26.02.2020

PlanRadar: Wiener Scaleup plant heuer 8 neue Standorte in 3 Kontinenten

Im brutkasten-Talk geben die PlanRadar-Co-Founder Sander Van De Rijdt und Ibrahim Imam Einblicke in aktuelle Zahlen und die nächsten Pläne des Wiener Scaleups.
/artikel/planradar-umsatzwachstum-2019-standorte
PlanRadar: neue Standorte und Umsatzwachstum
(c) der brutkasten - Die PlanRadar-Co-Founder Sander Van De Rijdt und Ibrahim Imam am Weg zur Milliarden-Bewertung.

Die fünf Co-Founder, die 2013/2014 mit ihrem Startup DefectRadar in Wien an den Start gingen, sind immer noch alle an Bord. Inzwischen verfügen sie mit ihrem nunmehrigen Scaleup PlanRadar jedoch über ein Team von mehr als 80 Leuten allein im Headquarter in Wien. Dazu kommen derzeit Standorte in London, Zagreb und Moskau. Und die Pläne für die nächsten Jahre sind groß.

+++ Vom Startup zum Scaleup – wenn das Team rasant wächst +++

Sander Van De Rijdt und Ibrahim Imam im Video-Talk zu PlanRadar

250 Prozent Umsatz-Wachstum 2019: PlanRadar-Founder im Interview

Die PlanRadar-Co-Founder Sander Van De Rijdt und Ibrahim Imam im Talk über die Entwicklung vom Startup zum Scaleup.

Gepostet von DerBrutkasten am Mittwoch, 26. Februar 2020

PlanRadar: Gesamter Immobilien-Lebenszyklus von Planung bis Abriss

Auch inhaltlich entwickelte sich das Unternehmen mit seiner B2B-PropTech-Software-Lösung mit dazugehöriger App in der Zeit stark weiter. „Wir wurden im Anwendungsbereich sukzessive immer breiter. Wir decken inzwischen mit Dokumentation und Kommunikation in Bau- und Immobilien-Projekten den gesamten Immobilien-Lebenszyklus ab – von Planung über Bau und Betrieb bis hin zum Verkauf oder sogar zum Abriss“, erklärt Co-Founder Sander Van De Rijdt im brutkasten-Talk.

Noch immer seien am Bau viele Verantwortliche mit großen Papier-Plänen, Bleistift, Foto-Apparat und Diktiergerät unterwegs, um die Vorgänge zu dokumentieren. „Wir haben diesen Prozess digitalisiert. Die Mitarbeiter unserer Kunden sind nun mit Tablets und Smartphones unterwegs – der gesamte Prozess wird damit wirklich zuverlässig und dauerhaft zugänglich dokumentiert“, erklärt der Gründer. Das spare bei den Betroffenen sieben Arbeitsstunden pro Woche.

Siemens, Bosch und Rewe unter Kunden

Es gehe aber nicht nur um die Bau- und Immobilien-Branche, sondern auch um viele verwandte Industrien, wo Dokumentation auf diese Weise auch eine Rolle spiele. „Da geht es um Themen wie Anlagenbau, um große Produktionsunternehmen wie unsere Kunden Siemens oder Bosch oder um den Retail-Bereich, wo wir etwa Rewe, Intersport, CBRE und Union Investment als Kunden haben. Das sind jeweils Unternehmen mit sehr vielen Standorten“, so Van De Rijdt. „Diese Konzerne haben eigene Bau- und Facility Management-Abteilungen“, ergänzt Co-Founder Ibrahim Imam. Bei der PanRadar-Nutzung ginge es hier nicht nur um Standortentwicklung, -Bau und -Instandhaltung, sondern sogar um Marketing. So könne man über die App etwa auch das (physische) Product Placement in Filialen regeln.

250 Prozent Umsatzsteigerung im Jahr 2019

Mit diesem Angebot konnte man in den vergangenen Jahren, neben den genannten, zahlreiche große Kunden gewinnen – derzeit aus 45 Ländern. Entsprechend entwickelten sich die Umsätze – mehrere Jahre in Folge gelang eine Verdreifachung des Jahresumsatzes. „2019 haben wir nicht ganz die 300 Prozent geschafft“, sagt Sander Van De Rijdt. Etwa 250 Prozent seien es geworden. „Das ist auch noch ganz ok, finde ich“, sagt der Gründer, „es wird natürlich jedes Jahr herausfordernder“. Er scherzt: „Wir liegen noch unter einer Milliarde Jahresumsatz, aber die Richtung stimmt“.

