07.12.2020

PhagoMed: Wiener Biotech holt zweiten Platz beim EIT Health Catapult

Die synthetische Biologie-Plattform PhagoMed überzeugte die Jury des "EIT Health Catapult" und schaffte es unter die Top 3 in der Kategorie Biotech.
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PhagoMed, EIT, Health Catapult
(c) PhagoMed/ Christine Landlinger- Das PhagoMed-Team rund um CEO Alexander Belcredi re.) überzeugte die EIT-Jury mit dem Einsatz von Phagen-basierten Proteinen.

Zur Erklärung: Das Wiener Biotech-Unternehmen PhagoMed hat einen neuen Therapieansatz zur Heilung der bakteriellen Vaginose und zur Restabilisierung des vaginalen Mikrobiomes entdeckt. Grundlage der neuen Therapiemöglichkeit sind rekombinant hergestellte Enzyme spezieller Viren, Phagen, die Bakterien auflösen und vernichten können. Diese Alternative zu Antibiotika wurde jetzt von der EIT, dem Europäischen Institut für Innovation & Technologie, im Rahmen seines „Health Catapults“-Contest mit dem zweiten Platz prämiert.

PhagoMed beim „Health Catapult“

Die Einführung des Wettbewerbs- und Schulungsprogramms stellt Experten und Investoren in ganz Europa Startups aus den Bereichen Biotechnologie, Medizintechnik und digitale Gesundheit vor. Das Programm zeichnet die besten Geschäftskonzepte aus um Startups schnell in die „EIT Health“-Community weltweit führender Unternehmen aufzunehmen, so das Ziel. Oder anders gesagt: Das „Health Catapult“ ist ein einjähriger, mehrstufiger Wettbewerb, der ins Leben gerufen wurde, um vielversprechende europäische Startups in den Kategorien Biotech, Medtech und Digital Health zu identifizieren und zu fördern.

Großes Health-Netzwerk

PhagoMed konnte die Juroren über viele Runden mit seinem neuen Ansatz beeindrucken: Es geht darum, hartnäckige bakterielle Infektionen durch den Einsatz von Phagen-basierten Proteinen – sogenannten Lysinen – zu behandeln. Der internationale Wettbewerb startete im Mai und umfasste verschiedene Wettbewerbsniveaus. Im Rahmen des Wettbewerbs stellte jedes Team seinen Lösungsansatz dem „Netzwerk Gesundheit“ des EIT vor, das mehr als 150 führende Gesundheitsorganisationen beinhaltet.

Über 100 Millionen Frauen weltweit betroffen

Die Bakterielle Vaginose ist eine Krankheit, die jährlich weltweit mehr als 100 Millionen Frauen pro Jahr betrifft. Wegen der neuen Alternative zu traditionellen, antibiotischen Behandlungen, die laut Unternehmen oft nicht funktionieren und außerdem zu Resistenzproblemen führen können, wählte die Jury PhagoMed im regionalen Finale im Mai 2020 aus.

Weiterer Preis für PhagoMed

Dort hatte sich das Unternehmen gegen Mitstreiter aus Deutschland, der Schweiz und Österreich behaupten können. Aus dem Semifinale im Oktober 2020 ging PhagoMed nicht nur als Finalist heraus, sondern gewann überdies den „LallianSe„-Preis für die „spannendste Chance auf einen erfolgreichen Markt-Eintritt“. Der zweite Platz im Gesamtwettbewerb für PhagoMed bedeutet einen Gewinn von 20.000 Euro und ist laut Co-Founder Alexander Belcredi nach ein starkes Signal für das wiederaufgelebte Interesse an neuen, antibakteriellen Behandlungen und an PhagoMeds Hauptprogramm zur Bekämpfung der rezidivierenden Bakteriellen Vaginose.

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V.l.n.r. LH Stv. Stephan Pernkopf, COO Gate Space Johannes Pammer, Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, ESA-Generaldirektor Josef Aschbacher | © NLK Filzwieser

Die Zukunft des ESA-Phi-Lab Austria ist bis 2031 sicher. Das Land Niederösterreich und die ESA (über den Bund) finanzieren den Space Hub in Schwechat mit 4,4 bzw. 5,2 Millionen Euro, wie bei den Austrian Space Days bekanntgegeben wurde. Somit können weitere Unternehmen gefördert werden. Ziel für die Förderperiode ab 2028 ist, neuartige Raumfahrttechnologien schneller vom Prototyp in die industrielle Produktion zu bringen.

