25.02.2025
INTERVIEW

Maschmeyer zu Deutschland-Wahl: „Viele Politiker wissen nicht, wie ein Laptop eingeschaltet wird“

Interview. Die Bundestagswahl in Deutschland ist geschlagen. Wie geht es jetzt weiter und was bedeuten die Ergebnisse - etwa für Startups oder auch Deutschland als KI-Standort? brutkasten hat beim Investor Carsten Maschmeyer nachgefragt.
/artikel/maschmeyer-bundestagswahl
Carsten Maschmeyer im brutkasten-Studio
Carsten Maschmeyer im brutkasten-Studio | Foto: brutkasten

Deutschland ist für Österreich nicht nur der mit Abstand wichtigste Handelspartner. Das Land ist auch für viele österreichische Startups und andere Wachstumsunternehmen ein zentraler Markt bei der Expansion ins Ausland. Am vergangenen Sonntag fanden in Deutschland vorgezogene Bundestagswahlen statt, nachdem Ende des Vorjahres die „Ampel-Koalition“ bestehend aus SPD, Grünen und FDP gescheitert war.

Die Wahlen brachten den erwarteten Sieg der CDU/CSU mit Spitzenkandidat Friedrich Merz, der nun die Aufgabe hat, eine neue Regierung zu bilden. Als wahrscheinlichster Koalitionspartner gilt die bisherige Kanzlerpartei SPD.

Was die Wahlergebnisse bedeuten – etwa auch für Startups und den KI-Standort Deutschland – hat brutkasten bei Carsten Maschmeyer nachgefragt. Nicht zuletzt aufgrund seiner Rolle in der TV-Sendung „Die Höhle der Löwen“ ist der 65-jährige Milliardär einer der bekanntesten Investoren Deutschlands.

Mit seinem in Berlin angesiedelten Venture-Capital-Fonds seed + speed hat Maschmeyer bisher über 70 Investments in frühphasige Startups getätigt. In Later-Stage-Startups investiert er über seine Münchner Firma Alstin Capital, mit dieser hat er bisher rund 30 Investments vorgenommen. Dazu kommt noch die auf den US-Markt spezialisierte Investmentfirma Maschmeyer Group Ventures (MGV), die in rund 50 Startups investiert ist.

In Österreich ist Maschmeyer an mehreren Startups beteiligt, darunter etwa Prewave und TeamEcho. Im Sommer 2025 war er bei brutkasten für einen Studiotalk zu Gast.

Maschmeyer äußert sich in den sozialen Medien immer wieder zu politischen Fragen. In den Bundestagswahlkampf brachte er sich auch aktiv ein, indem er jeweils 200.000 Euro an CDU und FDP spendete.


brutkasten: Wie bewertest du das Ergebnis der Bundestagswahl in Deutschland?

Carsten Maschmeyer: Die einzige echte Überraschung gegenüber den vorherigen Umfragen war die Linke, die im September und Oktober bei zwei bis zweieinhalb Prozent stand. Als Startup-Investor sehe ich, dass sie insbesondere bei jungen Leuten auf Social Media, vor allem auf TikTok, eine hervorragende Kampagne hingelegt haben. Davon könnten sich andere Parteien durchaus eine Scheibe abschneiden.

Für die FDP und Wagenknecht war es in den letzten Wochen immer knapp – am Ende sind beide gescheitert. Ich bin froh, dass die Union mit Friedrich Merz jetzt den Regierungsauftrag hat, weil ich ihm eine hohe wirtschaftliche Kompetenz zutraue. Deutschland muss wieder wachsen, wir hatten zwei Jahre Rezession. Ich möchte nicht alles der Ampel-Regierung anlasten, denn auch in den letzten Jahren der Merkel-Regierung lief viel schief.

Allerdings hat der bisherige Wirtschaftsminister Robert Habeck die letzten Nägel in den „Wirtschaftssarg“ geschlagen. Deutschland war einmal die Lokomotive Europas: Wir haben tolle Ingenieure, Programmierer, Wissenschaftler, Forscher, fleißige Handwerker und Pflegekräfte.

