„Gründerwelle“: Deutliches Plus bei neuen Unternehmen
Laut aktuellen Zahlen der Wirtschaftskammer gab es im ersten Halbjahr einen neuerlichen Anstieg bei Unternehmensgründungen in Österreich. Schon im Vorjahr war ein Allzeithoch verzeichnet worden.
Während Österreich auf den Höchstwert an Firmeninsolvenzen seit 1945 zusteuert (brutkasten berichtete) kommen auch mehr neue Unternehmen denn je nach. Laut aktuellen Zahlen der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) gründeten im ersten Halbjahr dieses Jahrs 21.128 Menschen ein Unternehmen – ein Plus von 9,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Bereits 2024 hatte die WKÖ ein Allzeithoch bei den Gründungszahlen verzeichnet. Abermals spricht man bei der Kammer von einer „Gründerwelle“.
45,4 Prozent Frauenanteil – deutlich höher als bei Startups
Im Durchschnitt seien die Neugründer:innen 36,7 Jahre alt. Rund 45,4 Prozent davon sind Frauen. 2024 waren die Zahlen mit 36,6 Jahren und 46 Prozent ähnlich gelegen. Zum Vergleich: Bei den Startup-Gründer:innen lag der Frauenanteil laut aktuellem Austrian Startup Monitor zuletzt bei 22 Prozent, also erheblich niedriger (Anm.: der Austrian Startup Monitor basiert auf einer Umfrage und bezieht nicht nur Neugründungen ein – die Zahlen sind also nur unter Vorbehalt vergleichbar).
Zu beachten ist, dass es sich bei einem Großteil der neuen Unternehmen in der aktuellen Statistik um Einzelunternehmen handelt. Genaue Zahlen wurden für dieses Halbjahr noch nicht ausgegeben. Im Vorjahr lag der Anteil von Einzelunternehmen bei 81,5 Prozent im Vergleich zu 13,5 Prozent GmbH-Gründungen. Der Rest entfiel auf andere Gesellschaftsformen wie etwa die FlexCo.
WKÖ bekräftigt Forderung nach Umsetzung des Dachfonds
Die wichtigsten Branchen für Neugründungen sind laut WKÖ Gewerbe und Handwerk mit einem Anteil von 39,0 Prozent, gefolgt von Handel mit 26,1 Prozent und Information & Consulting mit 20,5 Prozent. Die Kammer nimmt die aktuellen Zahlen auch zum Anlass, die Forderungen nach einer steuerlichen Entlastung für Unternehmer:innen sowie nach der Umsetzung des im Regierungsprogramm verankerten Dachfonds zu bekräftigen.
„Du musst nicht besser sein, du musst schneller sein“: Wie Michael Dobersberger Startups US-fit macht
Michael Dobersberger bringt bei Open Austria österreichische Gründer:innen in den globalen Tech-Hotspot Silicon Valley. Im Gespräch mit brutkasten erklärt er, welche Kulturunterschiede entscheiden und warum Österreicher:innen beim Pitchen umdenken müssen.
„Du musst nicht besser sein, du musst schneller sein“: Wie Michael Dobersberger Startups US-fit macht
Michael Dobersberger bringt bei Open Austria österreichische Gründer:innen in den globalen Tech-Hotspot Silicon Valley. Im Gespräch mit brutkasten erklärt er, welche Kulturunterschiede entscheiden und warum Österreicher:innen beim Pitchen umdenken müssen.
Das Silicon Valley ist nach wie vor das unangefochtene Epizentrum der globalen Tech-Welt. Ein Großteil des weltweiten Risikokapitals ist in der Region rund um San Francisco gebündelt. Für europäische Startups birgt der Markteintritt in den US-amerikanischen Raum jedoch erhebliche kulturelle wie strukturelle Hürden. Genau an dieser Schnittstelle setzt die Arbeit von Michael Dobersberger an. Brutkasten hat ihm einen Tag lang in San Francisco über die Schulter geschaut.
