25.11.2025
STRATEGISCHER NEUSTART

Medudoc wird mehrheitlich übernommen – has.to.be-Gründer Martin Klässner wird CEO

Medudoc stellt sich strategisch neu auf: Eine Investorengruppe unter Führung des make visions Family Office hat die Mehrheitsanteile übernommen. CEO wird Martin Klässner, der in Österreich bereits Startup-Geschichte schrieb. Im Gespräch mit brutkasten spricht er über die Hintergründe.
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Leadership, Unternehmensführung, Martin Klässner
Martin Klässner | (c) Make Vision/Flausen -

Fünf Jahre nach dem Markteintritt schlägt das HealthTech-Startup medudoc ein neues Kapitel auf. Das Unternehmen wurde 2020 vom Wiener Gründer Michael Horacek gegründet (brutkasten berichtete). Nun übernimmt eine Investorengruppe unter Führung des make visions Family Office die Mehrheitsanteile, wie Medudoc am Dienstag bekannt gab.

Hinter make visions steht kein Geringerer als has.to.be-Gründer Martin Klässner, der bereits in der Vergangenheit als Business Angel an Bord war. Künftig wird er als CEO das Ruder bei Medudoc übernehmen. Klässner selbst schrieb österreichische Startup-Geschichte. Der 250 Mio. Euro schwere Verkauf von has.to.be im Jahr 2021 gilt als der größte Exit der österreichischen Startup-Geschichte. Mehr zu den Hintergründen des Exits könnt ihr in Serie „Das Leben nach dem Exit“ erfahren.

Rückblick: Von der Gründung zum DACH-Rollout

Medudoc bietet seit 2020 digitale Patientenaufklärung über eine SaaS-Plattform an – unter anderem mit Teams in Berlin und Luzern. 2022 konnte das Unternehmen eine Finanzierungsrunde von mehr als zwei Millionen Euro abschließen (brutkasten berichtete). An der Runde beteiligten sich damals unter anderem Krankenhaus-Experte Reinhard Wichels, Smart-Reporting-Gründer Wieland Sommer sowie Klässner.

Mit dem Einstieg der Investorengruppe rund um make visions erhält medudoc nun nicht nur neue Mehrheitsgesellschafter, sondern auch ein erweitertes Management. Neben Martin Klässner als neuem CEO kommen Lukas Bauer als CRO und Jerolim Filippi als CMO an Bord. Die Gründer bleiben weiterhin operativ eingebunden: Michael Horacek übernimmt eine Rolle als Ambassador, während Mona Ciotta als COO die Weiterentwicklung des Produkts und der technischen Basis verantwortet.

Im Gespräch mit brutkasten erklärte Klässner, dass sich die Unternehmensstruktur in den vergangenen Monaten grundlegend verändert hat: „Die Holding war ursprünglich in der Schweiz, ist aber inzwischen in Liquidation. Wir haben die operative deutsche Tochter übernommen und eine neue Holding in Österreich gegründet“. Der Unternehmenssitz befindet sich nun in Radtstadt (Salzburg).

Vom Videoanbieter zur skalierbaren Klinikplattform

Mit der neuen Eigentümerstruktur vollzieht medudoc einen strategischen Richtungswechsel. Das Unternehmen möchte sich vom Anbieter individualisierter Aufklärungsvideos hin zu einer ganzheitlichen Plattform, die digitale Patientenaufklärung standardisiert, die informierte Einwilligung vollständig digital abbildet und zentrale rechtliche und administrative Prozesse im Klinikalltag automatisiert, transformieren.

Dazu heißt es auf der Website des Unternehmen: „Damit adressiert medudoc zentrale Cost- und Compliance-Painpoints im klinischen Alltag und positioniert sich als End-to-End-Enabler für rechtssichere, patientenzentrierte Kommunikation“. Ziel ist eine deutlich effizientere, rechtssichere und patientenzentrierte Kommunikation zwischen medizinischem Personal und Patient:innen.

Klässner formuliert das Ziel deutlich: „Wir wollen medudoc in den kommenden drei Jahren zum Marktführer im Bereich Patientenaufklärung entwickeln.“ Begleitet wird der Neustart von einem markanten Rebranding. Das bisherige medizinische Blau, das in der Branche weit verbreitet ist, weicht einem kräftigen Rot. Damit will medudoc im Wettbewerb deutlich selbstbewusster auftreten und technologischen Führungsanspruch signalisieren.

Kapital für Wachstum und europäische Expansion

Mit dem Einstieg der neuen Investoren wurde die Gesellschaft deutlich kapitalisiert. Im Gespräch bestätigt Klässner, dass ein „mittlerer einstelliger Millionenbetrag“ investiert wurde.

