10.06.2024
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„Stabiles rechtliches Fundament ist das A und O, um unternehmerisch reüssieren zu können“

Rechtliche Fragestellungen begleiten Wirtschaftstreibende in allen Unternehmensphasen. Mit dem Notariat gibt es einen One-Stop-Shop für Unterstützung im Rechtsbereich.
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Die Notariate bieten Unterstützung bei Rechtsfragen in allen Unternehmensphasen
Die Notariate bieten Unterstützung bei Rechtsfragen in allen Unternehmensphasen | (c) ÖNK

Es beginnt spätestens beim Gesellschaftsvertrag und geht über Fragen wie Mitarbeitendenbeteiligung und das an Bord holen von Investor:innen bis hin zu Übergabe oder Verkauf – Rechtsfragen sind ein ständiger Begleiter von Unternehmer:innen. Und im Gegensatz zu anderen Aspekten des Unternehmertums, wo das „Trial and Error“-Prinzip erfolgsentscheidend sein kann, sollte man sich im Rechtsbereich keine Fehler leisten.

Strategische Beratung und rechtliche Expertise für unternehmerischen Erfolg

„Neben einer guten Geschäftsidee und vielen anderen Faktoren ist ein stabiles rechtliches Fundament das A und O, um unternehmerisch reüssieren zu können“, meint Michael Umfahrer, Präsident der Österreichischen Notariatskammer (ÖNK). Und für ihn ist klar: „Genau dabei unterstützen Notar:innen mit strategischer Beratung und rechtlicher Expertise und tragen so maßgeblich zum unternehmerischen Erfolg bei.“ Sowohl Startups als auch etablierte Unternehmen würden von der gebündelten Kompetenz, die Notar:innen aus einer Hand anbieten können, profitieren.

Notariate als One-Stop-Shop in allen Unternehmensphasen

Die Notariate fungieren also als One-Stop-Shop für Rechtsfragen in allen Unternehmensphasen. „Bereits in der Gründungsphase begleiten sie angehende Unternehmer:innen, etwa bei der Wahl des Firmennamens, der Ausarbeitung des Gesellschaftsvertrages oder der Eintragung ins Firmenbuch. Im betrieblichen Alltag sind es unter anderem Fragen zu Umgründungen, Kapitalerhöhungen oder Mitarbeitendenbeteiligungen“, erläutert Umfahrer, „auch im Bereich der Unternehmensvorsorge und -übergabe erhalten Unternehmer:innen umfassende Beratung.“

Notariatstermine auch online und hybrid: „Klarer Mehrwert in Form von Zeitersparnis“

Und für all das muss man nicht zwingend persönlich ins Notariat. Bereits seit einigen Jahren stehen alle notariellen Dienstleistungen für Unternehmen auch online oder hybrid zur Verfügung. „Die Möglichkeit, notarielle Urkunden wie Gesellschaftsverträge digital zu erstellen oder sich gemeinsam an einen virtuellen Tisch zu setzen, schafft einen klaren Mehrwert in Form von Zeitersparnis“, so der ÖNK-Präsident. Das bringe eine deutliche Erleichterung im Geschäftsalltag. Unternehmer:innen würden aber dennoch nach wie vor auch viel Wert auf persönlichen Kontakt legen.

In wenigen Schritten zum Online- bzw. Hybrid-Termin

Um online oder hybrid an einem Notartermin teilzunehmen, braucht man übrigens lediglich einen Laptop oder PC mit Kamera, eine gute Internetverbindung, ein Videokonferenztool und die ID-Austria. Innerhalb weniger Minuten kann dann beispielsweise die Unterfertigung eines Gesellschaftsvertrags erfolgen. Für ihre Kernkompetenz – die Beratung – nehmen sich die Notar:innen dabei aber weiterhin so viel Zeit, wie es braucht. Auch diese Beratung kann natürlich persönlich, online und hybrid erfolgen.

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Oliver Hamedinger und Jade Bailey, Gründungsduo von Joyh © Joyh Design OG

Ein Spaziergang durch die Wiener Innenstadt oder den Gürtel genügt: Stuckfassaden, hohe Fenster, verzierte Erker – jene Gründerzeithäuser, wegen derer jährlich Millionen Tourist:innen nach Wien kommen. Fast alle sind heute begehrte Wohnadressen. Dasselbe Bild findet sich auch in vielen anderen europäischen Städten wieder, von Paris bis Berlin.

Doch während die Gebäude nach außen mit ihrer Schönheit glänzen verbirgt sich im Inneren ein Energieeffizienz-Alptraum. Rund 80 Prozent der österreichischen Gebäude stammen aus der Zeit vor der ersten OIB-Wärmeschutzrichtlinie, und liegen großteils in einer der schlechtesten Energieklassen. Die Sanierungsrate lag zuletzt bei 1,2 Prozent, denn aufgrund der Fassadenerhaltung scheitert es meist an der Genehmigung. Genau hier will das Wiener Startup Joyh ansetzen. Mit Sandfassaden aus dem 3D-Drucker will man die Gründerzeithäuser energietechnisch in die Neuzeit holen.

