12.06.2019

Rodzynek: „Wir haben in Europa kein Risikokapital-Problem“

Die NOAH Conference ist in Europa ein führendes Business-Event für das digitale Ökosystem. Gegründet wurde sie im Jahr 2009 von Marco Rodzynek in London. Mittlerweile findet die Konferenz auch in Berlin, Tel Aviv und Zürich statt. In einem Interview hat Rodzynek dem brutkasten erläutert, wie sich das Event-Format über die Jahre weiterentwickelte und wie Europa hinsichtlich der Digitalisierung gegenüber den USA und China wieder aufholen kann.
/artikel/noah-conference-2019
Rodzynek
(c) NOAH: Der gebürtige Deutsche Marco Rodzynek hat die "NOAH Conference" im Jahr 2009 in London gegründet.

Marco Rodzynek ist Gründer von NOAH Advisors und Initiator der NOAH Conference, ein führendes Business-Event für das digitale Ökosystem. Das Format wurde 2009 in London gegründet und findet mittlerweile in den Städten Berlin, Tel Aviv und Zürich statt. In einem Interview hat Rodzynek dem brutkasten erläutert, wie sich die NOAH Conference über die Jahre weiter entwickelt hat und welche Maßnahmen getroffen werden müssen, damit Europa in Sachen Digitalisierung gegenüber den USA und China wieder aufschließen kann.

Warum haben Sie die NOAH Conference gegründet?

Ich war vor der Banken- und Finanzkrise zwölf Jahre bei Lehman-Brothers als Investment-Banker tätig. Seit 1998 habe ich mich in meiner Arbeit verstärkt auf Internet-Firmen fokussiert. Nach der Pleite von Lehman-Brothers habe ich mir gedacht, dass ich mein Know-how in diesem Bereich weiter nutzen möchte, um eine Digitalkonferenz auf die Beine zu stellen und habe dann mit NOAH eine starke Marke aufgebaut.

Was unterscheidet die NOAH Conference von anderen Konferenzen?

Bei der NOAH Conference gibt es bewusst keine Panels mit zweiminütigen Einzelmonologen, bei denen sich die Sprecher lediglich selbst vermarkten. Wir fokussieren uns ganz auf die Sache. Daher habe ich mich bei der NOAH Conference bewusst dazu entschieden, dass Präsentationen gehalten werden, die mindestens zehn Minuten dauern. In den letzten Jahren wurde dies sehr gut angenommen, da wir so Investoren mit Unternehmern und großen Service-Providern erfolgreich vernetzen konnten.

+++ Byrd pitchte auf der NOAH +++

Wie hat sich die Konferenz über die letzten Jahre weiterentwickelt?

Wir haben uns zu einer physischen Business-Plattform entwickelt, die durch digitale Lösungen gestützt wird. Eine derartige Lösung ist Noah-Connect, über die Ideen zwischen Investoren, Service-Providern und Kunden vernetzt werden. Im Prinzip kann man sich das als eine “Business-Anbahnungsplattform” sowohl für Kapital, als auch Kundenbeziehungen im digitalen Sektor vorstellen. Wir sind als eine Digitalkonferenz gestartet und haben uns mittlerweile zu einer Wachstumskonferenz entwickelt.

Die NOAH Conference hat sich in den letzten Jahren internationalisiert. Wie sehen die weiteren Expansionspläne aus?

Wir sind vor zehn Jahren in London gestartet und haben vor fünf Jahren nach Berlin expandiert. Mittlerweile haben wir einen deutschen Anteil von 30 bis 35 Prozent. Seit zwei Jahren sind wir mit der NOAH Conference auch in Tel Aviv vertreten. Die weiteren Expansionspläne fokussieren sich derzeit auf Zürich. Dort wollen wir insbesondere das Thema Family-Offices weiter vorantreiben.

Stichwort „Digitalisierung“ und „Europa“: Wie kann Europa gegenüber den USA in Sachen Digitalisierung wieder aufholen?

