20.06.2015

Mit dieser App sammelt man „Karma“ und wird „Meister des Jodelns“

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© Jodel Facebook: Jodel ist eine anonyme Community-App.

Jodeln am Berg ist out, denn nun „jodelt“ man am Campus. Und zwar via App. Das junge Startup lässt seine Nutzer – adressiert werden (zur Zeit?) Studenten – auf seiner Plattform anonym Kommentare posten. Dabei kommt man ganz ohne Nutzerprofil aus.

Die Jodel-Community postet, bewertet Kommentare und man kann sogar „Karma“-Punkte sammeln, um „Meister des Jodelns“ zu werden. In einem Radius von 10 km können Nutzer der Jodel-App Informationen mit der Umgebung teilen und mit anderen diskutieren. Durch den Echtzeit-Faktor sollen News, lustige Erlebnisse, Shout Outs, Witze und Events sich einer raschen Verbreitung erfreuen. Jodel ist nach eigenen Angaben seit April 2015 um das Fünffache gewachsen. Aktuell sollen 400.000 User die soziale Plattform benutzen.

“Die Leute jodeln einfach über alles. Vieles davon sind definitiv Inhalte, die Nutzer in anderen Social-Media-Kanälen bewusst zurückhalten. Bei uns finden sie dank der Anonymität und dem lokalen Bezug einen Raum“, meint Alessio Avellan Borgmeyer, Founder von Jodel.

Inhalte der App? Highlights in den lokalen Verkehrsbetrieben, intime Geständnisse aus dem Leben oder konkrete Fragen mit lokalem Bezug, zum Beispiel nach dem besten Sushi Restaurant. Auch Bilder können geteilt werden.

Bald soll es auch möglich sein in andere Länder zu „springen“ und Teil neuer Communities zu werden. Derzeit steht Jodel in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Niederlande, Schweden und Spanien zum Download zur Verfügung. Weitere Länder sollen geplant sein.

“Wir möchten ein Zeichen gegen den übertriebenen Personenkult in klassischen sozialen Netzwerken setzen und rücken Selbstdarsteller in den Hintergrund”, so Borgmeyer über den Grund, wieso er Jodel gestartet hat, in einer Aussendung.

Wer Unfug treibt, wird übrigens von der Community bestraft: Die User sind nämlich auch das Kontrollorgan. Hat ein Post zu viele negativen Bewertungen, wird der Beitrag gelöscht. Beleidigende und pornografische Inhalte, werden von den Administratoren direkt entfernt.

Hier eine Bildergalerie © Jodel

Quelle

 

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Lovable-CEO Anton Osika (r.) im Gespräch mit Times Senior Editorin Ayesha Javed. © brutkasten

Kaum ein Tool steht so sehr für den KI-Bauboom wie Lovable. Erst im August 2026 hat das schwedische Startup, wie brutkasten berichtete, eine Series-C-Runde über 400 Millionen US-Dollar abgeschlossen, angeführt von Menlo Ventures und mit dem EQT-gemanagten Scaleup Europe Fund als Co-Lead, bei einer Bewertung von 13,3 Milliarden US-Dollar.

Für Gründer und CEO Anton Osika ist das mehr als eine Finanzierungsrunde: Es sei ein Indikator dafür, dass KI-gestützte No-Code- und Low-Code-Plattformen die Nische verlassen hätten und im Mainstream angekommen seien.

Weg vom Entwickler-Monopol

Auf der Dreamforce in San Francisco erläutert Osika die zentrale These hinter Lovable: „Menschen mit Fachwissen über das jeweilige Problem sollten diejenigen sein, die Software bauen“, so Osika. Wer ein Problem am besten kenne, solle auch die Lösung bauen, egal ob in Marketing, HR, Finance oder Operations. Nicht die formale Qualifikation zähle, sondern die Nähe zum Problem.

Dass Lovable längst kein reines Anfänger-Werkzeug sei, belegt Osika mit einer internen Zahl: 55 Prozent der Lovable-Nutzer:innen brächten mehr als elf Jahre Berufserfahrung in ihrem Fachgebiet mit. Entscheidend sei laut dem Co-Founder nicht das klassische Programmieren, sondern die Fähigkeit, komplexe, unstrukturierte Probleme systematisch in funktionierende Systeme zu zerlegen.

Vom Nebenprojekt zur Unternehmenslösung

Besonders aufschlussreich sind die Praxisbeispiele, die Osika im Gespräch anführt. Bei einer Healthcare-Staffing-Firma habe ein Fachbereichsleiter eine komplette neue Produktlinie für die Zertifizierung von Pflegekräften aufgebaut, samt Verwaltung und Terminplanung, und anschließend mehr als zehn weitere interne Anwendungen vernetzt. In den nordischen McDonald’s-Filialen laufe mittlerweile ein auf Lovable gebautes Interface, über das rund 300 Standorte operative Anfragen abwickeln würden.

Solche Geschichten seien laut Osika keine Ausnahme: Bei knapp zwei Dritteln der Fortune-500-Unternehmen, darunter Adidas und Nvidia, würden Mitarbeitende die Plattform nutzen. Häufig beginne es als kleines Team-Projekt und wachse zur unternehmensweiten Lösung heran.

Entwicklung unter Aufsicht

Damit das nicht in unkontrollierter Schatten-IT ende, setzt Lovable laut Unternehmensangaben auf Admin- und Audit-Funktionen, mit denen IT-Verantwortliche nachvollziehen können sollen, welche Anwendungen entstehen, wo sensible Daten verarbeitet werden und wo Sicherheitslücken drohen. Genau das mache aus der anfänglichen Skepsis von IT-Abteilungen häufig Zustimmung, so Osika: „Es wird vom letzten Nein zu dem, was man ausrollen wollte, zum ersten Ja. So verhindern wir Schatten-IT und die Zersplitterung in unzählige Tools, die niemand mehr überblickt“, erklärt Osika.

Überflüssig würden Engineers durch die Lovable-Nutzung anderer trotzdem nicht, meint Osika: Ihre Rolle verschiebe sich von Routineaufgaben hin zu Architektur, Systemanbindung und der Betreuung unternehmenskritischen Codes.

Warum heißt Lovable eigentlich Lovable?

Zum Schluss des Gesprächs räumt Osika mit einem gängigen Klischee über den europäischen Tech-Standort auf: „Viele halten Europa für langsam, aber wenn man in die Tech-Hubs Europas geht, brodelt es dort wie nie zuvor“, sagt Osika. Dass der Produktfokus so stark auf dem Nutzererlebnis liege, führt Osika auch auf den Standort Stockholm zurück, wo der Großteil des Engineering-Teams sitzt. Man habe in den nordischen Ländern genaue Vorstellungen davon, wie ein Produkt funktionieren solle – oder eben nicht. Diese „I-Tüpfelchen-Reiterei“ mache Lovable erst zu dem was es heute ist.

Warum das Unternehmen ausgerechnet „Lovable“ heißt, erklärt er mit einer letzten Zeile, die zugleich als Leitmotiv des Gesprächs steht: „Software sollte nicht einfach nur funktionieren. Sie soll die Emotionen der Menschen wecken“, so Osika.

Vom Vibe zum Volumengeschäft

Was also vor nicht allzu langer Zeit noch als spielerisches „Vibe-Coding“ belächelt wurde, ist laut Osika längst zu einer Infrastruktur geworden, auf der Enterprisekund:innen die nächsten Prozesssysteme entwickeln. Der Markt für KI-gestütztes Bauen sei, so der Lovable-Gründer, endgültig über das reine Ausprobieren hinausgewachsen – und weit über das Vibecoding hinaus.

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