28.03.2023

Neuralink: Elon Musk sucht Gehirne für Versuche

Elon Musks Neuralink, ein Unternehmen für Gehirnimplantate sucht Freiwillige für Versuche. Dafür nahm er mit einem Zentrum für Neurochirurgie Kontakt auf.
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Neuralink, Gehirne, Freiwillige,
(c) Steve Jurvetson via Wikimedia Commons

Elon Musks Hirnimplantat-Unternehmen Neuralink hat sich an eines der größten US-Neurochirurgie-Zentren als potenziellen Partner für klinische Studien gewandt und bereitet sich darauf vor, seine Geräte an Menschen zu testen, sobald die Aufsichtsbehörden dies zulassen. Das erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters von sechs mit der Angelegenheit vertrauten Personen.

Das Unternehmen entwickelt seit 2016 Hirnimplantate, mit der Hoffnung irgendwann ein Heilmittel für Krankheiten wie Paralyse und Blindheit zu finden. Anfang 2022 musste Neuralink allerdings einen Rückschlag hinnehmen, als die US-Arzneimittelbehörde „Food and Drug Administration“ (FDA) den Antrag auf Durchführung von Versuchen an Menschen mit der Begründung ablehnte, es bestünden erhebliche Sicherheitsbedenken.

Seitdem hat Neuralink daran gearbeitet, die Bedenken der Behörde auszuräumen und hat laut anonymen Quellen mit dem „Barrow Neurological Institute“, einer in Phoenix, Arizona, ansässigen Organisation zur Behandlung und Erforschung neurologischer Erkrankungen, Gespräche gestartet. Diese soll bei der Durchführung von „human trials“ helfen. Auch sei Neuralink an weitere Gehirnzentren herangetreten.

Vorwurf: Tierschutzverletzungen

Laut Reuters lehnte Francisco Ponce, Direktor des Barrow Center for Neuromodulation and Neurosurgery Residency Program, es ab, sich zu Neuralink zu äußern, sagte aber, dass „Barrow“ aufgrund seiner langjährigen Erfahrung auf diesem Gebiet gut positioniert sei, um solche Implantatforschung durchzuführen. Auch die FDA gab keinen Kommentar ab.

Bereits im Vorjahr gab es Ärger für Musks Firma. Das US-Landwirtschaftsministerium hat 2022 damit begonnen, mögliche Verstöße gegen den Tierschutz zu untersuchen. Derzeitige und ehemalige Mitarbeiter haben gegenüber Reuters ihre Bedenken über überstürzte Tierversuche des Unternehmens geäußert, die zu unnötigem Leiden und Tod der Tiere geführt hätten.

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© Tom Jackson via Pexels

Erst vor wenigen Tagen berichtete brutkasten, dass die ÖBB Postbus beim Forum Alpbach einen autonomen Bus testen wird. Der Regelbetrieb mit bis zu 100 fahrerlosen Fahrzeugen ist hierzulande frühestens ab 2028 geplant. Was in Österreich also noch Zukunftsmusik ist, wird in Kalifornien gerade in einer ganz anderen Dimension Realität: Schwere autonome Lkw dürfen dort ab sofort auf öffentlichen Highways getestet werden.

Ein Heimspiel mit Verspätung

Die Situation hatte bislang etwas Paradoxes: Auf autonomes Fahren spezialisierte Firmen wie Aurora und Kodiak entwickeln ihre Technologie direkt im Silicon Valley, durften ihre schweren Trucks aber lange nicht auf kalifornischen Straßen erproben. Aurora wurde 2017 von drei Veteranen der Selbstfahr-Branche gegründet, unter anderem ehemals bei Tesla und beim Google-Ableger Waymo. Kodiak wiederum hat sich auf autonome Sattelschlepper spezialisiert.

Fahrzeuge ab 10.001 Pfund Gesamtmasse waren vom Testbetrieb ausgeschlossen. Mit neuen Regeln, die am 28. April beschlossen wurden, ist damit Schluss. Kodiak hat rund um seinen Firmensitz in Mountain View, mitten im Silicon Valley, bereits erste Fahrzeuge auf die Straße geschickt.

Von führerlosen Trucks kann trotzdem noch keine Rede sein. Die Genehmigungen gelten vorerst nur für Tests mit Sicherheitsfahrer:in am Steuer. Kalifornien will das Ganze stufenweise angehen: Auf begleitete Tests soll die fahrerlose Erprobung folgen, ein kommerzieller Einsatz ist frühestens danach denkbar.

Texas war schneller

Dass Aurora und Kodiak überhaupt schon so weit sind, liegt an Texas. Dort waren die regulatorischen Auflagen für autonomes Fahren von Anfang an niedriger, weshalb beide Unternehmen ihr operatives Geschäft zunächst dort entwickelten.

Aurora fährt seit 2025 kommerziell und fahrerlos zwischen mehreren texanischen Städten, Kodiak startete im wenig befahrenen Permian Basin und ist mittlerweile ebenfalls auf öffentlichen Highways unterwegs. Die kalifornische Zulassung erlaubt es nun vor allem Kodiak, seine Systeme erstmals auch im eigenen Heimmarkt unter anderen Verkehrsbedingungen weiterzuentwickeln.

Gewerkschaft sieht Jobs in Gefahr

Weniger Begeisterung für die neuen Regeln gibt es bei den Lkw-Fahrer:innen selbst. Die Gewerkschaft Teamsters California hat das für die Zulassung zuständige DMV (Department of Motor Vehicles) verklagt und will die Zulassung wieder kippen. Ihr Vorwurf: Die Behörde habe mögliche Sicherheitsrisiken für andere Verkehrsteilnehmer:innen nicht ausreichend untersucht.

Die Unternehmen argumentieren umgekehrt mit mehr Effizienz und langfristig höherer Sicherheit. Am Ende steht die Frage, wer die amerikanische Logistik von morgen kontrolliert und was das für Fahrerjobs und die Milliarden bedeutet, die bereits in die Technologie geflossen sind.

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