Im Prinzip geht das nur über die Politik, die auch die passenden Rahmenbedingungen für den digitalen Sektor schaffen muss. Die amerikanischen Plattformen werden ganz anders reguliert und ignorieren zum größten Teil unsere europäische Regulation. Das größte Problem das wir derzeit in Europa haben, ist die Politik. Politiker verstehen unsere digitale Welt nicht. Hinzu kommt auch das Parteiensystem und der Umstand, dass sich Politiker lediglich an den kurzen Legislaturperioden orientieren, die im Schnitt nicht länger als vier Jahre dauern.

„Ich glaube nicht, dass wir ein Risikokapital-Problem in Europa haben.“

Natürlich braucht es aber auch private Initiativen. Genau hier wollen wir mit der NOAH Conference auch einen Beitrag dazu leisten, indem wir innovative Ideen mit Investoren in Verbindung bringen.

Wenn die Politik das Problem ist, wie soll sich diese Ihrer Meinung nach verändern, um Digitalisierung zu forcieren?

Wir als Bürger müssen von unseren Politikern verlangen, dass sie die nationalen Interessen gegenüber den europäischen Interessen in Sachen Digitalisierung hinten anstellen. Es kann nicht sein, dass Google in Europa nur ein Prozent Steuern zahlt, während beispielsweise Zalando volle Steuern zahlen muss. Das geht nicht und ist einfach nicht fair.

Über kurz oder lang muss es eine globale Lösung auf der Regulations- und Steuerseite geben. Bilaterale Abkommen sind dabei nur störend. Um das mit einem Trendwort noch zu untermauern: „Why not use the blockchain?“. Ich stelle mir öfters die Frage, warum die Politik noch immer analog arbeitet. Wir brauchen digitale Tools, um Konsensfindung voranzutreiben. Dahingehend habe ich das Konzept der “Real-Time Democracy” erfunden.

Ein weiterer Punkt sind sicherlich die ganzen Institutionen, die nach dem 2. Weltkrieg geschaffen wurden. Sie haben mit der digitalen Welt nichts mehr zu tun, da sie “predigital” sind. Ich glaube, dass müssen wir uns verstärkt ins Bewusstsein rufen.

Stichwort Investoren. Wie bewerten Sie die aktuelle Lage hinsichtlich der Aktivierung von Risikokapital in Europa?  

Ich glaube nicht, dass wir ein Risikokapital-Problem in Europa haben. Wir haben sogar sehr viel Kapital. Was wir allerdings brauchen ist das Know-how. An dieser Stelle möchte ich auf die Family Offices verweisen, die nicht nur ausreichend Kapital mit einbringen können, sondern auch die traditionellen Industrien gut kennen.

„… ich stelle mir schon die Frage, welche Anreize ein AI-Genie aus Europa hat, hier auch innovative Healthcare-Lösungen zu programmieren.“

Welche Technologie wird in den nächsten Jahren den Ton angeben?

AI ist sicherlich eines der größten Themen. Hier haben wir in Europa aber ebenfalls ein Problem, da die Regulations viel zu streng sind. Nehmen wir als Beispiel den Healhcare Sektor und Israel. Dort gibt es eine Firma namens Zebra Medicals. Diese kann mit ihrer AI-Technologie Röntgenbilder auslesen und zu einer 98 prozentigen Genauigkeit analysieren. Radiologen hingegen nur mit einer Genauigkeit von 60 Prozent und anschließend bedarfs auch einer Zweitmeinung. Die Europäische Union hat es allerdings verboten Röntgenbilder computermechanisch auszulesen. Da stelle ich mir schon die Frage, welche Anreize ein AI-Genie aus Europa hat, hier auch innovative Healthcare-Lösungen zu programmieren.

Welche Learnings haben Sie die letzten Jahre durch die NOAH Conference gemacht?  

Probleme, die Firmen lösen wollen, müssen groß genug sein, um erfolgreiche Business-Lösungen hervorzubringen. Nur dann kann ein Geschäftsmodell auch skaliert werden. Es darf nicht in der Nische verschwinden, um dann einfach von einer der großen Plattformen geschluckt zu werden.

