14.12.2021

NGOJobs-Gründer Lischka: „Früher lockte man Mitarbeiter mit Dienstauto“

Founder und Geschäftsführer Ferdinand Lischka entwickelte mit NGOJobs eine Jobbörse für Menschen, die sich auch beruflich sozial engagieren wollen. Und bemerkte dabei einen Wertewandel in der Arbeitswelt.
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NGO.Jobs
(c) NGOJobs - Ferdinand Lischka offeriert "Social Impact"-Jobs auf seiner Plattform.

„Karriere machen, viel Geld verdienen. Dann kannst du sozial sein und spenden“. Womöglich kennen einige diesen elterlichen Ratschlag, der Kindern einen Weg in eine erfolgreiche Arbeitszukunft weisen soll, dabei aber Jobs mit sozialem Engagement herabstuft. Das Ansehen von Berufen, die einen „Social Impact“ aufweisen, litt lange Zeit unter der Prämisse, „Helfen“ sei kein echter Job und es gäbe keine Karriereleiter, die man hinaufsteigen könnte. Ferdinand Lischka, Gründer der Jobbörse NGOJobs, sieht heute hingegen veränderte Einstellungen innerhalb der Arbeitswelt und möchte mit seiner Plattform ein wenig Ordnung und Abhilfe ins „Social Impact“-Chaos bringen.

Der gelernte Jurist hat sich auf „Human Rights“ spezialisiert und hatte bereits während des Studiums starkes Interesse an der Arbeit von „Nonprofits“ gezeigt. „2010 war ich am Aufbau der ersten österreichischen Crowdfundingplattform Respekt.net beteiligt, über welche Spenden für Projekte mit ‚Social Impact‘ gesammelt werden können. Dort habe ich sehr viel über Online-Marketing, Web Development und Social Media gelernt, was mir 2011 bei der Gründung von NGOjobs.eu extrem geholfen hat“, erzählt Lischka.

Und ergänzt: „Die ersten Jahre war NGOjobs mehr ein Hobbyprojekt, das ich neben meinen Vollzeitjobs als Jurist betrieben habe. Erst nach einigen Jahren habe ich den Schritt gewagt, meinen Job als Teamleiter beim ‚Diakonie Flüchtlingsdienst‘ zu kündigen und mich voll auf NGOjobs zu konzentrieren. Der Plan ging gut auf. Seither wachsen wir stetig weiter und ich kann davon leben und Gehälter zahlen.“

NgoJobs-Gründer fand kein Praktikum

Konkret findet man heute auf der Plattform bezahlte Jobs, Praktika und Freiwilligenstellen im Sozialbereich, Umweltschutz, Menschenrechte und Flüchtlingsbetreuung. Die Idee dazu entsprang dem klassischen Startup-Geist, denn Lischka hatte das Problem, dass er damals kein Praktikum im Feld der Menschenrechte finden konnte. Und sich dachte, es sollte eine Plattform für Menschen geben, die eine Karriere im Sozialbereich anstreben.

„Gerade am Juridicum waren große Anwaltskanzleien sehr präsent mit Werbung und Infoständen und ich dachte mir, es muss doch auch spannende Jobs bei ‚Amnesty International‘ oder ‚Greenpeace‘ geben“, erinnert er sich. „Zumindest wusste ich aus meinem Freundeskreis, dass sehr viele junge Menschen lieber dort arbeiten würden, als in börsennotierten Konzernen. Als Vorbild diente damals bis heute die amerikanische Plattform
idealist.org.“

So werkte der Founder aus einer 5er-WG heraus, erzählte seiner sozial stark engagierten Mitbewohnerin Sarah Pallauf von der Idee einer Online-Plattform für den Nonprofit-Sektor und startet kurz darauf.

