke DeinFach betreibt. Verkäufer sei Star Capital, zum Kaufpreis gebe es keine Angaben.

brutkasten hat bei der Deutschen Post AG zur Deal-Struktur angefragt. Bis zum Erscheinen dieses Artikels gab es keine Rückmeldung.

50.000 Paketautomaten bis 2030

Die Deutsche Post AG verbindet mit dem Schritt ein Ausbauziel. Bis 2030 will sie Verbraucher:innen in Deutschland insgesamt rund 50.000 Paketautomaten zur Verfügung stellen. Mehr als die Hälfte davon sollen anbieteroffene myflexbox-Stationen sein. Langfristig soll die große Mehrheit der Menschen in Deutschland eine Paketstation in fünf bis zehn Gehminuten erreichen.

„Gemeinsam bringen wir den Ausbau des größten offenen Paketstations-Netzwerks auf eine neue Ebene“, wird myflexbox-CEO und Founder Jonathan Grothaus in der Aussendung zitiert. DeinFach-Geschäftsführer Lukas Beckedorff erklärt, man nutze bestehende Standorte, erschließe zusätzliche und verkürze damit die Wege für Verbraucher:innen.

Gegründet bei der Salzburg AG

myflexbox wurde 2018 als Corporate-Startup der Salzburg AG gegründet und 2022 ausgegründet. Im Februar 2023 holte das Unternehmen 75 Millionen Euro vom Star IV Fonds, der von Star Capital Partnership LLP verwaltet wird (brutkasten berichtete). Seither stand es im Mehrheitsbesitz eines Investorenkonsortiums.

Zuletzt ist das Unternehmen stark gewachsen. Im September 2025 betrieb myflexbox fast 1.400 Paketstationen in Deutschland und Österreich, davon 660 in Österreich (brutkasten berichtete). Mit den nun genannten rund 3.000 Stationen hat sich das Netz in etwa einem Jahr mehr als verdoppelt.

Mitgründer und Ex-Co-CEO Lukas Wieser ist seit Mai 2026 als Interim Head of Growth beim Linzer HR-Tech teamecho tätig (brutkasten berichtete).

Post und DPD als Partner in Österreich

In Österreich zählen unter anderem die Österreichische Post und DPD zu den Logistikpartnern. Die Post mietet seit 2024 Abholfächer in den myflexbox-Stationen (brutkasten berichtete). DPD sicherte sich im Vorjahr rund 9.000 Fächer und damit fast ein Viertel der hierzulande verfügbaren Fächer. Wie sich der Deal mit einer Tochter der Deutschen Post AG auf diese Partnerschaften auswirkt, lässt die Aussendung offen.

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