18.03.2021

Coronatests: Datenleck bei Wiener Startup Medicus AI

IT-Forscher haben eine Lücke in der Softwareplattform von Medicus AI gefunden, über die sensible Daten abrufbar waren.
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Medicus AI: CEO Baher al Hakim
(c) Medicus AI: CEO Baher al Hakim

Ein Datenleck in der Software des Wiener Startups Medicus AI soll die tausende Testergebnisse und sensible Daten aus Testzentren in Deutschland und Österreich frei zugänglich gemacht haben. In einer Kooperation mit Roche Diagnostics Deutschland liefert das Startup mit Medicus SafePlay die IT-Lösung für den Test-Anbieter 21Dx, der einer der größten Betreiber von SARS-CoV-2 Teststationen und mobilen Testteams in Deutschland ist. Laut Medienberichten war neben Testzentren in Berlin, München und Mannheim, auch eine österreichische FH von dem Datenleck betroffen.

Medicus AI hat Lücke bereits geschlossen

Entdeckt wurde die Sicherheitslücke von dem deutschen IT-Kollektiv Zerforschung, das seine Analyse dem Standard und der Süddeutschen Zeitung zuspielte. Laut den Forschern hätte das Leck zumindest 136.000 Datensätze aus mehr als 100 Testzentren auslesbar gemacht. Auf Nachfrage des Standard räumte das Startup ein, dass zu dem fraglichen Zeitpunkt 5.774 Ergebnisse im System abgefragt wurden. Die Abfrage einer großen Menge wäre vom System als verdächtig erkannt und unterbunden worden, hieß es. Grundsätzlich habe das Startup keinerlei unerlaubte Zugriffe verzeichnet, mit Ausnahme der der Sicherheitsforscher. Die Lücke sei bereits geschlossen worden.

Auch persönliche Daten abrufbar

Laut den IT-Forschern wären die Daten relativ einfach über die Entwicklertools des Webbrowsers, also quasi per Rechtsklick auf die Website, abrufbar gewesen. Dabei hätte man ein PDF fremder Identifikationsnummern abrufen können, in dem auch persönliche Daten wie Name, Adresse, Staatsbürgerschaft, Geburtsdatum, Handynummer, E-Mail und fallweise auch die Nummer von Pass- oder Personalausweis angegeben ist. Medicus AI wies auf Nachfrage von Medien zurück, dass dies so einfach möglich gewesen wäre – es hätte Zugriff auf eine Schnittstelle und entsprechende Entwicklerkenntnisse gebraucht.

Medicus AI wurde 2016 in Wien gegründet und bietet eine Reihe an Software-Tools für Diagnostik-Labore und den Medizin- und Versicherungsbereich an. Kunden hat das Startup vor allem in Europa und Asien und sich in mehreren Runden Millioneninvestments gesichert – auch aus China.

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Mit Ignite Ventures ist die WU eine von fünf Hochschulen, die im Rahmen von Modul 1 der Spin-off Initiative eigene Beteiligungsstrukturen aufgebaut haben. | (c) BOAnet_LC

Österreichs Hochschulen sollen als Quelle neuer Unternehmen an Schlagkraft gewinnen. Im Rahmen von Modul 1 der Spin-off Initiative unterstützt das Austria Wirtschaftsservice (aws) dafür ausgewählte Hochschulen mit einer Anschubförderung von insgesamt 1,5 Millionen Euro beim Auf- und Ausbau professioneller Ausgründungs- und Beteiligungsstrukturen, die internationalen Standards entsprechen.

Finanziert wird die Förderung aus Mitteln der Nationalstiftung für Forschung, Technologie und Entwicklung (Fonds Zukunft Österreich), die Projektlaufzeit beträgt rund drei Jahre. Ziel ist es, akademische Spin-offs frühzeitig auf Gründungs- und Skalierungstauglichkeit vorzubereiten und damit jene strukturelle Lücke zu schließen, die Österreich im internationalen Vergleich seit Jahren aufweist.

Was die einzelnen Häuser vorweisen

Die BOKU University begleitet mit der hundertprozentigen Tochter Connective Base GmbH Spin-offs und Startups aus dem universitären Umfeld vom ersten Prototyp bis zum Exit. Im ersten Jahr wurden gemeinsam mit internationalen Expert:innen die rechtlichen und strukturellen Grundlagen für einen professionellen und raschen Ausgründungs- und Investmentprozess geschaffen. Erste Beteiligungen und Spin-offs befinden sich laut Aussendung bereits in Umsetzung.

An der JKU wurde im September 2025 die JKU Technology Transfer GmbH (TTG) gegründet. Als Teil des House of Research and Innovation (HoRI) entwickelt sie Schutzrechts- und Verwertungsstrategien, initiiert Kooperationen mit Unternehmen und begleitet Forschende auf dem Weg zum Spin-off.

Das 2024 gegründete MedLifeLab der Medizinischen Universität Innsbruck begleitet Wissenschaftler:innen und Gründer:innen in den Bereichen Life Sciences, MedTech und BioTech von der Idee bis zur marktreifen Lösung, von Technologietransfer und IP-Management bis zu Unternehmensgründung und Finanzierung. Über Bildungsangebote und Community Building soll ein Ökosystem entstehen, das Tirol regional und international vernetzt.

Die TU Wien hat mit NOCTUA Science Ventures gemeinsam mit Speedinvest einen eigenen Spin-off-VC-Fonds aufgebaut. Er soll mehr als 40 österreichische Spin-offs finanzieren und bis Ende 2026 ein Zielvolumen von bis zu 25 Mio. Euro erreichen. Bis dato wurden über 200 österreichische Spin-offs gesichtet und evaluiert. Über die technischen Hochschulen der TU Austria als Gesellschafter und Partner soll eine tiefe Verankerung in den Universitäten sichergestellt werden.

WU Ignite Ventures setzt bereits am sogenannten „Ignite Moment“ an. Gründer:innen erhalten bis zu 50.000 Euro Pre-Seed-Kapital in zwei Tranchen über ein gründerfreundliches SAFE-Instrument, dazu Zugang zum WU-Netzwerk und eine Alumni-Co-Investment-Plattform. Drei Investments wurden bereits getätigt, zudem startete gemeinsam mit VC-Partnern ein VC Analyst Program für WU-Studierende.

Tipp der Redaktion

brutkasten hat sich dem Thema akademische Ausgründungen im vergangenen Jahr in der Serie From Science to Business gewidmet und dabei beleuchtet, wie aus Forschung heraus Unternehmen entstehen und welche Strukturen es dafür braucht.

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