Als Co-Direktor der Initiative Open Austria, einem Joint Venture der Wirtschaftskammer Österreich und des Außenministeriums, fungiert Dobersberger als strategischer Sparring-Partner vor Ort. Während die WKÖ-AußenwirtschaftsCenter in New York und Los Angeles das operative Tagesgeschäft im Exportgeschäft abwickeln, konzentriert sich das AußenwirtschaftsCenter in San Francisco unter seiner Leitung auf spezialisierte Formate.
„Ich sehe meine Aufgabe darin, Startups ready für das Silicon Valley zu machen, damit sie einen gewissen Startvorteil gegenüber anderen europäischen Startups haben“, erklärt Dobersberger im Gespräch. Sein Aufgabengebiet umfasst gezieltes Startup-Coaching für den US-Markteintritt sowie Innovation Scouting für etablierte Großunternehmen. Die Nachfrage ist hoch: „Allein heuer habe ich schon über 260 Unternehmen in einem meiner Programme gehabt.“
Die kulturellen Gräben zwischen europäischen und US-amerikanischen Entrepreneurship-Zugängen erlebt Dobersberger täglich. Während hierzulande Risiken oft im Vordergrund stehen, herrscht in Kalifornien eine ausgeprägte Optimierungskultur.
Den zentralen Unterschied im Denkansatz bringt Dobersberger pragmatisch auf den Punkt: „In den USA heißt es: ‚Es kann funktionieren, wenn …‘, während in Europa oft gesagt wird: ‚Das funktioniert nicht, weil …‘“. Es gehe keineswegs darum, kritische Einwände zu ignorieren, sondern Geschäftsideen konstruktiv zu bewerten und Chancen in den Mittelpunkt zu rücken.
Schnelligkeit und ein realistischer Blick auf Fehler
Ein entscheidender Erfolgsfaktor am US-Markt sei die Umsetzungsgeschwindigkeit. „Du musst nicht besser sein, du musst schneller sein“, betont Dobersberger. Wer rasch am Markt testet, gewinnt wertvolles Feedback und kann Mitbewerber überholen.
Ergänzt wird dieses Tempo durch den vielzitierten Umgang mit dem Scheitern, der jedoch häufig missverstanden werde. Fehler seien zwar Teil der Lernkurve, dürften das Unternehmen jedoch nicht ruinieren. „Fail fast, fail often – and keep the price to a minimum“, bringt es Dobersberger auf den Punkt. Das bedeutet übersetzt so viel wie: „Scheitere schnell, oft und halte die Kosten dabei auf einem Minimum.“
Präzision fordert der Experte auch beim Markenauftritt und Produktstart. Zu langes Perfektionieren im Stillen sei gefährlich: „Wenn du nicht irgendwann sagst: ‚Mein erstes Produkt war so peinlich‘, dann bist du zu spät an den Markt gegangen“, veranschaulicht er eindrücklich.
Auch in der Kommunikation rät Dobersberger zu einer radikalen Vereinfachung. Statt technischer Details müsse in den ersten Sekunden das zugrundeliegende Problem im Fokus stehen. Dobersberger nutzt dafür das Bild einer umgekehrten Matrjoschka-Puppe.
„Die erste Matrjoschka ist die wichtigste – das ist dein Why“, erklärt er. Ziel der ersten 40 Sekunden sei es nicht, das gesamte Produkt zu erklären, sondern Neugier zu wecken und Folgetermine zu sichern. Wer zu tief ins Technische abgleite, verliere das Gegenüber rasch.
Menschen investieren in Menschen
Zudem entscheide die Persönlichkeit des Gründerteams oft mehr als die Technologie selbst. Das Feedback internationaler Investor:innen zeichne hier ein klares Bild: „Die Investoren investieren zu 90 Prozent ins Team und zu zehn Prozent in die Technologie.“ Starken Gründerpersönlichkeiten traue man eher zu, Märkte zu erschließen und Geschäftsmodelle bei Bedarf anzupassen.
Mit diesem ganzheitlichen Ansatz, von der Schärfung der Story bis hin zur Vernetzung vor Ort, unterstützt Dobersberger heimische Gründer:innen dabei, im Silicon Valley nachhaltig Fuß zu fassen.
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