03.05.2022

Lisa Fassl: „Es wäre sehr einfach, wenn es den politischen Willen gäbe“

Die Startup-Beauftragte und Female Founders-Gründerin Lisa Fassl im Interview zum Fortschritt bei den politischen Maßnahmen und den Ergebnissen des Austrian Startup Monitor.
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Die Female Founders-Gründerin und Startup-Beauftragte im Wirtschaftsministerium Lisa Fassl spricht Klartext
Die Female Founders-Gründerin und Startup-Beauftragte im Wirtschaftsministerium Lisa Fassl | (c) Microsoft

Der vergangene Woche veröffentlichte neue Entwurf zur Rot-Weiß-Rot-Karte stieß auf verhaltenes Feedback. Die Zahlen des aktuellen Austrian Startup Monitor zeigen, dass sich ein in der Startup-Szene vielfach erhoffter Corona-Push statistisch nicht belegen lässt und es eine Stagnation im Bereich Female Entrepreneurship gibt. Im großen Interview äußert sich Lisa Fassl, Female Founders Gründerin und Startup-Beauftragte im Wirtschaftsministerium, spricht im Interview über Hoffnungsschimmer in der Startup-Politik, bereits „100.000 mal“ gesagte Dinge und eine Gründerinnen-Statistik, die „zum Heulen“ ist.


Der lange erwartete neue Entwurf zur Rot-Weiß-Rot-Karte ist vergangene Woche gekommen. Das allgemeine Feedback war noch nicht euphorisch. Was sagst du dazu?

Lisa Fassl: Es ist sehr gut, dass es beim Thema Bewegung von der ÖVP-Seite gegeben hat. Die angesprochenen Punkte sind relevant. Die Frage ist aber: Bedeutet das auch eine Erneuerung der Prozesse und dass es tatsächlich schneller geht? Eine Prozess-Erleichterung bedeutet noch nicht automatisch eine Prozessbeschleunigung. Darauf müssen wir ein Auge behalten. Ohne Frage sind die Prozesse überholungsbedürftig, aber es scheitert in vielen Fällen eben am kritischen Faktor Zeit – auf Seite der Unternehmen genau so wie der potenziellen Mitarbeiter:innen. Noch ist es ja nur ein Begutachtungsentwurf. Es kann also noch viel passieren.

Was ich sehr spannend finde ist, wie es der Markt wieder einmal schafft, die Dinge selber zu regeln. Da gibt es die beiden Unternehmen, die das in die Hand genommen haben und auch die Austrian Business Agency ABA macht einen hervorragenden Job, die Situation für die betroffenen Personen und Unternehmen schnell zu lösen und im bürokratischen Wirrwarr zu helfen. Es ist natürlich interessant, dass man solche Institutionen überhaupt braucht, weil es der Staat so komplex macht.

Beim Thema Rot-Weiß-Rot-Karte stehen wir natürlich vor der zusätzlichen Komplexität, dass sie nicht im Entscheidungsbereich von einem oder zwei Ministerien liegt, was schon nicht ganz trivial ist, sondern tatsächlich sehr viele Player:innen mitmischen. Was ich wie gesagt sehr positiv sehe ist, dass die ÖVP als Partei, die sich mit Migration schwer tut, sichtlich bewegt. Es ist ein Thema, das weit über die Startup-Szene hinausgeht und ich bin positiv überrascht, dass die Wichtigkeit erkannt wurde und es tatsächlich viel konstruktive Diskussion gibt.

Der aktuelle Austrian Startup Monitor ist kürzlich veröffentlicht worden. Die Zahlen sind teilweise nicht berauschend. Was ist aus dem Corona-Push geworden?

Die Hoffung, dass es diesen Push gibt und wir die Phase des Umbruchs nutzen, um endlich in die Gänge zu kommen und Österreich in der pan-europäischen Startup-Community besser zu positionieren, war sicher groß. Tatsächlich haben wir das nicht geschafft, wie man an den Zahlen aus dem Startup Monitor sieht. Wir haben den Speed, den andere Ökosysteme bei Wachstum, Finanzierung un Anzahl der Gründungen haben, nicht. Und – das wiederhole ich jetzt gefühlt zum 100.000sten Mal – das hat auch mit einer inkonsequenten Startup-Politik zu tun. Sie ist im Regierungsprogramm verankert, aber man wartet auf Maßnahmen. Das einzige, was in den vergangenen Jahren tatsächlich umgesetzt worden ist, ist der Covid-Startup-Hilfsfond. Und auch dazu gibt es sowohl positive als auch kritische Stimmen.

