28.04.2026
REGIERUNGSPLÄNE

Lohnnebenkostensenkung und KöSt-Erhöhung: Umverteilung auf überschaubarem Niveau

Analyse. Die von der Regierung geplante Senkung der Beiträge zum Familienlastenausgleichsfonds bei gleichzeitiger Erhöhung der Körperschaftssteuer für Unternehmen mit mehr als einer Million Euro Gewinn kommt Startups und KMU tendenziell zugute - allerdings eher für die Kaffeekasse. Am stärksten profitieren nicht profitable Scaleups und Großunternehmen.
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Kleingeld, Euro-Scheine, Geld
(c) Imelda via unsplash

Man kann die Einigung der österreichische Bundesregierung in den aktuellen Budgetverhandlungen als eine Art wohlfahrtstaatliche Umverteilung zwischen Unternehmen verstehen: Die Lohnnebenkosten werden – ab 2028 – für alle gesenkt. Teilweise gegenfinanziert wird das mit einer Steuererhöhung, die nur Unternehmen mit mehr als einer Million Euro Gewinn betrifft. Kleine Unternehmen bzw. Unternehmen, die (noch) keine Gewinne erwirtschaften werden somit entlastet – zu Lasten von Unternehmen, die hohe Gewinne erwirtschaften.

Konkret sollen die Lohnnebnkosten über die Senkung der Zahlungen in den Familienlastenausgleichsfonds (FLAF) um einen Prozentpunkt reduziert werden. Die Körperschaftssteuer (KöSt) soll im Gegenzug – progressiv – ab Jahresgewinnen von einer Million Euro von 23 auf 24 Prozent erhöht werden.

Einfache Rechnungen

Was das tatsächlich für Unternehmen bedeutet, lässt sich recht einfach errechnen:

Die Zahlungen in den FLAF haben die Summe der Bruttolöhne als Bemessungsgrundlage. Sprich: Die Reduktion um einen Prozentpunkt bedeutet eine Senkung der Lohnnebenkosten um ein Prozent der Bruttolöhne. Für eine Mitarbeiterin mit 4.000 Euro Bruttolohn sind ab 2028 seitens Dienstgeber somit 40 Euro weniger pro Monat bzw. 560 Euro pro Jahr (weil 14 Gehälter) zu zahlen.

Die KöSt wird am Gewinn vor Steuern berechnet. Für eine Million Euro Gewinn sind aktuell also 230.000 Euro abzugeben. Bei zwei Millionen Euro Gewinn vor Steuern sind es zukünftig dann 470.000 statt bisher 460.000 – der erhöhte Steuersatz wird durch das dann neuerdings progressive System nur auf den Betrag angewendet, der über der Grenze von einer Million Euro liegt.

Auffettung der Startup-Kaffeekasse, Entlastung für nicht profitable Scaleups

Das Rechenbeispiel zur Lohnnebenkostensenkung zeigt: Um große Summen geht es hier – vor allem bei kleinen Unternehmen – nicht. Eine weitere Rechnung zeigt das Verhältnis: Geht man der Einfachheit halber von einem Unternehmen aus, in dem alle Mitarbeiter:innen den gleichen Bruttolohn haben, bräuchte man rund 130 Angestellte, damit die geplante Senkung der FLAF-Abgabe genug Geld für einen weiteren Arbeitsplatz mit dem gleichen Bruttolohn einspart. Bei gewinnbringenden Unternehmen in dieser Größe wird die Einsparung aber dann von der erhöhten KöSt geschluckt.

Für Startups und Kleinunternehmen bedeutet das: Die geplante Lohnnebenkostensenkung spült Geld in die Kaffeekasse – und das erst ab 2028. Eine durchaus spürbare (wenn auch trotzdem überschaubare) Entlastung bringt die Maßnahme aber für Scaleups mit vielen Mitarbeiter:innen, die noch nicht oder sehr knapp profitabel sind. Und selbstverständlich auch für alle anderen großen Unternehmen mit roten Zahlen.

