19.08.2025
FORSCHUNGSPROJEKT

planqc: Münchner Quanten-Startup eines Tiroler Gründers soll die Bahn pünktlicher machen

Der Münchner Quantencomputing-Hersteller planqc rund um den Tiroler Gründer und CEO Alexander Glätzle startet mit Partnern ein neues Forschungsprojekt für die Bahn. Es wird untersucht, wie quantengestützte Algorithmen helfen können, Störungen schneller zu beheben. Am Projekt beteiligt sich auch die ÖBB-Infrastruktur AG.
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planqc
© planqc/Dirk Bruniecki - (v.l.) Alexander Glätzle (planqc Co-founder & CEO), Johannes Zeiher (planqc Co-founder, Principal Scientist) und Sebastian Blatt (planqc Co-founder & CTO).

Die Bahn ist ein komplexes Puzzle: Baustellen, Unwetter, Engpässe – schon kleine Störungen können sich im dichten Takt zum landesweiten Domino aus Verspätungen ausbreiten. Ein neues Forschungsprojekt setzt genau hier an: Quantencomputer sollen Disponent:innen in Sekunden bei kniffligen Entscheidungen unterstützen – etwa wenn zwei Züge um dieselbe freie Trasse konkurrieren oder kurzfristig ein Abschnitt gesperrt wird. Ziel: stabilere Fahrpläne und weniger Verspätungen.

Die Partner des Projekts

Im Projekt „QCMobility | Schienenverkehr“ arbeiten das europaweit tätige Beratungsunternehmen d-fine und der Quantencomputer-Hersteller planqc mit Sitz in Garching bei München im Auftrag der Quantencomputing-Initiative des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) daran, quantengestützte Optimierung erstmals systematisch in realen Bahnszenarien zu testen. Beteiligt sind außerdem das Fraunhofer-Institut für Kognitive Systeme sowie Praxispartner aus dem Bahnbereich. Die Zusammenarbeit ist für 18 Monate angesetzt.

planqc-CEO Alexander Glätzle stammt aus Tirol, hat u. a. in Innsbruck und Oxford geforscht und 2022 planqc mit Kolleg:innen aus dem Umfeld des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik gegründet. Die Grundlagen dafür wurden unter anderem an der Universität Innsbruck erarbeitet – mehr über die Biographie von Alexander Glätzle könnt ihr hier nachlesen. Im Juli 2024 gab das Unternehmen den Abschluss einer Finanzierungsrunde in Höhe von 50 Millionen Euro bekannt (brutkasten berichtete).

Beteiligung der ÖBB-Infrastruktur AG

Für Österreich besonders relevant: Die ÖBB-Infrastruktur AG bringt sich als assoziierte Partnerin ein und stellt Einblicke in Prozesse sowie Echtdaten aus dem Betrieb bereit – zusammen mit der DB InfraGO AG und der Hessischen Landesbahn. So lassen sich realistische Anwendungsfälle definieren, von der Disposition im Störungsfall bis zur langfristigen Trassen- und Fahrplanplanung. Die Resultate werden mit klassischen Verfahren verglichen, um eine belastbare Roadmap für den künftigen Einsatz von Quantencomputing im Bahnwesen zu entwickeln.

Konkret sollen im Projekt reale Fahrpläne, Buchungs- und Infrastrukturdaten genutzt werden, um typische Konflikte abzubilden: Welche Züge erhalten bei Störungen Vorrang? Wie lassen sich Baustellen oder extreme Wetterereignisse in Echtzeit einpreisen? Und welche langfristigen Fahrplanvarianten sind robuster gegenüber Engpässen? Am Ende soll klar sein, wo Quantenmethoden gegenüber etablierten Tools tatsächlich Zeit sparen oder bessere Lösungen finden – und wo klassische Ansätze (noch) genügen.


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„Nein zur Paketsteuer“: Handelsverband äußert zentrale Kritikpunkte zur Paketabgabe

Am Dienstag nahmen der Handelsverband, OTTO Austria, refurbed und DORDA Rechtsanwälte Stellung zur geplanten Paketabgabe der Bundesregierung. Diese sei demnach eine Innovations- und Investitionsbremse für den Wirtschaftsstandort Österreich. Das Thema wurde aus unterschiedlichen Perspektiven erläutert, eine Impact Analyse schafft Einblicke.
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(v.l.n.r.) Harald Gutschi (Otto Austria), Andreas Zahradnik (DORDA Rechtsanwälte), Peter Windischhofer (CO-Founder refurbed) & Rainer Will (Geschäftsführer Handelsverband) (c) Leadersnet / C. Stowasse

„Am 11. Juni beginnt die Fußball-WM. Österreich steht kurz davor, sich schon vor dem offiziellen Start ein Eigentor zu schießen“, beginnt Rainer Will, Geschäftsführer vom Handelsverband, seine einleitenden Worte bei der Pressekonferenz zur Paketabgabe am Dienstag. Die Frustration der teilnehmenden Vertreter, Harald Gutschi von OTTO Austria, Peter Windischhofer von refurbed, Andreas Zahradnik von den DORDA Rechtsanwälten und Rainer Will, gegenüber der geplanten Paketsteuer der Bundesregierung wächst.