Ich glaube also, das es tatsächlich ein hausgemachtes Problem ist und dass wir schneller wachsen könnten, wenn es entsprechende Maßnahmen gäbe. Glücklicherweise gibt es unsere zwei Unicorns direkt aus der Startup-Szene und dann noch ein paar weitere, die in anderen Reports aufscheinen, die uns in der internationalen Betrachtung ein wenig herausreißen. Aber insgesamt ist das kein Grund uns darauf auszuruhen, dass wir eh schon super unterwegs sind.

Laut Austrian Startup Monitor stagniert auch die Zahl der Gründerinnen weiterhin. Ist das für dich als Female Founders-Gründerin ernüchternd?

Ehrliche Antwort: Es ist in Wirklichkeit zum Heulen. Das Problem ist erkannt und die Benefits von Geschlechter-Diversität sind erfasst. Dass sich dann trotzdem so wenig ändert, dass so wenige Leute nachkommen und dass der Startup-Sektor noch immer nicht so attraktiv ist, wie er sein könnte, ist öd. Das Potenzial ist ja da. Nüchtern-ökonomisch betrachtet haben wir ein Marktversagen. Denn jede Statistik besagt, dass Diversität essenziell für den Erfolg von Unternehmen ist und diverse Teams besser performen, aber der Markt bekommt es offensichtlich nicht auf die Reihe, etwas dafür zu tun.

Man könnte schon einmal die Karenz modernisieren und ins 21. Jahrhundert bringen.

Die Konsequenz für so ein Marktversagen müsste staatliche Intervention sein. Ich habe das Gefühl, das kommt jetzt, weil sich Ministerin [Anm. Margarete] Schramböck das Thema Female Entrepreneurship stark auf die Agenda geheftet hat. Eine erste konkrete Maßnahme gibt es schon: Die AplusB-Zentren, die ja ein wichtiger Player in der Szene sind, müssen in der kommenden Förderperiode einen Schwerpunkt auf die Förderung von Female Entrepreneurship setzen. Und dabei haben sie ganz klare KPIs, die sie erfüllen müssen. Die nächste Maßnahme, die es in Wien bereits gibt, sind finanzielle Incventives für diverse Teams, vor allem im Rahmen von Förderungen. Es wird nun auch zwei Reports zum Thema Female Investing geben – einen vom Wirtschaftsministerium und einen vom Klimaschutzministerium. Auch das ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Ansonsten braucht es, wie bei so vielen Dingen, basisstrukturelle Maßnahmen. Wir diskutieren 2022 noch immer über Themen wie Betreuungsleistungen. In Wien stehen wir halbwegs gut dar, aber außerhalb ist es oft eine Katastrophe und einem zentraleuropäischen, vermögenden Land nicht würdig.

Ich habe übrigens nur mehr 20 Minuten, weil ich die Kinder um zwölf vom Kindergarten holen muss. [Anm. in Niederösterreich]

Das solltest du im Interview drinnen stehen lassen. Das ist ein guter Punkt. Das Thema sollte nämlich nicht nur Frauen betreffen, sondern beide Elternteile. Ich weiß schon, es ist ein wahnsinnig unbeliebtes Thema und wahrscheinlich gerade in der Koalition, wie wir sie jetzt sehen, schwierig umzusetzen, aber man könnte schon einmal die Karenz modernisieren und ins 21. Jahrhundert bringen. Man könnte ein Statement setzen, dass Betreuung nicht auf einer Person lastet, sondern tatsächlich etwas ist, dass man sich aufteilen kann. Und dass sich viele Paare besser aufteilen wollen würden, es aber aus strukturellen, finanziellen Aspekten nicht sinnvoll wäre, das zu tun.

Auch da gibt es offensichtlich ein Marktversagen. Meine Empfehlung wäre anpacken. Dahinter steht natürlich, dass es viele tendenziell weibliche Berufe, etwa in der Kinderbetreuung oder im Gesundheitsbereich gibt, die massiv unterbezahlt sind. Das ist absurd, weil das gesellschaftlich so relevante Berufe sind, die mehr Impact haben, als manche Management-Positionen.