Acht weitere PlanRadar-Standorte dieses Jahr geplant

Wie hoch der Umsatz zuletzt tatsächlich war, verrät der Gründer nicht, nur soviel: „Über den ersten Transformationsprozess von einem Startup zu einer Company mit etwa 50 Mitarbeitern und ca. fünf Millionen Euro Jahresumsatz sind wir hinaus“. Und jetzt sei man gerade in einer starken Wachstumsphase. „In unserem Headquarter in Wien haben wir inzwischen ein drittes Stockwerk dazu genommen. Dieses Jahr kommen noch acht weitere internationale Standorte dazu“, sagt Van De Rijdt. Neben Paris, Stockholm und Warschau seien das auch Standorte in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Australien – zu den restlichen drei sagt er noch nichts. Die Kunden kämen inzwischen aus der ganzen Welt. „Wir haben sogar Zugriffe aus der Antarktis – was die da genau machen, können wir aber auch nicht sagen“, sagt der Gründer. Ein „Geheimnis des Wachstums“ sei dabei auch, dass beim SaaS-Modell von PlanRadar alles komplett im Self-Onboarding und Self-Service möglich ist.

50 Positionen allein in Österreich ausgeschrieben

In dieser Wachstumsphase gebe es natürlich auch Herausforderungen, sagt Co-Founder Ibrahim Imam. „Die große Challenge ist, wie in jedem Wachstumsunternehmen, die richtigen Talente zu finden. Momentan suchen wir allein in Österreich knapp 50 Personen in den unterschiedlichsten Positionen“. Dabei sei es ein wichtiges Ziel, dass die Startup-DNA und -Kultur nicht verloren gehe. Und Van De Rijdt ergänzt:  „Bei uns ist es ja nicht das erste Unternehmen, dass wir gegründet haben. Man macht dann viele Fehler nicht noch ein zweites Mal“.

Die aktuelle Phase – die Skalierung auf 30 bis 50 Millionen Euro Jahresumsatz und 100 bis 300 Mitarbeiter – sei „noch viel interessanter“ als die vorherige. „Da kommen noch einmal ganz andere Herausforderungen auf uns zu“, so der Gründer. Man erweitere etwa gerade die Management-Struktur und ziehe weitere Ebenen ein. Zudem verfolge man unterschiedliche weitere Strategien, um im Wachstum alles unter Kontrolle zu halten, ergänzt Imam. „Wir haben beispielsweise Mitarbeiter Vollzeit für das Thema Wissensmanagement abgestellt, um das Know-how aus der Zentrale in Wien in die Niederlassungen zu tragen“.

Größeres Investment in Aussicht

All das sei seit einer Seed-Runde 2017 vorwiegend aus dem Cashflow gestemmt worden, sagt Van De Rijdt. Das habe sich gut ergeben, da man nicht nur „nahezu keine“ Absprungrate habe, sondern im Gegenteil fast alle Kunden upgraden würden. Doch der Gründer stellt ein größeres Investment in nächster Zeit in den Raum: „Nachdem wir nun in zwölf Ländern schnell wachsen wollen, wird da noch etwas kommen“. Imam präzisiert: „Für die Marktaufbereitung braucht man entsprechende Mittel. Das aus dem eigenen Cashflow zu machen, wäre zu herausfordernd“.

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Neuron Automation
© zVg - (v.l.) Heinrich Steininger, Michael Plankensteiner und Michael Kübeck.

Wir schreiben das Jahr 2006. Irgendwo über den Wolken sitzt Michael Kübeck in einem Flugzeug. Der Private-Equity-Investor, der nach Jahrzehnten bei Philips in Wien eine eigene Firma gegründet hat, sucht nach spannenden Zielen für seine Privatinvestoren. Eine Startup-Szene, wie wir sie heute kennen, existiert in Österreich noch nicht. Im Flieger schlägt das Schicksal zu und er kommt mit einem Bekannten ins Gespräch. Der erzählt ihm von einer kleinen, hochspezialisierten Wiener Softwarefirma im Bereich der Industrieautomatisierung.

Zwei der Gründer wollen aussteigen, ein anderer – Heinrich Steininger – will weitermachen. Kübeck wird hellhörig. Er ahnt damals noch nicht, dass dieser Flug der Startschuss für eine bemerkenswerte Transformationsgeschichte der österreichischen Tech-Industrie werden wird: die Evolution eines stillen Hidden Champions zum international vernetzten Unternehmen.

