22.05.2025
MYROBIN

Mateschitz, Lauda und Benko investierten – nun ist Kärntner Startup insolvent

Aus für myrobin - Damit reiht sich ein weiteres Unternehmen von Hannes Jagerhofer in eine Serie von Insolvenzen ein.
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myrobin-Gründer Hannes Jagerhofer
myrobin-Gründer Hannes Jagerhofer (Archivfoto) | Foto: Wikimedia/Bms2018 (CC-Lizenz)

Eine Reihe von Insolvenzen betrifft aktuell den Kärntner Unternehmer Hannes Jagerhofer. Nachdem bereits die Acts Sportveranstaltungen GmbH – bekannt durch Beachvolleyball-Events -und die Houseofweb GmbH Insolvenz anmelden mussten, hat es nun auch die myrobin GmbH getroffen. Wie der Alpenländische Kreditorenverband (AKV) am Donnerstagvormittag mitteilte, ist das Unternehmen nun auch zahlungsunfähig.

Die Idee hinter myrobin war simpel: Wenn Pakete von A nach B müssen und Menschen ebenfalls, können doch diese Menschen die Pakete mitnehmen – und damit auch noch Geld verdienen. Im Sommer 2023 sicherte sich das Unternehmen über eine Crowdinvesting-Kampagne rund 900.000 Euro von 466 Investor:innen. Im Oktober desselben Jahres wurde zudem eine Kooperation mit den ÖBB bekannt gegeben – brutkasten berichtete. Auch prominente Gesellschafter waren an Bord: Mark Mateschitz hielt 11,48 Prozent am Unternehmen, Herbert Koch 8,35 Prozent und die SevenVentures GmbH 8,49 Prozent.

Überschuldung von rund 3,2 Mio. Euro

Laut AKV habe myrobin nach der Entwicklung der App dringend zusätzliche Mittel für Vertrieb und Weiterentwicklung benötigt. „Zahlreiche Gespräche mit potentiellen Geldgebern waren nicht erfolgreich, da derzeit Investitionen in Startup-Unternehmen sehr zurückhaltend vorgenommen werden. Daher konnte die Schuldnerin kein neues Investment finden“, heißt es in der Mitteilung.

Eine Fortführung des Betriebs sei angesichts der hohen Entwicklungskosten nicht mehr möglich gewesen. Eine Sanierung sei ebenso nicht vorgesehen. Laut Insolvenzantrag belaufen sich die Verbindlichkeiten auf rund 3,9 Millionen Euro, dem stehen Aktiva in Höhe von etwa 722.590 Euro gegenüber. Daraus ergibt sich eine Überschuldung von rund 3,2 Millionen Euro. Etwa 30 Gläubiger:innen seien betroffen. Der Geschäftsbetrieb wurde bereits eingestellt, die „offizielle Schließung der unternehmerischen Tätigkeit“ sei beantragt.

Mateschitz, Benko und Lauda an Bord

Hannes Jagerhofer ist bekannt als Veranstalter von Beachvolleyball-Turnieren und als Co-Founder der Flugvergleichsplattform checkfelix. 2011 gelang ihm mit checkfelix der Exit. In der Folge gründete er die Transportdienst-Plattform Checkrobin. Zu den Investoren zählten damals unter anderem Dietrich Mateschitz, René Benko und Niki Lauda.

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Lovable-CEO Anton Osika (r.) im Gespräch mit Times Senior Editorin Ayesha Javed. © brutkasten

Kaum ein Tool steht so sehr für den KI-Bauboom wie Lovable. Erst im August 2026 hat das schwedische Startup, wie brutkasten berichtete, eine Series-C-Runde über 400 Millionen US-Dollar abgeschlossen, angeführt von Menlo Ventures und mit dem EQT-gemanagten Scaleup Europe Fund als Co-Lead, bei einer Bewertung von 13,3 Milliarden US-Dollar.

Für Gründer und CEO Anton Osika ist das mehr als eine Finanzierungsrunde: Es sei ein Indikator dafür, dass KI-gestützte No-Code- und Low-Code-Plattformen die Nische verlassen hätten und im Mainstream angekommen seien.

