Wenn man bei heimischen Hardware-Startups nachfragt, wie sie die Logistik handhaben, fällt sehr oft ein Name: Logsta. Das 2017 in Wiener Neustadt von Georg Weiß, Christoph Glatzl und Dominik Bieringer gegründete Startup, das es sich zur Mission gemacht hat, auch „kleinen“ Kunden maßgeschneiderte und digitale Logistik-Lösungen zu bieten, ist in seinem Bereich innerhalb weniger Jahre zu eine festen Größe geworden. Und das, ohne bislang extern Kapital aufgenommen zu haben.
Der Kundenstamm geht inzwischen weit über Österreich und über die Startup-Szene hinaus. Rund 860 Kunden sind es, darunter etwa Neoh, Refurbed oder Zotter. Das Unternehmen hat rund 85 Mitarbeiter und Lagerstandorte in Deutschland, Österreich, UK und den USA, wo rund zwei Millionen Produkte lagern.
Round2 investiert Revenue-based
Dass die Geschäftszahlen bei Logsta überzeugend sind – und das wohl nach dem Corona-bedingten E-Commerce-Boom umso mehr, zeigt nun auch eine aktuelle Investment-Runde. Round2 Capital Partners steckt einen nicht näher bezifferten siebenstelligen Betrag in das Unternehmen – allerdings ohne dafür Anteile zu erwerben. Stattdessen gibt es eine Umsatzbeteiligung bis zu einer definierten Obergrenze. Die in Wien ansässige Investmentgesellschaft sieht sich selber als Pionier im Bereich Revenue-Based Financing in Europa. Beim aktuellen Deal trat i5invest als Berater auf.
Logsta: Kapital soll in weitere internationale Expansion fließen
Das Kapital soll in die weitere Expansion fließen. „Wir haben mit Round2 den idealen Partner für uns gefunden. Sie überzeugen mit ihrer einzigartigen flexiblen Finanzierungslösung, wodurch wir die Chance haben, unser Wachstum zu beschleunigen und weitere internationale Märkte zu erobern“, kommentieren die Logsta-Gründer in einer Aussendung.
Und Christian Czernich, CEO und Co-Founder von Round2 Capital Partners meint dort: „Wir sind von der Dynamik und dem Einfallsreichtum des Logsta-Teams beeindruckt. Die Gründer haben es geschafft, ohne externe Finanzierung ein hoch innovatives und inzwischen weltweit agierendes Unternehmen in kurzer Zeit aufzubauen. Die digitalen Logistik-Lösungen von Logsta ermöglichen es sowohl großen als auch kleinen Unternehmen, ihre online verkauften Produkte schnell, verlässlich und kostengünstig zum Endkunden zu bringen“.
In Museen und Bibliotheken weltweit lagern hunderttausende Inschriften und über eine Million Papyrusfragmente aus der Antike. Der Großteil des Materials ist fragmentarisch und schwer lesbar. „92 Prozent der Papyri warten bis heute auf ihre Entzifferung. Ein gigantischer, unerschlossener Schatz der Geschichte“, heißt es per Aussendung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW). Genau hier möchte Apollo ansetzen.
Apollo: „Neues Fenster zu unserem gemeinsamen kulturellen Erbe“
Entwickelt wurde das Large Language Model (LLM) in einer Kooperation zwischen der ÖAW und den europäischen KI-Unternehmen Mistral AI und SAIL Reply. Am gestrigen Mittwoch präsentierten die Forschungspartner die erste Stufe des Apollo-KI-Systems, das ab sofort der Wissenschaft und der Öffentlichkeit zur Verfügung steht.
„Apollo zeigt, was europäische Zusammenarbeit leisten kann, wenn KI, die gezielt an wissenschaftliche Anforderungen angepasst werden kann, auf jahrhundertealtes wissenschaftliches Wissen trifft“, sagt Guillaume Lample, Co-Founder und Chief Scientist von Mistral. „Indem Mistrals Technologie dabei hilft, Texte wiederherzustellen, die seit zweitausend Jahren nur fragmentarisch überliefert sind, eröffnet sie ein neues Fenster zu unserem gemeinsamen kulturellen Erbe – und das ist erst der Anfang.“
600 Millionen Wörter
Die meisten Texte der Antike sind nur unvollständig überliefert und es fehlen einzelne Wörter oder sogar ganze Textpassagen. Das Sprachmodell Apollo könne fehlende Inhalte von Fragmenten eigenständig ergänzen und dabei helfen, das Verständnis und die historische Einordnung eines Schriftstückes zu verbessern.