Die neue Kapitalausstattung soll die Weiterentwicklung der Plattformarchitektur, die regulatorische Skalierbarkeit und den Eintritt in weitere europäische Märkte ermöglichen. Medudoc möchte sich damit langfristig als potenzieller Standardanbieter für digitale Patientenaufklärung und rechtskonforme E-Consent-Prozesse positionieren.


Der Artikel wurde nachträglich um Statements von Martin Klässner ergänzt.

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Thomas Arnoldner | (c) A1
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31 Milliarden Euro ist das Portfolio der Staatsholding Öbag aktuell ungefähr wert. Diese teilen sich auf nur sieben Beteiligungen auf: Bundesimmobiliengesellschaft BIG (100 Prozent), Post AG (52,8 Prozent), Verbund (51 Prozent), Casinos Austria (33,2 Prozent), OMV (31,5 Prozent), Telekom Austria und EuroTeleSites (jeweils 28,4 Prozent).

Arnoldner setzt sich einstimmig aus engerer Auswahl von neun Personen durch

Nachdem die Funktionsperiode der aktuellen Chefin Edith Hlawati bald endet, war die Holding zuletzt auf der Suche nach einem bzw. einer neuen CEO. Nach einem dreimonatigen Auswahlverfahren mit laut Öbag insgesamt 46 Bewerber:innen, von denen neun in die engere Auswahl kamen, traf der Aufsichtsrat nun eine Entscheidung – einstimmig, wie betont wird. Neuer Chef wird demnach Thomas Arnoldner, aktuell noch stellvertretender CEO der Telekom Austria AG. Er war zuletzt acht Jahre im Telekom-Austria-Vorstand, darunter von 2018 bis 2023 als CEO. Davor war er in verschiedenen anderen Führungspositionen in der Telekom-Branche tätig. Außerdem leitet er gemeinsam mit Keba-CEO Christoph Knogler die KI-Taskforce der Industriellenvereinigung.

„Besondere Verantwortung“

„Der Beste hat das Rennen gemacht. Für die Öbag, aber auch für die Republik und die Steuerzahler, ist das eine zukunftsweisende und erfolgversprechende Entscheidung. Sie soll der positiven Entwicklung des Wirtschaftsstandorts Österreich bestmöglich dienen“, kommentiert Öbag-Aufsichtsratsvorsitzender Günther Ofner. Arnoldner selbst betont, er gehe die Aufgabe mit großem Respekt an. „Die Öbag verwaltet nicht ihr eigenes Geld, sondern Vermögen der Republik und damit des Steuerzahlers. Daraus entsteht eine besondere Verantwortung. Aus acht Jahren im Vorstand eines großen, börsennotierten Infrastrukturunternehmens weiß ich, was Kapitalmarkt und Mitaktionäre von einem verlässlichen Kernaktionär erwarten – und was ein starker Standort von seiner Infrastruktur braucht. Die Öbag soll als Eigentümer aktiv gestalten und unabhängig entscheiden. So stärken wir unsere Beteiligungen und damit den Industrie- und Energiestandort Österreich“, so der neue Chef.

Neue Strategie auf Industriestrategie-Basis „mit Leben erfüllen“

Und wie kann man sich diese aktive Gestaltung vorstellen? Aufsichtsratsvorsitzender Ofner umreißt: „Hauptaufgaben werden sein, die neue Öbag-Strategie im Einklang mit der Industriestrategie des Bundes mit Leben zu erfüllen und die Öbag, die Staatsbeteiligungen mit einem Portfoliowert von 31 Milliarden Euro verwaltet, als Alleinvorstand weiterhin auf sachlicher und unabhängiger Basis erfolgreich zu führen, in guter Kooperation mit dem Aufsichtsrat.“

Aktivere Rolle der Öbag geplant

Die Öbag hat ihre neue Strategie im April dieses Jahrs vorgestellt, wie brutkasten berichtete. Ein Hintergrund von dieser, die, wie erwähnt, auch den Zielen der Industriestrategie 2035 der Bundesregierung dienen soll, ist auch der Wechsel der Öbag-Zuständigkeit vom Finanz- ins Wirtschaftsministerium. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer sprach in diesem Zusammenhang von einer „geänderten Erwartungshaltung“ und dem Wunsch nach einer aktiveren Rolle der Staatsholding. Dabei zeigte er sich auch offen für weitere Beteiligungen – ein, wie brutkasten damals analysierte, schwer umsetzbares Unterfangen.

Starke Abhängigkeit von Politik

Ob es Arnoldner in der Rolle tatsächlich gelingt, Akzente zu setzen und die „aktivere Rolle“ über jene als Dividendenbringer des Bunds hinaus, Realität werden zu lassen, hängt letztlich nicht nur von ihm, sondern auch von politischen Entscheidungen ab. Allein ein Anteilsverkauf durch die Öbag muss etwa einstimmig im Ministerrat beschlossen werden.

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