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Nach jahrelanger Planung entwickelt Omid Kafaji kredity.at. (c) Omid Kafaji

„Kredite sind für mich schon immer ein spannendes Thema. Sie bieten auf der einen Seite große Möglichkeiten für Unternehmen und Familien, auf der anderen Seite können sie auch für viele Menschen zur Last werden“, erzählt der Wiener Omid Kafaji über den Grundgedanken von kredity.at. Das richtige Kreditwissen sei für Konsument:innen oft schwer zugänglich, der Markt undurchsichtig. Mit kredity.at will Kafaji Klarheit in das komplexe Thema bringen.

Lediglich mit Tipps von einem befreundeten Programmierer entwickelt und baut Kafaji kredity allein. Die Idee dazu entstand schon vor Jahren, seit einer Woche kann man die Plattform nutzen.

„kredity.at übernimmt das erste Denken eines Kreditprofis“

Die Plattform übersetzt Erfahrungswissen aus der Kreditvermittlung in ein digitales System. Nutzer:innen sollen besser verstehen, wie ihre finanzielle Situation aus Sicht einer Kreditprüfung eingeschätzt werden könnte. „Man beantragt einen Kredit, der wird abgelehnt. Aber man erfährt eigentlich nie wirklich genau, woran es gelegen hat“, so der Founder. Deswegen gibt es auf der Seite einen ersten kostenlosen Kreditcheck, „und das Besondere daran ist, dass hier nicht nur Kreditangebote verglichen werden, wie man es bisher kennt, sondern dass man tatsächlich anhand der eigenen Eingaben, der Haushaltsrechnung und Finanzierungsvorhaben, realistische Möglichkeiten bekommt, die zur jeweiligen Situation passen“, ergänzt Kafaji. Kredity.at übernehme damit das erste Denken eines Kreditprofis.

Digitale Plattform mit persönlicher Komponente

Nach dem ersten Kreditcheck hat man auch die Möglichkeit, sich direkt von Kafaji zu den Ergebnissen beraten zu lassen. „Es gibt manchmal auch sehr komplexe Fälle, und da ist es einfach von Vorteil, wenn erfahrene Finanzexperten für den Kunden die Situation einschätzen und analysieren.“ Der selbstständige Unternehmensberater sieht durch die Kombination von digitaler und persönlicher Beratung die beste Möglichkeit, um Fehlentscheidungen im Kreditwesen zu vermeiden. Durch seine Expertise stellt er auf kredity.at zusätzliches Insiderwissen zur Verfügung.

Erhöhte Zugriffszahlen

Die Plattform ist erst seit einer Woche online, dennoch seien die Anfragen laut Kafaji auffallend hoch. „Die Anfragen sind auf jeden Fall höher, als ich erwartet habe“, zeigt sich der Wiener überrascht. Dies zeige sich unter anderem in zahlreichen täglichen Anfragen über WhatsApp, die Nutzer:innen direkt im Anschluss an den digitalen Check stellen. Finanziert wird die Plattform durch Kooperationen mit den jeweiligen Kreditanbietern, die Kafaji durch seine Arbeit als Vermögensberater bereits gewonnen hatte. Werden Nutzer:innen an eine passende Bank weitergeleitet, entsteht hier der wirtschaftliche Wert.

Pläne für die Zukunft

„Mir ist es einfach ein Anliegen, dass Menschen nicht in die Hände von Betrügern fallen, was in der Praxis häufig passiert. Ich richte mich also immer nach dem Use Case. Ich glaube an Dinge, die den Menschen einen Mehrwert bringen. Und wenn etwas einen Wert hat, wird es auch wirtschaftlichen Wert generieren“, blickt Kafaji in die Zukunft. Der Gründer will die digitalen Möglichkeiten noch erweitern und überlegt derzeit, wie das Implementieren von KI-Systemen helfen könnte, die Ersteinschätzungen noch präziser zu machen. Ebenso geplant sind weitere Kooperationen mit Kreditanbietern, „weil ich sehe, dass österreichweit die Anfrage wächst“.

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