08.01.2026
FINANZIERUNG

Permedio: Haselsteiner steigt als Investor bei Schneider-Startup ein

Jahre nach einem Auftritt bei "2 Minuten 2 Millionen" konnten Stefan Wöhrer und seine Schwester Katharina Schneider nun den damaligen Show-Investor Hans Peter Haselsteiner (tatsächlich) überzeugen.
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Katharina Schneider (l.) und ihr Bruder Stefan Wöhrer (m.) leiten gemeinsam Permedio. Hans Peter Haselsteiner (r.) stieg nun als Investor ein. | Collage; Bild-Copyrights: Wieland / Permedio / puls 4/Gerry Frank
Katharina Schneider (l.) und ihr Bruder Stefan Wöhrer (m.) leiten gemeinsam Permedio. Hans Peter Haselsteiner (r.) stieg nun als Investor ein. | Collage; Bild-Copyrights: Wieland / Permedio / puls 4/Gerry Frank

Fünf Jahre ist es nun her: Anfang 2021 war Stefan Wöhrer mit seinem damals noch sehr jungen Startup Permedio in der Puls4-Show 2 Minuten 2 Millionen zu sehen. Jurorin Katharina Schneider verließ damals den Raum, sie ist nämlich die Schwester des Gründers. Noch im selben Jahr wurde sie Anteilseignerin, 2024 schließlich Co-Geschäftsführerin, wie brutkasten berichtete. Die anderen Juroren gaben sich damals vor der Kamera überzeugt. Gleich vier davon wollten einsteigen, dazu noch SevenVentures.

Kein Haselsteiner-Investment nach Sendung, dafür jetzt

Doch wie die Firmenbuchdaten (via wirtschaft.at) verraten, kam es nach der Sendung zu keiner Beteiligung. Zumindest einer der damaligen Investoren holte das nun aber nach: Seit kurzem ist Hans Peter Haselsteiner über seine ZMH GmbH mit 25,1 Prozent an Permedio beteiligt. Wie viel er dafür investierte, verrät man seitens des Startups nicht. „Mir war es wichtig, einen Investor an Bord zu haben, der die Herausforderungen von Innovation und Aufbau versteht und der gleichzeitig als Mensch für mich einen Mehrwert liefert“, kommentiert Gründer Wöhrer.

MedikamenteCheck als Hauptprodukt

Permedio bietet Genanalysen an. Im Fokus steht dabei der „MedikamenteCheck“ – eine genetische Analyse zur „individuelleren Beurteilung“ von Wirksamkeit, Nebenwirkungsrisiken und Dosierungsfragen von Medikamenten. Kund:innen sollen mit dem Service also vorab feststellen können, ob sie ein Medikament vertragen und welche Dosis dabei für sie geeignet ist.

Wöhrer vergleicht: „Als ich ein Kind war, sind wir mit Autos gefahren, die weder Gurt noch Airbag hatten. Wir wissen, wie viele Todesfälle wir mit neuen Sicherheitsvorkehrungen verhindern können. Genauso ist es bei genetischen Testungen wie dem MedikamenteCheck: In einigen Jahren werden wir nicht verstehen können, dass wir Medikamente verabreicht bekommen haben, ohne vorher zu analysieren, ob diese für die jeweilige Person überhaupt wirken.“

Haselsteiner: „Zeigt sehr klar, wie personalisierte Medizin konkret im Versorgungsalltag ankommen kann“

Mit dem frischen Kapital von Haselsteiner sollen laut Permedio nun die ärztlichen Services und Support-Strukturen erweitert, die Zusammenarbeit mit Laboren und klinischen Partnern vertieft, die Anwendbarkeit im Versorgungsalltag ausgebaut und Kooperationen mit Versicherungen, Organisationen und Unternehmen intensiviert werden.

„Permedio adressiert mit genetischen Analysen ein zentrales Zukunftsthema im Gesundheitsbereich. Der MedikamenteCheck zeigt aus meiner Sicht sehr klar, wie personalisierte Medizin konkret im Versorgungsalltag ankommen kann. Mich hat insbesondere überzeugt, dass hier medizinische Expertise, technologische Umsetzung und ein wachsender Bedarf zusammenkommen. Ich sehe großes Potenzial für die weitere Skalierung und freue mich, diesen Weg als Investor zu begleiten“, kommentiert Haselsteiner.

