29.01.2020

Mandy Ginsberg: CEO der Tinder-Mutter hört nach Tornado und OP auf

Mandy Ginsberg war als CEO der Match Group, der Muttergesellschaft von Tinder, OKCupid und weiteren erfolgreichen Plattformen, eine der wenigen Frauen in der männerdominierten Tech-CEO-Welt. Laut TechCrunch wird ihr mit Shar Dubey wieder eine Frau folgen.
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Mandy Ginsberg hört als CEO der Tinder-Mutter Match Group auf
(c) IAC: Mandy Ginsberg

Zwölf Jahre hat Mandy Ginsberg nun für die Match Group gearbeitet, die letzten zweieinhalb Jahre davon als CEO der gesamten Gruppe. Nun hört sie bei der Muttergesellschaft von Plattformen wie Tinder und OkCupid auf (Anm. die Match Group ist eine Tochter-Gesellschaft von IAC, wo Ginsberg ihre Konzern-Karriere vor 14 Jahren startete). Sie verlässt das Unternehmen aber nicht aufgrund mangelnden Geschäftserfolgs – im dritten Quartal des Vorjahrs verzeichnete man eine starke Umsatzsteigerung auf 541 Millionen US-Dollar. Vielmehr kommt eine Reihe privater Umstände zusammen.

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Mandy Ginsberg: Tornado und OP als Gründe für den Ausstieg

In einem internen Memo, das kürzlich vom Wall Street Journal als Quelle genannt und später auf der Plattform Axios veröffentlicht wurde, erklärte Mandy Ginsberg ihre Beweggründe: „Warum ich jetzt gehe? Die letzten vier Monate haben mich auf persönlicher Ebene sehr auf die Probe gestellt. Im Oktober gab es in Dallas einen Tornado. Er traf auch mein Haus und machte es unbewohnbar. Das hat meine Familie definitiv beeinträchtigt. Und ich hatte kürzlich einige gesundheitliche Probleme“.

Konkret musste sich die bisherige Match Group CEO einer OP unterziehen, bei der vor zehn Jahren bei einem präventiven Eingriff eingesetzte Brustimplantate nach einem Rückruf wegen Krebs-Gefahr entfernt werden mussten. „Das war für mich viel zu stemmen. Ich bin zwar zuversichtlich, nun gesund zu sein. Kurzfristig muss ich aber mehr auf mich Acht geben und deshalb werde ich mir dieses Jahr eine Auszeit nehmen, um genau das zu tun“, so Mandy Ginsberg weiter.

Kämpferin für Gleichberechtigung im männerdominierten Business

In der stark männerdominierten Welt der Tech-CEOs war Ginsberg bislang eine von wenigen Ausnahmeerscheinungen. Sie legte in der Organisation viel Wert auf Gleichberechtigung. Gleich nach ihrem Start als CEO ließ sie etwa das gesamte Unternehmen prüfen, um gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit zwischen Frauen und Männern sicherzustellen. Zudem trat sie öffentlich für ein von ihr umgesetztes System ein, in dem Gehaltserhöhungen unabhängig von entsprechenden Forderungen durch die Mitarbeiter vergeben werden, da Frauen dies statistisch gesehen seltener tun.

Shar Dubey folgt Mandy Ginsberg als Match Group CEO

Wie das US-Magazin TechCrunch berichtet, wird Mandy Ginsberg eine weitere Frau als Match Group CEO folgen. Shar Dubey ist ebenfalls seit 14 Jahren im Konzern tätig und war zuletzt zwei Jahre lang Vorstandsvorsitzende der Match Group. Als COO von Tinder Business hatte sie davor die erfolgreiche Premium-Schiene Tinder Gold aufgebaut. Mandy Ginsberg schreibt über Shar Dubey in ihrer Memo: „Sie ist nicht nur eine brillante, analytische und handlungsorientierte Führungskraft, sondern sie ist auch eine großartige Führungspersönlichkeit, denn sie will, dass jede einzelne Person im Team gewinnt. Sehr viele Leute, die für Shar gearbeitet haben, haben mir gesagt, dass sie der beste Boss ist, den sie je hatten“.

