13.09.2023

Pixofarm: Wiener Agritech-Startup ist insolvent – Unternehmen soll nicht fortgeführt werden

Das Wiener Startup Pixofarm hat eine AI-gestützte Smartphone-Lösung entwickelt, die Obstbauern bei ihrer Ernteprogonose unterstützt. Nun ist das Unternehmen insolvent und soll nicht fortgeführt werden.
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(c) Pixofarm

Die Serie an Insolvenzen in der österreichischen Startup-Landschaft reißt nicht ab. Wie am Mittwoch über KSV1870 und AKV bekannt wurde, musste nun das 2019 gegründete Wiener Startup Pixofarm Insolvenz anmelden. Das Unternehmen entstammt dem bekannten österreichischen Corporate Company Builder WhatAVenture.

Pixofarm rund um Gründer und Geschäftsführer Farid Edrisian hat eine AI-gestützte Smartphone-Lösung entwickelt, die Obstbauern bei ihrer Ernteprogonose unterstützt. Mithilfe des Tools können Landwirte Fotos von ihren Apfelbäumen machen, wobei eine eigens entwickelte Software Anhaltspunkte für die gezielte Bewässerung oder den Einsatz von Düngemittel liefert. Neben dem Kernmarkt Europa kam die Software unter anderem auch in Australien und Südamerika zum Einsatz.

Millionen-Investment für Pixofarm

Erst Mitte Juni 2021 gab das Startup den Abschluss einer Finanzierungsrunde in Millionenhöhe bekannt. Als strategischer Partner konnte damals der weltweit agierende Agrarkonzern UPL gewonnen werden, der sich auf Lösung für die Landwirtschaft spezialisiert hat und in über 130 Ländern weltweit aktiv ist. Zur Einordnung: Der Jahresumsatz von UPL beläuft sich auf über fünf Milliarden Euro jährlich.

Im Zuge der Finanzierungsrunde hieß es damals, dass UPL Pixofarm bei der Skalierung unterstützen soll, indem der Zugang zu Landwirten geschaffen wird. Zuletzt war die UPL Europe Ltd. laut Firmenbuch mit 36 Prozent am Unternehmen beteiligt, die WhatAVenture Beteiligungs GmbH hielt hingegen 49,11 Prozent und Farid Edrisian 8,88 Prozent. Weitere Gesellschafter sind Hamed Bastani mit 3,84 Prozent sowie die S-way Project Development GmbH mit 2,17 Prozent.

Unternehmen soll nicht fortgeführt werden

Zur Höhe der Passiva und der Anzahl an betroffenen Gläubigern waren am Mittwoch noch keine näheren Details bekannt. Fest steht allerdings, dass das Unternehmen nicht fortgeführt werden soll. Wann das Unternehmen vor dem zuständigen Handelsgericht Wien geschlossen wird, steht noch nicht fest.

Stefan Perkmann Berger, Founder von WhatAVenture, erläutert in einem ersten Statement gegenüber brutkasten die Gründe: „Unser strategischer Partner von Pixofarm ist einer der größten Agrar-Chemie-Konzerne weltweit. Aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Lage treffen viele Unternehmen Entscheidungen wieder verstärkt auf das Kerngeschäft zu fokussieren und Investments zurückzufahren. Das hat auch dazu geführt, dass viele zukunftsorientierte (Digitale-) Transformationsprojekte eingestellt werden. Dieser strategische Richtungswechsel hat nun dazu geführt, dass die Weiterführung von Pixofarm in dem aktuellen Setup nicht mehr zielführend und realistisch ist.“

Wie lange der Dienst von Pixofarm für die Nutzer:innen noch weiterlaufen wird, ist bis dato noch nicht bekannt. Eine entsprechende brutkasten-Anfrage an Pixofarm-Gründer Farid Edrisian blieb bislang unbeantwortet. Derzeit ist die App noch in den App-Stores von Google und Apple gelistet.

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Claus Schmidt | © Schrotter
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Das seit diesem Sommer börsennotierte Grazer Energie- und Atomkraft-Scaleup (bzw. je nach Lesart Unicorn) Emerald Horizon hat schon zuvor mit Personal-Entscheidungen auf sich aufmerksam gemacht: Zunächst holte man vergangenes Jahr Ex-Nationalbank-Gouverneur Robert Holzmann, später Ex-FPÖ-Chef Norbert Hofer jeweils in Vice-President-Positionen ins Team. Eine nun verkündete Personalie weist etwas weniger Prominenz, dafür wohl mehr Pragmatismus auf: Der erfahrene österreichische Manager Claus Schmidt übernimmt den Verantwortungsbereich „Organizational Development & Quality Management“.

Ziel: fit für die ambitionierten Pläne

Für Emerald Horizon geht es darum, die gesamte Organisation fit für die ambitionierten Pläne zu machen. Denn sowohl mit dem erst teilweise marktreifen Energiespeichersystem „Dual Store Plus“ als auch mit den geplanten Thorium- und Teilchenbeschleuniger-basierten Mini-Atomkraftwerken „Ades“ (brutkasten berichtete) will man in den kommenden Jahren in die Serienproduktion, um in die weltweite Skalierung zu gehen. Als Produktionspartner hierfür ist die niederländische VDL Groep bereits fixiert.

„Wir kommen aus der Forschung und gehen in die Industrialisierung. Über diesen Übergang entscheidet die Organisation in wesentlichem Maße mit“, sagt Vice President Operations Philipp Pölzl. „Claus Schmidt hat in mehreren Industrien Verantwortung übernommen. Diese Erfahrung holen wir uns an Bord.“ Schmidt bringe mit, was ein Deep-Tech-Unternehmen in der Wachstumsphase brauche: „Struktur, Qualitätsdenken und ein Gespür für Teams“.

Claus Schmidt: 25 Jahre Erfahrung im Top-Management

Konkret kommt der studierte Betriebswirt Schmidt mit mehr als 25 Jahren Erfahrung als CEO und CSO in unterschiedlichen Branchen und Ländern. Er war unter anderem Geschäftsführer der Umdasch Shopfitting Group mit 1.500 Mitarbeitern in 16 Ländern, CEO der Columbia S.r.l. in Italien und der Shoptec k.f.t in Ungarn, CEO der IDEAL Kältetechnik und zuletzt Generalbevollmächtigter der SIMACEK Holding in Wien und Hamburg.

„Emerald Horizon ist in einer Phase, in der aus einer Entwicklung Schritt für Schritt großartige Produktlösungen entstehen. Diese Herausforderung reizt mich enorm, und ich freue mich auf die Arbeit mit diesem großartigen und wachsenden Team“, kommentiert Schmidt.

Ungewöhnlicher Börsengang

In einem durchaus ungewöhnlichen Schritt ging Emerald Horizon Anfang dieses Sommers im Segment „standard market continuous“ an die Wiener Börse. Ungewöhnlich deshalb, weil das erste geplante Produkt „Dual Store Plus“ nach eigenen Angaben teilweise erst in der Prototypenphase ist – konkret der Wärmespeicher „CALStore“; vom geplanten Hauptprodukt „Ades“ gibt es noch keinen Prototypen. Für die kommenden Jahre rechnet das Unternehmen mit Verlusten, was zuletzt zu einem ungewöhnlichen Finanzierungsschritt führte. Dennoch wird das Unternehmen an der Börse bereits mit mehr als einer Milliarde Euro bewertet.

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