Unabhängigkeit und Wertschöpfung

Aufgrund der geopolitischen Lage sei es zentral, mit der „Konkurrenz aus den USA und Asien mithalten zu können“, sagt Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner. Sie präzisiert: „Wenn wir die Schlüsseltechnologien nicht in der Hand haben, dann steigt unsere Abhängigkeit sowohl politisch, aber vor allem auch wirtschaftlich. Was das heißt, haben wir in den letzten Jahren hautnah zu spüren bekommen.“

Außerdem sieht sie eine Chance für den Wirtschaftsstandort Österreich: „Wir erwarten uns neue Jobs, neue Unternehmen und dadurch auch neue Wertschöpfung, aber vor allem auch Wohlstand in der Zukunft.“ Während andere Branchen laut Mikl-Leitner wegen der wirtschaftlichen Lage verloren gingen, habe die Raumfahrt Potential. „Es gibt in der Raumfahrt ein Wachstum von zehn Prozent pro Jahr. Raumfahrttechnologie und auch Bahntechnologie sind die am schnellsten wachsenden Bereiche weltweit und da wollen wir natürlich auch mit dabei sein.“

LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf betont: „Die Verlängerung des ESA-Phi-Lab ist wichtig, um zu zeigen, dass wir auch in angespannten Budgetzeiten in Zukunftstechnologien investieren.“

Vier Ausschreibungen, mehr als 150 Einreichungen

Seit seiner Einführung im Jahr 2024 gab es vier Ausschreibungsrunden, in denen insgesamt über 150 Projekte eingereicht wurden. Einreichungen seien weiterhin laufend möglich. Die Förderung betrage zwischen 200.000 und 500.000 Euro die Projekte würden 12 bis 24 Monate begleitet werden. Der Schwerpunkt liege auf Upstream-Technologien, also der Hard- und Software für Satelliten und Raumfahrzeuge und ihren Betrieb. Das Programm verbindet die Finanzierung mit Unterstützung u. a. bei Geschäftsmodellen, Marktanalyse und Skalierung.

Im ESA Phi-Lab Austria werden aktuell 13 Projekte umgesetzt. Dabei sind Firmen wie Peak Technology, R-Space oder auch Gate Space beteiligt. Letztere designte einen Satelliten, der im Februar nächsten Jahres von SpaceX in den Orbit geschossen werden soll. Der Beaconsat ist Österreichs erster Militärsatellit und soll Angriffe auf Navigationssignale sichtbar machen.

Der Beatconsat (Bildmitte) wurde von Gate Space im Auftrag des Verteidigungsministeriums entwickelt. | © brutkasten

Auf Space Factory folgt Ausbau von Space Hub

Im Sommer dieses Jahres wurde die Space Factory, eine Infrastruktur für Prototyping und Tests, gegründet (brutkasten berichtete). Nun folgt der Ausbau des Space Hubs, um Platz für mehr Firmen zu schaffen. Aktuell sind dort zehn Unternehmen tätig. „Als österreichischer Generaldirektor bin ich wirklich sehr beeindruckt, wie dynamisch die Szene hier ist, wie schnell sich das aufbaut und wie vorwärtsschauend die Region Niederösterreich, aber Österreich insgesamt ist. Die Industrie ist aufgewacht und sehr aktiv. Das rennt jetzt“, sagt ESA-Generaldirektor Josef Aschbacher.

Space Region Lower Austria

In Niederösterreich möchte man „Raumfahrt weiterdenken“ und arbeitet daher an der Initiative „Space Region Lower Austria“. Von Seibersdorf über Wiener Neustadt bis zum Flughafen Wien-Schwechat sollen Forschungseinrichtungen und Unternehmen besser vernetzt werden und unter einer Dachmarke auftreten. „Wir stehen für Raumfahrttechnologie, wir wollen im internationalen Wettbewerb auch mitspielen können. Wir wollen uns von den USA und letztendlich auch von Asien abheben können“, sagt Mikl-Leitner.

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PhagoMed: Wiener Biotech holt zweiten Platz beim EIT Health Catapult

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  • Diese Alternative zu Antibiotika wurde jetzt von der EIT, dem Europäischen Institut für Innovation & Technologie, im Rahmen seines „Health Catapults“-Contest mit dem zweiten Platz prämiert.
  • Die Einführung des Wettbewerbs- und Schulungsprogramms stellt Experten und Investoren in ganz Europa Startups aus den Bereichen Biotechnologie, Medizintechnik und digitale Gesundheit vor.
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