* Die nächste NOAH Conference findet vom 13. Juni bis zum 14. Juni in Berlin statt.


=> zur Page der Konferenz

Redaktionstipps
Deine ungelesenen Artikel:
29.09.2026

Bitpanda-GmbH-Jahresabschluss 2025: Von 62 Mio. Euro Gewinn auf 14 Mio. Euro Verlust

Trotz deutlich gestiegener Umsätze rutschte die Bitpanda GmbH 2025 in die Verlustzone: Nach fast 62 Millionen Euro Gewinn im Jahr 2024 weist der nun veröffentlichte Jahresabschluss ein Minus von rund 14 Millionen Euro aus. Das Wiener Unicorn begründet das gegenüber brutkasten mit hohen Investitionen.
/artikel/bitpanda-gmbh-jahresabschluss-2025-von-62-mio-euro-gewinn-auf-14-mio-euro-verlust
29.09.2026

Bitpanda-GmbH-Jahresabschluss 2025: Von 62 Mio. Euro Gewinn auf 14 Mio. Euro Verlust

Trotz deutlich gestiegener Umsätze rutschte die Bitpanda GmbH 2025 in die Verlustzone: Nach fast 62 Millionen Euro Gewinn im Jahr 2024 weist der nun veröffentlichte Jahresabschluss ein Minus von rund 14 Millionen Euro aus. Das Wiener Unicorn begründet das gegenüber brutkasten mit hohen Investitionen.
/artikel/bitpanda-gmbh-jahresabschluss-2025-von-62-mio-euro-gewinn-auf-14-mio-euro-verlust
Das Bitpanda Headquarter in Wien © Bitpanda

Einen Vorgeschmack auf den nun veröffentlichten Jahresabschluss 2025 gab Bitpanda gleichsam vorauseilend bereits im März dieses Jahres – brutkasten berichtete. In den damals präsentierten Zahlen war nicht nur von einer Umsatzsteigerung die Rede, sondern auch von einem Sinken des „bereinigten EBITDA“ um 75 Prozent. Dieses sei von 52 Millionen Euro auf 13 Millionen Euro gefallen, hieß es vom Wiener Unicorn. Begründet wurde das mit „gezielten Investitionen“. Das Ergebnis unterm Strich ließ man im März aber aus.

Der nun vorliegende Jahresabschluss – wohlgemerkt jener der operativen Bitpanda GmbH mit Sitz in Wien und nicht der übergeordneten AG mit Sitz in der Schweiz – bringt nun Licht ins Dunkel. Und die damit veröffentlichte Gewinn- und Verlustrechnung zeichnet ein noch deutlich drastischeres Bild als die im März kommunizierten „bereinigten“ Zahlen. Nach fast 62 Millionen Euro Nettogewinn im Jahr 2024 standen demnach vergangenes Jahr rund 14 Millionen Euro Verlust zu Buche.

„Wir haben bewusst in unsere Expansion und den weiteren Ausbau der Marke Bitpanda investiert“

Auf brutkasten-Anfrage kommentiert Bitpanda kurz und knapp mit der aus dem Frühjahr bekannten Argumentation:

Das Jahr 2025 war für die Bitpanda GmbH ein Jahr strategischer Wachstumsinvestitionen. Gleichzeitig hat sich unser Kerngeschäft stark entwickelt, was sich in einer deutlichen Steigerung unserer Umsatzerlöse zeigt.

Wir haben bewusst in unsere Expansion und den weiteren Ausbau der Marke Bitpanda investiert. Diese Investitionen waren Teil unserer langfristigen Wachstumsstrategie und spiegeln sich erwartungsgemäß im Jahresergebnis wider.

