01.09.2025
ZAHLEN

Neue Zahlen: Wien bleibt „Hotspot“ für Neugründungen

Hierzulande spricht man dieses Jahr von einer "Gründerwelle". Nicht nur in Österreich allgemein, sondern auch in Wien erwartet man ein Allzeithoch an Neugründungen.
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Wien ist Österreichs Hotspot für Neugründungen. | © unsplash/Jacek Dylag

Während Österreich insgesamt auf den Höchstwert an Firmeninsolvenzen seit 1945 zusteuert, steigt zugleich die Zahl der Unternehmensgründungen. Laut Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) wurden heuer von Jänner bis Juni österreichweit 21.128 neue Unternehmen gegründet – ein Anstieg um 9,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bereits 2024 hatte man ein Allzeithoch verzeichnet (brutkasten berichtete).

Nun gibt es auch Zahlen zur Bundeshauptstadt: Im ersten Halbjahr 2025 wurden in Wien 5.584 neue Unternehmen gegründet – ein Plus von acht Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Damit bleibt Wien der Hotspot für Neugründungen in Österreich.

10 Prozent der Neugründungen in Favoriten

Die meisten Gründungen innerhalb Wiens entfielen auf den 10. Bezirk: Insgesamt zehn Prozent der neuen Unternehmen sind in Favoriten registriert. Dahinter folgen Donaustadt (neun Prozent), Leopoldstadt und Landstraße (je sechs Prozent) sowie die Innere Stadt (fünf Prozent). Zu beachten ist, dass von all den Neugründungen etwa 13 Prozent eine GmbH gründeten, während 77 Prozent ein Einzelunternehmen anmeldeten.

„Wien beweist einmal, dass unsere Stadt ein ausgezeichnetes Pflaster für Wirtschaftstreibende ist – und damit auch die Gründerhauptstadt Österreichs. Der Höchstwert der Neugründungen seit Beginn der Messungen 1993 wurde heuer erneut übertroffen“, sagt Walter Ruck, Präsident der Wirtschaftskammer Wien.

Zahlen und Daten

Die Analyse zeigt: Knapp ein Drittel der Gründer:innen (29 Prozent) war zuvor in der Privatwirtschaft angestellt, ein Fünftel (20 Prozent) in leitender Position. Altersmäßig dominieren die 31- bis 40-Jährigen mit 35 Prozent, gefolgt von den 21- bis 30-Jährigen (24 Prozent). Fast die Hälfte (48 Prozent) hat einen Universitätsabschluss. 62 Prozent der neuen Unternehmer:innen wagen den Schritt in die volle Selbständigkeit, während 31 Prozent ihr Unternehmen zunächst als Nebenerwerb betreiben.

„Die Wiener Gründerlandschaft ist so vielfältig wie die Stadt selbst – von innovativen Tech-Startups bis zu kreativen Ein-Personen-Unternehmen. Diese Dynamik ist ein starkes Zeichen für die Zukunftsfähigkeit unseres Wirtschaftsstandorts“, so Ruck.

Motive für Unternehmensgründung

Die Motive für den Schritt in die Selbständigkeit sind unterschiedlich: 75 Prozent der Gründer:innen nannten flexiblere Zeit- und Lebensgestaltung als Hauptgrund, ebenso viele wollen ihr eigener Chef sein. Für 61 Prozent bietet Unternehmertum eine neue Berufsperspektive, 59 Prozent gaben an, immer schon selbständig arbeiten zu wollen.

Laut aktueller Hochrechnung werden in Wien bis Jahresende rund 10.300 Neugründungen erwartet. „Wien bleibt ein Magnet für unternehmerisches Denken und Handeln. Das ist eine Bestätigung der Qualitäten unseres Wirtschaftsstandorts“, kommentiert Ruck.

53 Prozent der Wiener Unternehmen investieren in Nachhaltigkeit

Neben der Gründungsdynamik zeigt sich auch ein Trend in Richtung Nachhaltigkeit. Einer aktuellen Marketmind-Umfrage zufolge investieren 53 Prozent der Wiener Unternehmen 2025 in Projekte mit ökologischem Schwerpunkt. Die Umfrage erfolgte im Auftrag der Wirtschaftskammer Wien und der aws.

