16.01.2026
INDUSTRIESTRATEGIE

Maßnahme Nummer 105: Regierung nennt Startzeitpunkt für Dachfonds

Seit einem Ministerratsbeschluss und einer Studienpräsentation im September war es von Regierungsseite leise um den als "Scale-up Fonds" titulierten geplanten Dachfonds. Nun scheint er in der heute präsentierten Industriestrategie auf - mit einem genau benannten geplanten Startzeitpunkt. Ob dieser hält, darf bezweifelt werden.
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Die Minister Peter Hanke (SPÖ) und Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) sowie Staatssekretär Sepp Schellhorn (NEOS) bei der Präsentation der Industriestrategie | Screenshot
Die Minister Peter Hanke (SPÖ) und Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) sowie Staatssekretär Sepp Schellhorn (NEOS) bei der Präsentation der Industriestrategie | Screenshot

Nachdem er es im Februar vor einem Jahr ins Regierungsprogramm geschafft hatte, war es im September so weit: Der geplante Startup-Dachfonds – nun als „Scale-up Fonds“ tituliert, wurde im Ministerrat beschlossen (brutkasten berichtete). Mehr als eine bekräftigte Willensbekundung war das aber de facto noch nicht. Die Veröffentlichung einer bei EcoAustria in Auftrag gegebenen Studie gab Ende September noch einen besseren Einblick in die angedachte Ausgestaltung (brutkasten berichtete). Dann wurde es von Regierungsseite jedoch ruhig um den Fund of Funds, der bis zu 500 Millionen Euro schwer werden und in VC-Fonds investieren soll.

„Wird mit Anfang 2027 operativ tätig“

Nun gibt es aber Neuigkeiten – wenn auch sehr stichwortartig. In der heute präsentierten Industriestrategie Österreich 2025 wird der Dachfonds erwähnt. Auf 112 Seiten nennt die Regierung 114 konkrete Maßnahmen. Ganz hinunterscrollen bzw. ganz nach hinten blättern zahlt sich aus. Denn als Maßnahme Nummer 105 schaffte es auch der „Scale-up Fonds“ in die Strategie. Die Beschreibung bleibt dabei recht stichwortartig und enthält altbekanntes. Ein nennenswertes Detail kommt darin aber vor: „Der Scale-up-Fonds zur Finanzierung von Spin-offs und Scale-ups wird mit Anfang 2027 operativ tätig.“, heißt es dort im Wortlaut. Ob mit dem Beginn des operativen Starts bereits erste Investments oder der Start des Fundraisings gemeint ist, geht aus dem Dokument jedoch nicht hervor.

Noch viele Schritte bis zum ersten Investment

Die Frage nach dem geplanten Zeithorizont ist somit zumindest teilweise beantwortet. Ob dieser – so oder so straffe – Zeitplan hält, ist jedoch angesichts der Umstände fraglich. Denn wie oben angedeutet war der Ministerratsbeschluss im September noch sehr unkonkret. Mehr als dass es einen Dachfonds geben soll, wurde damals noch nicht festgelegt. Der konkrete Entwurf muss also noch in den zuständigen Ministerien ausgearbeitet und dann im Parlament beschlossen werden. Dann muss das Fonds-Management und das operative Team aufgestellt werden. Und erst dann kann das Fundraising (offiziell) beginnen – und die institutionellen Investoren, auf die abgezielt wird, haben nicht den Ruf, sehr schnelle Entscheidungsprozesse zu haben. Im ersten Closing muss dann freilich noch nicht das gesamte Zielvolumen erreicht sein, aber doch ein substanzieller Teil. Und dann kann endlich investiert werden.

Alles in wenigen Monaten erledigt?

Ohne Zweifel gibt es im Hintergrund bereits Gespräche sowohl mit möglichen Investoren (Limited Partners) als auch mit potenziellen Fonds-Manager:innen. Dass nach dem Parlamentsbeschluss, dessen Zeitpunkt auf Basis der bisherigen Kommunikation noch nicht absehbar ist, alles in wenigen Monaten fertig aufgesetzt ist, darf aber zumindest angezweifelt werden. Es wäre nicht der erste Fonds, dessen erstes Closing und Investment-Start sich nach hinten verschieben.