Die Anfänge von Neuron Automation

Die Wurzeln des 2025 auf Neuron Automation (bis vor kurzem noch als logi.cals firmierend) umbenannten Unternehmens reichen tief in die 80er Jahre hinein. Heinrich Steininger, damals Student der technischen Mathematik, programmiert nebenbei Steuerungen für Kläranlagen und Mischfutterwerke. Als 1986 die Anfrage kommt, ein Programm zu schreiben, das aus, in einem CAD-Programm gezeichneten, Funktionsplänen den Code für eine Steuerung generiert, weigert er sich im „jugendlichen Übermut“, wie er erzählt. „Das kann man schon so tun, aber ich halte das für keine gute Idee“ war seine damalige Antwort. „Wenn, dann sollte man das ordentlich machen.“ So entwickelte über den Sommer einen kompletten Editor.

Ein mutiger Schritt, der sich auszahlt. Ein großer Kunde wird aufmerksam, gibt Geld, und die Firma wird gegründet. Das Unternehmen (Anm.: damals noch Kirchner Soft, ab 2007 logi.cals) wächst organisch, stets nah am Kunden. Ohne Venture Capital, aus dem eigenen Cash Flow heraus, etabliert sich die Firma als Hidden Champion.

© zVg – Die drei Kirchnersoft-Gründer (v.l.): Gründer: Thomas Mayer, Heinrich Steininger und Friedrich Kirchner.

Ein Drittel aller globalen Wasserkraftwerke wird bald mit ihrer Software laufen – ebenso wie ein Großteil der Tachos und Zentralsteuergeräte in Autobussen weltweit. Ein interessantes Detail am Rande ist die Marktstellung eines führenden internationalen Anbieters von Fahrzeugelektronik. Das Unternehmen hält bei Tachos und Zentralsteuergeräten in Bussen einen Marktanteil von 80 Prozent. In der Praxis bedeutet dies: Wer in Wien mit einem Bus fährt und den Haltewunsch Knopf drückt, löst mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit eine Funktion aus, die mit dem Editor von logi.cals programmiert wurde.

„Ganz wichtig war, dass wir relativ rasch erkannt haben, dass wir das System öffnen mussten“, erinnert sich Steininger. „Uns war klar, dass wir anderen Steuerungsherstellern die technische Anbindung ihrer Steuerungen erleichtern müssen. Das war damals nicht unbedingt üblich. Deshalb haben wir uns überlegt, wie wir das umsetzen können, welches Framework dafür geeignet ist, und dabei einige spannende Dinge entwickelt. Das hat uns ermöglicht, über die nächsten Jahre und Jahrzehnte zwar moderat, aber kontinuierlich gut zu wachsen. Und auch mehr als 20 Jahre später ist das Unternehmen nach wie vor profitabel.“

2007: Das Jahr der Weichenstellung

Mit dem Einstieg von Michael Kübecks Investorennetzwerk 2007 werden somit die Weichen auf Wachstum gestellt – doch dann schlägt 2008 die globale Finanzkrise ein. Von einem Tag auf den anderen brechen zwei Drittel des Umsatzes weg.

Zusperren ist in dieser Situation dennoch keine Option. Stattdessen nutzt das Team die Krise für einen radikalen Schnitt. Das Kernprodukt wird technologisch komplett neu aufgesetzt (Re-Engineering), erneut gestemmt durch die finanzielle Rückendeckung von Privatinvestoren, die an die Substanz der Firma glauben.

Diese Überlebensfähigkeit in Krisenzeiten zieht sich wie ein roter Faden durch die Unternehmensgeschichte – getragen von Vertrauen und Beziehungspflege. Als das Unternehmen später Kredite benötigt, verzichtet man auf vage Versprechungen und legt den Banken stattdessen 15-seitige, schonungslos transparente Sanierungs- und Entwicklungspläne vor. Das Resultat: Die Banken vertrauen dem Team, die Kreditlinien fließen und Transparenz schlägt Pitch-Deck-Geschwaffel.