Obwohl für das Training der KI in Altgriechisch nur 600 Millionen Wörter zur Verfügung standen – mehrere zehn Milliarden Wörter gelten üblicherweise als der Standard für LLMs – sei eigenen Angaben nach Apollo treffsicher.
„Bei einem vorhandenen Originaltext auf Papyrus erreicht das Modell bei maskierten, also bewusst versteckten Passagen eine Trefferquote von rund 80 Prozent“, erklärt Anna Dolganov, Forscherin am Österreichischen Archäologischen Institut der ÖAW und Mastermind hinter dem Projekt. Bei tatsächlich unbekannten Textlücken bewerteten internationale Fachexpert:innen, die das KI-System im Rahmen einer Blindstudie evaluiert haben, Apollos Vorschläge in 77 Prozent der Fälle als mindestens ebenso gut wie durch Menschen vorgenommene Ergänzungen und in 16–20 Prozent der Fälle sogar besser, heißt es.
Apollo erkennt Sprachstufen
Besonders beeindruckend sei zudem, wie präzise Apollo zwischen verschiedenen Sprachstufen des Griechischen unterscheiden kann, betont Dolganov: „Unser LLM kann mit vergleichsweise geringem Wissen über einen Kontext weitreichende Schlüsse ziehen. Anhand von Satzbau und Vokabular erkennt Apollo präzise, ob ein Text zum Beispiel aus Homers ‚Odyssee‘ stammt, und ergänzt ihn im passenden Sprachregister.“
Als Beweis zeigte Dolganov bei der Präsentation von Apollo etwa eine antike Geburtsurkunde, die vollständig rekonstruiert wurde. Zudem wurde eine beim Ausbruch des Vesuvs verkohlte Schriftrolle an entscheidenden Stellen „vollständig lesbar gemacht“. Und mit der Rekonstruktion einer fragmentarischen Inschrift aus dem Schwarzmeerraum hat sich der Forscherin zufolge belegen lassen, dass in einer bestimmten Region bereits römisches Recht galt. Die Aussendung sprach hierbei von einer „weitreichenden Erkenntnis, die durch einen Beleg für die römische Prostitutionssteuer untermauert wird.“
Weitere Stufen geplant
„Mithilfe der KI entsteht ein neues Bild der antiken Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, da sich viele Erkenntnisse erst aus der Masse der Dokumente ergeben – etwa bei Steuerquittungen“, präzisiert Dolganov.
Und Heinz Faßmann, Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, ergänzt: „Apollo bringt die Erforschung von historischen Schriftstücken und Dokumenten in ein neues Zeitalter. Der Einsatz des neuen Sprachmodells wird völlig neue Forschungsfragen zulassen und unser historisches Wissen erweitern. Wir sind stolz, dass die ÖAW gemeinsam mit dem europäischen KI-Unternehmen Mistral diese wegweisende Technologie entwickelt hat. Für die Zukunft streben wir eine vertiefte Zusammenarbeit mit Mistral an.“
Der ersten Stufe des Modells sollen bald noch weitere folgen. „Das Ziel ist ambitioniert, aber machbar“, wie Dolganov betont: Die KI soll künftig unerschlossene Papyri sowohl entziffern als auch rekonstruieren können. Geplant ist außerdem eine Erweiterung, mit der das Modell thematische und semantische Suchen in der gesamten griechischen Textüberlieferung durchführen sowie Parallelstellen suchen soll und so die passende Evidenz für Ergänzungsvorschläge gleich mitliefert.
Dolganov, die ÖAW und Mistral wollen jedoch bei Altgriechisch nicht aufhören. Aufbauend auf den Erfahrungen soll die KI künftig auch mit einem lateinischen Textkorpus trainiert werden. Dafür stehen dann rund zwölf Milliarden Wörter zur Verfügung. Was für das Projekt noch fehlt, sei ein passender Name.
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