Zurück zur allgemeinen Startup-Politik: Was ist jetzt, wo die Corona-Maßnahmen scheinbar wirklich vorbei sind, aus deiner Sicht die wichtigste Startup-Maßnahme?

Ich muss mich schon wieder wiederholen. Es hat sich, seit wir das letzte mal geredet haben, nichts geändert. Es wäre wohl auch sehr überraschend, wenn mir seitdem zehn neue Maßnehmen eingefallen wären, die die Startup-Szene unbedingt braucht. Aber ich werde mich so lange wiederholen, bis sich etwas tut – auch wenn es das letzte ist, was ich tu: Wir brauchen eine Veränderung im Gesellschaftsrecht. Wir brauchen eine gute Regelung für die Mitarbeiter:innenbeteiligung. Und wir brauchen einen Beteiligungsfreibetrag.

Letzteres ist besonders wichtig, denn wir brauchen eine Möglichkeit, abseits von staatlichen Mitteln, Innovation zu finanzieren. Weil das Geld ist in Österreich ja da. Aber wir haben ein Riesen-Problem, wenn es um dessen Verteilung geht – und am Ende des Tages generell um unseren Zugang zu diesen Themen. Es wäre extrem naheliegend und letztlich auch sehr einfach, etwas davon einzuführen, wenn es den politischen Willen gäbe. Ich habe Hoffnung auf das angekündigte Gründungspaket, im Rahmen dessen es angeblich Maßnahmen in genau diesen Bereichen geben soll – eigentlich heißt es Gründerpaket, aber ich erlaube mir, einen genderneutralen Begriff zu nutzen.

Natürlich sind wir nicht im Träumeland, wo man sich alles wünschen kann.

Es geht für mich um die großen Fragen: Wie soll es in der Zukunft langfristig aussehen? Wie schaffen wir es als Gesellschaft, gut und friedlich zusammenzuleben, was in diesen Zeiten nochmal besonders relevant scheint? Und wie schaffen wir es, Innovation und damit Arbeitsplätze am Standort zu halten, und somit das soziale Gleichgewicht aufrechtzuerhalten? Ich glaube, dass Startups hier eine riesige Rolle spielen können – sonst würde ich das alles nicht machen. In der Umfrage zum Austrian Startup Monitor wurden 10.000 neue Jobs von Startups für dieses Jahr angekündigt. Das könnte nochmal um einen ordentlichen Faktor mehr sein, wenn es das Commitment dazu gäbe.

Meine Quintessenz ist also: Machen wir etwas für die wirtschaftliche und damit auch gesellschaftliche Zukunft des Landes, oder machen wir nichts? Manchmal habe ich das Gefühl, wir machen nichts und warten ab, weil „wir sind eh nicht so schlecht, wie der Rest“. Aber die goldenen Zeiten sind wahrscheinlich vorbei. Diese Ausrede gilt in Zeiten wie diesen einfach nicht mehr.

In letzter Zeit wurden, wie du gesagt hast, mehrere Maßnahmen angekündigt und Entwürfe geliefert, aber noch nichts wirklich realisiert. Was ist das Feedback, dass du aus der Szene wahrnimmst?

Es wundert mich, dass man immer mehr enttäuscht und ernüchtert sein kann, aber bei der Startup-Community ist das tatsächlich der Fall. Es geht schon zu lange gar nichts weiter und in den vorgelegten Entwürfen werden die Kern-Forderungen nicht erfüllt. Natürlich sind wir nicht im Träumeland, wo man sich alles wünschen kann und es geht vielfach um Kompromisse. Aber in der Szene fragt man sich: Warum werden politische Entscheidungen – und da spreche ich explizit nicht nur über die FlexCo – ständig auf Kosten von Zukunft, Innovation und jungen Menschen getroffen, um Strukturen weiterzufinanzieren, die nicht mehr zeitgemäß sind. Das Unverständnis wird immer größer. Und ich sehe Leute, die aus diesem Grund mit ihrem Business das Land verlassen. Sie glauben nicht mehr daran, dass wir das bewältigen können.

Das Justizministerium ist extrem konstruktiv.