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Mit ihrer Reverse-Mentoring-Agentur forciert Ines Hanusch Zukunftssicherheit in Wirtschaft und Politik. © brutkasten

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von August 2026 „Aufbrechen“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Wir leben in einer paradoxen Arbeitswelt: Führungskräfte werden für ihr über Jahrzehnte angesammeltes Wissen bezahlt doch exakt dieses Erfahrungswissen kann angesichts rasanter technologischer und kultureller Umbrüche zum blinden Fleck werden. Genau hier setzt eine Methodik an, die traditionelle Rollenbilder auf den Kopf stellt: Reverse Mentoring.

Ines Hanusch, Gründerin der Reverse-Mentoring-Agentur bond & grow, begleitet Unternehmen und Politik bei diesem Paradigmenwechsel. Für sie ist der Kerngedanke simpel, aber radikal: „Beim klassischen Mentoring lernt die Jüngere von der Erfahreneren. Beim Reverse Mentoring ist es umgekehrt: Die Führungskraft sitzt in der Lernenden-Position gezielt, strukturiert und vor allem nicht nebenbei.“

Kein Kaffeetratsch und keine Therapie

Doch was genau ist Reverse Mentoring in der Praxis? Hanusch wird nicht müde zu betonen, was es nicht ist: Es sei kein lockeres Kaffeegespräch, kein Coaching mit einer einzigen Zielvorgabe und schon gar keine Therapie. Auch der oft gehörte Einwand, man könne sich doch einfach mit den eigenen Kindern austauschen, greift für die Expertin ins Leere: „Mit den eigenen Kindern teile ich eine Sozialisation, ein Machtgefälle, ob ich will oder nicht.

Das Kind wird mir vieles nicht sagen, und ich werde vieles nicht hören wollen.“ Wahre Wirkung entstehe erst durch psychologische Sicherheit ohne persönliche Verstrickung eine Atmosphäre, in der ein junger Mensch kein Interesse daran hat, zu gefallen, sondern ehrlich zu sein.

Der Blick von innen: Reibung als Chance

In klassischen Organisationen verhindert die Hierarchie oft genau jenen Raum der psychologischen Sicherheit, in dem ungefiltert und ohne Angst vor Konsequenzen gesprochen werden kann. Ines Hanusch beschreibt das systematische Dilemma eindrücklich: Je weiter Führungskräfte auf der Karriereleiter nach oben klettern, desto mehr manifestiert sich die Angst vor Inkompetenz und Statusverlust. „Wenn Top-Entscheider:innen plötzlich von jemandem lernen, der dreißig Jahre jünger ist, entsteht unweigerlich intensive Emotion, Irritation und Reibung“ – doch exakt in diesen Momenten verankert sich laut Hanusch der größte Lerneffekt.

Wie sich dieser Rollentausch in der Realität anfühlt, schildert eine 21-jährige Mentorin, die im Rahmen von bond & grow Top-Entscheider:innen begleitet. Kristin Barnowsky sieht in ihrer Aufgabe eine enorme Verantwortung: Für sie bedeutet Reverse Mentoring, erfahrenen Führungskräften neue Perspektiven mit auf den Weg zu geben und dabei auch hin und wieder Reibung zu erzeugen“. Nervosität vor dem ersten Aufeinandertreffen ist keine Seltenheit, wie sie verrät. Ihr persönlicher mentaler Trick für das erste Meeting? „Ich stelle mir einfach vor, dass die Person mich bereits mag und ich sie auch. Dadurch gehe ich wesentlich natürlicher, authentischer und positiver in das Gespräch.“

Die größte Herausforderung im laufenden Prozess ist für sie das Gespür dafür, wie tief man in die Glaubenssätze des Mentees eindringen darf. Wenn auf Mentee-Seite Widerstand entsteht, stecke dahinter oft eine unbewusste Angst; etwa das Gefühl, nicht gehört oder gesehen zu werden. Es erfordere Empathie und präzises Timing, unangenehme Themen anzusprechen, ohne die Führungskraft emotional zu überfordern, erklärt die 21-Jährige.