Doch man hat sie mit Bürokratie überladen und mit hohen Energiekosten belastet. Ich hoffe, dass jetzt wieder Wirtschaft Vorfahrt hat, wir Wachstum bekommen und sich die möglichen Koalitionsparteien beim Thema Migration auf einen gemeinsamen Nenner verständigen.

Du hast im Wahlkampf für CDU und FDP gespendet. Die FDP hat nun den Einzug in den Bundestag verpasst. Gerade in der deutschen Startup-Szene gibt es viele, die trotz der durchwachsenen Regierungsbeteiligung der Meinung sind, dass die FDP am ehesten für eine startup-freundliche Politik steht. Was bedeutet das Ausscheiden der Partei deiner Meinung nach?

So sehr ich die Startup-Szene schätze und liebe: Sie bildet gemessen an der Gesamtbevölkerung nur eine kleine Zielgruppe. Die FDP hat in der Ampelregierung viel für Startups getan, beispielsweise durch die steuerliche Begünstigung von Mitarbeiterbeteiligungen.

Im Wahlkampf hat die FDP entschlossen vertreten, Bürokratie abzubauen, damit Gründer sich aufs Erfinden, Aufbauen und Handeln konzentrieren können, anstatt sich mit Formalitäten und Vorschriften herumzuschlagen. Das ist aber nicht gelungen.

Ich hätte es begrüßt, wenn wir im Bundestag eine liberale Stimme hätten, aber die FDP hat es nicht geschafft. Jetzt bleibt abzuwarten, ob es nach den vielen Rücktritten noch ein Comeback gibt oder ob es das für die Liberalen war.

CDU-Chef Friedrich Merz wird nun eine Regierung bilden. Du hast ihn bzw. die CDU im Wahlkampf unterstützt. Welche drei Maßnahmen sind jetzt aus deiner Sicht am dringendsten?

Ein Risiko sehe ich darin, dass Friedrich Merz zwar ein Wirtschaftsmann ist, aber bisher noch keine Regierungsverantwortung hatte. Kann er sein Wissen aus der Wirtschaft tatsächlich in der Politik umsetzen, oder läuft dort alles anders?

Die drei wichtigsten Maßnahmen sind für mich erstens die Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen durch eine Senkung der Unternehmenssteuern auf ein Niveau, das unseren Nachbarländern entspricht. Wir liegen bei rund 30 Prozent, während europäische Länder durchschnittlich etwa 25 Prozent haben. Österreich liegt sogar bei 23 Prozent. Ich fordere kein Niedrigsteuerland, aber faire Bedingungen für unsere Unternehmen.

Zweitens der Abbau bürokratischer Hindernisse. Wer mehrere Standorte hat, investiert dort, wo weniger Bürokratie und Steuern anfallen.

Drittens sind es Initiativen für Digitalisierung. Ich bin überzeugt, dass Innovation die Zukunft ist. Dafür würde ich sogar die Schuldengrenze aufweichen, allerdings nur, wenn das Geld in Bildung, Infrastruktur und ähnliche Zukunftsprojekte fließt, von denen auch nachfolgende Generationen profitieren.

Die AfD hat sich zwar nicht ganz so stark entwickelt wie manche Umfragen nahelegten, sich aber dennoch verdoppelt. Was ist deiner Meinung nach der Hauptgrund?

Man kann den Wählerwillen eines Fünftels der Menschen nicht einfach ignorieren oder totschweigen. Natürlich gibt es ganz klare Rechtsradikale in der Partei – das ist katastrophal. Deren Parteiprogramm sieht den Euro-Austritt oder eine deutlich engere Anbindung an Russland vor, was sehr kritisch zu betrachten ist.

