14.03.2024

„Mietheld wechselt die Seiten“: Prozessfinanzierer vertritt nun Vermieter und gibt AK die Schuld

Wer zu viel Miete zahlt, kann sich diese mit Hilfe von Mietheld zurückholen. Nach dem Launch eines neuen Angebots der Arbeiterkammer Wien, vertritt der Prozessfinanzierer nun aber auch Vermieter.
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Man sieht eine Hand auf der ein Wohnungsschlüssel liegt
(c) unsplash

Das Prinzip von Mietheld, einer Marke des Prozessfinanzierers Prozessfinanzallianz GmbH, ist schnell erklärt: In Österreich gelten in Altbauwohnungen gesetzliche Höchstmietsätze. Wer zu viel zahlt, kann sich an das Unternehmen wenden. Es finanziert den Gerichtsprozess gegen den/die Vermieter:in, setzt dabei eine Senkung auf das zulässige Maximum durch, holt zu viel bezahlte Mieten zurück und behält dafür eine Provision ein. Das Risiko übernimmt das Unternehmen: Wenn es schiefgeht, zahlen die Kund:innen nichts. Unter der Marke Padronus holt das Unternehmen übrigens auch Online-Casino-Schulden und zu hohe Stromkosten zurück.

Mietheld will jetzt „ernstzunehmende Gegenkraft“ zu Arbeiterkammer und Mietervereinigung werden

Doch wie in einer Aussendung verkündet wurde, wendet sich Mietheld nun einer neuen Zielgruppe zu, die nicht unbedingt zu erwarten war: Vermieter:innen. Man wolle nun auch ihnen vor Gericht oder vor der Schlichtungsstelle helfen. „Mietheld wechselt die Seiten“ steht im Titel besagter Aussendung. Insitutionen wie der Arbeiterkammer oder der Mietervereinigung werde nun eine „ernstzunehmende Gegenkraft gegenüberstehen“. „Wir freuen uns auf die Auseinandersetzungen vor der Schlichtungsstelle und vor Gericht“, wird Gründer Richard Eibl zitiert.

„Immenses Partikularwissen“

Mietheld habe über 5.000 Verfahren vor der Wiener Schlichtungsstelle und vor Gericht erfolgreich finanziert, heißt es vom Unternehmen. „Dadurch konnten wir immenses Partikularwissen in Bezug auf das Mietrecht und auf diverse Prozesstaktiken anhäufen. Kaum jemand in Österreich kann eine derart tiefgründige Expertise auf diesem Gebiet vorweisen wie wir“, so Eibl.

Man verfüge etwa über unzählige Sachverständigengutachten zu Lagezuschlägen in unterschiedlichen Gegenden. „In all den Jahren konnten wir oft beobachten, wie Vermieter oder deren Vertreter eklatante Fehler im Verfahren machten. Diese Fehler können uns dank unserer exzeptionellen mietrechtlichen Fachkompetenz und Erfahrung nicht unterlaufen“, sagt der Gründer.

Neues Gratis-Angebot der Arbeiterkammer als Auslöser

Das Timing des „Seitenwechsels“ ist keineswegs zufällig. Anlass ist ein neues Angebot der Arbeiterkammer Wien. Mit dem „Altbau-Mietencheck“ betätigt sich diese nun selbst als Prozessfinanzierer – aber gratis für die Mitglieder. „Nach den Einschätzungen der Geschäftsführung von Mietheld wird die neue Konkurrenz der Firma stark zusetzen“, heißt es vom Unternehmen. Eibl vermutet hinter dem Angebot ein Wahlkampfzuckerl: „Dass die Arbeiterkammer sich genau jetzt, wenige Wochen vor der Arbeiterkammer-Wahl zur Einführung ihres Services entschließt, ist kein Zufall. […] Hier wird offenbar der Versuch unternommen, Stimmen zu fangen“, so der Gründer.

Mietheld-Gründer zu AK: „Mir erscheint das Ganze auf Dauer nicht finanzierbar“

Ihn „würde es ihn nicht wundern, wenn der neue Gratis-Service der Arbeiterkammer nach einigen Monaten wieder eingestellt würde“, meint Eibl. Denn: „Das Ganze scheint mir nicht sorgfältig durchdacht worden zu sein, insbesondere, da nun auch Mieter mit geringen Erfolgsaussichten und geringen Mietzinsüberschreitungen zur Arbeiterkammer rennen werden“, so der Gründer. „Bedenkt man erstens den Umstand, dass vor der Schlichtungsstelle von mietrechtlich versierten Vertretern Schriftsätze ausgetauscht und Verhandlungen verrichtet werden müssen, zweitens die Tatsache, dass cirka 30 Prozent der Vermieter das Verfahren vor das Bezirksgericht abziehen und drittens, dass im Falle einer gerichtlichen Niederlage mehrere Tausend Euro zu tragen sind, erscheint mir das Ganze auf Dauer nicht finanzierbar.“

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Invisible-Light Labs
@ Romana Maalouf Photography - (v.l.) Hajrudin Besic, Silvan Schmid, Josiane P. Lafleur und Niklas Luhmann.