Da mache ich mir schon Sorgen und frage mich, ob in der Politik die Komplexität dieser Probleme erkannt wird. Man sieht Maßnahmen wie FlexCo, Beteiligungsfreibetrag und Mitarbeiter:innenbeteiligung als seperate Dinge und glaubt, wenn man eines davon umsetzt, ist die Welt gerettet und die Startup-Szene wird blühen und wir werden Millionen von Startups haben, die alle zum Unicorn werden. Das stimmt einfach nicht. Es gibt ja komplexe Zusammenhänge zwischen den Themen. Die Forderungskataloge aus der Startup-Szene kommen nicht von ungefähr.

Wenn in der Szene nun die Frage gestellt wird, warum wir so auf die Umsetzung der Forderungen für die FlexCo pochen, sage ich: Weil die Politik es bislang nicht geschafft hat eine einzige der Maßnahmen umzusetzen, die wir vorgeschlagen haben. Tatsächlich keine einzige. Daher wäre es jetzt einfach wichtig, mit einem guten Beispiel voranzupreschen und tatsächlich etwas in die Umsetzung zu bringen. Ich setze auch große Hoffnungen in das Justizministerium – natürlich in Kooperation mit dem Wirtschaftsministerium – dass man da in die Umsetzung kommt. Es wäre nach so vielen Monaten Verhandlungen einmal an der Zeit, einen Entwurf zu haben, der international mithalten kann. Wir können mit unseren Gesetzen nicht die internationalen VCs „erziehen“. Die sagen den Startups, dass sie für ein Funding umziehen müssen, wenn die Regelung für sie nicht passt. Aber diese Denke muss sich hier erst etablieren.

Siehst du also tatsächlich noch die Chance, dass der Entwurf so abgeändert wird, dass es die FlexCo wird, die sich die Startup-Szene gewünscht hat?

Ich bin eine grenzenlose Optimistin und glaube, dass Dinge erst vorbei sind, wenn sie wirklich abgeschlossen werden – so wie bei einem Investment oder einem Kundenauftrag. Noch sind wir in der Diskussionsphase. Und da kann ich schon explizit sagen: Das Justizministerium ist extrem konstruktiv. Sie hören sich unsere Vorschläge und unser Feedback an und versuchen, das zu implementieren. Solange wir noch in dieser Diskussionsphase sind, haben wir die Möglichkeit, etwas zu tun. Man muss schon sagen, der Konsens über die involvierten Ministerien hinweg ist, etwas zu schaffen, das einen Mehrwert für die Anwender:innen hat. Es geht ihnen nicht nur um eine nette Pressemeldung.

Es sind gute Intentionen dahinter. Deswegen sind die Gespräche wahrscheinlich so intensiv. Die Frage ist: Wie schafft man es, manche Interessen präsenter zu halten und stärker zu vertreten und andere, die nicht mehr zeitgemäß sind, vielleicht weniger. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Schauen wir, worüber wir nächstes mal reden.

Letzte Frage: Wenn du eine Maßnahme auf magische Weise sofort umsetzen könntest, welche wäre das?

Es wäre der Beteiligungsfreibetrag. Es gibt so viele spannende Unternehmen, auch im Social- und Impact-Bereich, die Finanzierung brauchen. Wenn wir den Beteiligungsfreibetrag umsetzen würden, hätten wir viel mehr Kapital für gute Ideen. Und das werden wir brauchen, weil wir werden das langfristig nicht finanzieren können. Und das wäre verhältnismäßig einfach umzusetzen, weil es nur ein Ministerium betrifft, und zwar das Finanzministerium.

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Noxtua-Gründer Leif-Nissen Lundbæk und Manz-Geschäftsführerin Susanne Stein-Pressl | © Kidizin Sane
Noxtua-Gründer Leif-Nissen Lundbæk und Manz-Geschäftsführerin Susanne Stein-Pressl | © Kidizin Sane

Das Berliner Legal-Tech-Scaleup Noxtua hat seine Series-C-Finanzierungsrunde mit einem Volumen von mehr als 100 Millionen Euro abgeschlossen. Es ist die bislang größte Geldspritze für ein Rechts-KI-Unternehmen in Deutschland. Im Zuge der Kapitalerhöhung übernimmt der deutsche Fachverlag C.H.Beck die Mehrheit an dem Unternehmen, während die Wiener Manz’sche Verlags- und Universitätsbuchhandlung als neuer Investor einsteigt.

