14.12.2021

So geht Crowdfinancing: Ein Leitfaden von zmartUp-Gründer Patrick Üllen

Der Premstättner Gründer Patrick Üllen hat mit zmartUp die Landschaft der Crowd-Finanzierung betreten. Und gibt mit seiner Erfahrung Gründer:innen Tipps, die diesem Kapitalbeschaffungs-Weg folgen wollen.
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(c) zmartUp - Patrick Üllen, zmartUp-Gründer über Erfolgsfaktoren und Stolpersteine bei Crowdfinanzierung.

Gaius Maecenas war ein Vertrauter des römischen Kaisers Augustus und starb acht vor Christus im Alter von 62 Jahren. Sein Nachname sollte mit seinem Ableben zu einem Synonym für (finanzielle) Unterstützung werden. Er war vor seinem Tod als Mäzen römische Dichter wie Horaz und Vergil aufgetreten und hat, wenn man so will, für spätere Formen des „Supports“ den Grundstein gelegt. Zugegeben, Crowdfinancing ist in diesem Sinne natürlich nicht derart mit einem Mäzenentum zu vergleichen, wie es in Kunst und Kultur üblich ist. Stellt aber heutzutage eine wichtige Kapitalbeschaffungsform besonders für Startups dar. Doch auch Schwarmfinanzierung will gelernt sein, wie zmartUp-Gründer Patrick Üllen weiß.

Daten von CrowdCircus nach, investierte die heimische Masse 2020 72,3 Millionen Euro in Projekte. Eine Steigerung von 5,6 Prozent zum Jahr davor. „Erfreulicherweise gingen auch 2020 wieder neue Plattformen an den Start und wir konnten weitere Anbieter davon überzeugen, bei der Datenübermittlung mit uns zu kooperieren. Rechnet man auch sie mit ein, ergibt sich für das Vorjahr ein Gesamtvolumen von über 80 Millionen Euro. Insgesamt wurden auf österreichischen Crowdinvesting-Plattformen nun bereits mehr als 300 Millionen Euro investiert“, berichtet CrowdCircus-Geschäftsführer und Co-Founder Sebastian Scholda.

Crowdfinancing-Mix im Repertoire

Eine dieser neuen Plattformen ist zmartUp aus dem steirischen Premstätten, die sich laut Founder Üllen in zweierlei Hinsicht von bisherigen Unterscheide. „Wir bündeln nicht nur Crowdfunding und Crowdinvesting, sondern ermöglichen wie in einem Baukastensystem, die Arten separat oder vereint, den einzigartigen Crowdfinancing-Mix, in einer Kampagne zu nutzen. Das hat es so in dieser Art und Weise noch nicht gegeben“, sagt er.

Des Weiteren umfasse das Angebot der Crowdfinancing-Plattform auch Startup-Beratung sowie Vernetzung mit der Förderlandschaft und Experten aus verschiedenen Bereichen.

„Zudem haben wir eine neue Business-Unit für unsere Kunden geschaffen, in der wir wichtige technische Erfordernisse, welche immer wieder im Kontext zu den Kampagnen stehen, lösen. Wie Branding, Webdesign, UI & UX, Web- bzw. Mobile-Development, E-Commerce, Web-Core-Vitals-Optimization, SEO bis hin zu Social Media Marketing“, führt Üllen aus, der bestimmten Kriterien folgt, um Startup-Kampagnen auf der Plattform „zuzulassen“. Und gleichzeitig damit eine Art Leitfaden für Gründer:innen setzt, die an Schwarmfinanzierung denken.

Grundlegende Faktoren für Crowd-Finanzierung

Generell gilt, dass zunächst die grundlegenden Voraussetzungen gegeben sein müssen, wie Alter, Wohnort und ähnliche Faktoren. Außerdem muss das Kapital der Investoren für das operative Geschäft verwendet werden. Wurden diese grundlegenden Voraussetzungen erfüllt, wird zunächst von Üllen und Team die Idee an sich genauer unter die Lupe genommen.

„Hierfür werden Recherchen erstellt, inwieweit diese Idee marktfähig bzw. überhaupt realisierbar ist, technische- und wirtschaftliche Machbarkeit“, präzisiert er. „Des Weiteren spielt neben der geschäftlichen auch die zwischenmenschliche Ebene eine wesentliche Rolle. Während der Kampagnenzeit müssen alle an einem Strang ziehen. Und Gründer:innen gut argumentieren können, warum ihr Produkt innovativ ist bzw. warum es erfolgreich sein wird.“

Wenn Zeit nicht nur „money“ ist…

Den Grundstein für den Erfolg einer guten Crowdfinancing-Kampagne verortet der CEO neben der engen Zusammenarbeit zwischen Foundern und der jeweiligen Plattform, besonders in der ausreichenden Vorbereitungszeit. Damit alles gut geplant werden kann. Dann erst beginne die Arbeit.