Trotzdem halte ich viele AfD-Wähler für Unzufriedenheitswähler. Sie haben nach 16 Jahren Merkel und der Ampel kein Vertrauen mehr in die etablierten Parteien. Die Migrationspolitik von Merkel war falsch: Migration muss gemanagt und kontrolliert werden. Wer wirklich asylberechtigt ist, soll bleiben, alle anderen aber nicht. Wer sich hier nicht an Regeln hält, muss wieder gehen.

Die hohen Energiekosten sind ein weiteres Problem. Merkel hat uns zu abhängig von Russland gemacht und nach Fukushima haben wir sichere Atomkraftwerke abgeschaltet, während wir jetzt teuren, aus unsichereren Kraftwerken importierten Strom kaufen.

Kommen wir zum Thema künstliche Intelligenz. Der französische Präsident Emmanuel Macron hat hier einen Schwerpunkt gesetzt und Frankreich hat mit Mistral auch ein Startup, das ganz vorne dabei ist. Deutschland scheint im Vergleich ein wenig hinterher zu hinken. Woher kommt das und was müsste geschehen, damit Deutschland ebenfalls eine führende  Rolle einnehmen kann?

Macron hat früh Geld in die Hand genommen und jüngst ein 100-Milliarden-Paket geschnürt. In den USA hat Trump kurz nach Amtsantritt ein 500-Milliarden-Programm für KI aufgelegt. Dort wird eher dereguliert, während wir in Europa gleich anfangen, KI zu regulieren, bevor wir eigene starke und nützliche KI-Anwendungen entwickeln.

Der Staat müsste die Schuldengrenze lockern, um gezielt in Zukunftstechnologien zu investieren. Gleichzeitig müssten alle Abgeordneten, Lehrer und generell Führungskräfte digitale Nachhilfe bekommen. Viele Politiker wissen nicht, wie ein Laptop eingeschaltet wird, geschweige denn, was ChatGPT oder KI-Tools leisten können. Das Gleiche sahen wir während Corona in den Schulen, wo Lehrer oft keine Ausstattung hatten.

Zudem erhalten Startups vom Staat so gut wie keine Aufträge, obwohl er der größte Auftraggeber ist. Wir bräuchten also einen großen Digitalisierungsschub, in dem sich Politiker und Lehrkräfte weiterbilden und die Bürokratie abgebaut wird, statt ständig neue Regulierungen zu schaffen.

Würdest du dir wünschen, dass die künftige Bundesregierung in Deutschland auch Unternehmer:innen und Investor:innen stärker einbindet, wie es gerade in den USA geschieht – auch wenn das im konkreten Fall durchaus kontrovers ist?

In den USA erleben wir gerade die Entwicklung, dass Trump und die Tech-Giganten, die ihn zuvor noch kritisiert hatten, sich plötzlich irgendwie arrangiert haben. Elon Musk ist der vielleicht größte Oligarch der Welt und hat massiven Einfluss. Das Ziel solcher Allianzen ist oft die Schwächung Europas, indem es zersplittert wird und weniger geschlossen auftritt. Eine EU mit starker Wirtschaft wäre auf Augenhöhe.

Grundsätzlich finde ich es gut, wenn Praktiker helfen, Dinge schneller und einfacher zu machen. Allerdings braucht es dafür ethische und moralisch saubere Rahmenbedingungen. Musk erhält zum Beispiel rund 20 Milliarden durch Staatsaufträge. Eine Ethikkommission müsste sicherstellen, dass da keine Interessenkonflikte entstehen. Gerne also mehr Input von Praktikern, aber kontrolliert und ohne Eigeninteressen.

Du bist an mehreren österreichischen Unternehmen beteiligt. Dort hat sich die Regierungsbildung sehr lange hingezogen, und zeitweise sah es so aus, als würde eine FPÖ-geführte Regierung entstehen. Das zerschlug sich, und nun steht eine Koalition aus ÖVP, SPÖ und NEOS kurz vor der Angelobung. Was bedeutet das für dich als deutscher Investor mit Blick von außen?