Ein paar Euro

„Ich habe dann für ein paar Euro die Domain und Webspace gekauft und mit einem Freund, Armin Petre, der Programmierer war, gemeinsam an der ersten Version der Website gebastelt. Im November 2011 sind wir ohne irgendein Budget online gegangen und haben vorwiegend E-Mailmarketing und Facebook genutzt, um bekannter zu werden“, sagt Lischka.

Geld verdient der Founder mit einem simplen Geschäftsmodell. Arbeitgeber bezahlen für ein Stelleninserat einen bestimmten Betrag. „Im Vergleich zu Jobbörsen aus anderen Branchen verlangen wir mit durchschnittlich 100 Euro pro Inserat relativ wenig, das liegt aber natürlich ganz einfach an unseren Kunden, die mehrheitlich gemeinnützig sind“, erklärt Lischka. Hinzu kommen noch Einnahmen aus „Banner Ads“ und Kooperationen mit anderen Jobbörsen. 2021 wurde zum ersten Mal die Marke von 100.000 Euro Umsatz geknackt.

Die Kundenakquise war vor der Covid-19-Krise eine andere als sie heute ist. Während man früher auf Karrieremessen Ausschau hielt, mit Schulen, Universitäten und dem AMS kooperierte, hat sich durch die Pandemie die Arbeit von NGOJobs fast ausschließlich auf E-Mail-Marketing, Ads und SEO verlagert.

4-Tage-Woche & Sinnhaftigkeit als Anreiz

Eine weitere Sache, die sich mit der Digitalisierung und Corona verlegt hat, so Lischka, ist der verstärkte Trend zu flexibleren Arbeitsmodellen. „Bis vor Kurzem konnte man potentielle Mitarbeiter vielleicht noch mit einem Dienstauto anlocken, heute schafft man das besser mit der 4-Tage-Woche und damit, dass der Job und das Unternehmen einen gesellschaftlichen Mehrwert bieten“, sagt er. „Ob das jetzt im Bereich Klimaschutz, Armutsbekämpfung oder der Inklusion von benachteiligten Menschen in den Arbeitsmarkt ist. Mehrere Arbeitsmarktstudien der letzten Jahre zeigen, dass sinnstiftende Arbeit jungen Menschen immer wichtiger wird, Jobsicherheit und ein hohes Einstiegsgehalt hingegen stärker an Bedeutung verliert.“

Zu den nächsten Zielen von NGOJobs gehört die Skalierung nach Deutschland und der Launch einer englischsprachigen Version der Plattform. Die Jobbörse hat bisher eine sechsstellige EU-Förderung und eine kleine Summe über Crowdfunding erhalten. „Dadurch konnten wir zwar organisch kontinuierlich wachsen, aber eben sehr langsam“, so Lischka abschließend. „Für eine internationale Skalierung braucht es allerdings mehr Kapital. Für uns wäre ein Business Angel interessant. Jemand, der nicht nur Geld, sondern auch Know-How und ein Netzwerk einbringen kann.“

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Impeto Impact Gründer Jim Lefébre © Jim Lefébre

Ein Fully-Merchant-BESS (Battery Energy Storage System) ist ein Batteriespeicher, der seine Erlöse vollständig am freien Strommarkt erwirtschaftet, ohne langfristige Verträge, feste Einspeisevergütungen oder staatliche Garantien. Durch den steigenden Anteil an z.B. Photovoltaik und Windkraft kommt es im Netz häufig zu Überschussenergie und starken Preisschwankungen – etwa Negativpreisen zur Mittagszeit im Sommer. Speicherbetreiber:innen nutzen das für Arbitrage: Sie kaufen Strom, wenn er günstig ist, und verkaufen ihn, sobald die Preise wieder steigen. Zusätzlich lässt sich mit einer Batterie auch Regelenergie zur Netzstabilisierung anbieten.

