04.03.2025
FINANZBILDUNG

PoMo: Tiroler Startup fördert Kinder-Finanzbildung via App

Finanzen und der Umgang damit gehört zum Erwachsenen-Sein dazu. Viele Kinder und Jugendliche sind allerdings eher wenig darauf vorbereitet. Ein Tiroler Startup namens PoMo will das mit einer Banking-Lern-App ändern.
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Ömer Erdogdu und David Moling - die beiden Co-Founder von PoMo | Foto: PoMo

Sie sei ein blinder Fleck in unserem Bildungssystem: Die Finanzbildung. In einigen Fällen starten junge Erwachsene ohne grundlegende finanzielle Kompetenzen in das Leben, auch die Schulbildung hinkt dabei hinterher. Dieser Meinung ist ein junges Startup, das einen Lösungsvorschlag dazu bringt: „PoMo“ will Kindern und Jugendlichen mit einer Banking-App bei der Finanzbildung helfen.

PoMo will Finanzbildung unter Kindern und Jugendlichen stärken

Die Wissensvermittlung rund um Finanzen sei im aktuellen Bildungssystem nicht ausreichend vorhanden, meint PoMo. Das Startup verweist auf Studien, die zeigen, dass „ein Großteil der Jugendlichen nicht in der Lage ist, grundlegende Finanzkonzepte wie Zinsen, Inflation oder den Unterschied zwischen Kredit und Debit zu verstehen.“

PoMo zufolge verfügen wenige Jugendliche ausreichend Wissen über aktuelle Vermögensaufbau- und Bezahlmethoden. Das bringt Risiken am volatilen Finanzmarkt – gerade in Hinblick auf die immer geringer werdende Barriere zum Handel mit digitalen Finanzprodukten.

„Werkzeugkasten gegen Schuldenfalle“

Einer Studie des Kreditkartenbetreibers Mastercard aus dem Jahr 2023 zufolge habe beispielsweise jedes fünfte Kind mit zehn Jahren bereits im Onlinehandel eingekauft. Nur die Hälfte davon hätte allerdings einen klaren Überblick über alle Ausgaben. Aktuell liegt die Verantwortung dafür zu einem Großteil (79 Prozent laut Studie) bei Eltern und Erziehungsberechtigten.

Das Tiroler EdTech will Abhilfe schaffen: „Wir geben unseren Kindern keinen Werkzeugkasten für den finanziellen Alltag mit – und wundern uns dann, wenn sie in Schuldenfallen tappen oder Finanzprodukte nicht verstehen“, sagt Co-Founder und CEO Ömer Erdogdu. Gemeinsam mit seinem CTO David Moling gründete er PoMo im Frühjahr 2024.

„Spielerische Finanzkompetenz“

Der Gründer sieht gerade die mangelnde Finanzbildung in heimischen Schulen als Ursprung des Problems. Mit der App PoMo – kurz für Pocket Money, zu Deutsch „Taschengeld“ – wolle man das Problem der mangelnden Finanzbildung langfristig lösen.

Die App des Innsbrucker Startups biete eine interaktive Banking-Erfahrung, die es Kindern ermöglichen soll, ihr eigenes Geld zu verwalten und auszugeben. Das Startup will damit „spielerisch Finanzkompetenz“ vermitteln und die Nutzer:innen auf ein „eigenverantwortliches Finanzleben“ vorbereiten.

Anpassung an Alter und Wissensstand

Die Banking-App soll sich an das Alter und den Wissensstand des Kindes anpassen. Inhalte und Funktionen werden dementsprechend ausgespielt. Das Themenspektrum reicht von Grundkompetenzen bis zu komplexeren Finanzthemen wie Sparstrategien, Budgetierung und Investitionen.

PoMo soll dabei gezielt Lernmodule einsetzen: Kinder können durch spielerische Herausforderungen lernen, finanzielle Entscheidungen zu treffen. Reale Finanzsituationen werden simuliert und Ersparnisse sollen unter anderem sinnvoll verwaltet oder langfristig geplant werden.

Bitcoin-Sparpläne, Aktien und Anleihen in Planung

Sicherheit und kostenfreie Transaktionen sind durch die Blockchain-Basis der App gesichert, heißt es weiter. Eltern und Erziehungsberechtigten sei es möglich, „alle Transaktionen vollständig nachzuvollziehen“.

„Jeder Elternteil muss im Leben zwei schwierige Gespräche führen: eines über die erste Liebe und eines über Geld. Wir helfen zumindest bei Letzterem“, sagt Gründer Ömer Erdogdu weiter. Aktuell arbeite das Startup in einem achtköpfigen Team an der Weiterentwicklung der App. Bislang sei das Startup bootstrapped.

Für das Wachstum der Applikation sowie zur Themen- und Funktionserweiterung sei man für strategische Partner offen. Auf dem Plan stehen aktuell auch die Integration von Funktionen wir dem digitalen Euro, Bitcoin-Sparpläne, Aktien und Anleihen. Ab Juli 2025 sei die App in allen App-Stores verfügbar, heißt es.