2016 folgt der nächste essentielle Schritt des Unternehmen: Es kommt Michael Plankensteiner als neuer CEO an Bord. Und bringt frischen Wind mit sich: Nach Stationen bei Boston Consulting Group (BCG) und als Sanierer der Industriegruppe Industrie Holding Operations suchte Plankensteiner Anfang 2016 eine neue unternehmerische Herausforderung. „Ich habe gemerkt: Nach all den Jahren Beratung und Sanierung habe ich keine Lust, dauernd als Söldner in Projekte rein- und dann wieder rauszugehen“, sagt er. Der Unternehmergeist war für ihn nicht neu: Sein Großvater führte einen Greißler-Betrieb in der Südsteiermark, zudem gründete er bereits vor seiner Zeit bei BCG gemeinsam mit Partnern das Karriereservice der Universität Wien.

Das Abhängigkeitsproblem

So tat er sich mit Steiniger und Kübeck zusammen und hatte eine strategische Antwort auf das Abhängigkeitsproblem der beiden: Fokussierung durch M&A (Mergers & Acquisitions). Der erfahrene Berater und Sanierungsexperte analysiert die Lage schonungslos: Das Unternehmen hat zwar eine technologisch brillante Basis, macht aber einen Großteil des Umsatzes mit wenigen großen Kunden. Eine gefährliche Abhängigkeit. Zudem drückt ein deutscher Mitbewerber auf den Markt, der zehnmal so groß ist.

„Das Spannende war, die logi.cals hatte zu dem Zeitpunkt fünf Kunden, mit denen sie 80 Prozent ihres Umsatzes gemacht hat – und alle fünf waren Weltmarktführer“, sagt Plankensteiner. Darunter sehr prominente Unternehmen, deren Namen jedoch ungenannt bleiben sollen. „Alle haben auf unseren Engineering-Editor geschworen. Und trotzdem hatten wir knapp über zwei Millionen Euro Umsatz und waren so am Rande der Profitabilität. Die Frage war: Wo ist eigentlich der Hebel?“

Der Grund für diese Situation lag u.a. in der damaligen Entwicklungsstruktur. Der Editor war zwar ab 2011 durch die gemeinsame Initiative von Steininger und Kübeck neu entwickelt worden, aber 2016 fehlte es an Ressourcen, um das Produkt weiter zu skalieren.

© zVg – Alter Bildschirm mit logiCAD Programmiereditor.

Eine Nische in der Nische

„Wir hatten zehn Entwickler, aber eigentlich keine Investitionen, um die Entwicklung zu pushen. Vieles ist mit den fünf Kunden passiert, dadurch ist relativ viel in die Kundenarbeit geflossen und wenig ins Produkt“, so Plankensteiner. Gleichzeitig war klar, dass ein direkter Wettbewerb mit dem größeren Konkurrenten Codesys nicht sinnvoll war. „Die waren damals ungefähr zehnmal so groß wie logi.cals und hatten rund 100 Entwickler. Hinter denen herzufahren, machte keinen Sinn. Deswegen habe ich gesagt: Wir brauchen eine Fokussierung. Wir brauchen eine Nische in der Nische, damit wir mit weniger Firepower schneller zeigen können, dass wir mehr draufhaben als der Mitbewerber.“ Diese Nische wurde folglich 2017 in Deutschland gefunden.

Die Firma ISH, 1989 gegründet von Axel Helmert, hatte sich auf auf Funktionale Sicherheit (Functional Safety) spezialisiert. Helmert war auf der Suche nach einem Nachfolger – und fand ihn in dem österreichischen Team. 2019 wurde die ISH gekauft und gilt bis heute firmenintern als ein strategisches Masterpiece: Das Engineering-Know-how der Österreicher verschmilzt mit der Safety- und TÜV-Kompetenz der Deutschen. Und so wurde das Unternehmen plötzlich Experte für „Functional Safety“.

Functional Safety

Zur Erklärung: funktionale Sicherheit ist der Teil der Automatisierung, der dafür sorgt, dass eine Maschine abschaltet, bevor Menschen oder die Umwelt zu Schaden kommen. Ein japanischer Automatisierungs-Chef formulierte es bei einem Abendessen in Siegen, Deutschland, gegenüber Investor Kübeck einst so, wie er erzählt: „Safety is a pain in the ass“, hatte jener salopp formuliert.

„Sie betrifft vielleicht nur 15 Prozent einer Anlage, frisst aber dreimal so viel Aufwand. Alles muss redundant ausgelegt sein, jeder Fehler muss vorab überlegt, dokumentiert und beherrschbar gemacht werden. Für Techniker, die Maschinen eigentlich zum Laufen bringen wollen, ist die Programmierung von Not-Aus-Szenarien und Fehlerbeherrschung extrem frustrierend und teuer. Funktionale Sicherheit sagt man immer so leicht daher. Es ist ein Feature der Automatisierung, das eigentlich jeden nervt, aber total wichtig ist, weil es überall dort gebraucht wird, wo es um Menschenleben geht“, betont Kübeck.

