02.11.2015

Österreich als Silicon Alps: „Nur Einzelfälle“

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Wie kann Österreich zum Startup-Wunderland werden? Oder ist es das gar schon? Über diese Fragen diskutierten am 29.10. in Graz Experten im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Digital Business Trends“. Der Brutkasten diskutierte mit und fasst die spannendsten Punkte noch einmal zusammen:

Das romantische Bild der „Silicon Alps“ ist ein Trugschluss.

2015 scheint es in der österreichischen Startup-Landschaft Schlag auf Schlag zu gehen: Runtastic geht um 220 Millionen Euro an Adidas, der Smartphone-Flohmarkt Shpock wird mit einer 200-Millionen-Euro-Bewertung von dem Medienkonzern Schibsted übernommen. Österreich, das Silicon Valley Zentraleuropas, das Startup-Tor zum Osten? So beeindruckend einzelne Erfolgsgeschichten sind, ein Blick über den Tellerrand zeigt, dass Österreich noch einiges aufzuholen hat. Erfolgsgeschichten wie Runtastic und Shpock seien Einzelfälle und das romantische Bild der „Silicon Alps“ ein Trugschluss, so das Urteil von Mario Mayerthaler, New-Business-Stratege der A1.

Nachholbedarf bei Investments

Auf dem Weg zum „Startup-Wunderland“ – so der Titel der Podiumsdiskussion – seien noch einige Steine aus dem Weg zu räumen, waren sich die Experten einig. Vor allem die Rahmenbedingungen für Unternehmensgründungen ließen derzeit noch zu wünschen übrig. Oliver Krizek, Geschäftsführer und Eigentümer von NAVAX muss es wissen – er wurde von Ernst & Young Österreich ins Finale des diesjährigen „Entrepreneur of the Year“ gewählt: „Man kann gute Ideen bis zu einer gewissen Reife entwickeln, aber dann braucht es ausländisches Kapital“. Österreich attestiert er einen Mangel an steuerlicher Attraktivität und zu wenig Freiraum für alternative Investmentmöglichkeiten.

„In Österreich braucht es ausländisches Kapital“

(c) APA-Fotoservice/Jamnig Im Bild v.l.n.r. Stefan Ponsold (SunnyBAG), Oliver Krizek (NAVAX Unternehmensgruppe), Thomas Stern (Moderator, Braintrust), Helmut Pöllinger (Brainloop Austria), Sara Grasel (Der Brutkasten), Mario Mayerthaler (A1 Telekom Austria).
(c) APA-Fotoservice/Jamnig Im Bild v.l.n.r. Stefan Ponsold (SunnyBAG), Oliver Krizek (NAVAX Unternehmensgruppe), Thomas Stern (Moderator, Braintrust), Helmut Pöllinger (Brainloop Austria), Sara Grasel (Der Brutkasten), Mario Mayerthaler (A1 Telekom Austria).

Ein guter Hebel auf dem Weg zu einem Startup-Hub sei die Bildung, so die Diskutanten. Man müsse bereits in der Schule Unternehmertum lehren, meinte Helmut Pöllinger, Geschäftsführer von Brainloop Austria. Immerhin kann man Unternehmertum in Österreich bereits studieren – ein Weg den Stefan Ponsold eingeschlagen hat. Ponsold ist Gründer von SunnyBag – eines erfolgreichen Startups, das Rucksäcke und Taschen mit Solarpaneelen zum Aufladen von Laptops und Smartphones entwickelt und vertreibt. Crowdfunding ist für SunnyBag ein ganz wesentlicher Finanzierungs-Kanal. In diesem Bereich habe es in letzter Zeit bereits Fortschritte gegeben, Österreich könne allerdings noch viel aus dem Ausland lernen.

Die nächste Veranstaltung der Reihe „Digital Business Trends“ von APA und styria digital one findet am 26. November im Wiener Haus der Musik statt.

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Lebensstimmen
Der Fabertar | © Lebensstimmen/Screenshot

Vor rund einem Monat gab das Grazer Startup Lebensstimmen den Einstieg von Motorsportlegende Helmut Marko als Investor bekannt – brutkasten berichtete. Nun präsentierte man seine KI-basierte Plattform und hat dabei weitere prominente Unterstützung.

Lebensstimmen als Vorsorge

Das von Markus Pinter, Philipp Berkessy und Lukas Stern gegründete Startup versteht sich als ein Vorsorgeprodukt, das zu Lebzeiten abgeschlossen wird und für den Tod und darüber hinaus wirkt. Menschen können zu Lebzeiten ihre eigene Grußbotschaft oder „letzte Rede“ gestalten, in eigener Stimme, mit eigenen Inhalten, Musik und Bildern. Angehörige sollen nach einem Todesfall zudem eine digitale Trauerrede erstellen können.

Insgesamt umfasst das Angebot vier Produkte: die „Grußbotschaft“, „Meine letzte Rede“, einen neutralen „KI-Trauerredner“ sowie das Format „Aus Sicht der Familie“.

Vertrieben werden soll über Bestattungsunternehmen, Vorsorgeversicherer, Institutionen und Medienpartner im Lizenz- und White-Label-Modell. Die rechtliche Architektur der Plattform wurde gemeinsam mit Scherbaum Seebacher Rechtsanwälte entwickelt. Technologiepartner ist BLCKs AI.

Fabertar schenkt Worte her

Neben Marko unterstützt nun auch Dompfarrer von St. Stephan, Toni Faber, Lebensstimmen in Fragen von Trauer und Abschied mit einem neuartigen Angebot. Mit dem „Fabertar“ präsentiert das Startup einen gemeinsam mit ihm entwickelten und klar als KI gekennzeichneten Trauerredner. Dieser soll keine Seelsorge ersetzen, sondern Worte schenken, wo sie gewünscht werden oder wo kein Redner verfügbar ist.

„Ich begleite viele Menschen im Abschied. Oft ist das, was ungesagt bleibt, am schwersten. Wenn Technik hilft, liebevolle Worte zu bewahren, dient sie dem Menschen und dem Trost. Genau das ist der Gedanke hinter dem ‚Fabertar‘. Er soll niemanden ersetzen“, sagt Faber.

Marktstart Anfang 2027

Und Lebensstimmen-Geschäftsführer Berkessy ergänzt: „Jeder Mensch hat Worte, die bleiben sollen. Mit Lebensstimmen machen wir Vorsorge erstmals persönlich, digital und rechtssicher. Heute beginnt eine neue Abschiedskultur, und sie beginnt in Österreich.“

Nach der offiziellen Vorstellung der Plattform, der dazugehörigen Lebensstimmen-Produkte und dem aktuellen Launch der Website erfolgt in einem nächsten Schritt. Der Marktstart ist für Q1 2027 geplant und soll sowohl österreichweit als auch global erfolgen.

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