02.06.2025
CORPORATES & STARTUPS

Open Innovation Report 2025: Startups werden von Großkonzernen mehr geschätzt – fühlen es aber nicht

Sopra Steria und Sopra Steria Next veröffentlichten den "Open Innovation Report 2025", eine europaweite Studie, die sich mit der Zusammenarbeit zwischen etablierten Unternehmen und Startups befasst. Man bemerkt einen wachsenden Trend der Zusammenarbeit zwischen Konzernen und öffentlichen Einrichtungen mit Startups. Insbesondere um die Einführung von KI zu beschleunigen.
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Open Innovation Report 2025
(c) elements.envato/BGStock72

Das Tech-Unternehmen Sopra Steria veröffentlichte gestern seinen Open Innovation Report 2025, der in Zusammenarbeit mit Sopra Steria Next und Wissenschaftlern des Insead (französische Wirtschaftshochschule) erstellt wurde. Er unterstreicht die entscheidende Rolle, die Startups beim Aufbau der KI-Strategie der europäischen Großkonzerne spielen. Befragt wurden 1.643 öffentliche und private Organisationen sowie Startups. Die Daten beziehen sich auf zwölf europäische Länder und zwölf Branchen.

Open Innovation Report 2025: Kooperation bereits da

Im Report wird herausgestrichen, dass 72 Prozent der befragten Großunternehmen bereits mit Startups zusammengearbeitet haben. 57 Prozent haben inzwischen KI-fokussierte Open-Innovation-Projekte durchgeführt, davon sechs von zehn im Bereich generative KI.

Laut dem Open Innovation Report 2025 sind es jedoch nur 22 Prozent der großen Unternehmen, die generative KI in großem Umfang implementieren konnten – während zeitgleich eine steigende Anzahl an Startups auf den Plan tritt.

Diese beiden Dynamiken zusammen werfen längst die entscheidende Frage auf, wie große Unternehmen und KI-Startups effektiver zusammenarbeiten können, um Innovationen zu beschleunigen und geschäftlichen Mehrwert zu schaffen.

„Startups entscheidend“

Weiters ist bemerkenswert, dass Scaleups und Startups von 70 Prozent der Großunternehmen als „entscheidend“ für die eigenen KI-Strategien angesehen werden. Mehr als drei Viertel der Unternehmen planen, in den nächsten zwei Jahren Open-Innovation-Projekte zu starten, wobei 63 Prozent beabsichtigen, den Fokus auf KI-Projekte zu legen – insbesondere auf generative KI.

Interessant ist auch: Nur 47 Prozent der Startups glauben, dass Unternehmen ihren Beitrag tatsächlich wertschätzen.

Die Studie hebt außerdem hervor, in welchen Branchen Open-Innovation-Projekte je nach Kategorie von Künstlicher Intelligenz besonders erfolgreich seien. Sopra Steria und Sopra Steria Next fanden heraus:

  • Wird KI im Zusammenhang mit Maschinen eingesetzt, etwa im Transportwesen oder in der Industrie, konzentrieren sich Open-Innovation-Projekte häufig auf visuelle Intelligenz – insbesondere in drei Schlüsselbranchen: Energie & Versorgungsunternehmen, öffentlicher Sektor & Regierung sowie Telekommunikation.
  • Wird KI zur Prozessoptimierung eingesetzt, sind die Anwendungsbereiche sehr vielfältig. Beispiele sind: Betrugserkennung oder Rechnungsverarbeitung im Finanz- und Versicherungswesen, Optimierung von Logistikplänen im Transportsektor oder Arzneimittelentwicklung im Gesundheitsbereich.
  • Wird KI zur Unterstützung von Menschen eingesetzt, liegt der Fokus von Open-Innovation-Projekten auf Suchassistenten, Content-Erstellung und Beratung, etwa für kundenorientierte, Marketing- oder technische Tätigkeiten – und zwar branchenübergreifend (z. B. Finanzdienstleistungen, Versicherungen, Rechtsberatung, Einzelhandel, Luft- und Raumfahrt usw.). Zudem besteht ein starkes Interesse an „agentischer KI“ (agentic AI).