Es beruhigt. Die Mitte ist stark. Ich weiß nicht, ob es Taktik war, dass man die FPÖ einmal an den Verhandlungstisch holte und sie dann kläglich scheitern ließ. Vielleicht wäre das auch in Deutschland eine Option, damit jeder sieht, dass die AfD gar nicht regieren kann. Viele sind einfach Unzufriedenheitswähler, abgesehen von den wirklich rechtsradikalen Elementen.

Eine neue Regierung sollte sich lieber ausführlich einigen und durchaus streiten, bevor sie startet, dann aber geschlossen auftreten. In einem Unternehmensvorstand würde eine 4:1-Abstimmung zwar etwas entscheiden, doch man kann sich danach nicht hinstellen und sagen: „Ich war immer dagegen.“ Damit wäre das Unternehmen chancenlos im Wettbewerb.

Ich freue mich, dass in Österreich die Mitte regiert. Das Gleiche gilt für unsere „Kleiko“ in Deutschland, also eine kleine Koalition der Mitte. Wenn sie sich bewährt, bleibt die Mitte eine ernstzunehmende Regierungsoption. Wenn nicht, werden bei der nächsten Wahl die Ränder weiter gestärkt.


Aus dem Archiv: Carsten Maschmeyer im brutkasten-Talk (Juli 2024)

Deine ungelesenen Artikel:
06.10.2026

Toto Wolff: „Niemand wird bei der Fehlersuche die Hand heben, wenn er Angst hat, gefeuert zu werden“

Interview: Toto Wolff hat mit dem Mercedes-AMG-Petronas-Formula-One-Team eine lange Phase großer Erfolge verantwortet, danach vier Saisonen ohne Titelkampf erlebt und das Team in dieser Zeit umgebaut. Im Interview spricht er über psychologische Sicherheit als Voraussetzung für Fehlerkultur, über Entscheidungen unter Unsicherheit, über die Grenzen von KI im Rennsport – und über seine Beteiligungen an Nuki und Instahelp.
/artikel/toto-wolff-niemand-wird-bei-der-fehlersuche-die-hand-heben-wenn-er-angst-hat-gefeuert-zu-werden
06.10.2026

Toto Wolff: „Niemand wird bei der Fehlersuche die Hand heben, wenn er Angst hat, gefeuert zu werden“

Interview: Toto Wolff hat mit dem Mercedes-AMG-Petronas-Formula-One-Team eine lange Phase großer Erfolge verantwortet, danach vier Saisonen ohne Titelkampf erlebt und das Team in dieser Zeit umgebaut. Im Interview spricht er über psychologische Sicherheit als Voraussetzung für Fehlerkultur, über Entscheidungen unter Unsicherheit, über die Grenzen von KI im Rennsport – und über seine Beteiligungen an Nuki und Instahelp.
/artikel/toto-wolff-niemand-wird-bei-der-fehlersuche-die-hand-heben-wenn-er-angst-hat-gefeuert-zu-werden
Toto Wolff
© Sulay Kelly for Mercedes-Benz Grand Prix Ltd. - Toto Wolff.

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von August 2026 „Aufbrechen“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


brutkasten: Sie haben Mercedes durch eine lange Phase großer Erfolge geführt, dann kamen schwierige Jahre. Was war Ihr wichtigstes Learning darüber, wie Organisationen nach Rückschlägen wieder in die Spur finden?

Toto Wolff: Die Formel 1 ist eine Welt der ständigen Evolution, nichts steht je still. Zum Beispiel haben die Regeländerungen 2022 schonungslos Schwächen in unseren Entwicklungsfähigkeiten und unserem Verständnis offenbart. Wir haben diese Ära klar hinter unseren Wettbewerbern gestartet und es über vier Saisonen hinweg nicht wirklich geschafft, diese Defizite auszubügeln.

