Wer pflegebedürftige Angehörige hat, kennt die Situation: Ein Sturz, etwa auf dem Weg zur Toilette, kann gravierende Konsequenzen haben. „Die Betreuung sturzgefährdeter Menschen ist oft eine schlafraubende Belastung für Angehörige, weil sie sich ständig in sorgenvoller ‚Hab-Acht-Stellung‘ befinden“, meint Andreas Frankl. Der 22-jährige Grazer hat mit seinem Startup Opus Novo mit der „smarten, multifunktionalen Leuchte“ Elly ein neues Überwachungstool geschaffen.
Elly: Lichtpunkte sollen Sturzgefahr mindern
Das Nachtlicht mit Smartphone-App erkennt das Verlassen des Bettes, markiert nächtliche Wege für die Pflegebedürftigen mit Lichtpunkten, was die Sturzgefahr verringern soll, und sendet bei Bedarf eine „Bett-Exit-Meldung“ an das Smartphone oder Tablet der Wahl. „Die Bewegungsmeldung auf dem Handy entlastet Angehörige in der Nacht und unterstützt auch tagsüber. Wie sensibel der Sensor des Elly-Moduls im Pflegezimmer reagiert, lässt sich dabei je nach Bedarf einstellen“, erklärt Frankl.
Mit den individuell einstellbaren Lichtpunkten zur verbesserten nächtlichen Orientierung hat das Startup noch weitere Pläne. Die Verringerung der Sturzgefahr und der womöglich positive Einfluss der Lichtpunkte auf den Schlaf-Wach-Zyklus des Menschen werden demnächst in einer gezielten klinischen Studie genauer evaluiert. Ziel sei die Zertifizierung als Medizinprodukt“, sagt Frankl. Und auch sonst wird der „digitale Pflegehelfer“ weiterentwickelt. Die nächste Produktionscharge soll zusätzlich eine Gegensprechfunktion und die Möglichkeit zur Raumluftüberwachung enthalten. Erhältlich ist das Gerät des im Science Park Graz inkubierten Unternehmens ab Mitte April um 249 Euro.
Pflege-Startups in unterschiedlichen Bereichen
Opus Novo ist nicht das einzige heimische Startup, das auf das Thema Pflege setzt. Das TU Wien-Spinoff cogvis etwa hat einen KI-unterstützten Sturzsensor entwickelt, mit dem vor allem professionelle Altenpflege-Einrichtungen adressiert werden. Manacare aus Tirol hat sich auf die Vermittlung von Pflegekräften, Miazorgo aus Niederösterreich auf die Bewertung von Pflegeagenturen spezialisiert.
„Du musst nicht besser sein, du musst schneller sein“: Wie Michael Dobersberger Startups US-fit macht
Michael Dobersberger bringt bei Open Austria österreichische Gründer:innen in den globalen Tech-Hotspot Silicon Valley. Im Gespräch mit brutkasten erklärt er, welche Kulturunterschiede entscheiden und warum Österreicher:innen beim Pitchen umdenken müssen.
„Du musst nicht besser sein, du musst schneller sein“: Wie Michael Dobersberger Startups US-fit macht
Michael Dobersberger bringt bei Open Austria österreichische Gründer:innen in den globalen Tech-Hotspot Silicon Valley. Im Gespräch mit brutkasten erklärt er, welche Kulturunterschiede entscheiden und warum Österreicher:innen beim Pitchen umdenken müssen.
Das Silicon Valley ist nach wie vor das unangefochtene Epizentrum der globalen Tech-Welt. Ein Großteil des weltweiten Risikokapitals ist in der Region rund um San Francisco gebündelt. Für europäische Startups birgt der Markteintritt in den US-amerikanischen Raum jedoch erhebliche kulturelle wie strukturelle Hürden. Genau an dieser Schnittstelle setzt die Arbeit von Michael Dobersberger an. Brutkasten hat ihm einen Tag lang in San Francisco über die Schulter geschaut.
