11.03.2021

Wiener Medicus liefert IT-Lösung für täglich 10.000 Corona-Tests in Deutschland

Zusammen mit Roche Diagnostics Deutschland hat das Wiener MedTech-Startup Medicus AI seine Software-Lösung für Corona-Schnelltests mittlerweile in 14 deutschen Städten ausgerollt.
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Medicus AI - Baher Al Hakim - CoVive - Coronavirus-App - Medicus SafePlay
Medicus AI CEO Baher Al Hakim

In Deutschland ist die Infrastruktur für Corona-Schnelltests vorwiegend privat strukturiert. Und auch ein Wiener MedTech-Startup spielt in dem Feld mit: Medicus AI. In einer Kooperation mit Roche Diagnostics Deutschland liefert es mit Medicus SafePlay die IT-Lösung für den Test-Anbieter 21Dx, der einer der größten Betreiber von SARS-CoV-2 Teststationen und mobilen Testteams in Deutschland ist. Mittlerweile werden damit an derzeit 30 Standorten in 14 Städten in Deutschland täglich mehr als 10.000 Covid-Schnelltests durchgeführt.

Begonnen mit Antigen-Schnelltests, inzwischen auf verschiedene Corona-Tests erweitert

Seit Start des Programms im November 2020 habe sich die Anzahl der mit der Plattform durchgeführten Tests jede Woche verdoppelt, heißt es in einer Aussendung: „Medicus ist für die Fortsetzung dieses Trends vorbereitet, die Lösung wurde für Kapazitäten entwickelt, die weit darüber hinausgehen“. Nachdem man mit Antigen-Schnelltests begonnen hatte, wurde das Programm anschließend zusätzlich zur Unterstützung von RT-PCR-, qPCR- und Antikörper-Testungen weiterentwickelt. Einsatzorte seien auch Einsatzorten Unternehmen, Regierungseinrichtungen, Großveranstaltungen, Betriebe, Schulen und Kindergärten sowie Altenheime und Pflegeeinrichtungen.

Promo-Video zu Medicus SafePlay

„Das Ziel von Medicus SafePlay war von Anfang an eine Lösung zu schaffen, die die Effizienz verbessert, indem sie Kosten senkt, Personal schont und die Durchführungszeit der Testung verkürzt. Dabei ist die Einfachheit der Lösung wichtig, damit sowohl das Testpersonal als auch die getesteten Personen die Applikation intuitiv nutzen können“, erklärt Rafael Vartian von Medicus AI. „Die Flexibilität von SafePlay ist von entscheidender Bedeutung, um Tests in einer Vielzahl von Fällen zu ermöglichen, angefangen von staatlichen Aufträgen wie Testungen in Altenheimen und Schulen bis hin zu privaten Veranstaltungen oder Reisezielen“, meint Beatus Buchzik, Head of Strategy and Solutions bei 21Dx.

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In der heimischen Startup-Landschaft hat sich Stefan Ebner längst einen Namen gemacht. Er gründete das Datenunternehmen Braintribe, eröffnete später unter anderem den Co-Creation-Space Tribe.Space, launchte die Co-Creation-Plattform Tribe.Land oder das KI-WealthTech-Unternehmen WeR. Nun meldet er sich mit seinem neuesten Projekt Tribe.One zurück, das laut Ebner eine „dritte Welle der KI“ einläuten soll, nach den Sprachmodellen (LLMs) und den KI-Agents.

Von Agents zur Co-Organisation

Agents hätten sich zwar wie ein „Super Personal Assistant“ angefühlt, seien aber nie etwas gewesen, was eine Organisation wirklich aufnehmen könne, argumentiert Ebner. Tribe.One setzt deshalb eine Schicht über den Agents an: „Ich glaube, die nächste Welle wird das sein, was wir Co-Organisation nennen“, erklärt der Gründer. Gemeint ist ein neues Operating Model, in dem Mensch und KI den Output gemeinsam nutzbar machen. Damit richtet sich die Lösung vor allem an CEOs, CFOs und CMOs, denn: „Die meisten KI-Projekte scheitern nicht an der Technik, sondern an der Organisation“, so Ebner.

Digitale Counterparts für die Führungsebene

Kern des Ansatzes sind sogenannte „Entities“, die auf Tribe.Ones Plattform Gzero laufen. Führungskräfte erhalten darüber ein digitales Gegenüber, etwa einen Co-CEO oder Co-CFO. Dieses kennt das Unternehmen samt Plänen und OKRs und gibt Aufgaben an Agents weiter, da eine Entity selbst keinen direkten Datenzugriff hat.

Wie das in der Praxis aussieht, zeigt Tribe.One an sich selbst: Dort arbeiten laut Ebner vier menschliche und acht KI-C-Levels zusammen, und die Entities sind schon seit einem Jahr intern im Einsatz. Für Kund:innen soll die Möglichkeit bestehen bereits bestehende Agents mitzubringen und zu integrieren.

Ein Ort für Fokus und Austausch

Ebner verbindet technologische Vorhaben traditionell mit physischen Orten, vom Nachtclub Chaya Fuera bis zum Tribe.Space. Auch Tribe.One bekommt mit dem „Co-lab“ nun einen solchen Ort in Wien. Er ist laut Ebner kein klassischer Coworking-Space, sondern ein Ort für Fokus, Schulungen und Austausch, an dem auch Marketing, Kommunikation und Frühphasen-Projekte stattfinden sollen. Um die Szene zu vernetzen, ist jeden letzten Donnerstag im Monat ein „Open House“ geplant. Die offizielle Eröffnung soll gemeinsam mit dem großen Launch im Jänner erfolgen.

Forschung in Wien, Kapitalmarkt in London

Während Forschung und Entwicklung in Österreich bleiben, gründet Tribe.One in London eine Limited als Co-Headquarter für Markt und Kapital. Ebner selbst pendelt entsprechend zwischen zwei Welten: Zwei Wochen pro Monat verbringt er in Wien mit Forschung und Coding, die übrige Zeit bei Kunden, die er vor allem im DACH-Raum und in UK sieht.

Finanziert hat sich das Unternehmen bisher selbst und macht nach Ebners Angaben „substanzielle Umsätze“. Im ersten oder zweiten Quartal des kommenden Jahres will er nun aber Kapital aufnehmen.

Die Vision dahinter ist ambitioniert: Tribe.One soll zu den Top-5-KI-Firmen Europas gehören, die die neue Welle mitgestalten. Nach dem Soft Launch ist der große Launch für Januar geplant, und bis Jahresende will das Team 10 bis 15 Enterprise-Kunden und ebenso viele Startups onboarden. Ein Tool für Millionen Nutzer soll Tribe.One dagegen ausdrücklich nicht werden.

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