07.07.2022

Exit für weiteres Tiroler Software-Unternehmen

NTW Software aus Innsbruck geht an die deutsche Enghouse AG, die zu einem kanadischen Konzern gehört. Das Unternehmen baut Software rund um Cisco-Lösungen.
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Exit NTW Software
(c) Junk via unsplash.com

Manchmal kann man schon bei zwei Fällen von einer ungewöhnlichen Häufung sprechen, etwa wenn innerhalb weniger als 24 Stunden zwei Exits von Tiroler Software-Unternehmen nach Deutschland kommuniziert werden. Dieser unwahrscheinliche Fall ist nun eingetreten. Nach PraKom aus Kundl, das an eine deutsche Unternehmensgruppe ging, wurde nun die Übernahme der Innsbrucker Firma NTW Software durch die deutsche Enghouse AG bekanntgegeben. Diese ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft des kanadischen Konzerns Enghouse Systems Limited. Der Kaufpreis wurde nicht genannt.

NTW Software: Zahlreiche namhafte Referenzkunden wie Magna oder Rewe

NTW Software hat eine Reihe ziemlich spezialisierter Produkte rund um Cisco-Anwendungen. Diese würden „vom Vermittlungsplatz bis hin zu Contact Centern für Unternehmen aller Größenordnungen“ reichen, heißt es von NTW Software: „Kunden und Partner von NTW nutzen die Produkte des Unternehmens, um die Anforderungen an moderne Kommunikationslösungen zu erfüllen. Dazu gehören Callcenter-Funktionen in Echtzeit, in Verbindung mit Kundenservice, CRM-Integrationen, Helpdesk und Vermittlungskonsolen“. Auf der Unternehmenspage werden zahlreiche namhafte Referenzkunden angegeben, darunter etwa Magna, Austrian, Lidl, ÖAMTC, die TU Wien und Rewe.

„Werden es schaffen, geografischen Kapazitäten und Produktangebote erweitern“

Steve Sadler, Chairman und CEO von Enghouse, kommentiert in einer Aussendung: „Das Team und die Produkte von NTW erweitern unser bestehendes Konsolen- und Contact-Center-Geschäft in Mitteleuropa und ergänzen das Channel-Produktportfolio von Enghouse um Unified-Communication-Produkte“. NTW Software Co-Founder Markus Gruber sieht in seinem Statement Synergien. Mitgründer Florian Tiefenbrunner meint: „Gemeinsam werden wir es schaffen, unsere geografischen Kapazitäten und Produktangebote für unsere Partner und Kunden zu erweitern“.

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(c) Brantner

Die Paprec-Gruppe wird strategischer Mehrheitsgesellschafter von Brantner green solutions, der Umwelt- und Abfallwirtschaftssparte der Kremser Brantner Gruppe. Das gaben die Unternehmen am Dienstag bekannt. Paprec übernimmt 80 Prozent, die restlichen 20 Prozent bleiben im Besitz der Familie Brantner. Die Transaktion steht unter dem Vorbehalt der erforderlichen regulatorischen Genehmigungen, der Vollzug wird für das vierte Quartal 2026 erwartet. Zum Kaufpreis machen die Unternehmen keine Angaben. Der brutkasten hat bei Brantner green solutions nachgefragt.

Fünf Länder, 65 Standorte

Brantner green solutions wurde 1936 gegründet und ist in Österreich, wo sich auch der Hauptsitz befindet, sowie in der Slowakei, Tschechien, Rumänien und Serbien tätig. Das Unternehmen beschäftigt rund 2.500 Mitarbeitende an 65 Anlagen und Niederlassungen und betreut mehr als 28.000 kommunale, industrielle und gewerbliche Kunden. Der Umsatz liegt bei mehr als 320 Mio. Euro.

Für Paprec ist es der Eintritt in fünf neue Märkte. Nach der Schweiz, Spanien und Italien bezeichnet die Gruppe den Schritt als nächste Etappe ihrer europäischen Expansion und als Wachstumsplattform in Mittel- und Osteuropa.

„Diese Transaktion ist unsere wichtigste Akquisition seit dem Zusammenschluss mit Coved im Jahr 2016. Sie ermöglicht uns den Eintritt in fünf neue Länder und stärkt unsere europäische Präsenz erheblich“, wird Mathieu Petithuguenin, Chairman und CEO der Paprec-Gruppe, in der Aussendung zitiert.

Logistik und Immobilien bleiben in der Familie

Der Deal betrifft ausdrücklich nur die Kreislaufsparte. „Wichtig ist zu betonen, dass sich diese Partnerschaft ausschließlich auf Brantner green solutions bezieht. Brantner logistic solutions und Brantner Real Estate bleiben vollständig im Eigentum der Familie Brantner und werden unabhängig weiterentwickelt“, stellt Bernd Brantner klar. Er führt die Brantner Gruppe seit 24 Jahren als CEO und vertritt die dritte Generation der Familie.

Der Entscheidung ging laut Aussendung ein fast zweijähriger Prozess voraus, an dessen Ende sich die Familie einstimmig für Paprec aussprach. „Die Chancen, die vor uns liegen, sind enorm, ihre Realisierung wird jedoch erhebliche langfristige Investitionen erfordern“, begründet Bernd Brantner den Schritt. Als Familie habe man sich deshalb bewusst für einen starken strategischen Gesellschafter entschieden, der die eigenen unternehmerischen Werte teile. In der neu geschaffenen Gesellschaft übernimmt er die Rolle des stellvertretenden Vorsitzenden.

Von 40 auf 26.000 Mitarbeitende

Paprec startete vor 32 Jahren als kleines Altpapierrecycling-Unternehmen mit 40 Mitarbeitenden in La Courneuve bei Paris. Die Schweiz war vor mehr als 15 Jahren der erste Markt außerhalb Frankreichs, in Spanien beschäftigt die Gruppe heute fast 4.000 Menschen. Nach Abschluss der Transaktion soll Paprec rund 26.000 Mitarbeitende in 15 Ländern zählen und einen Jahresumsatz von mehr als 4,5 Mrd. Euro erreichen.

Brantner fiel zuletzt mit Innovationsprojekten auf

Das Kremser Familienunternehmen war in den vergangenen Jahren mehrfach mit Vorstößen in der Kreislaufwirtschaft präsent. 2024 vereinbarte Brantner green solutions gemeinsam mit dem Schaumstoffproduzenten Neveon die Gründung eines Joint Ventures für das Recycling von Matratzen mit Sitz in Krems. In Hohenruppersdorf betreibt das Unternehmen zudem eine Anlage, in der Asche und Schlacke aus der Müllverbrennung aufbereitet werden. Und mit Scarab brachte Brantner Österreichs ersten autonomen Müllroboter auf die Straße, der Mülltonnen ohne menschliches Zutun leert.

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