Ein zentrales Prinzip dabei sei Redundanz: Steuerungen werden mehrfach ausgelegt, damit Ausfälle verhindert werden. Eine Besonderheit des Marktes: Die Zertifizierung funktionaler Sicherheit erfolgt weltweit über den deutschen TÜV. „Der Japaner muss sich mit dem deutschen TÜV auseinandersetzen, der Franzose und auch der Amerikaner. Das ist für viele die Hölle.“

Vorteil durch Netzwerk

Genau hier sieht Kübeck einen Wettbewerbsvorteil von logi.cals: Mit Helmert habe das Unternehmen nicht nur technisches Know-how, sondern auch ein tiefes Verständnis für die TÜV-Prozesse und ein gewachsenes Netzwerk aufgebaut. „Er kennt dort alle , ruft an und sagt, ‚wir haben die und die Idee‘. Das ist unglaublich viel wert.“

Funktionale Sicherheit stellt technisch besondere Anforderungen an die Entwicklung. „Für einen Programmierer ist es psychologisch gar nicht so einfach, sich da hineinzudenken“, erklärt Plankensteiner. „Während klassische Automatisierung darauf abzielt, Anlagen zuverlässig am Laufen zu halten, muss funktionale Sicherheit sicherstellen, dass Systeme im Gefahrenfall kontrolliert abschalten.“

Zwei zentrale Säulen

Die beiden zentralen Säulen seien dabei Fehlervermeidung und Fehlerbeherrschung. „Bei der Fehlervermeidung geht es darum, im Entwicklungsprozess sicherzustellen, dass möglichst wenige Softwarefehler entstehen. Die Anforderungen an Entwicklung und Tests sind dadurch deutlich höher.“ Gleichzeitig müsse ein System auch dann sicher bleiben, wenn Fehler auftreten – etwa durch technische Defekte oder unerwartete Ereignisse“, so der CEO weiter.

Mit der Übernahme der ISH 2019 baute logi.cals genau diese Kompetenz weiter aus und entwickelte daraus ein breiteres Angebot. Heute verbindet das Unternehmen Dienstleistungen mit eigenen Technologien und arbeitet an einer Transformation hin zu einem stärker lizenzbasierten Geschäftsmodell. „Unser Ziel ist, funktionale Sicherheit schneller, günstiger und investitionssicherer zu machen“, so Plankensteiner. Auch KI spielt dabei eine Rolle: Mit einem neuen Ansatz will das Trio die Entwicklung sicherer Automatisierungslösungen weiter vereinfachen und hat dafür bereits ein Patent beantragt.

Man muss wissen, dass Künstliche Intelligenz in der funktionalen Sicherheit lange als unmöglich galt, da KI von Natur aus indeterministisch (also in ihren exakten Ergebnissen schwer vorhersehbar) sei. Doch dem Team ist es gelungen, einen Ansatz zu entwickeln, der KI-gestütztes Programmieren in diesen starren Zertifizierungsrahmen presst.

Das Ende der Bewegung

„Denken wir an humanoide Roboter, wie sie derzeit von großen Tech-Visionären entwickelt werden. Damit so ein Roboter einem Menschen im Alltag nicht den Arm bricht, müssen seine Gelenke über Sensorik erkennen, wenn ein Mensch zu nah kommt. Das Gelenk muss die Bewegung verlangsamen und notfalls blockieren“, sagt Plankensteiner. „Ein Kunde in der Schweiz liefert für einen namhaften Humanoiden die Automatisierung im Gelenk. Die Entwicklung der Hardware dazu, die Firmware und die funktionale Sicherheit kommen von uns“, präzisiert er.

Diese komplexe, sicherheitskritische Programmierung für das Gelenk übernimmt künftig (Anm.: ab nächsten Jahr am Markt) der „Neuro Transformer“ von Neuron Automation. Er nimmt, eigenen Angaben nach, dem Programmierer 90 Prozent der repetitiven, fehlervermeidenden Code-Arbeit ab. Der menschliche Ingenieur steige so in die Rolle des Architekten und Reviewers auf, während die KI zunehmend die Umsetzung übernimmt.