Dieses Geschäftsfeld zeichnet sich zum einen durch hohe Gewinnchancen bei stark schwankenden Strompreisen, aber auch volles Risiko bei fallenden Marktpreisen oder geringer Volatilität aus. Hinzu kommt, dass ein Speicher gleichzeitig auf fünf Erlösmärkten agiert – darunter Day-Ahead und Regelenergie –, die permanent miteinander konkurrieren und sich gegenseitig Kapazitäten streitig machen. Diese unsichere Dynamik führt für Betreiber:innen wiederum zu erschwerten Finanzierungsmöglichkeiten bei Banken. Hier setzt Impeto Impact mit seinem Tool BESS-Invest an.

Modellrechnungen statt Live-Einsatz

„Man kann eigentlich immer nur in einem Markt handeln. Also muss man in der Modellierung entscheiden, in welchem Markt der Strom gekauft und verkauft wird, um letztlich einen plausiblen Business Case zu erteilen“, erklärt Jim Lefébre, Gründer von Impeto Impact. Sein laut eigenen Angben komplett eigenfinanzierte Produkt soll jetzt mehr Transparenz für Investor:innen bringen und setzt bei der Modellierung auf sogenanntes Forwardtesting. „Backtesting beantwortet, was gewesen wäre“, erklärt der Gründer. „Für eine Investitionsentscheidung mit 15 Jahren Laufzeit braucht der Markt eine Antwort auf das, was kommt.“

BESS Invest soll eine fünfjährige Markthistorie mit eigenen Projektionsannahmen zu Preistrends, Reserve-Erlösen und Volatilität verknüpfen. Laut Unternehmensangaben entstünden aus diesem Zusammenspiel simulierte Marktpfade in 15-Minuten-Auflösung – bis hinunter zum eigentlichen Lastprofil der Batterie. Das Modell würde dabei eine Ergebnisbandbreite vom konservativen bis zum optimistischen Szenario abbilden. Verändere sich die Marktlage, ließe sich dies über erneute Simulationen jederzeit anpassen. Dabei handelt es sich laut Lefèbre ausdrücklich um Modellrechnungen und Schätzungen zur Plausibilisierung, nicht um eine Live-Optimierung.

BESS Invest Dashboard © Impeto Impact

Verzicht auf KI

Ursprünglich entstand die Idee aus Lefèbres eigenem Beratungsgeschäft: Der Markt für Großspeicher sei dynamisch, die Kapitalmobilisierung stocke jedoch mangels Transparenz, so Lefèbres Erkenntnis. Gemeinsam mit Jonas Puck von der WU Wien wurde daraus zunächst das Whitepaper „Charging Ahead“ aus dem schlussendlich das Tool mithilfe von Pilotkund:innen aus dem Kreis großer Energieversorger hervorging.

Auf Künstliche Intelligenz wird verzichtet: „Wir arbeiten bei unseren Simulationen strikt ohne KI, weil eine KI auch halluzinieren kann“, so Lefèbre. Ein geschlossener Algorithmus soll stattdessen nachvollziehbare Ergebnisse hervorbringen.

Vor der Gründung war Lefèbre unter anderem ÖVP-Pressesprecher ehe er 2017 bis 2019 die Position des Pressesprechers im Justiz- und später im Finanzministerium übernahm. Anschließend war er in diversen Positionen für Montana Tech Components des Investors Michael Tojner, sowie den Batteriehersteller Varta tätig. Bis heute vertritt er zudem die von Tojner mitgegründete eXplore!-Initiative. Außerdem fiel Lefébre in der Vergangenheit beim brutkasten mit seinem Corona-Test-Startup auf.

Co-Location und Expansionspläne

Vertrieben wird BESS Invest im Lizenzmodell mit drei Paketstufen, wahlweise als Monatslizenz oder als Berechnungskontingent im 50er-Block. Bislang modelliert die Software den reinen Speicherbetrieb. Als nächsten Schritt will das Team die Integration von Co-Location-Projekten und Industrieanwendungen angehen. Außerdem plant Lefèbre die Expansion nach Deutschland und perspektivisch in Richtung Südosteuropa.

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