02.06.2017

Pioneers 2017: „Weltraum für alle“ – um 250.000 USD pro Person

Kommentar. Beth Moses von Virgin Galactic stellte beim Pioneers Festival das "Raumfahrt-Programm für jeden" vor. Doch der Idealismus im Vortrag passt (noch) nicht mit dem tatsächlichen Angebot zusammen.
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„Nichts eint die Menschheit so sehr, wie der Weltraum!“ Mit diesem Statement beginnt Beth Moses einen mitreißenden Vortrag über die Arbeit von Virgin Galactic. Die Amerikanerin ist beim in New Mexico ansässigen Raumfahrtprogramm des britischen Virgin-Konzerns unter anderem für das dreitägige Training der Weltraumtouristen hauptverantwortlich. Davor hat sie für die NASA (von der Erde aus) die Montage-Tätigkeiten auf der internationalen Raumstation ISS geleitet. Man spürt ihre Überzeugung, nun bei Virgin die absolute Exklusivität der Raumfahrt beenden zu können.

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Kinder bald im All statt am Feriencamp?

In ihrem Vortrag spart sie nicht an Idealismus. Die Astronomie sei einer der wenigen Bereiche, in dem man sich weltweit auf einheitliche Standards hätte einigen können. Es gelte, diese vereinende Kraft zu nutzen. Virgin Galactic wolle den Weltraum daher allen zugänglich machen. Und schon in den nächsten Jahrzehnten, so prognostiziert Moses, werden Kinder ins All fliegen, anstatt aufs Feriencamp zu fahren. „Ich bin mit dem Ziel eingestiegen, eine beliebige Person von der Straße nehmen zu können und innerhalb einer Woche so weit zu haben, dass sie einen Weltraumflug durchführen und genießen kann“, sagt Moses.

Von Selbsterkenntnis und dem, was wirklich zählt

Als sie drei Zuschauer auf die Bühne bittet, um zu erzählen, warum sie gerne ins All fliegen würden, wird es richtig philosophisch. Da geht es um Selbsterkenntnis, um den Platz des Individuums im Universum und um die Irrelevanz irdischer Grenzen. Moses erzählt über den Aufbau ihres Trainings: „Die Individualität ist bei uns der entscheidende Aspekt. Jeder soll für sich das beste aus dem Flug herausbekommen.“ Wer könnte all dem widersprechen? Die Menschheit wird vereint und jeder kann das beste aus sich herausholen und erkennt vom Weltraum aus, was wirklich zählt. Super.

„Bei dieser Kostenbasis verspricht auch eine signifikante Kostenreduktion noch nicht, dass die Flüge tatsächlich für alle leistbar werden.“

Noch weit entfernt von „Weltraum für alle“

Die Vision ist schön. Doch kann Virgin Galactic das tatsächlich bieten? Das derzeitige Angebot klingt jedenfalls noch nicht nach „Weltraum für alle“. Für einen Flug muss man stolze 250.000 US-Dollar bezahlen. Der dauert vom Start bis zur Landung etwa zweieinhalb Stunden. In der Schwerelosigkeit verbringt man lediglich ein paar Minuten. „Der Preis wird in den kommenden Jahren noch deutlich reduziert werden“, versichert Moses. Doch bei dieser Kostenbasis verspricht freilich auch eine signifikante Kostenreduktion noch nicht, dass die Flüge tatsächlich für alle leistbar werden. Nun, Virgin Galactic ist ja auch mit dem Ziel angetreten, als erstes Unternehmen kommerzielle Raumfahrt anzubieten. Da müssen auch die Margen passen.

Viel CO² für ein bisschen Vergnügen

Und noch eine weitere Frage muss sich zwangsweise stellen, wenn man bedenkt, dass das Angebot,ein paar Minuten schwerelos zu sein, primär dem Vergnügen dient: Was bedeuten die extrem energieintensiven Flüge für die Umwelt? Jemand aus dem Publikum übernimmt das und fragt Moses nach dem CO²-Fußabdruck eines Flugs. Ihre Antwort: „Da bin ich überfragt, aber definitiv nichts im Vergleich zu den Millionen Autos auf der Welt“. Nun, diese Antwort war wohl nicht nur für den Zuschauer, der die Frage gestellt hat, nicht befriedigend. Am Ende muss am Pioneers Festival, wo so viele zukunftsweisende und nützliche Technologien präsentiert werden, auch die zweite Frage erlaubt sein: Wem nützt so ein Angebot tatsächlich? Es bleibt also abzuwarten, wie sich das Angebot in den nächsten Jahren entwickelt.

