06.12.2018

MyAbility: Österreichisches DisAbility Talent Programm startet in Deutschland

Erfolg: Das DisAbility Talent Programm der Wiener Unternehmensberatung MyAbility möchte Studierende mit Behinderung mit Unternehmen zusammenführen. Nun startet das Karriereprogramm in Deutschland durch.
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MyAbility, Demblin, Österreichische Lotterien, Bank Austria, UNIQA Capjob
(c) Point of View - MyAbility-Gründer Gregor Demblin arbeitet seit 2009 an Inklusion und Barrierefreiheit.

MyAbility, von Gregor Demblin gegründet, hat mit seinem DisAbility Talent Programm den Sprung nach Deutschland geschafft und dort Größen wie SAP, PwC und Axel Springer als Partner gewonnen. Das Programm führt im Laufe eines Jahres über Coachings, Matchings, Job-Shadowings und Mentoring talentierte Studierende mit Behinderung mit Unternehmen zusammen, die an Spitzenkräften und an Vielfalt in ihrer Workforce interessiert sind.

+++ “Menschen mit Behinderung sind Leistungsträger” +++

„Potential erkannt“

„Unser Programm war im dritten Jahr des Bestehens in Österreich so erfolgreich, dass wir die Expansion gestartet haben“, berichtet MyAbility CEO Demblin, der selbst querschnittsgelähmt ist. „Es gibt in Deutschland kein vergleichbares Angebot, welches es Talenten mit Behinderung und Unternehmen so einfach macht, einander kennenzulernen. Wir sind bei den Arbeitgebern auf äußerst positive Reaktionen gestoßen. Der Erfolg in unserem Nachbarland beweist, dass deutsche Unternehmen die Potenziale von jungen Menschen mit Behinderung erkannt haben und sie als neue Mitarbeiter gewinnen wollen.“

Menschen mit Behinderung: nur 45 Prozent erwerbstätig

Rund 9 Prozent der deutschen Bevölkerung (Quelle: Statista) haben eine Behinderung. Nur 45 Prozent der Menschen mit schwerer Behinderung sind in Deutschland erwerbstätig. „Es gibt hier noch sehr viel zu tun, um es Unternehmen zu vereinfachen, talentierte Menschen mit Behinderung kennenzulernen. Mit unserem Programm sind wir als österreichisches Unternehmen in Deutschland ein Vorreiter“, sagt Demblin.

MyAbility: Partner sehen Vielfalt als Chance

Die Partner in Deutschland zeigen sich ebenfalls begeistert über diese Kooperation: Ulrich Störk, Sprecher der PwC-Geschäftsführung, sagt: „Über 250.000 Angestellte in 158 Ländern machen PwC zu einem internationalen Netzwerk, dessen Stärke in der Vielfalt seiner Mitarbeiter liegt. Unsere Kunden profitieren von ihren ganz unterschiedlichen Fähigkeiten. Vielfalt und Inklusion sind wichtige Bausteine unseres Personalmanagements. Wir freuen uns deshalb sehr, am DisAbility Talent Programm von MyAbility teilzunehmen.“

Auch die Axel Springer SE schätzt, dass sie eine der ersten Teilnehmer des Talent Programms in Deutschland ist. Thomas Wendt, Head of HR News Media Print National, dazu: „Das Unternehmen Axel Springer lebt von Vielfalt. Das ist unsere Stärke. Mitarbeiter mit Handicap gehören dazu. Kolleginnen und Kollegen mit und ohne Handicap leisten ihren Beitrag zum Unternehmenserfolg. Wir freuen uns daher sehr, am Programm aktiv dabei zu sein“.

Kooperation mit Sozialhelden

Die Zusammenarbeit mit den Unternehmen bleibt nicht der einzige „Spin“ von MyAbility in Richtung Deutschland. Um die Wirksamkeit dort zu erhöhen, kooperiert die Firma auch mit dem renommierten Sozialunternehmen Sozialhelden aus Berlin. Das Team rund um den deutschen Menschenrechtsaktivist Raul Krauthausen unterstützt MyAbility mit seinem Netzwerk bei der gezielten Ansprache von DisAbility Talents.

Nachdem der erste Schritt gelungen ist, gibt es laut Demblin weitere Ziele: „Als nächstes ist geplant, die Kooperation in Deutschland auszubauen und in weitere Länder in Europa zu expandieren, allen voran in die Schweiz.“

MyAbility, Demblin
(c) MyAbility / Stefan Ebersberger – Das Talent Programm von MyAbility führt Unternehmen und Teilnehmer zusammen.

