19.08.2025
INTERVIEW

Valentin Stalf zu Rückzug als N26-CEO: „Kann ruhigen Gewissens nächsten Schritt gehen“

Valentin Stalf zieht sich von der Spitze der von ihm gemeinsam mit Maximilian Tayenthal gegründeten Neobank N26 zurück - und wechselt in den Aufsichtsrat. Im Gespräch mit brutkasten erläutert er, warum er den Schritt mit seinem Co-Founder bereits in der Vergangenheit diskutiert hatte und warum jetzt der richtige Zeitpunkt ist.
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N26-Gründer Valentin Stalf
N26-Gründer Valentin Stalf | Foto: N26

Es hatte sich in den vergangenen Tagen bereits abgezeichnet, jetzt ist es offiziell: N26-Co-Founder Valentin Stalf verlässt seine Rolle als Co-CEO der Berliner Neobank und soll in den Aufsichtsrat wechseln. Die Berliner Neobank bereite einen Wechsel an der Führungsspitze vor, gab das Unternehmen am Dienstagnachmittag in einer Pressemitteilung bekannt. Stalf ziehe sich „zeitnah aus der operativen Verantwortung zurück“. Nach einer „Übergangsphase“ soll der gebürtige Wiener in den Aufsichtsrat wechseln.

“Ich hatte eigentlich geplant, meinen Wechsel etwas später bekannt zu geben, aber es gab in den vergangenen Tagen so viele Medienberichte mit unterschiedlichen Informationen, teilweise ohne Kontext, sodass ich gesagt habe, dass wir es vorziehen und die Spekulationen beenden können”, sagt Stalf im Gespräch mit brutkasten.

„Guter Zeitpunkt, in den Aufsichtsrat zu wechseln“

“Es ist ein guter Zeitpunkt, in den Aufsichtsrat zu wechseln“, erläutert Stalf weiter. „Einerseits, weil wir finanziell sehr stabil aufgestellt sind: im Vorjahr haben wir die Profitabilität erreicht, eben erst die Marke von einer halben Milliarde Umsatz durchbrochen und auch im zweiten Halbjahr 2025 werden wir Profite schreiben. Andererseits sind wir auch produktseitig sehr gut aufgestellt und haben einen klaren Plan für die nächsten 18 bis 24 Monate. Deswegen kann ich mit ruhigem Gewissen den nächsten Schritt gehen”.

Stalf hat das Unternehmen bisher gemeinsam mit seinem Mitgründer Maximilian Tayenthal geführt, der ebenfalls gebürtiger Wiener ist. Tayenthal bleibt „in seinen aktuellen Rollen als Vorstand der N26 Gruppe und Bank“, heißt es in der Aussendung. Stalf und Tayenthal haben die Neobank 2013 gegründet. Sie halten weiterhin 20 Prozent der Anteile.

„Kein Prozess, der von heute auf morgen geht“

Die beiden Gründer hätten Stalfs möglichen Wechsel in den Aufsichtsrat schon in der Vergangenheit immer wieder diskutiert gehabt, erzählt Stalf im brutkasten-Gespräch: „Ich habe mich bereits die letzten Jahre intensiv mit Max immer wieder darüber unterhalten. Es ist kein Prozess, der von heute auf morgen geht.“

Vor ein paar Jahren sei die Diskussion noch „deutlich abstrakter“ geführt worden. Ab Beginn dieses Jahres sei sie etwas intensiver geworden. „Die Frage ist immer: Wie kannst du das Unternehmen am besten unterstützen? Jetzt haben wir die Diskussion etwas beschleunigt und es beschlossen“, erläutert Stalf.