„Experimentierphase hinter sich lassen“

„Das Jahr 2025 markiert einen entscheidenden Moment für die KI-gesteuerte Transformation. Während sich technologische Innovationen immer schneller weiterentwickeln, haben viele Unternehmen noch Schwierigkeiten, diese in großem Maßstab umzusetzen“, sagt Fabrice Asvazadourian, CEO von Sopra Steria Next. „Offene Innovation ist keine taktische Option mehr, sondern eine strategische Notwendigkeit. Durch die Einbindung externer Partner, insbesondere von Startups, können Unternehmen die Experimentierphase hinter sich lassen und echte Ergebnisse erzielen. Diejenigen, die Open Innovation in ihre Strategie integrieren, werden am besten positioniert sein, um die nächste Welle der Neuerfindung anzuführen.“

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Elisabeth Zehetner (Staatssekretärin für Energie, Startups und Tourismus) | Foto: Martin Pacher
Elisabeth Zehetner (Staatssekretärin für Energie, Startups und Tourismus) | Foto: Martin Pacher / brutkasten

Er ist seit vielen Jahren einer der obersten Punkte auf der politischen Wunschliste der heimischen Startup-Szene: der Beteiligungsfreibetrag. Das Prinzip ist schnell erklärt: Man kann mit ihm Startup-Investments bis zu einem gewissen jährlichen Betrag von der Steuer absetzen. Das soll einen starken Anreiz schaffen, Risikokapital anderen Veranlagungsformen vorzuziehen und somit mehr privates Kapital für Startups mobilisieren.

Die genaue Ausgestaltung wäre bei einer möglichen Umsetzung Gegenstand politischer Verhandlungen. Die Forderungen aus dem Ökosystem gehen bis zu einem Betrag von 500.000 Euro pro Jahr, wie etwa in der „Vision 2030“ von invest.austria, AustrianStartups, Junge Wirtschaft und StartupNOW aus dem Jahr 2024. Großes internationales Vorbild ist das Vereinigte Königreich, das unter anderem dank eines solchen Modells konstant die mit Abstand höchsten Startup-Investment-Volumina Europas vorweist.

Bei der SPÖ nicht durchzubringen

Doch im Gegensatz zur anderen großen Forderung des heimischen Startup-Ökosystems, dem Dachfonds, der mittlerweile im Entstehen ist, schaffte es der Beteiligungsfreibetrag 2025 nicht ins schwarz-rot-pinke Regierungsprogramm. Hinter vorgehaltener Hand wird der Grund dafür in ÖVP-Kreisen klar benannt: Der Vorschlag sei beim Koalitionspartner SPÖ nicht durchzubringen. Im Frühling 2024, also noch in der Opposition, äußerte sich SPÖ-Chef Andreas Babler, konkret auf das Thema angesprochen, gegenüber brutkasten knapp, aber deutlich: „Steuerbegünstigungen für private Investoren, die in der Regel zu den Top 1 Prozent der Einkommens- und Vermögensverteilung zählen, sind keine Priorität der SPÖ.“

Für Zehetner „nächster logischer Schritt“

On the record ging man dem Thema in der ÖVP seit der Regierungsbildung 2025 dagegen mit Verweis auf die Koalitionsvereinbarung lieber aus dem Weg. Bis jetzt. Denn Startup-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner forderte den Beteiligungsfreibetrag nun via LinkedIn-Posting offen ein. Nach dem Dachfonds wäre dieser, „der nächste logische Schritt“, schreibt sie und führt eine EcoAustria-Studie und internationale Vorbilder ins Treffen.

Unverhoffte Schützenhilfe in der Diskussion

Doch woher kommt der plötzliche Mut zur offenen Forderung entgegen dem koalitionären Konsens? Zehetner bekam Anfang dieser Woche eine Steilvorlage aus Deutschland, über die auch brutkasten berichtete. Dort war es nicht etwa CDU-Wirtschaftsministerin Katherina Reiche, sondern mit Lars Klingbeil der amtierende SPD-Chef, Vizekanzler und Finanzminister, der Steuererleichterungen für Startup-Beteiligungen aufs Tapet brachte.

„Deutschland will mehr privates Kapital für Startups mobilisieren. Österreich sollte das auch tun“, schreibt Zehetner und verweist direkt auf die Ankündigung des SPD-Chefs. Das argumentative Kalkül dahinter liegt auf der Hand: Gegen den Vorstoß des deutschen Parteigenossen, dessen Schützenhilfe für Zehetner wohl unverhofft kam, lässt sich in der österreichischen Sozialdemokratie deutlich schwerer argumentieren, als gegen die Dauerforderung aus der liberalen Ecke. Ob dadurch tatsächlich eine offene Diskussion innerhalb der Koalition angestoßen wird, ist freilich zu bezweifeln.

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