18.09.2025
STUDIE

Österreich bei KI-Reife hinter EU-Schnitt: IV-KI-Taskforce fordert Reformen

Eine neue McKinsey-Studie zeigt: Österreichs Unternehmen liegen beim KI-Reifegrad unter dem EU-Schnitt. Die neue KI-Taskforce der Industriellenvereinigung (IV) fordert Reformen und mahnt Tempo ein.
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v.l.: Christoph Neumayer (Industriellenvereinigung), Christoph Knogler (KEBA), Thomas Arnoldner (A1 Group) und Patrick Wollner (McKinsey) bei der Präsentation der KI-Studie in Wien. | (c) Martin Pacher | brutkasten

Heute standen in Wien gleich zwei Studien zu künstlicher Intelligenz (KI) im Fokus: EcoAustria präsentierte eine umfassende Analyse zur volkswirtschaftlichen Bedeutung der Technologie (brutkasten berichtete), während McKinsey mit „State of AI in Austria 2025“ den Reifegrad österreichischer Unternehmen untersuchte. Besonders die McKinsey-Ergebnisse machen deutlich: Österreichs Unternehmen liegen beim Einsatz von KI hinter dem europäischen Schnitt zurück – und das, obwohl Potenzial und Chancen groß sind.

Österreichs Unternehmen: solide Basis, fehlende Strategie

Die McKinsey-Analyse, die über 60 heimische Betriebe untersuchte, zeigt ein klares Bild: Nur 19 Prozent der Unternehmen zählen international zu den Vorreitern, während 68 Prozent im unteren Feld rangieren. Vor allem die fehlende Verankerung von KI in den Unternehmensstrategien fällt auf: Nur ein Fünftel hat eine ausformulierte Roadmap, 80 Prozent messen den Nutzen von KI nicht mit klaren Kennzahlen.

Während Technologie-, Medien- und Telekommunikationsunternehmen sowie Finanzdienstleister vorne liegen, hinken Branchen wie Konsumgüter oder Maschinenbau hinterher. Zwar verfügen viele Unternehmen über eine moderne, modulare IT-Infrastruktur und hohe Standards bei Datensicherheit, doch die Umsetzung bleibt oft auf Insellösungen und Experimente beschränkt.

„Österreichische Unternehmen haben eine gute Basis, um KI effektiv auszurollen. Aber ohne klare Strategie, KPIs und Ressourcen bleibt der erhoffte Produktivitätsschub aus“, betont Patrick Wollner, Associate Partner im Wiener McKinsey-Office.

Fachkräftemangel und Datenqualität als zentrale Hürden

Neben der fehlenden Strategie sind es vor allem Fachkräfte und Daten, die Österreichs Unternehmen bremsen. Zwei von drei Betrieben haben Schwierigkeiten, die nötigen Kompetenzen für KI zu definieren oder zu rekrutieren. Auch standardisierte Prozesse im Datenmanagement fehlen häufig.

Eine Ausnahme sind österreichische Tochtergesellschaften internationaler Konzerne. Sie können auf globale Talentpools zurückgreifen und haben einen klaren Vorteil. Für heimische Mittelständler dagegen ist die Qualifikation der eigenen Mitarbeiter:innen entscheidend. Weiterbildung mit Fokus auf KI und MINT-Fächer wird zu einem Schlüsselfaktor.

IV-Taskforce: Appell an Politik und Wirtschaft

Die Industriellenvereinigung (IV) nahm die Studienergebnisse zum Anlass, die Arbeit ihrer neu gegründeten KI-Taskforce zu präsentieren. Über 100 Leitbetriebe sind darin vertreten. Ziel ist es, Erfahrungen zu bündeln und konkrete Anwendungsfälle zu entwickeln.

„Der aktuelle Reifegrad liegt bei 30 Punkten – also unter dem EU-Durchschnitt“, sagte Taskforce-Vorsitzender Thomas Arnoldner (Deputy CEO von A1). „Um die Chancen zu nutzen, braucht es Investitionen, ein innovationsfreundliches Umfeld und den Abbau von Bürokratie. Mit Projekten wie der AI Factory Austria können wir Leuchttürme schaffen, aber das Zeitfenster ist klein. Wer zu spät handelt, wird abgehängt“.

