myAcker: Kärntner Startup auf Expansionskurs in Europa
Das Kärntner Startup myAcker vollzieht einen strategischen Wechsel: Mit 1. Mai wird ein großer Teil des bisherigen Geschäfts rund um die Ackerboxen an einen neuen Betreiber übergeben. Künftig fokussiert sich das Team um CEO Christoph Raunig vollständig auf das All-in-One-Shopsystem Ackerpay – mit dem Ziel, europaweit in Führung zu gehen.
Mit Ackerpay lieferten die Startup-Gründer eine Technologie für personallose und hybride Geschäfte. Aktuell läuft Ackerpay als Software in 200 Läden in sechs europäischen Ländern. Derzeit kommen jährlich 60-100 neue Läden dazu, im ersten Quartal 2026 sind es knapp 30.
Ackerpay: Täglich 30.000 Personen erreicht
„Zu unseren Kunden zählen neben Hofläden inzwischen auch große Enterprise-Kunden mit eigenen Filialnetzen. Im DACH-Raum sind wir bereits führend, jetzt kommen auch andere Länder dazu. Wir haben gerade in Belgien die ersten zwei Shops eröffnet“, zeigt sich Gründer und Geschäftsführer Christoph Raunig zufrieden.
Täglich erreicht das Unternehmen mit der Software rund 30.000 Menschen. Mit einem großen Investment aus dem vorigen Jahr (brutkasten berichtete) hat myAcker das IT-Team, den Kundendienst und das Partnermanagement aufgestockt. Der Fokus des Wachstums bleibt weiterhin auf den DACH-Raum ausgerichtet, das Unternehmen wächst bislang auch ohne weiteres Investment „organisch vernünftig.“
Vom Ladenbetreiber zum internationalen Tech-Provider
Begonnen hat alles mit dem myAcker-Online-Garten, der mittlerweile pausiert wurde – zu groß waren die Herausforderungen durch Unwetterschäden und aufwendige Logistik.
Als Kund:innen vermehrt den Wunsch nach physischen Einkaufsmöglichkeiten äußerten, entstand die Idee der Ackerbox. Diese personalfreien Container-Läden für regionale Produkte wurden zum realen Testlabor für die eigene Ackerpay-Technologie.
„Die Ackerboxen waren in den letzten Jahren unser Lern-Ökosystem, wo wir neue Funktionen in den eigenen Läden testen konnten“, erklärt das Unternehmen rückblickend.
Um mehr Ressourcen in das wachsende Produkt von Ackerpay zu stecken, mussten die Ackerboxen abgegeben werden. „Wir haben mit der Ackerpay-Technologie so viele Großkunden, dass wir einfach unseren Fokus dorthin legen“, so Raunig.
Die Ackerboxen werden Anfang Mai an einen neuen Betreiber übergeben (c) myAcker GmbH
Antwort auf Fachkräftemangel
Den enormen Zulauf für die Ackerpay-Technologie erklärt sich der Gründer durch den akuten, branchenübergreifenden Personalmangel. Das System automatisiert den gesamten Laden – vom kameragestützten Einlass über intelligente Eventerkennung (etwa bei medizinischen Notfällen im Shop) bis hin zum Bezahlen am Terminal. Besonders lukrativ seien sogenannte Hybrid-Modelle: Ein Fleischer kann so vormittags persönlich beraten, während er nachmittags auf den autonomen Betrieb umschaltet und seine Fachkräfte stattdessen effizienter in der Produktion einsetzt.
Die Technik der vollautomatisierten Container-Shops ermögliche zudem völlig neue, autonome Nischengeschäfte, die zuvor unrentabel waren – etwa der Verkauf von schwerem Pferdefutter direkt am Reitstall.
„Automaten oder bemannte Geschäfte lassen sich nicht abbilden, weil dafür ist letzten Endes auch der Bedarf zu klein. Online ist die Logistik viel zu teuer, weil die Säcke meistens 20-30 Kilo haben. Daher eignen sich Container-Shops am besten“, veranschaulicht das Unternehmen.
25 Jahre Riz up Genius Ideen- und Gründerpreis: Das sind die Sieger:innen des Jubiläumsjahrgangs
Der Riz up Genius Ideen- und Gründerpreis wurde zum 25. Mal vergeben. Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner brachte bei der Verleihung einen "Tag der Fehlerkultur" nach finnischem Vorbild ins Spiel.