Stalf über Co-Founder Tayenthal: „Max ist gesetzt und macht weiter“

Der genaue Zeitpunkt des Wechsels ist noch nicht festgelegt. Aus jetziger Sicht geht Stalf aber von einem Rückzug noch im September aus, wie er gegenüber brutkasten sagte. Spekulationen der „Financial Times“, wonach der aktuelle Aufsichtsratsvorsitzende Marcus W. Mosen als Interims-CEO fungieren könnte, wollte Stalf gegenüber brutkasten explizit nicht bestätigen.

Die britische Zeitung hatte unter Verweis auf einen Insider außerdem berichtet, dass Tayenthal sich wohl zu einem späteren Zeitpunkt aus seiner operativen Rolle zurückziehen würde. Gegenüber brutkasten sagte Stalf nun aber: „Ich gehe nicht davon aus, dass Max seine Rolle in der nächsten Zeit verändern wird. Max ist gesetzt und macht weiter”.

Stalf will „engere Abstimmung zwischen Management und Investoren“

Vergangene Woche hatten mehrere deutsche Wirtschaftsmedien berichtet, dass Investoren der Neobank auf die Ablöse der beiden Gründer an der Unternehmensspitze drängen würden (brutkasten berichtete). Diesen Berichten zufolge bemängeln die Investoren vor allem zwei Punkte: Erstens soll es erneut Probleme mit der deutschen Finanzmarktaufsicht BaFin geben.

Diese habe bei einer Sonderprüfung im vierten Quartal 2024 erneut Schwachstellen unter anderem in den internen Kontrollsystemen festgestellt, berichtete das Handelsblatt. Zweitens sollen manche Investoren laut „manager magazin“ nicht mit der Performance der Neobank zufrieden sein – etwa im Vergleich zum Londoner Langzeit-Konkurrent Revolut.

Dass viele Interna an die Presse gespielt wurden, sieht Stalf kritisch. Er ortet auch Verbesserungsbedarf in der Abstimmung zwischen Geschäftsleitung und Anteilseignern: „Ich glaube, es muss eine engere Abstimmung zwischen dem Management und den Investoren stattfinden. Der Aufsichtsrat kann da eine gute Rolle spielen, um das zu unterstützen. Ich hoffe, mich in meiner neuen Rolle da einbringen zu können.“

N26 will Aufsichtsrat erweitern und Vorstand verstärken

In seiner Rolle will sich Stalf nun „aktiv und mit voller Leidenschaft in die langfristige personelle und strategische Ausrichtung von N26 einbringen“. Die Neobank will den Aufsichtsrat in den nächsten Monaten erweitern. Aktuell besteht er neben dem Vorsitzenden Mosen aus Deborah Carlson-Burkart, Peter Kleinschmidt und Jörg Gerbig. Auch der Vorstand soll „weiter verstärkt“ werden. Ende Juni hatte die Neobank angekündigt, dass Jochen Klöpper mit Dezember 2025 die Rolle des Chief Risk Officer übernehmen wird.

Aufgrund seiner neuen Rolle habe er außerdem nun auch die Möglichkeit, sich „verstärkt meinem Family Office und weiteren unternehmerischen Projekten zu widmen“, wird Stalf in der Aussendung zitiert. Diese Aktivitäten hatte er in den vergangenen Jahren aus Zeitgründen etwas zurückgefahren, wie er gegenüber brutkasten ausführte.

N26-Aufsichtsratschef Marcus W. Mosen lobt Stalf als „Pionier des Mobile Banking“ – als solchen habe er ihn bereits 2013 kennengelernt. „Vor seiner unternehmerischen Vision und Leistung habe ich großen Respekt“, wird Mosen weiter zitiert. Stalf habe N26 gemeinsam mit Tayenthal zu einer „marktführenden digitalen Banking-Plattform mit einer starken Marke in Europa aufgebaut.“ Mosen freue sich „auf die weitere enge Zusammenarbeit, die wir fortsetzen“.

