03.02.2026
PERSONALIE

Neues Kapitel bei neoom: Gründer Walter Kreisel übergibt CEO-Rolle

Das oberösterreichische CleanTech-Scaleup neoom steht vor großen Veränderungen. Gründer Walter Kreisel gibt seine CEO-Rolle nach sieben Jahren ab.
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Walter Kreisel | © brutkasten / viktoria waba

„Dies ist für mich ein ganz besonderer und auch emotionaler Moment“, verkündet Walter Kreisel, Gründer von neoom, in einem LinkedIn-Post. „Nach der Gründung und gut sieben sehr intensiven Jahren in operativer Verantwortung als CEO beginnt für neoom nun ein neues Kapitel.“

Kreisel hat mit neoom ein Scaleup aufgebaut, das Speicherlösungen für erneuerbare Energie entwickelt. Die Speicherschränke gleichen die Volatilität der Stromproduktion aus Sonne, Wind oder Wasserkraft aus und sorgen dafür, dass Energie auch bei schwankender Erzeugung verfügbar bleibt. Ergänzt werden die Systeme durch eine Steuersoftware des Unternehmens.

Kein „Rückzug, sondern Entwicklung“

Nun steht bei neoom eine große Veränderung an: Kreisel zieht sich aus der operativen Führung zurück und übergibt die CEO-Rolle. „Mit Nikolas Iwan übernimmt ein CEO, der genau das mitbringt, was es jetzt braucht: Klarheit, internationale Erfahrung sowie Fokus und Führung. Ich bin überzeugt, dass er gemeinsam mit dem gesamten Team die nächste Entwicklungsstufe von neoom erfolgreich gestalten wird“, so Kreisel.

Die Entscheidung sei das Ergebnis eines längeren Prozesses gewesen. „Sie ist das Ergebnis von Verantwortung, ehrlicher Selbstreflexion und persönlicher Transformation. Ende 2024 habe ich mich bewusst entschieden, meine Rolle neu zu denken. Mit dem Abschluss zum zertifizierten Aufsichtsrat an der Donau Universität Krems im Frühjahr 2025 haben wir diesen Schritt dann auch konsequent eingeleitet. Nicht als Rückzug, sondern als Entwicklung: um nicht mehr im, sondern gemeinsam am Unternehmen mitzuwirken.“

Neuer CEO mit internationaler Erfahrung

Die operative Verantwortung bei neoom übernimmt nun Nikolas Iwan. Er war zuvor acht Jahre beim Mineralöl- und Erdgasunternehmen Shell tätig, unter anderem als CFO, Country Business Manager Austria und Country Lead im Energiebereich. 2016 wechselte er als CEO zum deutschen Startup H2 Mobility. 2023 folgte der Schritt zu ennoo Rental, wo er als Managing Director tätig war. Zuletzt arbeitete Iwan drei Jahre lang als Senior Advisor bei McKinsey.

„Mit Nikolas übernimmt ein CEO mit Weitblick und internationaler Erfahrung in Skalierung, Transformation und Energiewende das Ruder“, heißt es seitens des Unternehmens. Sein Fokus liege darauf, „das Unternehmen als Innovationsführerin, kundenzentriert auf Wachstum auszurichten“.

Iwan selbst kommentierte seinen Start bei neoom ebenfalls auf LinkedIn: „Ich gehe mit Respekt und hoher Energie an diese neue Aufgabe heran und freue mich auf die Zusammenarbeit mit euch und unseren Partnerunternehmen!“

Nikolas Iwan ist neuer CEO von neoom | (c) neoom

Bleibt Kreisel bei neoom?

Welche Rolle Walter Kreisel künftig bei neoom einnehmen wird, wurde bislang nicht konkret kommuniziert. In seinem Statement heißt es lediglich: „neoom entwickelt sich weiter. So auch meine Rolle – aber meine Verbindung bleibt.“ Und weiter: „Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit mit Nikolas, und darf neoom künftig aus einer neuen Perspektive begleiten.“

Hinweis: Die Redaktion hat Walter Kreisel um ein weiteres Statement zu seiner zukünftigen Rolle bei neoom und seinen persönlichen Zukunftsplänen gebeten. Sobald dieses vorliegt, wird der Artikel ergänzt.

