05.05.2026
HOTELLERIE-STARTUP

Profitize: 1,4 Millionen Euro für neues Falkensteiner-Startup

Nach seinem erfolgreichen RateBoard-Exit meldet sich Simon Falkensteiner mit einem neuen Projekt zurück: Gemeinsam mit Michael Gorfer und Mark Nardi sichert sich das Südtiroler Startup Profitize ein 1,4 Millionen-Investment. Das Ziel: Mit künstlicher Intelligenz das komplexe Kosten- und Profitmanagement für Hoteliers automatisieren.
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Simon Falkensteiner, Mark Nardi und Michael Gorfer (v.l.) © Mirco Zancanella

Sieben bis zehn verschiedene Software-Tools, um den operativen Betrieb am Laufen zu halten: Das ist die ist komplexe Realität in vielen Hotels, wie die Profitize-Gründer im Interview erklären. Die Folge: Hoteliers erfahren oft erst ein Jahr später beim Steuerberater, was unter dem Strich tatsächlich übrig geblieben ist. Genau diesen „blinden Fleck“ will das Südtiroler Startup nun beseitigen.

18 Monate durchfinanziert

Um diese Vision voranzutreiben, hat das im NOI Techpark in Bozen ansässige Unternehmen eine Seed-Finanzierung in Höhe von 1,4 Millionen Euro abgeschlossen. Angeführt wird die Runde vom Alpine Fund (Redstone & Euregio+) und dem aws Gründungsfonds aus Wien. Zudem beteiligen sich 4 Business Angels in dieser Runde an dem Startup, die laut Simon Falkensteiner alle tief in der Hotelleriebranche verwurzelt sind, darunter Software-Anbieter, Berater und Vertreter von Hotelketten.

Das Profitize-Team im NOI Techpark Bozen © Mirco Zancanella

Mit dem frischen Kapital sei Profitize für die nächsten 18 Monate durchfinanziert. Doch die Ambitionen sind groß: Man wolle laut dem CEO so schnell wie möglich Marktführer in Europa werden. In etwa einem Jahr plant das Team bereits, sich in die nächste Finanzierungsrunde zu begeben. Bis dahin sollen die aktuell erschlossenen Märkte im DACH-Raum und in Südtirol auf ganz Italien sowie perspektivisch Skandinavien und die Niederlande ausgeweitet werden.

Neuanfang nach Exit

Hinter Profitize stehen keine Unbekannten: Simon Falkensteiner, Sohn des renomierten Hoteliers Erich Falkensteiner, legte bereits 2020 mit RateBoard einen erfolgreichen Exit hin, wie brutkasten berichtete. Auf die Frage, was er bei seiner zweiten Gründung anders macht, antwortet Falkensteiner gelassen: „Man geht vielleicht ein bisschen lockerer an die Geschichte heran“ und nehme nicht mehr alles sofort „für bare Münze“.

Seinen Mitgründer Michael Gorfer kennt er aus früheren Tätigkeit bei den Falkensteiner Hotels, wo beide vor über zehn Jahren zusammenarbeiteten. Gorfer freut sich besonders über den Lerneffekt bei den Kunden: „Es macht voll Spaß, wenn man sieht, wie die Hoteliers zusammen mit uns einfach sicherer werden, auf einmal anfangen über KPIs zu sprechen, die Zahlen-Scheu prinzipiell verlieren und sich den Themen annehmen, die leider Gottes eben immer wichtiger werden“. Als CTO ist außerdem noch Mark Nardi an Board, der über Bekanntschaften zu Profitize kam, wie die Gründer im Interview verraten.

KI-Cockpit für Hotels

Mit Profitize bekommt die Hotellerie ein zentrales Cockpit. Das System bündelt Daten aus verschiedenen Quellen wie dem Property Management System (PMS), Kassensystemen (POS), der Buchhaltung sowie HR- und Bankdaten in einer Oberfläche. Das Ergebnis sind automatisierte Finanzanalysen, Forecasts und Echtzeit-Reportings, die den manuellen Aufwand massiv reduzieren.