N26-Aufsichtsrat soll in nächsten Monaten erweitert werden

N26 hat aktuell 1.500 Mitarbeiter:innen und mehr als fünf Millionen Kund:innen. Für das abgelaufene Jahr meldete die Neobank einen Umsatzanstieg von mehr als 40 Prozent auf 500 Mio. Euro. Im Sommer 2024 hatte N26 nach eigenen Angaben erstmals die Gewinnschwelle erreicht. Man schreibe aktuell „nachhaltige Profite“, heißt es in der Aussendung, und werde „das zweite Halbjahr profitabel abschließen“. Die Bank unterhält Büros in Berlin, Wien, Paris, Mailand, Madrid und Barcelona.


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CleanLoop
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Die im Frühjahr 2025 gegründete CleanLoop FlexCo bietet eine Lösung für den Handel mit Restbeständen von Reinigungsmitteln an. Die kostenlose App dient dabei als digitale Plattform, um überschüssige Reinigungsprodukte österreichweit zu verkaufen und zu kaufen. ÖFB-Nationaltormann Alexander Schlager war von Anfang an beim Unternehmen als Investor und Co-Founder dabei, wie brutkasten berichtete.

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„Mit unserem Ansatz ‚Wiederverwenden statt Ressourcen verschwenden‘ wollen wir Betriebe und Privatpersonen zu nachhaltigem Handeln motivieren und diesen Schritt auch erleichtern“, erklärt Unternehmensgründer Roman Hörantner. Neben den ökologischen Vorteilen biete laut dem Gründer der Handel mit Reinigungsprodukten aus zweiter Hand auch wirtschaftliche Vorteile für alle Beteiligten: Verkäufer:innen vermeiden, dass Maschinen oder Reinigungsmittel ungenutzt in Abstellräumen oder Kellern von Betrieben verbleiben, und sie können gleichzeitig zusätzliche Einnahmen erzielen. Käufer:innen profitieren indes davon, dass sie diese Produkte in der Regel um rund 50 bis 70 Prozent günstiger erwerben können als vergleichbare Neuware, so der Claim.

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Dort lag der Umsatz laut der Statistik-Plattform Statista im Wasch-, Putz- und Reinigungsmittelmarkt 2025 bei rund 15,7 Milliarden Euro. Insbesondere in den Bereichen umweltfreundliche und nachhaltige Produkte zeige der Markt ein großes Wachstumspotenzial. Aber, so der Clean-Loop-Founder, der Reinigungsbedarf hinterlasse einen nicht unwesentlichen ökologischen Fußabdruck. Denn Produktion, Verpackung, Transport und die spätere Entsorgung verbrauchen wertvolle Ressourcen und Energie.

Demgegenüber stehe die deutsche Reinigungsbranche durch steigende Kosten und wachsende Nachhaltigkeitsanforderungen unter massivem Druck. Hier möchte CleanLoop mit seinem Re-Use-Modell ansetzen.

Schlager: „Smarter Umgang mit Ressourcen“

„In vielen Betrieben lagern Produkte, die nicht mehr verwendet werden – sei es durch Lieferantenwechsel, Überbestellungen oder geänderte Anforderungen. Diese Ressourcen machen wir nutzbar“, sagt Hörantner. Die Motivation für das Re-Use-Geschäftsmodell basiert auf Hörantners jahrzehntelanger Erfahrung in der Reinigungsbranche. „Für viele Geräte in Hotellerie, Gastronomie oder Industrie benötigt es spezielle Reinigungsmittel, die bei einem Gerätetausch oder Lieferantenwechsel meist über Jahre ungenützt in den Lagern zurückbleiben oder aber entsorgt werden, obwohl sie noch verwendbar wären. Es ist weder wirtschaftlich sinnvoll noch umweltfreundlich, solche Produkte halb voll oder ungebraucht zu entsorgen.“

Bedarf ortet Hörantner hier vor allem bei Jungunternehmer:innen, die bei der Anschaffung von Spül- oder Waschmaschinen Budget sparen wollen und daher auf Second-Hand-Geräte setzen.

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