An zweiter Stelle der Investitionsschwerpunkte steht die Prozessoptimierung (38 Prozent), gefolgt von Mobilität mit alternativen Antrieben (31 Prozent). Jeweils 26 Prozent der Betriebe setzen auf die Umstellung von Heiz- und Kühlsystemen oder auf verbessertes Abfallmanagement. 15 Prozent investieren in die Renovierung von Gebäuden.

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Montage eines Sensors im Bachbett | (c) GMD
Montage eines Sensors im Bachbett | (c) GMD

„Naturgefahren frühzeitig erkennen und fundierte Entscheidungsgrundlagen für Behörden und Infrastrukturbetreiber bereitstellen“ – so definiert das Innsbrucker Startup GMD sein Produkt. Dazu hat es mit der KI-gestützten Plattform GeoSenseAI ein ganzes Technolgoie-Portfolio aufgebaut. Das umfasst etwa IoT-Sensoren zur Erkennung von Hochwasser, Verklausungen, Hangbewegungen und Steinschlag, seismische Sensorik zur Überwachung instabiler Felsbereiche, Wetterstationen für hochalpine Standorte, Monitoring von Wasserressourcen und Quellen und KI-gestützte Analyse von Besucher- und Personenströmen. Über die Cloud-basierte Plattform erfolgen dann Visualisierung, Modellierung und Alarmierung.

„Naturgefahren kennen keine Staatsgrenzen“

Damit war das 2024 gegründete Unternehmen, das als „Verified Social Enterprise“ eingetragen ist und unter anderem mit Infineon kooperiert, schon bislang über die Landesgrenzen hinaus aktiv – etwa über eine Kooperation mit dem Deutschen Alpenverein (brutkasten berichtete). Nun erfolgte mit der Eröffnung eines Standorts im Technopark Graubünden im Schweizer Landquart und der Gründung einer Schweizer Tochtergesellschaft der nächste Expansionsschritt. Dabei startete man bereits ein erstes Pilotprojekt mit dem Schweizer Bahnbetreiber Rhätische Bahn.

Ein Pegelsensor von GMD | (c) GMD

„Naturgefahren kennen keine Staatsgrenzen – unsere Technologien dürfen daher ebenfalls nicht an Landesgrenzen enden. Mit der Gründung der GMD Swiss GmbH schaffen wir die Grundlage für eine enge Zusammenarbeit mit Schweizer Partnern und stärken unsere Präsenz im gesamten Alpenraum“, kommentiert Geschäftsführer Steve Weingarth. Der Standort Landquart sei „weit mehr als ein Vertriebsbüro“. „Er wird zu einem zentralen Innovations- und Entwicklungsstandort für intelligente Lösungen zur Prävention alpiner Naturgefahren und bildet einen wichtigen Baustein unserer internationalen Wachstumsstrategie“, so Weingarth.

Finanzierungsrunde für Expansionsstrategie

Die unmittelbare Nähe zu Forschungsinstitutionen, Infrastrukturbetreibern und öffentlichen Einrichtungen am Standort schaffe ideale Voraussetzungen für die gemeinsame Entwicklung neuer Technologien im Bereich der Klimaresilienz und Naturgefahrenprävention, heißt es von GMD. „Graubünden zählt zu den Regionen Europas, die besonders stark von Naturgefahren betroffen sind und gleichzeitig über eine hochentwickelte Infrastruktur verfügen. Damit bietet der Kanton ideale Bedingungen, um innovative Sensorik und digitale Frühwarnsysteme unter realen Einsatzbedingungen zu entwickeln, zu testen und weiterzuentwickeln.“

Langfristig verfolge man den Aufbau eines grenzüberschreitenden „Alpine Data Hub“, der Umwelt-, Sensor- und Geodaten aus Österreich, der Schweiz, Deutschland und Italien zusammenführt. In den kommenden Jahren sollen weitere Standorte „entlang der Alpenachse“ entstehen. Dazu befinde man sich aktuell auch im Closing einer Seed-Finanzierungsrunde. Schon für Anfang 2027 sei ein weiteres Investment geplant.

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