Mit Wirkung zum 1. Oktober 2026 soll die Paketabgabe in Höhe von zwei Euro pro zugestelltem Paket eingeführt werden. Diese Regelung richtet sich an umsatzstarke Online-Handelsplattformen, die einen jährlichen Umsatz von mindestens 100 Millionen Euro erwirtschaften, wie brutkasten berichtete. Die genannten Vertreter haben dies zum Anlass genommen, die zentralen Kritikpunkte an der Paketsteuer aus volkswirtschaftlicher, rechtlicher, betriebswirtschaftlicher, politisch/regulatorischer und europäischer Perspektive sowie aus Sicht der Endkonsument:innen zu erläutern.

„Mehr als jede zweite Online-Bestellung betroffen“

Zwei Impact Analysen der GAW (Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung, Innsbruck) zeigen volkswirtschaftliche Folgekosten der Paketsteuer auf. „Mehr als jede zweite Online-Bestellung und mindestens jeder dritte österreichische Webshop wäre von der Paketsteuer unmittelbar betroffen. Die negativen Auswirkungen beschränken sich keineswegs nur auf einzelne Großkonzerne. Von EPUs über Klein- und Mittelbetriebe bis hin zu Großunternehmen hätten tausende Firmen erhebliche Verluste zu tragen. Kleinst- und Kleinbetriebe würden 128 Millionen Euro an Wertschöpfung verlieren“, warnt HV-Vizepräsident Harald Gutschi, Geschäftsführer von Otto Austria. Insgesamt würde die österreichische Wirtschaftsleistung durch die Paketsteuer und die daraus resultierenden Umsatzverschiebungen ins Ausland um 360 Mio. Euro reduziert werden.

Folgen für Endkonsument:innen

Im Auftrag des Handelsverbands hat Reppublika Research mehr als 1.000 Österreicher:innen zu ihrer Einstellung zur Paketsteuer befragt. Demnach sprechen sich 70 Prozent gegen eine geplante Paketsteuer aus. „Man wollte ursprünglich Fernost Plattformen treffen, jetzt belastet sie viele Geldbörsel der heimischen Konsumenten. 70 Prozent der Bevölkerung lehnen diese neue Massensteuer ab. Die Bundesregierung sollte das Signal ernst nehmen und jetzt die Reißleine ziehen“, fordert Rainer Will. Nach der Umfrage denken 69 Prozent, dass es die Konsument:innen am stärksten belasten wird und 92 Prozent befürchten höhere Endkundenpreise.

Kritik seitens der Startup- und Scaleup Szene

Die geplante Paketsteuer sorgt in der österreichischen Startup- und Scaleup-Landschaft für heftigen Gegenwind. Besonders problematisch sei sie etwa für Secondhand-, Refurbished- und Reuse-Geschäftsmodelle, wie jenes von refurbed. Dort sind die Margen i.d.R. deutlich geringer als im klassischen Neuwarenhandel. Während Tech-Riesen die Gebühr aufgrund hoher Margen kaum spüren, würde sie Unternehmen wie refurbed existentiell treffen: „Mit einem neuen iPhone macht Apple 30-40 Prozent Marge. Bei einem Refurbisher liegt diese bei drei bis fünf Prozent. Wenn man da jetzt zwei Euro draufschlägt, dann ist automatisch der Profit weg.“

Das bittere Resultat für den Standort wäre, dass ausgerechnet „jene Firmen, die regional produzieren, die in Europa Wertschöpfung betreiben und die Kreislaufwirtschaft und dadurch auch die Ökologie vorantreiben, massiv benachteiligt werden“. Windischhofer bezeichnet die Abgabe als reines „Greenwashing“, das ökologischen Zielen in Wahrheit sogar schade.

Paketsteuer möglicherweise verfassungs- bzw. unionsrechtswidrig

Laut einem Rechtsgutachten der Kanzlei DORDA, das ebenfalls präsentiert wurde, sei die neue Steuer weder verhältnismäßig noch konsistent ausgestaltet und stehe daher rechtlich auf „wackeligen Beinen“. Besonders kritisch wird bewertet, dass Lieferungen nach stationärem Kauf oder „Click & Collect“ ausgenommen sind, obwohl hier dieselben Transportvorgänge stattfänden. Juristische Schritte werden auch von Seiten des Handelsverbands angedacht: „Wir werden rechtlich gegen die Paketabgabe vorgehen und beim Verfassungsgerichtshof bzw. beim Europäischen Gerichtshof dagegen klagen. Ich kann dieser Bundesregierung nur dringend empfehlen, den Gesetzesentwurf vor Beschluss präventiv einem EU-Notifikationsverfahren zu unterziehen. Damit wird die Rechtsmäßigkeit im Vorfeld geprüft und das verhindert jahrelange Rechtsunsicherheit“, sagt Harald Gutschi.

Am Schluss: Appell an die Politik

„Ein durchschnittlicher österreichischer Haushalt wird durch die MwSt-Senkung ab 1. Juli laut Budgetdienst des Parlaments rund 6 Euro im Monat sparen – und durch die neue Paketabgabe ab 1. Oktober rund 6 Euro draufzahlen. Das ist klassische linke-Tasche-rechte-Tasche-Politik“, zieht Rainer Will sein Fazit. Der Handelsverband appellierte am Dienstag eindringlich an alle zuständigen Mitglieder der Bundesregierung, die nationale Paketsteuer zu stoppen und stattdessen Maßnahmen zur Stärkung von Wachstum, Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit umzusetzen.

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