18.09.2025
"KI-REVOLUTION"

EcoAustria legt umfassende Studie zu KI in Österreich vor

Auf nicht weniger als 160 Seiten liefert EcoAustria im Auftrag des Bundeskanzleramts eine Bestandsaufnahme zu Künstlicher Intelligenz in Österreich. Zu überraschen vermag auch diese Studie nicht.
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Symbolbild: Künstliche Intelligenz (KI) in Österreich / Artificial Intelligence (AI) in Austria
Bild: KI-generiert via Canva

Wie verändert Künstliche Intelligenz (KI) wirtschaftliche Prozesse in Österreich? Welche Branchen sind besonders stark betroffen? Und welche politischen Maßnahmen sind notwendig, um die daraus entstehenden Potenziale bestmöglich zu nutzen? Aufbauend auf diesen Fragen legte das Wirtschaftsforschungsinstitut EcoAustria im Auftrag des Bundeskanzleramts nun eine umfassende Studie mit dem Titel „Die KI-Revolution: Auswirkungen und Potenziale für Österreich“ vor.

Aufwändiges Studiendesign

Mit der Verarbeitung von wissenschaftlicher Literatur, empirischen Daten und qualitativen Interviews mit Expert:innen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Technologie, bringen die Autor:innen alles ein, was man von einem soliden Paper erwartet. Dabei bedienen sie sich auch komplexerer statistischer Verfahren, etwa um mögliche Korrelationen zu untersuchen. 160 Seiten umfasst das Forschungspapier – inklusive allen Anhängen – letztlich. Überraschungen enthält es dennoch nicht.

Wissensintensive und hochtechnologische Branchen besonders betroffen

Die Kernergebnisse der Studie, stark zusammengefasst: KI wird in Österreich immer wichtiger und durchdringt zunehmend alle Wirtschaftsbereiche. Durch das Aufkommen generativer KI sind wissensintensive und hochtechnologische Branchen besonders betroffen. Dazu zählen auch solche, die für den Standort Österreich von großer wirtschaftlicher Bedeutung sind, wie etwa Maschinenbau oder die pharmazeutische Produktion.

Die größten Auswirkungen hat Künstliche Intelligenz in Österreich aktuell auf die Bereiche Rechtsberatung und Wirtschaftsprüfung, Versicherungen und Pensionskassen, IT-Dienstleistungen und Finanzdienstleistungen. Und: Je höher der Bildungsabschluss, umso größer ist statistisch die Betroffenheit einzelner Personen durch KI.

EU-AI-Act: Expert:innen orten Vor- und Nachteile

Untersucht wurden im Rahmen der Studie auch mögliche Implikationen durch den EU-AI-Act, wobei für diesen Teil vor allem Expert:innen-Interviews herangezogen wurden. Auch hier vermögen die Ergebnisse nicht zu überraschen. Der Succus: Während die regulatorische Klarheit durch das Regelwerk begrüßt wird, werden dadurch entstehende bürokratische Aufwände und Einschränkungen für Unternehmen als möglicher Wettbewerbsnachteil, vor allem im Vergleich mit außereuropäischen Konkurrenten, wahrgenommen.

Wirtschaftspolitische Empfehlungen

Komplettiert wird das Paper durch die Empfehlung konkreter wirtschaftspolitischer Maßnahmen. Man ahnt es bereits: Auch hier haben sich keine revolutionären Vorschläge eingeschlichen. So fordert EcoAustria gezielte Unterstützungsangebote für Unternehmen, den Ausbau technischer und digitaler Kompetenzen in der Bildung, den erleichterte Zugang zu Risikokapital sowie eine stärkere europäische Zusammenarbeit im Bereich Forschung, Entwicklung und Technologietransfer.

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v.l. Matthias Schabetsberger, Managing Director Polestar Österreich, mit dem stellvertretenden schwedischen Botschafter Anders Lindgren. | © René Lueger

Der Ort war kein Zufall. „Wir sind eine schwedische Marke”, sagte Schabetsberger vor den Gästen in der schwedischen Botschaft, wo Polestar in Kooperation mit der schwedischen Handelskammer seit Jahren regelmäßig zu Gast ist. Neben Design, Performance und Nachhaltigkeit zahlten die Markenwerte stark auf gesellschaftliche Werte ein, die in Skandinavien hoch gelebt würden: Inklusion, Vielfalt, Gender Equality.

Wie schwedisch das Unternehmen ist, machte er an Zahlen fest: Von den etwas mehr als 2.000 Mitarbeitern arbeiten mehr als zwei Drittel in Schweden. Entwickelt, abgestimmt und designt wird in Schweden, wo die Verbindung zur Schwestermarke Volvo nach wie vor eng ist. Entstanden ist Polestar vor rund zehn Jahren aus einem schwedischen Rennteam, mit einem klaren Bekenntnis zum reinen Elektroantrieb. “So wollen wir als kleine schwedische reine Elektroauto-Marke der Challenger sein für die große Automobilindustrie”, so Schabetsberger.