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Cyberhsell-CEO Mario Curvelo Carvalho | (c) Cybershell Technologies

Es ist das Zukunftsszenario schlechthin: Menschenleere Produktionshallen, gefüllt mit humanoiden Robotern, die unermüdlich arbeiten. Cybershell arbeitet daran, dass diese Vision einmal Realität wird. Das Deeptech-Startup entwickelt eine Außenschicht für humanoide Industrieroboter, die sie im Arbeitsalltag vor externen Einflüssen wie extremer Hitze, Stößen oder Chemikalien schützen soll. „Aktuell schauen die Roboter nicht so aus, als könnten sie z. B. neben einem Hochofen arbeiten“, sagt Gründer Mario Curvelo Carvalho. Cybershell soll das nun ändern. Die Idee wurde zuletzt beim Riz-up-Preis des Landes Niederösterreich in der Kategorie „Innovativ genial“ mit dem ersten Platz ausgezeichnet (brutkasten berichtete).

Cybershell ist ein „First of a kind“

Laut Curvelo Carvalho gibt es ein Produkt wie Cybershell noch nicht auf dem Markt. „Cybershell ist ein First of a Kind. Es gibt Hersteller, die Abdeckungen und so für Roboter machen. Aber es gibt unseres Wissens nach noch keinen Hersteller, der das im humanoiden Bereich macht“, sagt der Niederösterreicher. Dementsprechend schwierig seien manche Schritte für Cybershell, da es noch keine Referenzbeispiele gebe. „Ich komme mir manchmal vor wie wenn ich vor einem Dschungel mit einer Planierraupe stehe und mir dort erst meinen Weg ebnen muss“, sagt Curvelo Carvalho.

Erstmalige Versicherung einer Flotte

Laut dem Gründer ergibt sich durch seine Technik ein entscheidender Vorteil: Durch Schadensreduktion, Austauschbarkeit und standardisierte Betriebs- und Wartungsdaten gebe es eine bessere Grundlage für die Versicherbarkeit von humanoiden Robotern. „Die Versicherung hat das erste Mal die Möglichkeit, auf Daten zurückzugreifen und damit zu arbeiten. Damit können Versicherer Risiken, Schadenwahrscheinlichkeiten und mögliche Prämiengrundlagen besser bewerten“, erklärt der Founder und ergänzt: „Die Versicherungen sagen aktuell ‚Wir haben keine Werte, wir können hier nicht berechnen, wie hoch die Ausfallsrate ist und wie viel Schaden da wirklich auf uns zukommt.“ Doch bevor eine Flotte versichert werden kann, braucht Cybershell die notwendigen Zertifikate. An diesen werde gerade gearbeitet.

Modularer Aufbau

Das Startup setzt auf einen modularen Aufbau. Die Protektoren für z. B. Schultern, Arme und Beine sind getrennt abnehmbar und greifen nicht in Antrieb, Steuerungssoftware oder Sicherheitslogistik ein. „Es geht darum, die Downtime zu reduzieren. Wenn ein Roboter beschädigt wurde, dann wollen wir nicht, dass der ganze Roboter getauscht wird. Es soll einfach das beschädigte Modul werkzeuglos abgenommen werden und das neue Modul eingesetzt werden und nach 20 Minuten soll die Downtime vorbei sein“, erklärt Curvelo Carvalho. Die Außenschicht besteht aus fünf Layern, wobei jeder eine eigene Funktion hat und unterschiedlich anpassbar ist, je nachdem, wo der Roboter zum Einsatz kommt.

Das Patent als nächster Milestone

Das Unternehmen befindet sich aktuell noch vor der Gründungsphase und ist gebootstrappt. Gründen und die Suche nach Investoren machen laut Curvelo Carvalho erst dann Sinn, wenn die Firma das entsprechende Patent habe. Dafür müsse zuvor noch die Firma gegründet werden. Es läuft somit alles auf das Patent hinaus, noch im Herbst soll der Antrag gestellt werden. Förderungen hat Cybershell noch keine erhalten, jedoch hat das Startup bereits einen FFG-Patenscheck, also einen ersten Schritt in Richtung FFG-Förderung.

Eine Auswanderung in die USA stellt für Curvelo Carvalho aktuell keine Option dar. In Europa dauert zwar der Aufbau eines Unternehmens länger als in den USA, doch Cybershell habe hierzulande alles, was es für den Aufbau benötige. „Wir können hier vom Ökosystem, von den Inkubatoren und von den Förderungen profitieren. Cybershell muss ein niederösterreichisches Unternehmen werden. Das steht ganz groß auf unserer Flagge drauf“, sagt Curvelo Carvalho.

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