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Öklo-Geschäftsführer und Gründer Niko Bogianzidis mit
Öklo-Geschäftsführer und Gründer Niko Bogianzidis mit "Golden Shower" | (c) Öklo

Die britische Times, die deutsche Bild-Zeitung und die französische Nachrichtenagentur AFP griffen die Story im Frühling 2025 auf: Das Wolkersdorfer (NÖ) Startup Öklo, nach eigenen Angaben Europa-Marktführer bei Komposttoiletten, kündigte ein Bier aus recyceltem Urin an. Eineinhalb Jahre später setzte das Unternehmen rund um Gründer Niko Bogianzidis das Vorhaben nun in die Tat um.

„Aufs Patriarchat pinkeln“

Gerade einmal 2.500 Flaschen zu je 0,33 Liter umfasst die erste und möglicherweise einzige Charge des Biers mit dem Namen „Golden Shower“. Diese sollen nur im Rahmen spezieller Aktionen verkauft werden und sonst von Öklo selbst in seinem Netzwerk genutzt werden. Mit der stilisierten Abbildung einer Transgender-Person und dem Slogan „aufs Patriarchat pinkeln“ auf dem Etikett sorgt das Bier gewiss für zusätzliche Aufmerksamkeit.

Auch das Etikett von „Golden Shower“ sorgt für Aufmerksamkeit | (c) Öklo

Bewusstsein für Wasserverschwendung als Hauptziel

Wer hinter all dem eine Marketing-Aktion vermutet, hat freilich Recht. Noch mehr als die erwähnte politische Message auf dem Etikett betont Gründer Bogianzidis ein anderes Ziel: „Mein Ziel mit Öklo und eben auch unserem nun produzierten Urin-Bier ‚Golden Shower‘ war und ist es, Bewusstsein für Wasserverschwendung zu schaffen und dieser im Sinne der Kreislaufwirtschaft entgegenzuwirken. Wasserknappheit ist auch bereits vor unserer Haustür und in ganz Europa ein Riesenthema, wie dieser Sommer zeigt, und wird noch an Bedeutung gewinnen“, sagt er.

Zudem sei es ein Anliegen des Projekts, Urin als Wertstoff anzuerkennen, etwa wiederverwertet als Brauchwasser oder als hochwertige Phosphorquelle. „Anstatt ihn in Phosphorminen in Afrika & Co. teuer als Langzeitdünger auszugraben, wäre es auch möglich, einen Gutteil des Bedarfs über diesen Weg direkt vor Ort zu decken. Es war und ist viel möglich, wenn Entscheidungsträger nur wollen“, so Bogianzidis.

Nur destilliertes Wasser aus Urin im „Urin-Bier“

Auch für „Golden Shower“ wird nur ein einzelner Bestandteil des aufbereiteten Urins genutzt, nämlich destilliertes Wasser. „Wir haben zuerst den Nährstoff Struvit, der als hochwertiger Langzeitdünger verwendet wird und dann Stickstoff aus dem Urin gefiltert. Anschließend wurde das Wasser mittels des Prozesses der Umkehrosmose und anschließender Destillation final bearbeitet und nutzbar gemacht“, erklärt der Gründer. Das gereinigte Wasser sei dann von einem offiziellen Ziviltechnikerbüro in Prüftests als gesundheitlich unbedenklich und für den Brauvorgang geeignet abgesegnet worden.

Diesen übernahm dann die Mostviertler Bio-Brauerei Erzbräu mit Braumeister Benjamin Bruckner. Den Kontakt habe Öklo-Kooperationspartner Muschikraft, eine feministische Craftbier-Marke, hergestellt. „Wir haben uns für die Produktion eines hochwertigen, nicht gefilterten Märzen, zu Englisch Lager, entschieden. Da destilliertes Wasser nicht wirklich lebt, haben wir die 1.000 Liter Wasser von Öklo sicherheitshalber mit zehn Prozent frischem Quellwasser im Tank angereichert, damit die Hefe als lebender Zellorganismus jedenfalls gut reagieren und arbeiten kann“, erklärt Bruckner.

Erzbräu-Braumeister Benjamin Bruckner | (c) oliacreations

Auch er betont die Zielsetzung der Aktion: „Wir leben in einer sehr ressourcenraubenden, verschwenderischen Gesellschaft. Gerade auch beim knappen Gut Wasser, wie wir selbst in Europa diesen Rekordsommer gesehen haben. Es gibt aber effiziente Wege, dem zu begegnen und gegenzuwirken und darauf wollen wir mit diesem Projekt hinweisen.“

Weitere Chargen laut Öklo „nicht ausgeschlossen“

Ob es bei den 2.500 Flaschen bleibt, ist aktuell noch unklar. Weitere Chargen seien „nicht ausgeschlossen“, heißt es von Öklo dazu lediglich. Indessen treibe man weiterhin das Leuchtturm-Projekt „Öklo-Land“ voran – Gründer Bogianzidis sprach dazu bereits vor einem Jahr im brutkasten-Talk. Auf 13.000 Quadratmetern nahe Wolkersdorf soll dabei ein modulares Biomasse-Recycling-Center und Kompetenzzentrum entstehen, das menschliche Fäkalien und biologische Abfälle in Rohstoffe wie Wasser, Dünger und Pellets sowie in Energie, konkret Biogas, umwandelt.

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