23.10.2018

Innovation nach 2000 Jahren: NFC-Klingelbeutel für Kartenzahlung

Die evangelische Kirche in Deutschland startet in den kommenden Monaten mehrere Pilot-Projekte um das Spenden in der Kirche auf den aktuellen Stand zu bringen. Opferstock, Spendenkörbchen und Klingelbeutel funktionieren bald bargeldlos.
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Der elektronische Klingelbeutel ist eines von mehreren neuen Spendensammel-Geräten
(c) Thorsten Wittke: Der elektronische Klingelbeutel ist eines von mehreren neuen Spendensammel-Geräten

Klingeln wird der Klingelbeutel in der Kirche in Zukunft wohl weniger. Denn schon bald muss nicht mehr unbedingt Bargeld eingeworfen werden. So der Plan mehrerer Stellen der evangelischen Kirche, bzw. der kircheneigenen Bank KD-Bank in Deutschland. Relativ zeitgleich kommen  – nach bald 2000 Jahren (bzw. in anderen Religionen noch länger) des relativ gleichen Spendensammelsystems – in den kommenden Monaten bargeldlose Opferstöcke, Spendenkörbchen und Klingelbeutel in die evangelischen Gotteshäuser Deutschlands – zunächst im Pilotversuch. Und, so die verantwortlichen gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), wohl bald auch in die katholischen Kirchen. Es gebe eine ökumenische Zusammenarbeit in dem Bereich.

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Schneller spenden dank NFC

Ausschlaggebend sei dafür die Durchsetzung des NFC-Systems bei der Kartenzahlung gewesen. Es ginge darum, die Spende schnell und einfach abwickeln zu können. „Es war zu umständlich, immer die Karte in den Schlitz zu stecken, den Betrag und dann auch noch die Geheimzahl einzugeben und auf einen Beleg auf Papier zu warten. Mit den neuen Geräten geht das alles viel schneller, das ist vor allem für Kirchen mit viel Publikumsverkehr ein großer Vorteil“, sagt Eckard Wilms von der KD-Bank gegenüber der FAZ. Die Bank steht hinter dem erwähnten elektronischen Spendenkörbchen. Damit der Spendenprozess so reibungslos wie angedacht funktioniert, kann damit aus sechs möglichen Beträgen ausgewählt werden. Der maximale Betrag ist 25 Euro (Grenze bei NFC-Zahlung).

E-Klingelbeutel: Jetzt braucht es nur mehr stabiles Internet

Der oben abgebildete Klingelbeutel wurde von der IT-Abteilung der Evangelischen Kirche in Berlin entwickelt. Wie auch beim Spendenkörbchen und beim elektronischen Opferstock gilt: Eine Bargeld-Spende ist weiterhin möglich. Tatsächlich sei aber in dünn besiedelten ländlichen Regionen der Umgang mit Bargeld-Spenden aufgrund fehlender Bankfilialen schwierig, sagt der Verantwortliche Fabian Kraetschmer. Hier ergibt sich wohl eine potenzielle Problematik. Denn damit das Gerät funktioniert, braucht es eine stabile Internet-Verbindung. Die ist hinter den dicken Kirchenmauern ohnehin häufig nicht gegeben. Und erst am Land…

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Bildunterschrift: V. l. n. r.: Jonathan Grothaus (CEO & Founder myflexbox), Martin Trittler (CFO DeinFach), Lukas Beckedorff (CEO DeinFach) und Peter Klima (CTO & Founder myflexbox) | (c) myflexbox

Der Salzburger Paketstationen-Anbieter myflexbox und DeinFach, eine Tochter der Deutschen Post AG, schließen sich zusammen. Das gaben die DHL Group und myflexbox am Donnerstag in einer Aussendung bekannt. Die anbieteroffenen Automatennetze der beiden Unternehmen sollen künftig unter der Marke myflexbox geführt werden. Die Marke DeinFach wird schrittweise in myflexbox überführt.

Laut Aussendung betreibt myflexbox rund 3.000 Paketstationen in Deutschland und Österreich. Sie ergänzen das deutsche Automatennetz aus rund 19.000 DHL-Packstationen, Poststationen und DeinFach-Automaten. Nach Angaben der Unternehmen entsteht damit das mit Abstand größte anbieteroffene Paketstationsnetz im deutschsprachigen Raum. Das Modell, Stationen für verschiedene Paketdienstleister bereitzustellen, soll erhalten bleiben.

Verkauf an die DHL-Gruppe

Wie der Deal rechtlich und wirtschaftlich ausgestaltet ist, geht aus der Aussendung nicht hervor. Dort ist von einem Zusammenschluss die Rede, Angaben zu Anteilen, Kaufpreis und künftiger Führung fehlen.

Laut einem Bericht von salzburg.ORF.at wird myflexbox an die DHL-Gruppe verkauft. Der Kauf erfolge über die DHL-Tochter AZL GmbH, die bisher die Marke DeinFach betreibt. Verkäufer sei Star Capital, zum Kaufpreis gebe es keine Angaben.

brutkasten hat bei der Deutschen Post AG zur Deal-Struktur angefragt. Bis zum Erscheinen dieses Artikels gab es keine Rückmeldung.

50.000 Paketautomaten bis 2030

Die Deutsche Post AG verbindet mit dem Schritt ein Ausbauziel. Bis 2030 will sie Verbraucher:innen in Deutschland insgesamt rund 50.000 Paketautomaten zur Verfügung stellen. Mehr als die Hälfte davon sollen anbieteroffene myflexbox-Stationen sein. Langfristig soll die große Mehrheit der Menschen in Deutschland eine Paketstation in fünf bis zehn Gehminuten erreichen.

„Gemeinsam bringen wir den Ausbau des größten offenen Paketstations-Netzwerks auf eine neue Ebene“, wird myflexbox-CEO und Founder Jonathan Grothaus in der Aussendung zitiert. DeinFach-Geschäftsführer Lukas Beckedorff erklärt, man nutze bestehende Standorte, erschließe zusätzliche und verkürze damit die Wege für Verbraucher:innen.

Gegründet bei der Salzburg AG

myflexbox wurde 2018 als Corporate-Startup der Salzburg AG gegründet und 2022 ausgegründet. Im Februar 2023 holte das Unternehmen 75 Millionen Euro vom Star IV Fonds, der von Star Capital Partnership LLP verwaltet wird (brutkasten berichtete). Seither stand es im Mehrheitsbesitz eines Investorenkonsortiums.

Zuletzt ist das Unternehmen stark gewachsen. Im September 2025 betrieb myflexbox fast 1.400 Paketstationen in Deutschland und Österreich, davon 660 in Österreich (brutkasten berichtete). Mit den nun genannten rund 3.000 Stationen hat sich das Netz in etwa einem Jahr mehr als verdoppelt.

Mitgründer und Ex-Co-CEO Lukas Wieser ist seit Mai 2026 als Interim Head of Growth beim Linzer HR-Tech teamecho tätig (brutkasten berichtete).

Post und DPD als Partner in Österreich

In Österreich zählen unter anderem die Österreichische Post und DPD zu den Logistikpartnern. Die Post mietet seit 2024 Abholfächer in den myflexbox-Stationen (brutkasten berichtete). DPD sicherte sich im Vorjahr rund 9.000 Fächer und damit fast ein Viertel der hierzulande verfügbaren Fächer. Wie sich der Deal mit einer Tochter der Deutschen Post AG auf diese Partnerschaften auswirkt, lässt die Aussendung offen.

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