Die KI unterstützt dabei massiv: Rechnungen werden automatisiert ausgelesen und per One-Chat können Budgets via Prompting erstellt oder Analysen abgerufen werden. Push-Benachrichtigungen warnen zudem proaktiv vor steigenden Kosten und liefern Insights für Optimierungsmaßnahmen. Bereits über 140 Betriebe in Europa nutzen die Software. Das Spektrum reicht von kleinen Betrieben bis hin zu bekannten Namen wie den Falkensteiner oder Eder Hotels.

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Alina Nikolaou, Co-Founder, Director & Curator TEDAI Vienna
Alina Nikolaou, Co-Founder, Director & Curator TEDAI Vienna | Foto: TEDAI

„Es kommt nur selten vor, dass Vertreter:innen der weltweit führenden Frontier-Labs gleichzeitig an einem Ort zusammenkommen“, erklärt Alina Nikolaou, Co-Founder, Director & Curator der TEDAI. Mit der Ankündigung weiterer hochkarätiger Speaker:innen aus Organisationen wie Anthropic und Google DeepMind nimmt die dritte Auflage der TEDAI, die vom 28. bis 30. Oktober 2026 in der Wiener Hofburg stattfindet, nun konkrete Formen an. Rund 1.200 internationale Entscheidungsträger:innen, Pionier:innen und KI-Enthusiast:innen werden in Wien erwartet und sollen dort die Möglichkeiten, Grenzen und offenen Fragen der nächsten KI-Generation diskutieren.

Praktische Umsetzung im Vordergrund

Schon im März berichtete brutkasten über die ersten bekannten Namen im Line-up, darunter Physik-Nobelpreisträger Geoffrey Hinton und OpenClaw-Entwickler Peter Steinberger. Seither hat sich das Programm der weltweit einzigen offiziellen TED-Konferenz zu Künstlicher Intelligenz noch deutlich erweitert und wurde analog zur weiterhin rasanten KI-Entwicklung adaptiert. Während die Konferenz anfangs vor allem breite gesellschaftliche und ethische Themen im Visier hatte, rückt mit den neuesten Speaker:innen-Bestätigungen vom August die praktische Umsetzung in den Vordergrund. „Vom Modell zur Wirkung“ lautet das aktuelle Motto. Es gehe darum, „wie aus leistungsfähigen KI-Modellen verlässliche Anwendungen und KI-Agenten entstehen, die Menschen in Arbeit, Forschung und Wirtschaft konkret unterstützen“.

Zielsetzung der TEDAI im Wandel

Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der personellen Auswahl der Veranstalter:innen wider. Erklärte Alina Nikolaou im März noch, dass im Fokus der Konferenz „die ambitioniertesten KI-Trends und Ideen unserer Zeit: konkrete Lösungen, radikale Paradigmenwechsel, augenöffnende Forschungsergebnisse und schwierige, aber dringend notwendige soziale Fragen“ stünden, so sagte Nikolaou im Juni bereits über die gewünschte Perspektivenvielfalt: „Wenn es um KI geht, entstehen die spannendsten Erkenntnisse oft nicht im Konsens, sondern dort, wo Perspektiven und Paradigmen aufeinanderprallen. Genau diese Spannungsfelder wollen wir auf der TEDAI 2026 sichtbar machen.“ Nun, mit den neuesten Ankündigungen von heute, stehe laut den Organisator:innen die Chance im Fokus, „Einblicke in Ideen zu gewinnen, an denen heute gearbeitet wird: von KI-Agenten in der Wirtschaft bis zur Zukunft der Wissensarbeit“.

Die Top-Speaker:innen

Unter den zahlreichen Neuzugängen sind einige besonders klingende Namen:

Geoffrey Hinton: Der britisch-kanadische Wissenschaftler gilt als einer der „Godfathers of AI“ und ist ein Pionier im Bereich neuronaler Netze und Deep Learning. Für seine grundlegenden Beiträge wurde er 2018 mit dem Turing Award und 2024 mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet.