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Matteo Rosoli, CEO von eustella © eustella

„In den USA wird gerade die Ära der Superintelligenz ausgerufen. Europa darf dabei nicht zuschauen“, sagt Matteo Rosoli, CEO von eustella. Das Wiener Startup hat am 20. Oktober die Version 1.5 seiner Plattform für KI-Agenten veröffentlicht. Sie läuft nach eigenen Angaben auf rein europäischer Cloud-Infrastruktur.

Nachtraining statt Neuentwicklung

Eustella entwickelt kein Sprachmodell von Grund auf. Stattdessen setzt das Team auf offene Modelle, deren Gewichte frei verfügbar sind, und entwickelt sie mit eigenen Daten und Verfahren weiter. Ausgangspunkt ist laut Aussendung „das chinesische Basismodell Qwen 3.8 27B”. Die leistungsstärksten offenen Modelle stammten demnach „derzeit überwiegend aus China”. Das Nachtraining soll auch deren Voreingenommenheit reduzieren.

Ergebnisse aus eigener Messung

Wie viel das Nachtraining bringt, hat eustella selbst gemessen, mit 14 gängigen Leistungstests für KI-Modelle (Benchmarks). Laut Unternehmen schneidet v1.5 in allen 14 besser ab als das Basismodell, im Schnitt um fünf Punkte. Am deutlichsten fällt der Zuwachs beim Programmieren (LiveCodeBench, plus 17,1 Punkte), beim Befolgen komplexer Anweisungen (IFBench, plus 10,9) und in mehrstufigen Gesprächen (MultiChallenge, plus 10,8) aus.

Im Vergleich mit US-Modellen zieht eustella folgende Bilanz: v1.5 erreicht mit 27 Milliarden Parametern bei LiveCodeBench 89,1 Prozent, fast identisch mit Claude Opus 5 (89,0). GPT-5.6 Sol kommt auf 82,6. Bei GPQA Diamond, einem Test mit naturwissenschaftlichen Expertenfragen, liegt eustella mit 92,6 Prozent hinter Claude Opus 5 (93,9). Beim Verstehen langer Dokumente (AA-LCR) führt v1.5 laut eigenen Angaben mit 87,5 Prozent vor Claude Opus 5 (79,0) und GPT-5.6 Sol (84,0).

Auch gegenüber dem französischen Anbieter Mistral liegt v1.5 laut eustella in allen sieben vergleichbaren Benchmarks vorn, obwohl Mistral Medium 3.5 rund fünfmal so viele Parameter habe.

Die im Sommer verglichenen Modelle sind allerdings nicht mehr die aktuellsten ihrer Anbieter. Anthropic hat mit Fable 5.1 (seit 1. September) und Opus 5.5 (seit 22. September) zwei jüngere Modelle veröffentlicht. Auch OpenAI und Mistral haben mittlerweile neue Modelle vorgestellt.

Vom Launch zur Unternehmensplattform

Vorgestellt hat eustella seine App am 24. Juni. Beim Start im Juni waren es knapp 5.000 Nutzer:innen, jetzt mehr als 22.000. Die KI-Agenten unterstützen mehrstufige Aufgaben wie Recherchen, Präsentationen oder Reiseplanung. Ende August folgte laut eustella eine Optimierung, die das Achtfache an Nutzung zum gleichen Preis ermöglicht. Mit v1.5 kommen Team- und Enterprise-Pläne: „Orbit” kostet 20 Euro pro Nutzer:in und Monat, „Constellation” mit vierfachem Nutzungsvolumen 80 Euro. Die ersten 25 Partner:innen haben bereits API-Zugriff.

Eigene Technologie in Planung

„Wir haben diesen Sommer gezeigt, dass ein europäisches Team mit offenen Modellen und eigener Forschung an die Weltspitze heranrücken kann”, sagt Rosoli. v1.5 sei „erst der Anfang”. Weitere Forschung ist in Vorbereitung, eigene KI-Technologie will eustella Schritt für Schritt entwickeln.

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