Auch Christoph Knogler, CEO von KEBA und ebenfalls Vorsitzender der KI-Taskforce, mahnte mehr Tempo an: „KI muss in die Unternehmensstrategie, in die Führungsverantwortung hinein. Wer KI sinnvoll einsetzt, nutzt das eigene Wissen in Form von Daten effizienter und hält Wertschöpfung im Land. Wer das nicht tut, verliert an Wettbewerbsfähigkeit – und Deindustrialisierung ist keine Option“.

Zusammenarbeit mit AI Factory Austria

Die KI-Taskforce der Industriellenvereinigung versteht sich als Brückenbauer zwischen Industrie, Wissenschaft und Politik – und arbeitet in diesem Rahmen auch mit der geplanten AI Factory Austria zusammen. Dieses eigenständige Großprojekt entsteht in Wien unter Federführung des AIT. Ziel ist eine hochmoderne KI-Infrastruktur, die als europäischer Innovationshub fungieren soll (brutkasten berichtete).

Über die Taskforce sollen künftig Leitbetriebe und Mittelständler frühzeitig eingebunden werden, damit die AI Factory nicht allein im Forschungsumfeld bleibt, sondern konkrete Anwendungsfälle in der Wirtschaft ermöglicht. „Damit schaffen wir die Basis für eine enge Anbindung von Forschung und Unternehmen“, so Arnoldner.

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Elias und Matthias Bohun von Traivelling bei der Prämierung der besten Geschäftsidee Niederösterreichs 2019 (c) Daniela Matejschek

Interkontinentale Zugreisen einfach und nachhaltig zu ermöglichen, dafür wurde Traivelling vor gut fünf Jahren gegründet. Ursprünglich war das Unternehmen im B2C-Bereich tätig. Privatpersonen sollten ohne großartige Recherche weite Strecken mit dem Zug zurücklegen können. Zuletzt wollte man sich im B2B-Bereich verstärken, doch nun ist das Unternehmen insolvent. Ein Konkursverfahren am Handelsgericht Wien wurde eröffnet.

„Wir arbeiten in einem knappen Margenbereich“

Zuletzt arbeitete Traivelling daran, eine Softwareschnittstelle im B2B-Bereich anzubieten, über die Tickets weitervermittelt werden sollten. Das Wiener Startup hätte dafür monatliche Fees von B2B-Partnern und eine Provision von Bahnfirmen erhalten. Aus einer Aussendung des Kreditschutzverbands KSV1870 geht hervor, dass Traivelling dadurch Umsätze in einer Größenordnung generieren wollte, die für einen langfristigen Unternehmenserfolg entscheidend sein sollten. Im Endeffekt war laut KSV 1870 eben diese Softwareschnittstelle für die Nutzung durch Unternehmenskunden, also der B2B-Bereich, die Ursache für die Insolvenz.

Die Entwicklung dieser Schnittstelle konnte nämlich bis dato nicht fertiggestellt werden. Auch ein Rettungsversuch durch Verhandlungen mit Investoren scheiterte. „Es waren unüberbrückbare vertragliche Differenzen zwischen den Investoren und uns“, erklärt Geschäftsführer Elias Bohun, der die Namen der Investoren nicht nennen möchte.

„Wir arbeiten in einem knappen Margenbereich. Am Ende ist uns leider das Geld ausgegangen, obwohl wir jeden Tag Buchungen hatten. Wir hätten aber ein Vielfaches gebraucht“, sagt Bohun. Bereits gebuchte Tickets würden ihre Gültigkeit behalten. Das Unternehmen hatte zwei Mitarbeiter.

Die Verbindlichkeiten betragen laut Kreditschutzverband 435.000 Euro, rund 200 Gläubiger seien betroffen. Die Zahl der Gläubiger sei so groß, weil Traivelling sich unter anderem mittels Crowdfunding finanzierte.

Crowdfunding und FFG-Förderung

Das Startup konnte im Jahr 2025 über eine Crowdfunding-Aktion 200.000 Euro einsammeln (brutkasten berichtete). Um diese Summe zu erreichen, habe es laut Geschäftsführer Elias Bohun nur zehn Tage gebraucht. Zusätzlich erhielt das Wiener Startup eine FFG-Basisförderung. Insgesamt konnten man eine Finanzierung in Höhe von rund 600.000 Euro aufstellen.

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