04.06.2025
TECH-LANDSCHAFT

Legal Tech Map Austria 2025: „Digitale Transformation kein Zukunftsszenario mehr“

Die aktuelle "Legal Tech Map Austria" zeigt weniger Bewegung als in früheren Jahren. Dafür kommt sie mit dem Befund, dass Digitalisierung in der Rechtsbranche mittlerweile tatsächlich ein zentrales Thema geworden ist.
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Future-Law-Gründerin Sophie Martinetz gibt die Legal Tech Map Austria heraus | (c) Future-Law
Future-Law-Gründerin Sophie Martinetz gibt die Legal Tech Map Austria heraus | (c) Future-Law

„Anzahl der Legal Techs hat sich seit 2018 verfünffacht“ titelte brutkasten zur Veröffentlichung der Legal Tech Map Austria 2022. Im Jahr darauf lautete die Schlagzeile „so groß wie nie zuvor“. 2024 schließlich schaffte es – wie sollte es anders sein – „KI“ in die brutkasten-Headline. Dieses Jahr gibt es dagegen weder Superlative noch spektakuläre technologische Neuerungen – dafür einen eindeutigen Befund: Legal Tech ist in der Breite der heimischen Juristerei angekommen.

„Die Legal Tech Map Austria 2025 zeigt: Die digitale Transformation der Rechtsbranche ist kein Zukunftsszenario mehr – sie passiert jetzt. Wer heute in Technologie, Know-how und Kooperationen investiert, gestaltet aktiv die Zukunft des Rechts in Österreich“, kommentiert Sophie Martinetz. Als Gründerin von Future-Law gibt sie auch jährlich die Legal Tech Map heraus.

Legal Tech Map Austria 2025 | (c) Future-Law
Legal Tech Map Austria 2025 | (c) Future-Law

Future-Law stützt den Befund auch auf den selbst durchgeführten „Legal Tech Barometer 2025“, laut dem mehr als 70 Prozent der Befragten KI als Chance sehen. Der aktuell größte Anwendungsbereich sei dabei die juristische Recherche.

KI-basierte Tools kommen laut Future-Law sowohl von etablierten Playern wie dem Manz Verlag oder LexisNexis als auch von neuen wie Iusbote, AI:ssociate oder Brainy. Neben Neuzugängen fallen in der Legal Tech Map Austria 2025 aber auch einige frühere Einträge weg. Einige Unternehmen seien aufgelöst worden, andere übernommen, heißt es von der Herausgeberin.

Internationaler Aufschwung bei LegalTech-Startup-Investments noch nicht in Österreich angekommen

Dazu gibt es von Future-Law noch eine Anmerkung zur internationalen Entwicklung. Im Silicon Valley entstand im Zuge des AI-Booms das erste LegalTech-Unicorn: Harvey.ai. Dieses verhandelt laut Medienberichten aktuell eine Kapitalrunde zu einer Bewertung von fünf Milliarden US-Dollar.

Insgesamt seien im Vorjahr weltweit rund 2,1 Milliarden US-Dollar in Legal Tech Startups investiert worden. „Leider spiegelt sich das in Bezug auf die Gründungen und Nutzung von Legal Tech in den Kanzleien und Rechtsabteilungen in Österreich noch nicht konkret wider. Allerdings ist der Trend seit 2025 schon beschleunigt“, lautet der Befund dazu im Begleittext der Legal Tech Map Austria 2025.

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Das Founder-Team von hello again rund um Franz Tretter (2.v.l.) | (c) hello again
Das Founder-Team von hello again rund um Franz Tretter (2.v.l.) | (c) hello again

Mehr als 1.000 Unternehmenskunden mit insgesamt rund 18 Millionen App-User:innen – da steht hello again mit seinem Loyalty-App-Angebot aktuell. Zu den Kunden des Scaleups mit Sitz in Leonding neben Linz zählen große Ketten wie Müller, Deichmann, Klipp, L’Osteria oder Vamed Vitality World ebenso wie zahlreiche kleinere Ketten und Betriebe, wie etwa Leberkas-Pepi.