Der stellvertretende schwedische Botschafter Anders Lindgren nannte Polestar ein gutes Beispiel dafür, wie Innovation den Übergang zur Elektromobilität in praktische Lösungen übersetzt. Die Erfahrung Schwedens zeige, dass Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit einander verstärken.

Fünf Jahre Polestar in Österreich: Jubiläumsempfang in der schwedischen Botschaft im 9. Wiener Bezirk. | © René Lueger

“Wir waren ein Startup und sind jetzt ein Scaleup”

Im Gespräch mit brutkasten zog Schabetsberger eine Parallele zur Gründerszene. Polestar sei ein junges Unternehmen: “Wir waren ein Startup und sind jetzt ein Scaleup.” Diese Dynamik habe man bewusst gewählt, ebenso den Anspruch, Dinge anders zu denken als klassische Mitbewerber. Einen typischen Polestar-Fahrer gebe es nicht, die Marke sei über alle Altersklassen hinweg beliebt, mit einem relativ ausgeglichenen Anteil männlicher und weiblicher Kunden. Was sie verbinde: die Einstellung zur Elektromobilität und zu gesellschaftlichen Werten. Als skandinavische Marke sei Polestar Europas einzige rein elektrische Automarke.

Polestar ist darüber hinaus eng mit dem schwedischen Innovationsökosystem verbunden. In Göteborg ist Polestar Partner von MobilityXlab, einem Innovationshub am Lindholmen Science Park, der Tech-Startups mit Unternehmen wie Ericsson, Volvo Group und Zenseact zusammenbringt. Ursprünglich auf Mobilität und Konnektivität fokussiert, öffnet sich die Plattform seit September 2026 auch für weitere Industrien. Ausgewählte Startups arbeiten eng mit Polestar an Proofs of Concept, etwa für digitale Customer Journeys und das Erlebnis im Fahrzeug.

Quiet Luxury statt noch mehr Touchscreens

Auf die Frage nach dem Design antwortete Schabetsberger mit einem Begriff aus der Mode: Quiet Luxury. Für Polestar heiße das: “wir brauchen aus unserer Sicht nicht mehr, sondern besser”. Während viele Premiumhersteller im Innenraum mit Holz, Alu, Leder, vielen Lichtvarianten und immer mehr Bildschirmen arbeiten, gehe Polestar einen anderen Weg: klare Linien, reduziertes, funktionales Design. “Wir finden immer mehr Kunden, die in einer aufgeregten Welt mit ständig neuen Produkten und ständiger Veränderung genau dieses reduzierte Design, diesen Quiet Luxury schätzen.” Das Prinzip gelte auch für den Auftritt der Marke: “Man muss jetzt nicht unbedingt immer laut schreien, um gehört zu werden.”

Der Polestar 5 vor der schwedischen Botschaft in Wien: Der vollelektrische Grand Tourer ist das neue Flaggschiff der schwedischen Marke und leistet in der Performance-Version bis zu 650 kW. | © René Lueger

Weniger Bildschirme heißt dabei nicht weniger Technologie. Beim neuen Polestar 4 SUV zieht mit Google built-in der KI-Assistent Google Gemini ins Auto ein. Dank der engen Partnerschaft mit Google ist dieser sukzessive auch in weiteren Modellen verfügbar. Funktionen wie Vehicle-to-Load und ein Camping Mode kommen per Software-Update. Die Transparenz, die Schabetsberger betont, hat eine Zahl: Für den Polestar 4 SUV weist Polestar den CO2-Fußabdruck bis zum Werkstor aus, 20,2 Tonnen CO2-Äquivalent bei der Rear-Motor-Variante. Bis 2030 will Polestar die Treibhausgasemissionen pro verkauftem Fahrzeug halbieren, bis 2040 in der gesamten Wertschöpfungskette klimaneutral sein. Und Polestar Charge bündelt mehr als 1,25 Millionen Ladepunkte in Europa über ein Konto, inklusive Tesla Supercharger.

Von drei auf 13 Standorte

Gestartet ist Polestar in Österreich mit einem Direct-to-Consumer-Modell und einem Polestar Space in der Wiener Herrengasse, später kamen Graz und Linz dazu. Im Vorjahr wurde das Modell erweitert: Online bestellen geht weiterhin, zusätzlich können Kunden bei regionalen Partnern in einem Agentursystem Probe fahren, kaufen und das Fahrzeug ausgeliefert bekommen. Die Zahl der Standorte wuchs von drei auf 13, von Dornbirn bis Wien.

Dahinter steht eine Marktbeobachtung: Traditionell seien Flottenkunden die Early Adopter gewesen, in den vergangenen zwölf bis 24 Monaten komme das Wachstum aber vor allem von Privatkunden und Kleinunternehmen. Um sie in Vorarlberg, Tirol oder Salzburg zu erreichen, brauche es regionale Partner. Fünf Jahre nach dem ersten Polestar Space blickt Schabetsberger nach vorne, auf “weitere Jahrzehnte in enger Kooperation”.

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