Der eine oder andere Rennsieg waren die Highlights, wir haben es geschafft, zweimal in vier Jahren den zweiten Platz in der Konstrukteursmeisterschaft zu erringen; aber wir haben nie um den Titel gekämpft. Wir haben im Hintergrund größere Änderungen in unserer technischen Ausstattung, beim Personal und den Strukturen vorgenommen, um das Team stärker und wettbewerbsfähiger zu machen. Wir haben auch die Führungskultur adaptiert, weil wir das Team motivieren mussten, das begann, sich nach so vielen Jahren des Erfolgs selbst infrage zu stellen. Es war jedenfalls eine wichtige und wertvolle Phase für uns.

Sie sprechen in diesem Sinne wiederholt von einer „No Blame Culture“. Wie baut man eine Kultur auf, in der Fehler nicht versteckt oder angeprangert, sondern als Lernchance genutzt werden?

Es geht hier fast ausschließlich um psychologische Sicherheit. Niemand wird bei der Fehlersuche die Hand heben, wenn er Angst hat, gefeuert zu werden. Wir müssen aber zu unseren Fehlern stehen können. Und das fängt bei den Führungskräften an. Nur so können auch andere zu ihren Fehlern stehen. Eine „No Blame Culture“ funktioniert jedoch nur im Zusammenspiel mit einem hohen Verantwortungsbewusstsein. Man braucht Teammitglieder, die Verantwortung übernehmen, auch wenn es um Fehler geht.

In der Formel 1 hat jeder Fahrer eigene Ingenieure und Mechaniker. Wie verhindert man, dass interne Konkurrenz gegen die gemeinsame Strategie arbeitet?

Das ganze Team hat das gleiche Ziel: Die Meisterschaft für Mercedes zu gewinnen. Nicht mit dem einen oder anderen Fahrer, sondern für die Marke und das Team. Alle Mitarbeiter sind gleich incentiviert: Ausschlaggebend ist der Gewinn der Konstrukteursmeisterschaft, nicht der Fahrerwertung. Das ist die Grundlage unserer Entscheidungsfindung. Auch die Ingenieure und Mechaniker, die einem der Fahrer zugeteilt sind, arbeiten zuallererst für das Team. Beide Seiten der Garage machen jeden Boxenstopp gemeinsam. Alle technischen Daten werden zwischen den Ingenieuren der Fahrer geteilt, damit wir so wettbewerbsfähig wie möglich sein können. Das Motto ist klar: Das beste Team gewinnt, der beste Fahrer gewinnt; und zwar in dieser Reihenfolge.

Viele Gründerinnen und Gründer kämpfen damit, schnell zu wachsen und dabei die Kultur zu bewahren. Lassen sich Prinzipien aus der Formel 1 auf Startups und Scaleups übertragen?

Wir haben seit dem Cost Cap 2021 starkes Wachstum in der Formel 1 gesehen. Wir mussten uns überlegen, ob wir die Geschäftsfelder erweitern wollen, wie wir es etwa mit unserem Engagement im America’s Cup beim Segeln gemacht haben. Der Headcount ist gewachsen, vor allem in den Support-Bereichen außerhalb der technischen und operationellen Hauptbereiche. Aber dann haben wir uns wieder auf unser Kerngeschäft fokussiert, mit einem klaren Ziel: die Formel-1-Weltmeisterschaft zu gewinnen. Und bei jedem neuen Projekt stellen wir uns die Frage: Bringt uns das Projekt diesem Ziel näher, hilft es uns, Rennen und Meisterschaften zu gewinnen?

Wenn die Antwort Ja ist, dann investieren wir in das Projekt; wenn nicht, dann nicht. Ich denke, es geht vor allem darum, das Hauptziel nicht aus den Augen zu verlieren, da mit dem Unternehmenswachstum viele Elemente komplexer werden. Wenn man in einem so kompetitiven Umfeld wie der Formel 1 tätig ist, dann ist das Hauptziel relativ klar. Aber jedes Startup muss sich ein Ziel geben können und dann genau wie wir darauf fokussieren.

Wie treffen Sie strategische Entscheidungen, wenn nicht alle Informationen vorliegen? Gibt es ein Erfolgsgehmeinis?