Im Mittelstand sei man im DACH-Raum Marktführer, sagt Gründer und CEO Franz Tretter gegenüber brutkasten. In der Region liegt bislang auch der klare geografische Fokus. „Wir haben zwar Kunden in 25 Ländern, aber keine Verkaufsteams vor Ort“, erklärt Tretter. Dazu gekommen sei es hauptsächlich über Weiterempfehlung, über Kunden die in weiteren Märkten aktiv sind oder etwa im Fall Südtirols über die kulturelle Nähe.

„Mont Blanc“, noch nicht „Mount Everest“

Doch nun stehen weitere Expansionsschritte bevor. „Wir wollen die Nummer 1 in Europa werden“, so Tretter selbstbewusst. Dafür nahm hello again nun eine größere Summe Kapital auf. Die Münchner Beteiligungsgesellschaft Emeram steigt mit einem nicht konkret bezifferten achtstelligen Betrag ein. Es sei ein „mittlerer“ achtstelliger Betrag, präzisiert Tretter auf brutkasten-Rückfrage. Das Gründer-Team behalte dabei die Mehrheit und bleibe „im Driver-Seat“.

Dabei habe man mehrere konkrete Angebote gehabt und sich letztlich für die Münchner Gesellschaft entschieden: „Es ist der absolute best case“, so der Gründer. „Das ist schon Oberliga. Es fühlt sich an, als hätten wir den Mount Everest bestiegen“, sagt Tretter, um sich gleich selbst auszubessern: „Oder besser den Mont Blanc. Weil fertig sind wir noch lange nicht, es warten noch viele höhere Gipfel.“ Und schließlich sei ihm in den vergangenen Jahren als Unternehmer auch eines immer mehr bewusst geworden: „Der Weg ist das Ziel.“

Spanien oder Polen als nächster Markt

Und dieser Weg soll nun in weitere europäische Fokusmärkte führen. Konkret teste man aktuell bereits die Märkte Polen und Spanien, um die nächsten großen Schritte auszuloten. Tretter betont aber: „Der DACH-Raum bleibt noch unser größter Wachstumsmarkt. Es gibt noch sehr viel Potenzial.“ Schließlich kommen etwa vier der aktuell rund 18 Millionen App-User:innen aus dem Heimatmarkt Österreich. Entsprechend viel ist im mittlerweile wichtigsten Markt Deutschland noch zu holen.

Die geografische Expansion ist aber nicht die einzige aktuelle Entwicklung. So arbeite man etwa seit Kurzem mit netzwerkübergreifenden Prämien. „Es bekommt also zum Beispiel ein Leberkas-Pepi-Kunde einen Benefit bei Sky angeboten. Das ist ein riesiger Reichweiten-Vorteil“, erklärt Tretter.

Ein weiteres Thema, auf das man stark setze, sei Individualisierung durch KI. „Wir können auf Basis anonymisierter Daten zielgenaue personalisierte Angebote verschicken. Die User bekommen Benefits, die genau gerade relevant für sie sind. Das steigert den Umsatz nachweislich um acht Prozent“, sagt der Gründer. Denn diese Personalisierung sei auch eine „absolute Konsumentenerwartung“.

„Wir waren immer bodenständig“

Der Plan steht also. Das Mindset soll dabei das bewährte bleiben. „Wir waren immer bodenständig. Aber die Dampflok rollt und fährt und fährt“, sagt Tretter. Getreu dem zuvor erwähnten Motto – „der Weg ist das Ziel“ – soll es auch weitergehen. „Wird morgen alles einfacher?“, fragt Tretter in den Raum. „Nein, die nächsten Challenges kommen und wir werden gemeinsam weiter wachsen. Nicht nur das Unternehmen sondern auch die Mitarbeiter.“

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