Als Co-Direktor der Initiative Open Austria, einem Joint Venture der Wirtschaftskammer Österreich und des Außenministeriums, fungiert Dobersberger als strategischer Sparring-Partner vor Ort. Während die WKÖ-AußenwirtschaftsCenter in New York und Los Angeles das operative Tagesgeschäft im Exportgeschäft abwickeln, konzentriert sich das AußenwirtschaftsCenter in San Francisco unter seiner Leitung auf spezialisierte Formate.
„Ich sehe meine Aufgabe darin, Startups ready für das Silicon Valley zu machen, damit sie einen gewissen Startvorteil gegenüber anderen europäischen Startups haben“, erklärt Dobersberger im Gespräch. Sein Aufgabengebiet umfasst gezieltes Startup-Coaching für den US-Markteintritt sowie Innovation Scouting für etablierte Großunternehmen. Die Nachfrage ist hoch: „Allein heuer habe ich schon über 260 Unternehmen in einem meiner Programme gehabt.“
Die kulturellen Gräben zwischen europäischen und US-amerikanischen Entrepreneurship-Zugängen erlebt Dobersberger täglich. Während hierzulande Risiken oft im Vordergrund stehen, herrscht in Kalifornien eine ausgeprägte Optimierungskultur.
Den zentralen Unterschied im Denkansatz bringt Dobersberger pragmatisch auf den Punkt: „In den USA heißt es: ‚Es kann funktionieren, wenn …‘, während in Europa oft gesagt wird: ‚Das funktioniert nicht, weil …‘“. Es gehe keineswegs darum, kritische Einwände zu ignorieren, sondern Geschäftsideen konstruktiv zu bewerten und Chancen in den Mittelpunkt zu rücken.
Schnelligkeit und ein realistischer Blick auf Fehler
Ein entscheidender Erfolgsfaktor am US-Markt sei die Umsetzungsgeschwindigkeit. „Du musst nicht besser sein, du musst schneller sein“, betont Dobersberger. Wer rasch am Markt testet, gewinnt wertvolles Feedback und kann Mitbewerber überholen.
Ergänzt wird dieses Tempo durch den vielzitierten Umgang mit dem Scheitern, der jedoch häufig missverstanden werde. Fehler seien zwar Teil der Lernkurve, dürften das Unternehmen jedoch nicht ruinieren. „Fail fast, fail often – and keep the price to a minimum“, bringt es Dobersberger auf den Punkt. Das bedeutet übersetzt so viel wie: „Scheitere schnell, oft und halte die Kosten dabei auf einem Minimum.“
Präzision fordert der Experte auch beim Markenauftritt und Produktstart. Zu langes Perfektionieren im Stillen sei gefährlich: „Wenn du nicht irgendwann sagst: ‚Mein erstes Produkt war so peinlich‘, dann bist du zu spät an den Markt gegangen“, veranschaulicht er eindrücklich.
Auch in der Kommunikation rät Dobersberger zu einer radikalen Vereinfachung. Statt technischer Details müsse in den ersten Sekunden das zugrundeliegende Problem im Fokus stehen. Dobersberger nutzt dafür das Bild einer umgekehrten Matrjoschka-Puppe.
„Die erste Matrjoschka ist die wichtigste – das ist dein Why“, erklärt er. Ziel der ersten 40 Sekunden sei es nicht, das gesamte Produkt zu erklären, sondern Neugier zu wecken und Folgetermine zu sichern. Wer zu tief ins Technische abgleite, verliere das Gegenüber rasch.
Menschen investieren in Menschen
Zudem entscheide die Persönlichkeit des Gründerteams oft mehr als die Technologie selbst. Das Feedback internationaler Investor:innen zeichne hier ein klares Bild: „Die Investoren investieren zu 90 Prozent ins Team und zu zehn Prozent in die Technologie.“ Starken Gründerpersönlichkeiten traue man eher zu, Märkte zu erschließen und Geschäftsmodelle bei Bedarf anzupassen.
Mit diesem ganzheitlichen Ansatz, von der Schärfung der Story bis hin zur Vernetzung vor Ort, unterstützt Dobersberger heimische Gründer:innen dabei, im Silicon Valley nachhaltig Fuß zu fassen.
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