Regelmäßiger Austausch und Adaptierung gehören ebenso dazu, wie auch die genaue Vorstellung, welche Punkte für das Team im Fokus stehen: Kapitalgenerierung, Marktsteigerung oder Marketing. Wurde dies alles korrekt erledigt, sei es für das Startups unumgänglich, Werbung für die Crowdfinancing-Kampagne zu starten.

„Es ist nicht damit getan, alles an die Plattform abzugeben und zu hoffen, dass die Kampagne erfolgreich wird. Natürlich werden von uns Marketingstrategien zur Bewerbung des jeweiligen Produktes gesetzt. Allerdings sollte man sich auch vor Augen halten, je mehr Leute von dem Produkt wissen, umso mehr Kapital kann generiert werden“, so Üllen weiter.

Die Schwächen von Startups bei Crowdfinancing-Plänen

Grundsätzlich sieht er Unternehmen jeglicher Art als geeignet für Crowdfinancing an. Im Laufe der Zeit habe sich aber für Üllen herausgestellt, dass Startups zwar oft über technisches oder produktbezogenes Wissen verfügen, dann allerdings Schwächen betreffend Kapitalgenerierung, Markterweiterung und Marketing aufweisen.

Als Tipps für jene und auch andere Gründer:innen, die mit der Idee spielen, eine Crowdfunding-Kampagne zu starten, verweist Üllen auf mehrere Faktoren, die vorab abgearbeitet gehören und essentiell sind.

Zunächst sei es wichtig, die gewählte Plattform selbst genauer ins Auge zu nehmen. Und herauszufinden, welche Services und Partnerschaften angeboten werden und wie die Planungs- und Umsetzungsstrategien aussehen. Alles unter Berücksichtigung des Zeitfaktors, da eine gewisse Vorlaufzeit eingeplant werden muss, wie er sagt.

´“Zudem stellt das Team einen weiteren grundlegenden Baustein in einer erfolgreichen Projektumsetzung dar“ so Üllen weiter. „Je mehr helfende Hände, umso besser. Ein weiterer essentieller Baustein ist die Community. Hier geht es darum, ob und inwieweit bereits ein Netzwerk aufgebaut wurde.“

Außerdem erweise sich der richtige Auftritt als wichtig. Gut eingesetzte Marketingstrategien sorgen für ein Herausstechen aus der Masse. Eines der wichtigsten Dinge sei, dem Founder nach, jedoch das Durchhaltevermögen. Man müsse bis zum bitteren oder idealerweise süßem Ende „fokussiert bleiben und alles geben“.

Blitzstart = Fehlstart?

Zu den Stolpersteinen hingegen, die Crowdfinancing scheitern lassen können, würden sehr oft das Budget und der zeitliche Faktor zählen. „Eine gute Kampagne kostet auch etwas. Zudem benötigen, wie erwähnt, die Planungsphase und die Community genügend Vorbereitungszeit, da ein Blitzstart sehr oft mit einem Fehlstart gleichzusetzen ist“, sagt Üllen.

Und fährt fort: „Ein schnellerer Start kann oft erfolgen, wenn sich der Einreicher oder die Einreicherin schon im Vorfeld mit dem Thema auseinandergesetzt hat und qualitative Inhalte, Videos, Texte und eine Community gegeben sind. Jedoch zeigen unsere Erfahrungen, dass Kampagnen, welche mit uns gemeinsam aufgebaut wurden, den Erwartungen der Community besser entsprechen, als jene, die komplett in Eigenregie erledigt wurden. Ein Nachjustieren ist dann oft kostenintensiver. Als Faustregel gilt: je früher das Projekt bei uns einlangt, umso ‚leaner‘ und effektiver kann dieses aufgebaut werden.“

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Fünf der RBI Global FinTech Scouts gaben uns Einblicke in die aktuellen globalen FinTech-Trends (vl.): Vel Vasic, Aditi Subbarao, Ken Thomas, Scarlett Sieber und Nnanna Ijezie | (c) brutkasten / Dervisevic

„Die große Stärke des Programms ist Neugier. Es geht darum, das Beste aus der ganzen Welt zusammenzutragen und dann zu nutzen“, sagt Aditi Subbarao, Enterprise Account Director beim US-AI-Data-Cloud-Anbieter Snowflake, im Gespräch mit brutkasten. Sie spricht über das Global FinTech-Scouts Program der Raiffeisen Bank International (RBI), für das sie seit dem Start vergangenes Jahr als Expertin fungiert. Ziel ist es, die wichtigsten Erkenntnisse im FinTech-Bereich von globalen Top-Expert:innen zusammenzutragen und für die gesamte RBI-Gruppe – und damit im ganzen CEE-Raum – nutzbar zu machen.

