19.05.2026
LINZER KI-COUP

Mega-Exit: Mistral AI übernimmt Linzer Startup Emmi AI und startet Österreich-Standort

Das erst im Dezember 2024 gegründete Deep-Tech-Startup Emmi AI wird von Mistral AI übernommen. Laut Branchen-Insidern handelt es sich um einen der größten Exits der österreichischen Startup-Geschichte.
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Das Emmi-AI-Gründungsteam (v.l.n.r.): Johannes Brandstetter, Miks Mikelsons und Dennis Just | Foto: Emmi AI

Es ging schnell. Sehr schnell. Erst vor knapp 17 Monaten gegründet, wird das Linzer Deep-Tech-Startup Emmi AI nun von Mistral AI übernommen – jenem französischen Unternehmen, das als Europas Antwort auf OpenAI gilt. Die Bekanntgabe der verbindlichen Vereinbarung erfolgte am Dienstag. Das Linzer Startup, ein Spin-off aus dem Umfeld der Johannes Kepler Universität (JKU) und der NXAI rund um Sepp Hochreiter, zählt zu den globalen Vorreitern im Bereich „Physics AI“ – also KI-Modellen, die komplexe physikalische Prozesse simulieren.

Offiziell wird kein Kaufpreis genannt. Laut Branchen-Insidern dürfte der Deal aber zu den größten Exits der österreichischen Startup-Geschichte zählen – und über jener Übernahme von Runtastic durch Adidas im Jahr 2015 für 220 Millionen Euro liegen.

Mit der Übernahme will sich Mistral AI als führender KI-Transformationspartner für die Industrie positionieren. Bestehende Berechnungen, die Tage gedauert haben, sollen in Echtzeit möglich werden – ein Versprechen, das in Branchen wie Luft- und Raumfahrt, Automotive oder Halbleiter erhebliche Auswirkungen auf Produktentwicklungszyklen haben kann.

„Diese strategische Übernahme festigt die Führungsrolle von Mistral AI im Bereich Industrial AI und positioniert uns als Partner der Wahl für Hersteller in besonders anspruchsvollen Sektoren wie Luft- und Raumfahrt, Automotive oder Halbleiter“, erklärt Arthur Mensch, Mitgründer und CEO von Mistral AI, in einer Aussendung. Man wolle Kunden eine voll integrierte Plattform an die Hand geben, um zentrale R&D-Prozesse zu transformieren.

Eigentlich war eine Series A geplant

Ursprünglich war eine Akquisition nicht das Ziel: Emmi AI befand sich seit Jänner in einem Series-A-Finanzierungsprozess, ein Term Sheet lag bereits am Tisch. Im Zuge dieses Prozesses kamen jedoch Angebote von Mistral AI und weiteren führenden KI-Labs auf den Tisch, die das Bild veränderten. Acht Wochen Due Diligence und Verhandlungen folgten. Vor wenigen Tagen wurde der Deal schließlich unterzeichnet, das Closing wird in rund drei Wochen erwartet – die behördlichen Prüfungen sollen nach Angaben aus dem Umfeld der Transaktion bereits abgeschlossen sein.

Foto: Emmi AI

Bewusste Entscheidung für Europa

Es habe auch Angebote aus den USA gegeben, teils sogar höhere. Die Entscheidung sei dennoch klar zugunsten Mistrals gefallen – sowohl aus strategischen als auch aus Gründen einer gewissen europäischen technologischen Souveränität. Bei einem US-Großkonzern wäre Emmi AI in einer Zehntausend-Mann-Maschine verschwunden, bei Mistral hingegen ist Industrial Engineering eines der zentralen Themen der Roadmap.

Mistral AI selbst wächst rasant: Das im April 2023 gegründete französische Unternehmen beschäftigt mittlerweile mehr als 800 Mitarbeiter:innen. Erst im September 2025 hatte Mistral in einer von ASML angeführten Series C 1,7 Milliarden Euro bei einer Bewertung von rund 11,7 Milliarden Euro aufgenommen.

Linz wird wichtiger Mistral-Standort

Für den Standort Linz hat der Deal weitreichende Folgen – allerdings im positiven Sinn: Das gesamte Emmi-Team wird übernommen, ein neues Büro in Linz ist bereits unterzeichnet, knapp 100 Mitarbeiter:innen sind am Standort geplant. Linz wird damit zu einem wichtigen europäischen Standort von Mistral AI.

Auch die enge Kooperation mit der JKU bleibt bestehen und soll weiter ausgebaut werden. Bestehende Kundenbeziehungen zu deutschen Industriekonzernen werden unter dem Mistral-Dach fortgeführt. Hinzu kommt der Zugang zu den Großkunden und Investoren des französischen Mutterkonzerns wie ASML, Airbus oder Siemens.

Foto: Emmi AI

Die Marke Emmi AI wird mittelfristig allerdings verschwinden: Innerhalb von drei bis sechs Monaten soll das Startup als eigene Business Unit – Arbeitstitel: „Mistral Manufacturing/Engineering“ – in Mistral AI aufgehen. Ein klassischer Cash-Equity-Mix für die Gründer, eine vierjährige Bindung an das Unternehmen sowie ein klarer Auftrag, gemeinsam weiterzubauen, sind Teil des Deals.