Der geplante Wandel von Neuron Auromation

Dass Technologie allein jedoch nicht reicht, das weiß das Team. Jahrzehntelang war das Unternehmen stark im Projektgeschäft tätig. Das bedeutet: 70 Prozent einmalige Dienstleistungsumsätze (Non-Recurring), 30 Prozent Lizenzen (Recurring). Der Plan bis 2030 sieht eine komplette Umkehrung vor.

Durch hardwareunabhängige Sicherheitslösungen und KI-Tools wie den „Neuro Transformer“ möchte sich das Unternehmen in ein hybrides Modell transformieren: Die Zielvorgabe lautet 70 Prozent Recurring Revenue (wiederkehrende Lizenzen) und 30 Prozent Dienstleistung. Die Projektarbeit bleibt dabei die Antenne zum Markt, um Innovationen überhaupt erst zu erkennen, während das Softwaregeschäft die Profitabilität jenseits der 20-Prozent-Marke treiben soll. So der Plan.

Die DNA des Erfolgs

Allgemein ist festzustellen, dass sich besonders ein Faktor durch die Historie von Neuron Automation zieht. Es ist eine DNA der Zusammenarbeit: Ob es der Einstieg von Kübeck war, die Übernahme von Axel Helmerts Lebenswerk oder das Halten von Schlüsselfiguren über Jahrzehnte hinweg: Alles basiert auf einem tiefen Verständnis von Beziehungen und Partnerschaften.

„Bei uns gibt es keine Schauspieler“, sagt Plankensteiner. „Wenn die Eigentümer, die Entwickler, die in St. Pölten sitzen und die Zukäufe in Deutschland nicht auf einer extrem vertrauensvollen, menschlichen Basis kommunizieren würden, wäre ein solcher Wandel unmöglich gewesen. Innovation entsteht hier oft im Joint-Development – Hand in Hand mit den Kunden, die wir nicht als reine Käufer, sondern als Entwicklungspartner sehen.“

Blick ins nächste Jahrzehnt

Heute steht Neuron Automation, bei 16 Millionen Euro Umsatz und 135 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Der Vorsprung der einst übermächtigen Konkurrenz sei drastisch geschmolzen. Durch M&A, sensibles Cash-Flow-Management, Branchenvertrauen und eine besondere KI-Lösung für funktionale Sicherheit .

„Der Wettbewerber ist – statt zehnmal – heute nur noch dreimal so groß. Und sein Vorsprung ist deutlich kleiner geworden. Wir sind technologisch aus unserer Sicht, und das bestätigen unsere Kunden (und auch die des Konkurrenten), deutlich voraus“, sagt Plankensteiner. „Wir haben nicht mehr ‚zehn Jahre Nachteil‘. Als ich 2016 zu Steiniger und Kübeck dazugestoßen bin, war er (Anm.: Der Konkurrent) seit 2006 mit seinem Engineering-Tool breit im Markt unterwegs. Jetzt hat er nur mehr ein Jahr Vorsprung. Schauen wir, was beim nächsten Sprung passiert.“

Die Pipeline von Neuron Automation sei zudem bereits gut gefüllt: Erste Kunden starten noch vor der geplanten Zertifizierung´, wie Planeksteiner mitteilt: „Der erste Schritt unserer Transformation passiert dann zwischen 2028 und 2030. In dieser Zeit wollen wir die 20-Millionen-Euro-Umsatz-Grenze deutlich überschreiten und uns auch klar über 20 Prozent Profitabilität bewegen. Mit dem zunehmenden Anteil des Lizenzgeschäfts soll dann die Marge auch weiter steigen.“

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AI Summaries

PlanRadar: Wiener Scaleup plant heuer 8 neue Standorte in 3 Kontinenten

  • Die fünf Co-Founder, die 2013/2014 mit ihrem Startup DefectRadar in Wien an den Start gingen, sind immer noch alle an Bord.
  • Heute ist PlanRadar ein Scaleup mit mehr als 80 Mitarbeitern allein im Headquarter in Wien.
  • Vergangenes Jahr konnte der Umsatz um 250 Prozent gesteigert werden.
  • Dieses Jahr will man acht weitere internationale Standorte auf drei Kontinenten eröffnen.
  • Seit einer Seed-Runde 2017 hat man das Wachstum vorwiegend aus dem Cashflow gestemmt.
  • Nun dürfte es aber bald eine große Kapital-Runde geben.

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