Programm für Schüler seit 2018

Gleichzeitig mit der Deutschland-Expansion feiert MyAbility eine weitere Neuerung: 2018 wurde das „DisAbility Young Talent Programm“ aus der Taufe gehoben. Dieses setzt schon früher an: Bereits Schüler und Schülerinnen mit Behinderung ab 14 bekommen so erste Kontakte mit der Berufswelt. „Ein großer Aspekt ist für uns, der jüngeren Generation Perspektiven zu zeigen“, sagt Demblin. Der Unternehmensberater weiß genau, wie wenig man als Mensch mit Behinderung von der Außenwelt ernst genommen wird und wie demoralisierend das auf junge Menschen wirken kann. „Wir wollen den Arbeitgebern aber auch den Schülern selbst zeigen, wie viel diese an Können, an Talent und an Engagement zu bieten haben.“

Das Talent Programm in Österreich geht mit insgesamt zehn Unternehmen in die vierte Runde. Aktuell können sich Studierende für das DisAbility Talent Programm in Wien und Berlin unter [email protected] für das kommende Sommersemester bewerben.

Über MyAbility

MyAbility ist eine innovative Unternehmensberatung mit sozialer Mission, die Unternehmen hilft, die Potenziale von Menschen mit Behinderung als Kunden und Mitarbeiter zu nutzen. 2014 in Wien gegründet, beschäftigt das Unternehmen heute 19 Angestellte. Die Bilanz: 400 neu geschaffene Arbeitsplätze, 75.000 sensibilisierte Arbeitskräfte und 30 beratene Großunternehmen, darunter Referenzkunden wie REWE und Bank Austria.


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Thomas Reiter führt die Kommunikationsagentur Reiter, die auf Technologieunternehmen und Startups spezialisiert ist. Er bereist China seit 15 Jahren | (c) Sabine Klimpt

Im Hochsommer, vor genau 15 Jahren, reiste ich zum ersten Mal nach China. In dieser schicksalshaften Woche lernte ich nicht nur meine Frau kennen, sondern auch einen nahezu perfekt anmutenden europäischen Exportmarkt mit einer Milliarde Menschen, stark steigenden Einkommen und niedriger Marktsättigung.

Das Straßenbild der 25-Millionen-Metropole Schanghai war unübersehbar von europäischen Autos geprägt. Volkswagen stand damals mit rund einem Fünftel Marktanteil am Zenit seiner Dominanz im wichtigsten Automarkt der Welt. Wer sich einen Audi, BMW oder Mercedes leisten konnte, hatte es im Reich der Mitte geschafft und stellte das zur Schau.

Heute ist die Welt eine andere. Meine damalige Freundin ist längst meine Ehefrau mit österreichischer Staatsbürgerschaft. China hat uns technologisch vielfach überholt und seine Importabhängigkeit radikal reduziert. Die Handelsströme sprechen eine deutliche Sprache, denn das EU-Defizit im Warenhandel mit China erreichte 2025 rund 360 Milliarden Euro, plus 18 Prozent binnen eines Jahres.

Die Zahl neuer chinesischer Marken und Modelle ist überwältigend – heimische Hersteller halten inzwischen rund 70 Prozent des chinesischen Pkw-Marktes. Volkswagen, jahrelang Marktführer in China, liegt heute mit knapp elf Prozent hinter BYD und Geely. Credit: Thomas Reiter 

Im Vergleich zu Europa punktet China heute mit moderner Infrastruktur, seiner Vorreiterrolle bei erneuerbaren Energien und sichtbarem Wohlstandszuwachs. Auch das leistungsorientierte Bildungssystem rückt an die Weltspitze. Jährlich schließen 3,5 Millionen Menschen ein MINT-Studium ab, fast die Hälfte aller Patentanmeldungen weltweit kommt aus China.

Nicht zufällig heißt die erste chinesische Hochgeschwindigkeitsbaureihe auf eigenen Schutzrechten „Fuxing“ – Verjüngung, Wiedererstarken. Ihre Vorgängerin „Hexie“, Harmonie, fuhr noch mit Lizenztechnologie von Siemens, Alstom und Kawasaki.