Für wen das Konzept geeignet ist – und wann es scheitert

Die Zahlen sprechen für sich, doch Reverse Mentoring ist kein Selbstläufer. Laut Hanusch eignet es sich primär für Führungskräfte, die Nichtwissen als Startpunkt und nicht als Schwäche betrachten. In hierarchisch geprägten Unternehmen erfordere das immense Größe. „Statusverlust berührt das Selbstbild direkt, und das ist unbequem“, analysiert Hanusch. Viele Führungskräfte fürchten den Moment, in dem sie erkennen müssen, dass jemand, der viele Jahre jünger ist, über entscheidendes Know-how verfügt – sei es über moderne Arbeitskulturen, neue Konsumgewohnheiten oder schlicht den Umgang mit Unsicherheit in Krisenzeiten.

Wann also scheitert Reverse Mentoring? Die Expertin zieht eine klare Grenze: „Ich rate ab, wenn Unternehmen Reverse Mentoring als Imagemaßnahme einsetzen wollen, ohne wirkliche Bereitschaft, etwas zu verändern.“ Ohne intrinsische Motivation beider Seiten, einen geschützten Rahmen und professionelles Matching wird das Format zur reinen Simulation.

Innovation durch unbefangenes Denken

Wenn die Rahmenbedingungen jedoch stimmen, entpuppt sich Reverse Mentoring als machtvoller Innovationsmotor. In vielen Branchen sind junge Menschen näher an der Zielgruppe oder stellen diese gar selbst dar. Sie spüren kulturelle Trends früher und besitzen den Mut, Unbequemes auszusprechen. Kristin Barnowsky erlebt das regelmäßig in ihren Mentoring-Sessions, etwa wenn es um künstliche Intelligenz, Automatisierung von Workflows oder den Einsatz von Social Media geht. Doch der tiefere Wert liegt oft jenseits der Technologie: Es geht um das Hinterfragen erstarrter Prozesse. „Oft sehen die Dinge, die uns Sorgen machen, nur für uns so aus; aus einer anderen Perspektive sind sie plötzlich Chancen für innovative Veränderungen“, resümiert die Mentorin.

Letztlich profitiert nicht nur die Führungskraft auch die jungen Mentor:innen wachsen, bauen sich ein Netzwerk auf und erleben direkte Selbstwirksamkeit. Die wichtigste Frage für Ines Hanusch: „Was, wenn du von denen lernst, die bisher nicht gefragt wurden? Es tut manchmal weh, sich spiegeln zu lassen. Aber nur so entsteht Fortschritt.“ In einer Wirtschaft, die händeringend nach Fachkräften und neuen Wegen sucht, könnte die Bereitschaft, vom Nachwuchs zu lernen, bald über die Existenz von Unternehmen entscheiden. Oder wie Ines Hanusch sagt: „Wer heute keine Kultur des gegenseitigen Lernens etabliert, verliert morgen den Anschluss bei existenziellen Themen wie Mitarbeiterbindung und Innovation.“

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Mandy Ginsberg: CEO der Tinder-Mutter hört nach Tornado und OP auf

Zwölf Jahre hat Mandy Ginsberg nun für die Tinder-Mutter Match Group gearbeitet, die letzten zweieinhalb Jahre davon als CEO der gesamten Gruppe. Nun hört sie aus privaten Gründen auf. Sie hatte sich intensiv für Gleichberechtigung im Unternehmen eingesetzt. Ihr folgt mit Shar Dubey eine weitere Frau als CEO.

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Zwölf Jahre hat Mandy Ginsberg nun für die Tinder-Mutter Match Group gearbeitet, die letzten zweieinhalb Jahre davon als CEO der gesamten Gruppe. Nun hört sie aus privaten Gründen auf. Sie hatte sich intensiv für Gleichberechtigung im Unternehmen eingesetzt. Ihr folgt mit Shar Dubey eine weitere Frau als CEO.

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Zwölf Jahre hat Mandy Ginsberg nun für die Tinder-Mutter Match Group gearbeitet, die letzten zweieinhalb Jahre davon als CEO der gesamten Gruppe. Nun hört sie aus privaten Gründen auf. Sie hatte sich intensiv für Gleichberechtigung im Unternehmen eingesetzt. Ihr folgt mit Shar Dubey eine weitere Frau als CEO.

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