Mein Freund und Geschäftspartner Niki Lauda hat immer auf die rasche Entscheidungsfindung gepocht – es ist besser, eine mangelhafte Entscheidung jetzt zu treffen, als darauf zu warten, alle Informationen zusammengetragen zu haben, wenn es dann zu spät ist. Man kann Entwicklungen immer noch korrigieren, wenn eine Entscheidung nicht ganz richtig war. Persönlich versuche ich die Upside und Downside bei den großen Entscheidungen zu erkennen: Wenn ich mit der Downside, dem Worst Case, leben kann, dann gibt es keinen Grund, vor der Entscheidung zurückzuschrecken.

Welche Leadership-Lektion hätten Sie gerne früher gelernt?

Meine wichtigste Erfahrung ist wohl, in Konfliktsituationen neugierig zu bleiben, zu versuchen, die Perspektive der anderen Seite zu verstehen, und auch manchmal zu akzeptieren, dass man nicht einer Meinung ist oder unterschiedliche Interessen hat; ein „agree to disagree“ als Ergebnis zu akzeptieren. Bei Leadership geht es ja vor allem darum, andere Menschen zu verstehen, sich auf eine gemeinsame Linie zu einigen, sie mit etwas zu incentivieren, das für sie auch wirklich relevant ist. Nur wer motiviert ist und sich wohlfühlt, kann 100 Prozent geben. Ziele klar formulieren, Mitarbeitern Verantwortung übertragen, ihnen dabei helfen, Herausforderungen zu meistern, und Ergebnisse offen analysieren – das ist meine Arbeitsweise.

Gibt es Ihrer Ansicht nach die eine Eigenschaft, die erfolgreiche Unternehmerinnen und Unternehmer brauchen? Und welche Fähigkeiten werden durch den zunehmenden Einsatz von KI wichtiger?

Das eigene Geschäft verstehen und die Leute kennen und verstehen, mit denen man arbeitet. Ein großes Ziel verfolgen und das Auge fürs Detail, das Gleichgewicht in allen relevanten Bereichen nicht verlieren. KI wird viel in unserer Welt verändern. Aber sie wird hoffentlich vor allem ein Instrument sein, das den Menschen dabei helfen wird, bessere Entscheidungen zu treffen. Die fähigsten Leute werden das Beste aus AI herausholen, die Stärken nutzen und sich von den Gefahren und Schwächen nicht beeinträchtigen lassen. Wir stehen sicher am Anfang einer rasanten Entwicklung, deren Ergebnis kaum vorhersehbar ist.

Und im Rennsport selbst: Kann KI helfen, die Ideallinie, die optimalen Bremspunkte oder das perfekte Setup zu entschlüsseln?

Wo die richtigen Bremspunkte sind, sollten wir eigentlich schon wissen; auch, dass, wenn es regnet, ein Reifen ohne Profil nicht so toll funktioniert. Aber im Ernst: Wir müssen AI zur Entscheidungsfindung einsetzen, wo hochkomplexe Datenmodelle es verlangen. Aber AI wird in keinem Bereich eigenständig entscheiden. Sie wird immer eine Unterstützung für unsere Ingenieure bleiben; zumindest in absehbarer Zeit.

Welche Innovationen aus dem Motorsport könnten in den kommenden Jahren für andere Industrien relevant werden?

Es gibt in der Geschichte viele Beispiele für Technologietransfer, und das geht auch heute weiter. Wir als Industrie lernen gerade viel über Batteriesysteme, über Steuerungselektronik und elektrische Motoren, aber auch über nachhaltige Treibstoffe und innovative Composite-Materialien; alles wichtige Entwicklungsbereiche für die Automobil- und Transportindustrie.