Die Aussagen zum Umsatz lassen sich dabei so auch im nun vorgelegten Bericht ablesen: Tatsächlich stieg der ausgewiesene Umsatz von 2024 auf 2025 von 7,19 Milliarden Euro auf 7,72 Milliarden Euro. Der Anstieg fällt bereinigt sogar noch größer aus: 2024 waren noch rund 613 Millionen Euro aus Krypto-Verkäufen auf externen Börsen in den Umsatzerlösen enthalten, die seit 2025 saldiert im Materialaufwand ausgewiesen werden. Bei diesen Umsatzzahlen handelt es sich wohlgemerkt um den gesamten Verkaufserlös über die Plattform. Bitpanda gab bereits im März den auf Basis der Margen berechneten, deutlich kleineren „bereinigten Umsatz“ aus: Dieser stieg von 321 auf 371 Millionen Euro. Mit Abstand größter Umsatztreiber war laut Jahresabschluss das Kerngeschäft als Broker.

Deutlich höhere Marketingausgaben, Personalkosten sinken trotz Aufstockung

Auch die Aussage, die sich auf den Nettoverlust von immerhin rund 14 Millionen Euro bezieht, deckt sich prinzipiell mit den Zahlen im Jahresabschluss. Tatsächlich stieg der Marketingaufwand um rund 56 Prozent auf fast 107 Millionen Euro. Auch die Beratungskosten legten von knapp 14 Millionen auf rund 22 Millionen Euro zu. Die durchschnittliche Mitarbeiterzahl (FTE) wuchs zwar von 486 auf 555. Jedoch interessant dabei: Der Personalaufwand ging trotz der Aufstockung leicht zurück, von 78,6 auf 75,1 Millionen Euro. Gestiegen ist hingegen der Aufwand für Mitarbeiterüberlassung, von 5,4 auf 8,1 Millionen Euro.

Dass man (wohl dennoch nicht ganz beabsichtigt) recht deutlich in die roten Zahlen rutschte, hängt aber auch mit Faktoren zusammen, die im offiziellen Bitpanda-Statement unerwähnt bleiben. Operativ blieb Bitpanda 2025 noch knapp im Plus: Der Betriebserfolg lag bei 4,1 Millionen Euro, nach 80 Millionen Euro im Vorjahr. Ins Minus drehte das Ergebnis erst durch das Finanzergebnis von minus 18,3 Millionen Euro. Dahinter stehen Abschreibungen auf Anteile an verbundenen Unternehmen in Höhe von 14,4 Millionen Euro sowie ein Zinsaufwand von 4,9 Millionen Euro, nach nur 0,2 Millionen Euro im Jahr 2024. Zu Buche stehen außerdem teilweise gestiegene Handelsverluste und ein deutlich höheres Minus in der Intercompany-Verrechnung, das von 13 auf knapp 36 Millionen Euro anwuchs.

Toll dass du so interessiert bist!
Hinterlasse uns bitte ein Feedback über den Button am linken Bildschirmrand.
Und klicke hier um die ganze Welt von der brutkasten zu entdecken.

brutkasten Newsletter

Aktuelle Nachrichten zu Startups, den neuesten Innovationen und politischen Entscheidungen zur Digitalisierung direkt in dein Postfach. Wähle aus unserer breiten Palette an Newslettern den passenden für dich.

Montag, Mittwoch und Freitag

AI Summaries

Rodzynek: „Wir haben in Europa kein Risikokapital-Problem“

AI Kontextualisierung

Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Rodzynek: „Wir haben in Europa kein Risikokapital-Problem“

AI Kontextualisierung

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Rodzynek: „Wir haben in Europa kein Risikokapital-Problem“

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Innovationsmanager:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Rodzynek: „Wir haben in Europa kein Risikokapital-Problem“

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Investor:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Rodzynek: „Wir haben in Europa kein Risikokapital-Problem“

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Politiker:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Rodzynek: „Wir haben in Europa kein Risikokapital-Problem“

AI Kontextualisierung

Was könnte das Bigger Picture von den Inhalten dieses Artikels sein?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Rodzynek: „Wir haben in Europa kein Risikokapital-Problem“

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Personen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Rodzynek: „Wir haben in Europa kein Risikokapital-Problem“

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Organisationen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Rodzynek: „Wir haben in Europa kein Risikokapital-Problem“