25 Jahre Riz up Genius Ideen- und Gründerpreis: Das sind die Sieger:innen des Jubiläumsjahrgangs
Der Riz up Genius Ideen- und Gründerpreis wurde zum 25. Mal vergeben. Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner brachte bei der Verleihung einen "Tag der Fehlerkultur" nach finnischem Vorbild ins Spiel.
25 Jahre Riz up Genius: Niederösterreichs Gründeragentur riz up hat am Montagabend im Congress Center Baden das Jubiläum ihres Ideen- und Gründerpreises gefeiert, brutkasten war vor Ort. Heuer wurden über 230 Geschäftsideen eingereicht, so viele wie nie zuvor, von der Bahnstrom-Versorgung bis zur „Smartwatch“ für Pferde. In den vier Kategorien innovativ genial, regional genial, digital genial und ökologisch genial waren jeweils sieben Projekte für das Finale nominiert. Die bestplatzierten Ideen erhielten zwischen 2.000 und 6.000 Euro Preisgeld, gesponsert von Industriellenvereinigung Niederösterreich, ecoplus, Niederösterreichs Wirtschaftsagentur, Wirtschaftskammer Niederösterreich, Raiffeisen Niederösterreich-Wien, Land Niederösterreich, Flughafen Wien, EVN, Novomatic, Wiener Städtische, accent, dem RIZ Förderverein Süd sowie riz up selbst.
„25 Jahre Riz up Genius-Preis, einfach eine Sensation, wo viele Erfolgsgeschichten bereits geschrieben worden sind und wo wir jetzt neue Erfolgsgeschichten schreiben“, so Mikl-Leitner im Rahmen der Preisverleihung. „Und ich bin unglaublich stolz auf so viel Innovationsgeist.“
Die Gewinner
Kategorie: innovativ genial
In der Kategorie innovativ genial ging der erste Platz an Cybershell Technologies aus Mödling. Das von Mario Curvelo Carvalho eingereichte Projekt ist eine modulare physische Safety-Architektur für industrielle humanoide Roboter. Während Plattformhersteller KI und Antrieb optimieren, setzt Cybershell bei mechanischer Robustheit, CE-Operationalisierung und Versicherbarkeit an und will so eine standardisierbare Schutzschicht für den europäischen Markt schaffen (5.000 Euro, Industriellenvereinigung Niederösterreich).
Platz zwei belegte ein Team aus Neunkirchen um Gerald Höllinger, Alexandra Bernegger und Sebastian Nowak, das BNCT-Anlagen zur Krebstherapie entwickeln will. Ein Linearbeschleuniger ersetzt dabei den Kernreaktor, die Behandlungszeiten sollen unter zehn Minuten liegen (4.000 Euro, Wiener Städtische). Den dritten Platz holte sich EquiShape aus Baden (Janine Rybin), eine Art „Smartwatch für Pferde“: Sensor-Gamaschen, eine App mit Dashboards und ein KI-Trainingsassistent sollen das Training fairer, gesünder und transparenter machen (2.000 Euro, riz up).
In der Kategorie regional genial gewann die Norphluchs GmbH aus Mödling mit ihrer Plattform für DSGVO-konforme Backgroundchecks. Das Unternehmen von Stephanie und Christoph Böhm bündelt Personenrecherchen aus offenen Quellen und offiziellen Registern für HR- und Sicherheitsabteilungen. Dafür gab es 6.000 Euro von der Wirtschaftskammer Niederösterreich.
Platz zwei ging an die electrify smart energy GmbH aus Mistelbach (Dominik Kohl), die auf KI-gesteuerte Schwarmspeicher für die Energiewende setzt (4.000 Euro, EVN). Den dritten Platz teilen sich zwei Projekte. neuSTADTPILZE aus Wiener Neustadt (Joachim Hintenberger) lässt Frischpilze in einem vormals leerstehenden Kellergewölbe aus dem Mittelalter wachsen, ohne Befeuchtung und Klimatisierung. MoveOn aus Wiener Neustadt Land (Carina Polly, Dominik Lerch, Laurin Levai) bietet Eltern von Kindern und Jugendlichen, die vom Schulbesuch befreit oder dauerhaft krankgeschrieben sind, mobilen Unterricht zu Hause, psychosoziale Begleitung und die Koordination von Hilfskräften. Ziel ist, Schulabbrüche zu vermeiden. Beide erhielten je 2.000 Euro vom RIZ Förderverein Süd.