Es gibt aber auch ganz andere Bereiche, die mit dem Fahrzeug an sich nichts zu tun haben. So haben wir etwa vor ein paar Jahren Pionierarbeit beim Einsatz von 5G-Technologie an der Rennstrecke geleistet. Die Formel 1 ist in ihrer Grundcharakteristik interessant für Entwicklungen unterschiedlicher Technologien, weil sie ein sehr kompetitives Umfeld mit einer enorm hohen Entwicklungsgeschwindigkeit bietet. Das ist für Innovation und Entwicklung wertvoll.

Sie sind ja an mehreren Unternehmen beteiligt. Was sind Ihre Kriterien dabei?

Nuki und Instahelp sind ja nicht mehr Startups im eigentlichen Sinn, beide sind profitabel. Nuki macht über 50 Millionen Euro Umsatz und ist Marktführer in Europa; Instahelp hat seit zwei Jahren einen zweistelligen Millionenumsatz und verdient Geld. Unsere Kriterien waren damals, als wir die beiden Firmen mit unseren Partnern in der Up to Eleven, den Brüdern Martin und Jürgen Pansy und René Berger, gegründet haben, dass wir unsere bestehende Kompetenz bei mobiler Kommunikation, die wir mit sms.at und ucp über Jahre aufgebaut hatten, für innovative Geschäftsmodelle einsetzen wollen.

Dass wir direkt in Startups investiert haben, die wir nicht selbst gegründet haben, ist ja schon lang her; das war zu Zeiten von Marchfifteen beziehungsweise ganz vereinzelt vor über 15 Jahren. Das wichtigste Kriterium war jedenfalls immer, dass die Gründer gute Leute waren, denen man vertrauen kann. Einer davon war übrigens Oliver Holle. Auch heute vertrauen wir ihm, und zwar indem wir bei Speedinvest und damit auch weiterhin indirekt in Startups investieren.

Abschließend: Wie sieht bei Ihnen eigentlich ein Sonntag aus, an dem kein Rennen stattfindet?

Meistens bin ich in Italien, an einer Kartstrecke. Da sind Susie und ich dann die größten Fans unseres jungen Sohns. Der Apfel ist nicht weit vom Stamm gefallen.


Toll dass du so interessiert bist!
Hinterlasse uns bitte ein Feedback über den Button am linken Bildschirmrand.
Und klicke hier um die ganze Welt von der brutkasten zu entdecken.

brutkasten Newsletter

Aktuelle Nachrichten zu Startups, den neuesten Innovationen und politischen Entscheidungen zur Digitalisierung direkt in dein Postfach. Wähle aus unserer breiten Palette an Newslettern den passenden für dich.

Montag, Mittwoch und Freitag

AI Summaries

Maschmeyer zu Deutschland-Wahl: „Viele Politiker wissen nicht, wie ein Laptop eingeschaltet wird“

AI Kontextualisierung

Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Maschmeyer zu Deutschland-Wahl: „Viele Politiker wissen nicht, wie ein Laptop eingeschaltet wird“

AI Kontextualisierung

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Maschmeyer zu Deutschland-Wahl: „Viele Politiker wissen nicht, wie ein Laptop eingeschaltet wird“

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Innovationsmanager:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Maschmeyer zu Deutschland-Wahl: „Viele Politiker wissen nicht, wie ein Laptop eingeschaltet wird“

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Investor:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Maschmeyer zu Deutschland-Wahl: „Viele Politiker wissen nicht, wie ein Laptop eingeschaltet wird“

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Politiker:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Maschmeyer zu Deutschland-Wahl: „Viele Politiker wissen nicht, wie ein Laptop eingeschaltet wird“

AI Kontextualisierung

Was könnte das Bigger Picture von den Inhalten dieses Artikels sein?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Maschmeyer zu Deutschland-Wahl: „Viele Politiker wissen nicht, wie ein Laptop eingeschaltet wird“

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Personen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Maschmeyer zu Deutschland-Wahl: „Viele Politiker wissen nicht, wie ein Laptop eingeschaltet wird“

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Organisationen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Maschmeyer zu Deutschland-Wahl: „Viele Politiker wissen nicht, wie ein Laptop eingeschaltet wird“