Rushhour in Schanghais U-Bahn: rund zehn Millionen Fahrgäste täglich – und kaum eine Hand ohne Smartphone. Credit: Thomas Reiter

Auf den Trikots chinesischer Spitzensportler steht „Glory of China“, und BYD, mittlerweile weltgrößter Hersteller reiner Elektroautos, trägt „Build Your Dreams“ im Namen. Dieses Mindset verrät viel über ein Land.

China ist nicht perfekt. Aber es steht heute eher für den amerikanischen Traum vom Tellerwäscher zum Milliardär als Donald Trumps „Make America Great Again“.

Tencent East China Headquarters in Schanghai: Der Konzern hinter der Super-App WeChat zählt 1,42 Milliarden aktive Nutzer im Monat – mehr, als die EU und die USA zusammen Einwohner:innen haben. Credit: Thomas Reiter 

Ich schreibe diese Zeilen am Rückflug von China nach Österreich. Das Europäische Forum Alpbach steht heuer unter dem Motto „How Europe Wins“ und benennt die neue Realität. In einer Welt, in der alle anderen schneller und entschlossener handeln, ist offen, ob Europa in den entscheidenden Fragen noch gewinnen kann. Die Antwort steckt bereits in der Diagnose. Europa muss schneller und entschlossener werden.

Entschieden wird das nicht auf Konferenzen. Europa braucht nicht die nächste Arbeitsgruppe, sondern konkrete Vorhaben mit Datum, Budget und Verantwortlichen, die dafür geradestehen. Ein Plan ist immer nur so gut wie seine Ausführung. Umsetzungsgeschwindigkeit muss das Maß aller Dinge sein.

Zwei Beispiele. Die beschlossene Senkung der Lohnnebenkosten – der Dienstgeberbeitrag sinkt von 3,7 auf 2,7 Prozent, rund zwei Milliarden Euro Entlastung – wirkt erst ab 2028. Die von der Kommissionspräsidentin persönlich unterstützte „EU Inc.“ liegt seit März als Vorschlag am Tisch, anwendbar frühestens 2028. Der Kontinent scheint viel Zeit zu haben. Das Gegenteil ist der Fall.

Die Wucht der Veränderung

BYD hat seinen Absatz in fünf Jahren verzehnfacht, auf 4,6 Millionen Fahrzeuge. Und China ist längst der größte Autoproduzent der Welt. 34,5 Millionen gebaute, acht Millionen exportierte Fahrzeuge allein 2025. Bei Photovoltaikmodulen hält es 85 Prozent Weltmarktanteil, bei Batteriezellen rund 70 Prozent. Veränderung war nie schneller, mit einem hohen Preis für Sieger:innen und Verlierer:innen – die Auswirkungen Künstlicher Intelligenz noch gar nicht eingerechnet.

Botengänge im Hotel erledigt längst der Roboter: 2024 wurden 54 Prozent aller Industrieroboter weltweit in China installiert. Credit: Thomas Reiter 

Wir leben in Österreich weit über unseren Verhältnissen, ohne dafür eine Sensorik zu haben. Zwei Rezessionsjahre, zwölf Prozent Minus bei der abgesetzten Industrieproduktion seit 2021, 25.000 verlorene Industriejobs in zwei Jahren, 6.810 Firmenpleiten im Vorjahr, eine Schuldenquote, die 2027 auf 85 Prozent zusteuert, ein offenes EU-Defizitverfahren. Wer sagt, unser Pensionssystem sei gesichert, rechnet mit Annahmen von gestern. Gut ein Viertel des Bundesbudgets fließt in Pensionen, und 2040 kommen auf einen Menschen im Pensionsalter nur noch zwei im Erwerbsalter – 1950 waren es sechs.

Es mangelt nicht an Lösungen und Wissen, sondern an Bereitschaft – genauer gesagt an den Möglichkeiten einer Dreierkoalition und an den Abläufen zwischen Wien und Brüssel. Was die Politik nicht richten wird, müssen Unternehmerinnen und Unternehmer leisten. Und Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die sich ihres Beitrags bewusst sind.

Der Weg zu neuem Wachstum ist machbar

Vorziehen statt ankündigen. Der Dienstgeberbeitrag, den Arbeitgeber zusätzlich zum Bruttolohn an den Familienlastenausgleichsfonds zahlen, sinkt von 3,7 auf 2,7 Prozent. Das entlastet die Betriebe brutto um rund zwei Milliarden Euro. Ein Prozentpunkt weniger Lohnnebenkosten bringt laut EcoAustria 10.000 bis 12.000 Jobs. Wirksam wird die Senkung aber erst 2028. Wer heuer um Aufträge und Fachkräfte kämpft, hat davon nichts. Also vorziehen auf Mitte 2027, gegenfinanziert aus der Föderalismusreform.