Invisible-Light Labs (ILL), ein Spin-off der TU Wien, das Infrarot-Analysetechnologie für Nanomaterialien entwickelt, hat eine Pre-Seed-Finanzierungsrunde in Höhe von 1,5 Millionen Euro abgeschlossen.

Die Runde wurde gemeinsam von XISTA Science Ventures und dem aws Gründungsfonds angeführt, unter Beteiligung von Fund F.

Invisible-Light Labs ermöglicht chemische Analyse von Nanomaterialien

Das Kapital soll die internationale Kommerzialisierung des Flaggschiffprodukts des Unternehmens, das Analyse-Tool EMILIE, beschleunigen und die Entwicklung neuer Produkte für die Umweltüberwachung, die pharmazeutische Analyse und Nanotechnologie-Anwendungen unterstützen.

Gegründet von Silvan Schmid, Josiane P. Lafleur, Niklas Luhmann und Hajrudin Bešić, kombiniert Invisible-Light Labs nanoelektromechanische Sensortechnologie mit Fourier-Transformations-Infrarotspektroskopie (FTIR). Dies ermöglicht die chemische Analyse von Nanomaterialien und Substanzen, die nur in extrem geringen Mengen zur Verfügung stehen – und das über verschiedene Branchen hinweg, von der Pharmazie bis zur Umweltüberwachung, heißt es per Aussendung.

EU-Grant 2022

Bereits im Jahr 2022 zeichnete der Europäische Innovationsrat (EIC) Invisible-Light Labs mit einem EIC Transition Grant in Höhe von 2,22 Millionen Euro für das Projekt NEMILIES aus, um deren NEMS-Technologie aus dem Labor auf den Markt zu bringen. EMILIE wurde schließlich 2024 kommerziell eingeführt und vom Fachmagazin „The Analytical Scientist“ sogar zur Innovation des Jahres 2024 ernannt. Im Jahr 2025 ging Invisible-Light Labs eine strategische Partnerschaft mit Bruker Optics ein, um die weltweite Verfügbarkeit des gemeinsam gebrandeten EMILIE-Systems auszubauen.

Wissenschaftlich bestätigt

Die technologische Leistungsfähigkeit der Plattform wurde im April 2026 durch zwei Peer-Review-Publikationen wissenschaftlich bestätigt:

Im Fachjournal ACS Nano (Timarac-Popović et al. 2026) dokumentierte das Forschungsteam die präzise chemische Identifizierung von Nanoplastik im Pikogrammbereich. Die Validierung erfolgte unter anderem anhand des Nachweises von Nanoplastikpartikeln, die von einem einzelnen Nylon-Teebeutel freigesetzt wurden.

Eine weitere Studie in Science Advances (Surdu et al. 2026) belegt, dass die Plattform in der Lage sei, die chemische Zusammensetzung atmosphärischer Aerosole im Submikrometerbereich quantitativ zu bestimmen. Die Nachweisgrenzen liegen hierbei um das rund 1.000-Fache unter denen herkömmlicher Analyseverfahren.

Rollout geplant

„EMILIE verbindet die hohe Empfindlichkeit nanomechanischer Sensorik mit der breiten Verfügbarkeit von Infrarotspektrometern. Diese Finanzierung wird es uns ermöglichen, diese neue Technologie mehr Anwendern zugänglich zu machen – von Forschern, die neue medikamentöse Nanopartikel und Nanomaterialien entwickeln, bis hin zu Atmosphärenwissenschaftlern, die an den Polen der Erde arbeiten“, sagt CEO und CO-Founderin Josiane P. Lafleur.

Und Alexander Schwartz, Partner bei XISTA Science Ventures, kommentiert: „Wir sind zutiefst beeindruckt davon, wie das Gründerteam von ILL fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse in eine außergewöhnliche Technologie und ein hervorragendes Produkt übersetzt hat, das nun gemeinsam mit Bruker, dem Marktführer auf diesem Gebiet, vertrieben wird. Dies mit begrenzten Ressourcen zu erreichen, spricht für die Fähigkeiten, den Fokus und die Entschlossenheit des Teams.“

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