Wachstum trotz herausfordernder Wirtschaftslage

„Diese Reise war nicht immer einfach“, schreibt Kreisel weiter. Gemeint ist damit wahrscheinlich die wirtschaftlich schwierige Phase der vergangenen Jahre in der Solar- und Energiebranche. Inflation, hohe Zinsen und zunehmender Preisdruck setzten Energieunternehmen unter Druck. 2023 musste neoom aus makroökonomischen Gründen Stellen abbauen (brutkasten berichtete).

Dennoch erklärte Kreisel 2024 im brutkasten-Talk, dass sich das Unternehmen trotz der angespannten Rahmenbedingungen auf Wachstumskurs befinde (brutkasten berichtete). Das Team wurde erneut vergrößert, Expansionen in Nachbarländer umgesetzt und strategische Partnerschaften, unter anderem mit der Energie AG, geschlossen. Zu den Großkunden zählen unter anderem Ikea, die Österreichische Post und die Asfinag.

In den vergangenen Jahren konnte sich neoom auch große Finanzierungen sichern. In einer Series-A-Runde im Jahr 2021 flossen 11 Millionen Euro in das Unternehmen. Zwei Jahre später folgte eine Series-B-Runde über 25 Millionen Euro, die anschließend um weitere 16 Millionen Euro aufgestockt wurde (brutkasten berichtete). Insgesamt sammelte neoom seit der Gründung 2018 laut brutkasten bekannten Daten rund 55,3 Millionen Euro ein.

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v.l. Matthias Schabetsberger, Managing Director Polestar Österreich, mit dem stellvertretenden schwedischen Botschafter Anders Lindgren. | © René Lueger

Der Ort war kein Zufall. „Wir sind eine schwedische Marke”, sagte Schabetsberger vor den Gästen in der schwedischen Botschaft, wo Polestar in Kooperation mit der schwedischen Handelskammer seit Jahren regelmäßig zu Gast ist. Neben Design, Performance und Nachhaltigkeit zahlten die Markenwerte stark auf gesellschaftliche Werte ein, die in Skandinavien hoch gelebt würden: Inklusion, Vielfalt, Gender Equality.

Wie schwedisch das Unternehmen ist, machte er an Zahlen fest: Von den etwas mehr als 2.000 Mitarbeitern arbeiten mehr als zwei Drittel in Schweden. Entwickelt, abgestimmt und designt wird in Schweden, wo die Verbindung zur Schwestermarke Volvo nach wie vor eng ist. Entstanden ist Polestar vor rund zehn Jahren aus einem schwedischen Rennteam, mit einem klaren Bekenntnis zum reinen Elektroantrieb. “So wollen wir als kleine schwedische reine Elektroauto-Marke der Challenger sein für die große Automobilindustrie”, so Schabetsberger.

Der stellvertretende schwedische Botschafter Anders Lindgren nannte Polestar ein gutes Beispiel dafür, wie Innovation den Übergang zur Elektromobilität in praktische Lösungen übersetzt. Die Erfahrung Schwedens zeige, dass Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit einander verstärken.

Fünf Jahre Polestar in Österreich: Jubiläumsempfang in der schwedischen Botschaft im 9. Wiener Bezirk. | © René Lueger

“Wir waren ein Startup und sind jetzt ein Scaleup”

Im Gespräch mit brutkasten zog Schabetsberger eine Parallele zur Gründerszene. Polestar sei ein junges Unternehmen: “Wir waren ein Startup und sind jetzt ein Scaleup.” Diese Dynamik habe man bewusst gewählt, ebenso den Anspruch, Dinge anders zu denken als klassische Mitbewerber. Einen typischen Polestar-Fahrer gebe es nicht, die Marke sei über alle Altersklassen hinweg beliebt, mit einem relativ ausgeglichenen Anteil männlicher und weiblicher Kunden. Was sie verbinde: die Einstellung zur Elektromobilität und zu gesellschaftlichen Werten. Als skandinavische Marke sei Polestar Europas einzige rein elektrische Automarke.