Schnellere Genehmigungen. Eine Umweltverträglichkeitsprüfung dauerte im Zehnjahresschnitt 22,6 Monate. Fast zwei Jahre bereitliegendes Kapital ohne Baustart, während andere Standorte in Monaten entscheiden.

Deshalb sollte nach zwölf Monaten ohne Bescheid die Bewilligung automatisch gelten. Nötig ist der Druck, denn Bürokratie kostet die Unternehmen laut KMU Forschung Austria 21,1 Milliarden Euro und 320 Millionen Arbeitsstunden jährlich, die Leistung von fast 200.000 Vollzeitkräften – ohne Mehrwert für Kund:innen.

Kapital statt Sparbuch. Österreichs Risikokapital brach 2025 um 56 Prozent auf 253 Millionen Euro ein, während europaweit zehn Billionen Euro niedrig verzinst auf Konten liegen. Es braucht eine KESt-Befreiung nach Behaltefrist und Pensionskassen, die heimische Innovation finanzieren dürfen.

Arbeit muss sich lohnen. Mit 47,1 Prozent Abgabenbelastung liegt Österreich laut OECD auf Rang vier. Dazu ein faktisches Antrittsalter unter 62 Jahren bei steigender Lebenserwartung. Dänemark und die Niederlande koppeln ihr Pensionsalter an sie, das schafft Planbarkeit und hält das Thema aus dem Wahlkampf.

Verwertung statt Förderung. Österreich investiert 3,34 Prozent der Wirtschaftsleistung in Forschung, EU-weit Platz drei, im Innovation Scoreboard nur Rang acht. Wir finanzieren Forschung erstklassig und übersetzen sie zweitklassig in Produkte. Förderungen sollten daher an Marktergebnisse gekoppelt werden, nicht an gut geschriebene Anträge.

Mehr denn je zählen Leistung und Einsatz statt Hoffnung auf einen Staat, der selbst eine Verschlankung braucht.

Europäischer Exportschlager: Das größte Legoland der Welt steht seit 2025 nicht in Dänemark, sondern in Schanghai. Credit: Thomas Reiter

Das ist kein Grund für Pessimismus. Europa hat schon große Träume verwirklicht, und keiner davon war einfach oder unumstritten. CERN entstand 1954, neun Jahre nach dem Krieg, als zwölf Staaten ein gemeinsames Labor bauten, in dem Jahrzehnte später das World Wide Web erfunden wurde. Airbus startete 1970 als Konsortium gegen eine amerikanische Dominanz, die als unangreifbar galt, und lieferte 2025 mit 793 Maschinen mehr Verkehrsflugzeuge aus als Boeing mit 600.

Erasmus wurde 1987 erst nach langem Streit über Rechtsgrundlage und Finanzierung beschlossen, begann mit rund 3.000 Studierenden und hat seither mehr als zehn Millionen Menschen in einem anderen EU-Mitgliedstaat ausgebildet. Binnenmarkt und Währungsunion galten als zu groß zum Funktionieren, heute zahlen rund 360 Millionen Menschen in 21 Ländern mit derselben Währung, seit Jänner auch die Bulgaren.

Nicht die Aufgaben sind größer geworden, sondern unsere Bereitschaft kleiner, den Status quo zu verändern, uns festzulegen und unsere Zukunft aktiv zu gestalten. Jacques Delors legte 1985 ein Weißbuch mit 282 Einzelmaßnahmen vor und schrieb einen Stichtag hinein, den 31. Dezember 1992. Jede Maßnahme hatte einen Termin, und die Einheitliche Europäische Akte ersetzte für den Binnenmarkt die Einstimmigkeit durch Mehrheitsentscheidungen. Der Stichtag wurde bis auf wenige Ausnahmen gehalten.

Träume verwirklichen sich nicht durch Absichtserklärungen und Diskussionen, sondern durch Menschen, die täglich daran arbeiten und dafür geradestehen. Wir müssen es unseren Eltern und Großeltern nur gleichtun.


Über den Autor:

Thomas Reiter führt die Kommunikationsagentur Reiter, die auf Technologieunternehmen und Startups spezialisiert ist. Er bereist China seit 15 Jahren. www.reiterpr.com

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