Für Emmi-Mitgründer und Chief Science Officer Johannes Brandstetter ist die Übernahme ein „entscheidender Moment für die Zukunft des industriellen Engineerings und die breitere AI4Science-Bewegung“. Bei Emmi AI habe man sich der Lösung physikalischer Hochrisiko-Probleme verschrieben – von der Echtzeit-Stabilisierung von Stromnetzen bis hin zur Simulation von Spritzgussverfahren und Crashtests in der Automobilindustrie. „Durch die Integration unserer Expertise in das erstklassige KI-Ökosystem von Mistral sind wir in der Position, die zentrale industrielle Forschung und Entwicklung zu revolutionieren“, so Brandstetter.

Einer der größten Exits der österreichischen Startup-Geschichte

An die heutige Dimension von Dynatrace, das 2019 mit einer Bewertung von 6,7 Milliarden US-Dollar an die New Yorker Börse ging und mittlerweile bei rund elf Milliarden US-Dollar Marktkapitalisierung liegt, reicht der Emmi-Deal nicht heran. Im Verhältnis zu klassischen österreichischen Startup-Exits dürfte er sich aber laut Brancheneinschätzungen in der Spitzengruppe einordnen.

Bemerkenswert ist die Geschwindigkeit: Emmi AI wurde erst im Dezember 2024 als JKU-Spin-off rund um CEO Dennis Just, Chief Scientist Johannes Brandstetter und CTO Miks Mikelsons gegründet. Im April 2025 sicherte sich das Startup mit 15 Millionen Euro die größte Seed-Finanzierung, die je in Österreich aufgestellt wurde – angeführt von 3VC, Speedinvest, Serena und Push.vc (brutkasten berichtete). Nur rund ein Jahr später folgt nun der Exit.

Signal für den Standort

Für das österreichische Startup-Ökosystem ist der Deal mehr als nur eine weitere Schlagzeile: Er zeigt, dass aus Linz heraus – im Umfeld von JKU, Sepp Hochreiters Machine-Learning-Institut und NXAI – KI-Unternehmen entstehen können, die international auf der höchsten Ebene mitspielen. Und dass der Standort, anders als bei vielen vorangegangenen Exits, diesmal nicht ausgehöhlt wird, sondern im Gegenteil mit dem neuen Mistral-Standort deutlich an Bedeutung gewinnen dürfte.

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Gründer von Fiskaly: Patrick Gaubatz, Johannes Ferner, Simon Tragatschnig (v. l.) | (c) Fiskaly

Das Wiener Fintech fiskaly expandiert nach Tschechien. Mit seiner neuen Softwarelösung Sign CZ will das Unternehmen Händler und Kassensystemanbieter bei der Umsetzung der neuen gesetzlichen Vorgaben unterstützen. Ab 1. Jänner 2027 führt Tschechien die verpflichtende elektronische Umsatzerfassung, kurz EET 2.0, wieder ein. Diese betrifft insbesondere Unternehmen im Handel, in der Gastronomie und im Dienstleistungssektor.

Software kann bereits getestet werden

Mit Sign CZ bietet fiskaly eine cloudbasierte Schnittstelle, über die Kassensysteme Umsätze elektronisch an die tschechische Finanzverwaltung übermitteln können. Die Lösung kommt ohne zusätzliche Hardware aus und soll Unternehmen die Einhaltung der neuen gesetzlichen Vorgaben erleichtern. Die Softwarelösung kann bereits vor der Einführung der neuen Registrierkassenpflicht integriert und getestet werden. Diese tritt am 1. Jänner 2027 in Kraft.

Für kleinere Unternehmen bietet die tschechische Finanzverwaltung ab Dezember zudem eine kostenlose Webanwendung namens Moje eet an. Diese ist allerdings auf Betriebe mit maximal zwei Erfassungseinheiten beschränkt. Fiskaly richtet sich mit seiner Lösung hingegen insbesondere an Kassensystemanbieter und Unternehmen, die die elektronische Umsatzerfassung in bestehende Systeme integrieren wollen.

Tschechien führt Registrierkassenpflicht erneut ein

Mit EET 2.0 führt Tschechien die elektronische Registrierkassenpflicht wieder ein. Die ursprüngliche Regelung wurde zunächst während der Corona-Pandemie ausgesetzt und Anfang 2023 schließlich abgeschafft. Die neue Version soll einfacher und weniger bürokratisch sein. So entfällt etwa die Pflicht, gedruckte Kassenbelege auszustellen.

Erfasst werden künftig grundsätzlich Zahlungen vor Ort, unabhängig davon, ob Kunden bar, mit Karte oder per QR-Code bezahlen. Reine Online-Zahlungen sind von der Regelung ausgenommen.

Mit der Wiedereinführung will die tschechische Regierung Steuerhinterziehung und Schattenwirtschaft eindämmen sowie für fairere Wettbewerbsbedingungen sorgen. Das Finanzministerium rechnet durch die Maßnahme mit zusätzlichen Staatseinnahmen von rund 560 Millionen Euro jährlich.

Fiskaly mittlerweile in neun europäischen Märkten aktiv

Mit dem Markteintritt in Tschechien setzt fiskaly seine europäische Expansion fort. Zu den bisherigen Expansionsschritten zählen unter anderem der Markteintritt in Spanien 2023 sowie die Übernahme des schwedischen Anbieters InfraSec im Dezember 2025. „Wir begrüßen Tschechiens Schritt hin zu einer modernen, digitalen Umsatzerfassung und einem faireren steuerlichen Umfeld“, sagt Johannes Ferner, Co-Founder und Co-CEO von fiskaly.

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