Susanne Stein-Pressl, geschäftsführende Gesellschafterin bei Manz, ordnet den Schritt in die Unternehmensgeschichte ein: „Seit mehr als 40 Jahren nimmt Manz eine Pionierrolle in der Digitalisierung des Rechtswesens ein“. Das Investment sei vor diesem Hintergrund eine konsequente Fortführung der eigenen Digitalisierungsstrategie. „Deshalb ist für uns die Investitionsrunde der nächste logische Schritt“, so Stein-Pressl.

Manz mit langer Digitalisierungs-Geschichte

Für den 1849 in Wien gegründeten Fachverlag fügt sich die Beteiligung in eine Reihe bestehender Innovationen ein. Manz führte bereits 1986 die Rechtsdatenbank (RDB) in Österreich ein und stellte Anfang 2025 mit „Genjus KI“ einen eigenen Rechercheassistenten vor. Seit 2025 kooperiert der Verlag zudem operativ mit Noxtua an der Lösung „Manz-Noxtua“, um Fachinformationen auf einer gemeinsamen Plattform zu bündeln.

Mit dem Einstieg will das Wiener Verlagshaus die Qualitätsstandards juristischer Inhalte auch im KI-Zeitalter sichern. „Vertrauenswürdige Inhalte der Rechtsverlage bilden dabei schon immer das Fundament, auf dem Rechtsexpertinnen und -experten in ganz Europa arbeiten und das es zu schützen gilt“, betont Stein-Pressl. Als Verlag sehe sich Manz als Garant für die Wahrung dieser Qualität.

Gesellschafterkreis von Noxtua formiert sich um

Die Mehrheit der Anteile liegt nach dem Abschluss der Runde bei C.H.Beck. Der Münchner Traditionsverlag war bereits im April 2025 bei der Series B als Hauptinvestor eingestiegen. Klaus Weber aus der Gesamtgeschäftsführung von C.H.Beck begründet die Aufstockung mit den Veränderungen im Markt: „Die Verbindung qualitativ hochwertiger Daten mit innovativer KI-Technologie ist das Erfolgsrezept in einem sich rasch wandelnden Markt“. Zudem betont er die strategische Ausrichtung der Partner: „Für uns als Traditionsverlag ist dieses Engagement gemeinsam mit Manz auch eine Investition in die Zukunft des Rechts“.

Parallel zum Wechsel der Mehrheitsbeteiligung wird die Gesellschafterstruktur neu geordnet. Bisherige Wagniskapitalgeber wie die Global Brain Corporation, der KDDI Open Innovation Fund sowie Einzelinvestor Dominik Schiener scheiden als Eigner aus. Auch die Wirtschaftskanzleien CMS und Dentons geben ihre Anteile ab, verbleiben aber laut Unternehmensangaben als Ankerkunden. CMS hatte die Entwicklung der Software 2024 mitinitiiert.

Internationale Expansion

Noxtua wurde 2017 auf Basis von Forschung an der Universität Oxford und dem Imperial College London von Leif-Nissen Lundbæk und Michael Huth gegründet. Nach Unternehmensangaben beschäftigt das Scaleup derzeit rund 100 Mitarbeiter:innen an sechs europäischen Standorten – darunter Berlin, Paris, Stockholm, Zagreb, München und Fribourg – und kommt auf mehr als 30.000 Nutzerinnen und Nutzer.

Das frische Kapital soll laut Aussendung vor allem in die Weiterentwicklung der spezialisierten Arbeitsbereiche sowie in die Expansion in weitere europäische Märkte fließen. Die Software deckt typische juristische Arbeitsabläufe wie Recherche, Analyse und Dokumentenerstellung ab und greift dabei auf Daten lizenzierter Fachverlage zurück.

Leif-Nissen Lundbæk, CEO und Gründer von Noxtua, kommentiert den Abschluss der Runde: „Wir entwickeln Noxtua basierend auf den exklusiven Inhalten führender Fachverlage vom ganzen Kontinent und haben so u.a. bereits Europas größte Rechtsdatenbank und Europas größtes Netzwerk unabhängiger Rechtsverlage aufgebaut“. Die Vertiefung der Partnerschaft ordnet er als Signal ein: „Die gemeinsame Investition von C.H. Beck und Manz in Noxtua ist deshalb auch ein starkes Zeichen an den Markt“.

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