Weg vom Entwickler-Monopol

Auf der Dreamforce in San Francisco erläutert Osika die zentrale These hinter Lovable: „Menschen mit Fachwissen über das jeweilige Problem sollten diejenigen sein, die Software bauen“, so Osika. Wer ein Problem am besten kenne, solle auch die Lösung bauen, egal ob in Marketing, HR, Finance oder Operations. Nicht die formale Qualifikation zähle, sondern die Nähe zum Problem.

Dass Lovable längst kein reines Anfänger-Werkzeug sei, belegt Osika mit einer internen Zahl: 55 Prozent der Lovable-Nutzer:innen brächten mehr als elf Jahre Berufserfahrung in ihrem Fachgebiet mit. Entscheidend sei laut dem Co-Founder nicht das klassische Programmieren, sondern die Fähigkeit, komplexe, unstrukturierte Probleme systematisch in funktionierende Systeme zu zerlegen.

Vom Nebenprojekt zur Unternehmenslösung

Besonders aufschlussreich sind die Praxisbeispiele, die Osika im Gespräch anführt. Bei einer Healthcare-Staffing-Firma habe ein Fachbereichsleiter eine komplette neue Produktlinie für die Zertifizierung von Pflegekräften aufgebaut, samt Verwaltung und Terminplanung, und anschließend mehr als zehn weitere interne Anwendungen vernetzt. In den nordischen McDonald’s-Filialen laufe mittlerweile ein auf Lovable gebautes Interface, über das rund 300 Standorte operative Anfragen abwickeln würden.

Solche Geschichten seien laut Osika keine Ausnahme: Bei knapp zwei Dritteln der Fortune-500-Unternehmen, darunter Adidas und Nvidia, würden Mitarbeitende die Plattform nutzen. Häufig beginne es als kleines Team-Projekt und wachse zur unternehmensweiten Lösung heran.

Entwicklung unter Aufsicht

Damit das nicht in unkontrollierter Schatten-IT ende, setzt Lovable laut Unternehmensangaben auf Admin- und Audit-Funktionen, mit denen IT-Verantwortliche nachvollziehen können sollen, welche Anwendungen entstehen, wo sensible Daten verarbeitet werden und wo Sicherheitslücken drohen. Genau das mache aus der anfänglichen Skepsis von IT-Abteilungen häufig Zustimmung, so Osika: „Es wird vom letzten Nein zu dem, was man ausrollen wollte, zum ersten Ja. So verhindern wir Schatten-IT und die Zersplitterung in unzählige Tools, die niemand mehr überblickt“, erklärt Osika.

Überflüssig würden Engineers durch die Lovable-Nutzung anderer trotzdem nicht, meint Osika: Ihre Rolle verschiebe sich von Routineaufgaben hin zu Architektur, Systemanbindung und der Betreuung unternehmenskritischen Codes.

Warum heißt Lovable eigentlich Lovable?

Zum Schluss des Gesprächs räumt Osika mit einem gängigen Klischee über den europäischen Tech-Standort auf: „Viele halten Europa für langsam, aber wenn man in die Tech-Hubs Europas geht, brodelt es dort wie nie zuvor“, sagt Osika. Dass der Produktfokus so stark auf dem Nutzererlebnis liege, führt Osika auch auf den Standort Stockholm zurück, wo der Großteil des Engineering-Teams sitzt. Man habe in den nordischen Ländern genaue Vorstellungen davon, wie ein Produkt funktionieren solle – oder eben nicht. Diese „I-Tüpfelchen-Reiterei“ mache Lovable erst zu dem was es heute ist.

Warum das Unternehmen ausgerechnet „Lovable“ heißt, erklärt er mit einer letzten Zeile, die zugleich als Leitmotiv des Gesprächs steht: „Software sollte nicht einfach nur funktionieren. Sie soll die Emotionen der Menschen wecken“, so Osika.

Vom Vibe zum Volumengeschäft

Was also vor nicht allzu langer Zeit noch als spielerisches „Vibe-Coding“ belächelt wurde, ist laut Osika längst zu einer Infrastruktur geworden, auf der Enterprisekund:innen die nächsten Prozesssysteme entwickeln. Der Markt für KI-gestütztes Bauen sei, so der Lovable-Gründer, endgültig über das reine Ausprobieren hinausgewachsen – und weit über das Vibecoding hinaus.

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