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SuperCycle Gründerinnen Rhana Loudon und Olivia "Lilli" Hromatka © SuperCycle / Sigrid Mayer

Discokugel an der Decke, Spiegel an den Wänden und ein neonpinker Schriftzug, auf dem „SuperCycle“ zu lesen ist. Im Takt treten bis zu 40 Beinpaare auf den Bikes und lassen Herzfrequenzen in die Höhe schnellen.

Dieses Gefühl, das SuperCycle seit 2016 in seinen fünf Wiener Studios aufgebaut hat, soll jetzt über die Stadtgrenzen hinausfinden. Seit dem ersten Jahr erreichen Mitgründerin Olivia „Lilli“ Hromatka und ihre Co-Founderin Rhana Loudon laufend E-Mails aus anderen Städten, vor allem aus Graz, Linz, Salzburg und Innsbruck. Jetzt reagiert das Unternehmen darauf: Mit einem Franchisemodell soll das Boutique-Cycling-Konzept österreichweit wachsen.

Was hinter dem Konzept steckt

© SuperCycle / Sigrid Mayer

SuperCycle ist ein Indoorcycling-Studio: Auf stationären Rädern fahren die Teilnehmenden im Gruppenkurs zur Musik, angeleitet von Instructor:innen, die Tempo, Widerstand und Choreografie vorgeben. Dabei setzen die Trainer:innen auf durchchoreografierte, HIIT(High-Intensity-Intervall-Training)-basierte Einheiten im abgedunkelten Raum, mit Lichtshow und Playlist als festem Bestandteil der Stunde.

Über 165 solcher Kurse laufen aktuell pro Woche in den Wiener Studios, aufgeteilt auf Formate wie Soft-, Sculpt- und Music-Rides. Die Gründerinnen Loudon und Hromatka haben SuperCycle über das letzte Jahrzehnt ohne Investor:innen aufgebaut.

Zehn Prozent Abgaben und 32.000 Euro Einstiegsgebühr

Konkrete Zahlen zum neuen Franchisemodell nennt Hromatka im brutkasten-Interview: Die monatlichen Gesamtgebühren sollen sollen bei rund zehn Prozent des Nettoumsatzes liegen, dazu kommt die Einstiegsgebühr von 32.000 Euro. Auf weitere Kosten bzw. genauere Zahlen wird im näheren Kennenlernen der Franchise PartnerInnen eingegangen, erklärt Hromatka. Denn wer ein Studio eröffnet, muss auch investieren: SuperCycle-Studios brauchen etwa eine eigene Lüftung sowie einen Raum-in-Raum, um die Musik in voller Lautstärke spielen zu können, ohne die Nachbarschaft zu stören.

Auch die Bikes schaffen sich Franchisenehmer:innen selbst an. Wie hoch die Gesamtinvestition ausfällt, hängt von Studiogröße und Standort ab. Wichtig seien in jedem „Fall Hands-on-Mentalität, Organisationstalent, die Liebe zu SuperCycle, und die Bereitschaft, regelmäßig vor Ort im Studio zu sein, um eine Community aufzubauen“, ergänzt die Co-Founderin.

Vier Landeshauptstädte zuerst

Die Expansion soll schrittweise erfolgen. „Ziel wäre Graz, ein bis zwei Studios, Linz, Salzburg, Innsbruck“, so Hromatka. Erst wenn die Partnerschaften in Österreich funktionieren, ist internationale Expansion geplant. „Ich bin ein großer Fan davon, sich realistische Ziele zu setzen“, erklärt die Co-Founderin weiter. Für jeden Standort gibt es laut eigenen Angaben bereits eine Gebietsanalyse, auf deren Basis ein Gebietsschutz vergeben wird, je nach Nachfrage auch mehrere Gebiete pro Stadt.

Rund 30 Interessent:innen, gezielte Auswahl

Bislang haben sich laut Hromatka rund 30 Interessent:innen gemeldet. Gesucht wird nicht in erster Linie Fitnessbranchen-Erfahrung, sondern Haltung: „Es geht nicht darum, dass jemand das aufbauen will, um einfach nur Geld zu machen“, sagt Hromatka. Wichtiger seien Hands-on-Mentalität, Organisationstalent, ein finanzielles Backup und die Bereitschaft, regelmäßig vor Ort im Studio zu sein.

Der Anspruch bleibt laut Hromatka derselbe wie beim Wiener Start: „Wir wollten weg von diesem langweiligen Sport.“ Wer einmal eine Sportart gefunden hat, die Freude macht, bleibt langfristig dabei. Genau dieses Gefühl soll das Franchisemodell nun nach ganz Österreich bringen.

© SuperCycle / Sigrid Mayer
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