In der Kategorie digital genial siegte die METUSAN FUTURE GmbH aus Mistelbach (Michael Fischer, Sascha Hassa, Günther Unger) mit WOLTRONIC SNM. Das Sensor-Netzwerkmodul überwacht die Bahnstromversorgung und zentrale Teile der Bahninfrastruktur in Echtzeit, Störungen sollen sich damit punktgenau erkennen lassen (6.000 Euro, ecoplus).
Zwei Projekte landeten auf Platz zwei: Legal Rankings AI von Law Business aus St. Pölten (Alexander und Sophie Dillinger) automatisiert die aufwendigen Einreichungen von Anwaltskanzleien bei Kanzlei-Rankings. Laut den Einreicher:innen sind 98 Prozent der Kanzleien weltweit bisher nicht gerankt (4.000 Euro, accent). Die Soxware Interactive GmbH aus Amstetten (Peter Soxberger) entwickelt eine schweißbeständige VR-Brille für den professionellen Dauerbetrieb, die Mehrspieler-Tracking auf bis zu 1.200 Quadratmetern Spielfläche ermöglichen soll (4.000 Euro, Novomatic).
In der Kategorie ökologisch genial wurden gleich zwei Projekte mit einem ersten Platz und je 6.000 Euro ausgezeichnet. Roadeye von Christoph Pasching aus Melk ist nach eigenen Angaben der weltweit erste serienreife, patentierte Straßenleitpflock, der als energieautarker, KI-gestützter Sensor Straßen- und Umweltzustände erfasst und die Daten in Echtzeit nutzbar macht. Der Sensor ersetzt die schwarze Kappe auf den bestehenden weißen Leitpflöcken und lässt sich per Plug and Play nachrüsten (Sponsor: Land Niederösterreich).
Die Zellhofer Engineering GmbH aus Gänserndorf (Sebastian und Tobias Zellhofer) gewann mit Solarpellet, einer mobilen, automatisierten Anlage, die überschüssigen Photovoltaik-Strom vor Ort in Holzpellets umwandelt und Solarenergie damit biologisch speichert (Sponsor: Raiffeisen).
Platz zwei ging an die IceEx GmbH aus Amstetten (Johannes Üblacker) mit einer mobilen Solemischanlage für den Winterdienst, mit der sich Salzsole mit einem Gefrierpunkt von minus 19 Grad herstellen lässt (4.000 Euro, Flughafen Wien).
Mikl-Leitner: „Ab heute arbeiten wir am Tag der Fehlerkultur“
Auf die Frage, was die Entbürokratisierung konkret für Gründer:innen bedeutet, antwortet die Landeshauptfrau gegenüber brutkasten zunächst grundsätzlich: „Gerade in so herausfordernden Zeiten sollten wir daran denken, was uns stark gemacht hat in diesem Land. Und das ist eben Leistung, vor allem auch Eigenverantwortung und Hausverstand.“ Gepaart mit Innovationsgeist und dem Abbau von Regulatorik bringe das Niederösterreich weiter. Man habe im Rahmen der groß angelegten Verwaltungsreform bereits jedes sechste Landesgesetz entbürokratisiert und vor allem die Bauordnung vereinfacht. „Das heißt, Bauen und Sanieren wird effizienter und vor allem auch billiger“, so Mikl-Leitner. Mit der neuen Initiative Taskforce Wirtschaft soll es zudem eine eigene Plattform geben: „Unternehmerinnen und Unternehmer, wenn sie mit Bürokratie ein Problem haben, als auch mit Genehmigungen, dann ist dort die richtige Stelle, um eben komplexe Dinge auch ordentlich und anständig bearbeiten zu können.“
Bei der Verleihung hatte Mikl-Leitner zudem die Idee eines „Tag der Fehlerkultur“ ins Spiel gebracht. In Finnland werde ein solcher Tag groß gefeiert, sagt sie gegenüber brutkasten. „Aus Fehlern kann man lernen. Fehler sind nicht zu verurteilen.“ Vielmehr solle man sie als Motivation für den Weg nach vorne nehmen. Wenn es nach ihr geht, soll der Tag schon 2027 starten: „Das heißt, ab heute arbeiten wir am Tag der Fehlerkultur.“
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