Polestar ist darüber hinaus eng mit dem schwedischen Innovationsökosystem verbunden. In Göteborg ist Polestar Partner von MobilityXlab, einem Innovationshub am Lindholmen Science Park, der Tech-Startups mit Unternehmen wie Ericsson, Volvo Group und Zenseact zusammenbringt. Ursprünglich auf Mobilität und Konnektivität fokussiert, öffnet sich die Plattform seit September 2026 auch für weitere Industrien. Ausgewählte Startups arbeiten eng mit Polestar an Proofs of Concept, etwa für digitale Customer Journeys und das Erlebnis im Fahrzeug.

Quiet Luxury statt noch mehr Touchscreens

Auf die Frage nach dem Design antwortete Schabetsberger mit einem Begriff aus der Mode: Quiet Luxury. Für Polestar heiße das: “wir brauchen aus unserer Sicht nicht mehr, sondern besser”. Während viele Premiumhersteller im Innenraum mit Holz, Alu, Leder, vielen Lichtvarianten und immer mehr Bildschirmen arbeiten, gehe Polestar einen anderen Weg: klare Linien, reduziertes, funktionales Design. “Wir finden immer mehr Kunden, die in einer aufgeregten Welt mit ständig neuen Produkten und ständiger Veränderung genau dieses reduzierte Design, diesen Quiet Luxury schätzen.” Das Prinzip gelte auch für den Auftritt der Marke: “Man muss jetzt nicht unbedingt immer laut schreien, um gehört zu werden.”

Der Polestar 5 vor der schwedischen Botschaft in Wien: Der vollelektrische Grand Tourer ist das neue Flaggschiff der schwedischen Marke und leistet in der Performance-Version bis zu 650 kW. | © René Lueger

Weniger Bildschirme heißt dabei nicht weniger Technologie. Beim neuen Polestar 4 SUV zieht mit Google built-in der KI-Assistent Google Gemini ins Auto ein. Dank der engen Partnerschaft mit Google ist dieser sukzessive auch in weiteren Modellen verfügbar. Funktionen wie Vehicle-to-Load und ein Camping Mode kommen per Software-Update. Die Transparenz, die Schabetsberger betont, hat eine Zahl: Für den Polestar 4 SUV weist Polestar den CO2-Fußabdruck bis zum Werkstor aus, 20,2 Tonnen CO2-Äquivalent bei der Rear-Motor-Variante. Bis 2030 will Polestar die Treibhausgasemissionen pro verkauftem Fahrzeug halbieren, bis 2040 in der gesamten Wertschöpfungskette klimaneutral sein. Und Polestar Charge bündelt mehr als 1,25 Millionen Ladepunkte in Europa über ein Konto, inklusive Tesla Supercharger.

Von drei auf 13 Standorte

Gestartet ist Polestar in Österreich mit einem Direct-to-Consumer-Modell und einem Polestar Space in der Wiener Herrengasse, später kamen Graz und Linz dazu. Im Vorjahr wurde das Modell erweitert: Online bestellen geht weiterhin, zusätzlich können Kunden bei regionalen Partnern in einem Agentursystem Probe fahren, kaufen und das Fahrzeug ausgeliefert bekommen. Die Zahl der Standorte wuchs von drei auf 13, von Dornbirn bis Wien.

Dahinter steht eine Marktbeobachtung: Traditionell seien Flottenkunden die Early Adopter gewesen, in den vergangenen zwölf bis 24 Monaten komme das Wachstum aber vor allem von Privatkunden und Kleinunternehmen. Um sie in Vorarlberg, Tirol oder Salzburg zu erreichen, brauche es regionale Partner. Fünf Jahre nach dem ersten Polestar Space blickt Schabetsberger nach vorne, auf “weitere Jahrzehnte in enger Kooperation”.

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