Designideen der dämmenden, 3D-gedruckten Fassaden © Joyh Design OG

Ideenfindung auf der Dubai Design Week

Die Idee dazu entstand zufällig: 2023 druckten und gestalteten die beiden Gründer:innen eine Sandskulptur für die Dubai Design Week. Tagelang stand sie in praller Sonne im Freien. „Wir haben gemerkt, dass sie sich beim Anfassen gar nicht aufgeheizt hat“, erzählt Mitgründer Oliver Hamedinger.

Der Grund liegt in der Porosität des Materials: „Der beste Wärmedämmstoff ist Luft“, erklärt Hamedinger – und 3D-gedruckter Sand enthält davon mehr als Beton oder Ton. Mit dieser Erkenntnis in der Tasche gründeten Oliver Hamedinger und Jade Bailey 2024 ihr Sanierungsstartup mit einer klaren Haltung: „Die Gebäude von 2050 stehen schon. Wir müssen nur einen neuen Weg finden, sie zu sanieren“, sagt Co-Founderin Bailey.

Die 3D-gedruckte Skulptur aus Sand auf der Dubai Design Week © Joyh Design OG

Ein Bauteil statt vieler Schichten

Joyh setzt hier mit seinem System „Brian“ an: mineralische Bauteile, gedruckt per Binder-Jetting aus Sand – demselben Verfahren, mit dem sonst Formen für den Stahlguss entstehen. Aktuell arbeitet man für den Druck der einzelnen Fassadenteile mit der voestalpine Foundry Group zusammen, die über die nötigen Maschinen verfügt.

Für die Sanierung wird die Fassade zuvor digital gescannt. So entsteht auch ein digitaler Zwilling, der vor allem bei Reparaturen interessant wird. Die einzelnen Fassadenelemente sind laut Hamedinger rund 12 bis 15 Kilogramm schwer“ die Größe, die ein Bauarbeiter allein auf der Baustelle handhaben darf“ und werden ohne Kleber ineinandergesteckt. Das ermöglicht laut Gründerduo nicht, nur eine simple Anbringung sondern auch einen separaten Austausch.

Eine vollständige thermische Sanierung kostet aktuell 600 bis 800 Euro pro Quadratmeter. Das ist zwar mehr als klassisches WDVS (Wärmedämmverbundsystem), eine mehrschichtige Konstruktion an der Außenseite von Gebäuden, die zur effektiven Wärmedämmung dient, für Gründerzeitfassaden, durch die ganzheitlich benötigte Abtragung allerdings ungeeignet. „Ein großer Teil des Wiener Altbestands fällt aus der Sanierungslogik heraus, weil die üblichen Systeme dort nicht infrage kommen. Genau diese Gebäude wollen wir erreichen“, sagt Mitgründerin Jade Bailey.

Erster Prototyp beim Ars Electronica Festival 2025: Die größte selbsttragende Wand aus 3D-gedrucktem Sand. © Joyh Design OG

Software soll skalieren

Die operative Sanierung soll allerdings nicht bei Joyh bleiben. Skalieren will man hingegen über die dazugehörige Plattform „D2P“, die aktuell aus den Gebäudedaten die fertigungsfertige Druckdateien erzeugt. Diese soll langfristig als Abo-Modell an Architekt:innen und Fertigungspartner:innen weltweit lizenziert werden. „Ein Produkt kann man kopieren. Ein System, das mit jedem Projekt dazulernt, nicht“, sagt Hamedinger.

Von Architektur und Technik zum Startup

Hamedinger bringt technisches Know-how mit, unter anderem aus seiner Zeit bei Siemens, Bailey ist ausgebildete Architektin mit Erfahrung in Österreich, Deutschland, Großbritannien und den USA. Finanziert haben die beiden ihr Startup bislang aus mehreren Quellen: Rund 30.000 Euro brachten sie privat ein, dazu kam eine FFG-Patentförderung. Zuletzt sicherte sich das Team 202.000 Euro aws-PreSeed-Deep-Tech-Förderung und gewann das nationale Finale des ClimateLaunchpad Austria.

Bevor ihr System auf reale Fassaden kommt, muss es sich noch durch Brandschutz-, Statik- und Frost-Tau-Prüfungen beweisen, erste Pilotprojekte sind für Anfang 2027 geplant. „Der eigentliche Test kommt erst, wenn wir es auf echte Fassaden bringen“, sagt Bailey. Ab Mitte desselben Jahres will das Gründerduo zusätzlich strategische Investor:innen an Bord holen.

Erster Prototyp-Scan eines Ornaments an einem Wiener Altbau © Joyh Design OG
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