Peter Steinberger: Der gebürtige Österreicher sorgte mit seiner Open-Source-Anwendung OpenClaw für einen internationalen Hype. Inzwischen arbeitet er für das US-Schwergewicht OpenAI an Produkten für eine „Agent-first“-Welt, mit dem Ziel, jedem Menschen einen eigenen KI-Assistenten zur Verfügung zu stellen.

Felix Rieseberg: Er kommt neu ins Line-up und arbeitet bei Anthropic direkt an der Schnittstelle zwischen Modellen und praktischer Anwendung. Dort entwickelte er unter anderem Claude Cowork und verantwortete Engineering-Teams für Claude.ai sowie Claude Code auf dem Desktop.

Nenad Tomašev: Als Senior Staff Research Scientist bei Google DeepMind forscht er zu Multi-Agenten-Systemen, Agentic Economies sowie KI-Sicherheit. Seine Arbeit fokussiert darauf, wie komplexe KI-Agenten wirksam durch Menschen kontrolliert und an menschlichen Interessen ausgerichtet werden können.

Valeria Pettorino: Die Physikerin ist Project Scientist der Euclid-Weltraummission bei der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Sie bringt eine astrophysikalische Perspektive ein und zeigt, wie KI-Technologie unser Verständnis des Universums, insbesondere im Bereich Kosmologie und Dunkler Energie, erweitert.

Die weiteren Speaker:innen: breites Spektrum von Kosmologie bis Plattformkritik

Um den Anspruch zu erfüllen, die „gesamte Bandbreite der KI-Debatte abbilden“ zu können, bringen die weiteren Speaker:innen höchst diverse Perspektiven nach Wien. Die wissenschaftliche und technologische Grundlagenforschung wird durch die Forscherinnen Anna Goldie und Azalia Mirhoseini, Gründerinnen von Recursive Intelligence und ehemalige Leiterinnen des AlphaChip-Projekts bei Google, beleuchtet. Mahmoud „Mido“ Assran forscht an sogenannten World Models und Self-Supervised Learning, um effiziente und sichere KI-Agenten zu ermöglichen. Gehirnaktivitäten mittels KI entschlüsselt wiederum der japanische Neurowissenschaftler Yukiyasu Kamitani, dessen Arbeit bis zur Rekonstruktion von Träumen reicht.

Demgegenüber stehen kritische Stimmen aus Medien, Ethik und Gesellschaft: Nicholas Thompson, CEO von The Atlantic, und der bekannte Autor und Aktivist Cory Doctorow ordnen die gesellschaftlichen und politischen Folgen von KI ein. Um Datenschutz und Ethik dreht sich die Arbeit von Carissa Véliz (Associate Professor in Oxford), während der Rechtswissenschaftler César Rodríguez-Garavito (NYU) zu KI-Governance und Klima- sowie indigenen Rechten forscht. Die nigerianische klinische Psychologin Kauna Ibrahim Malgwi bringt zudem ihre Forschung zu algorithmischem Trauma und mentaler Gesundheit in prekären digitalen Arbeitsbedingungen ein.

Praxisnahe Anwendungen bringen schließlich Kateryna Lopatiuk (räumliche Datenanalyse für den Wiederaufbau), Dr. Layla Hosseini-Gerami (Ignota Labs, Chief Data Science Officer für KI-gestützte Medikamentenentwicklung) und Gabriella Di Laccio (Donne, Women in Music) mit Datenanalysen zur Sichtbarkeit von Komponistinnen ein.

Neben den rund 20 TED-Talks am abschließenden Konferenztag will die TEDAI 2026 den Besucher:innen ein umfassendes „Gesamterlebnis“ bieten. Dazu gehören ein festlicher Eröffnungsball, der Wiener Tradition mit moderner Innovation verbinde, sowie der sogenannte „Discovery Day“ mit interaktiven Workshops.

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