Im Mai holte die RBI ihre „Scouts“ wieder nach Wien. Brutkasten war vor Ort und bat fünf der Expert:innen, darunter auch Subbarao um ihre Einschätzung zu den aktuell wichtigsten FinTech-Trends.

1. KI-Agenten und die notwendige Datenstrategie

KI-Agenten seien aktuell wenig überraschend das dominierende Thema in den Führungsetagen der Finanzwelt, erklärt Aditi Subbarao. Dabei gehe es um die effiziente und sichere Umsetzung. Und diese sei an strenge technologische Voraussetzungen geknüpft: „Ohne eine solide Datenstrategie gibt es keine KI-Strategie. Unternehmen werden von KI-Agenten nicht profitieren, solange ihre zugrunde liegenden Daten nicht robust und KI-fähig sind“.

Zusätzlich zur Datenqualität sei die Sicherheit der Systeme entscheidend. Subbarao warnt vor unregulierten Modellen: „Selbst bei einer optimalen Datenbasis können ohne sichere, regulierte KI-Agenten mit angemessenen Leitplanken nicht die zuverlässigen und richtlinienkonformen Ergebnisse erzielt werden, die man für seine Kunden will“.

2. Web3 und Payments wachsen zusammen

Ein grundlegender Wandel vollzieht sich auch in der Infrastruktur digitaler Transaktionen, erklärt Vel Vasic, CEO des in Singapur ansässigen FinTech-Venture-Studios OTLRS. Er beobachtet eine zunehmende Verschmelzung etablierter Systeme: „Wir erleben derzeit, wie der traditionelle Zahlungsverkehr und Web3, die früher völlig getrennte Welten waren, konvergieren“.

Die Integration gehe dabei in beide Richtungen. „Zahlreiche Anbieter digitaler Vermögenswerte betrachten den Zahlungsverkehr mittlerweile als zentralen Bestandteil der Customer Journey“, führt Vasic aus. Er prognostiziert für die Branche eine weitreichende Veränderung: „In den kommenden zehn Jahren wird sich dies in Kombination mit künstlicher Intelligenz zu einem nahtlosen Omnichannel-Erlebnis für digitale Zahlungen entwickeln“.

3. Identitätsprüfung im Zeitalter von KI-Betrug

Die schnelle Verbreitung von künstlicher Intelligenz bringt auch neue Herausforderungen im Bereich der Cybersicherheit mit sich. Für Scarlett Sieber, Chief Strategy and Growth Officer beim New Yorker FinTech-Konferenzveranstalter Money20/20, rücken defensive Strategien in den Fokus. „Mein Hauptinteresse gilt der Rolle von Betrug und Identitätsprüfung im Kontext von künstlicher Intelligenz“, erklärt Sieber.

Sie sieht dabei einen direkten Zusammenhang zwischen technologischer Entwicklung und Cyber-Kriminalität: „Mit dem Aufstieg der KI verzeichnen wir einen deutlichen Anstieg von Betrugsfällen. Infolgedessen spielt die eindeutige Identitätsfeststellung eine wichtigere Rolle als jemals zuvor“.

4. Hyperpersonalisierung durch „Context Pulling“

Im Bereich der Kundenbindung verändert sich die Art und Weise, wie Finanzprodukte angeboten werden, erklärt Ken Thomas, Principal beim Londoner VC BackFuture. Er identifiziert einen Wandel in der Kundenansprache: „Der übergreifende Trend, den ich derzeit beobachte, ist die Hyperpersonalisierung und deren Wechselwirkung mit Banking“.

Die Strategie wandelt sich von traditionellen Marketingmethoden hin zu einer situativen Ansprache: „Wir nennen das ‚Context Pulling‘ anstelle von ‚Product Push‘. Anstatt eine statische Menge an Rewards anzubieten, geht es nun vielmehr darum, den Kunden die richtigen Rewards zur exakt richtigen Zeit zukommen zu lassen, um so die Interaktion und das Engagement zu steigern“.

5. Besserer Zugang zum US-Dollar

Nnanna Ijezie, Product Manager bei Booking.com in Amsterdam, sieht eine starke Nachfrage im Fremdwährungsbereich: „Wir beobachten weltweit einen wachsenden Zugang zum US-Dollar“.
Dieser Trend wird maßgeblich von neuen Marktteilnehmern getrieben. „Startups, FinTechs und Banken arbeiten daran, immer mehr Menschen einen einfacheren, schnelleren und kostengünstigeren Zugang zu dieser Währung zu ermöglichen“, so Ijezie.

Dabei kommen auch neue Technologien zum Einsatz: „Eine der populärsten Methoden, über die derzeit alle sprechen, sind Stablecoins, doch das zugrunde liegende Bedürfnis bleibt, der breiten Masse einen effizienteren Zugang zum US-Dollar zu verschaffen“.

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