18.08.2025
EUROPEAN FORUM ALPBACH

Kufsteiner Startup RevIVe Medtech gewinnt Euregio-Innovationspreis

Am vergangenen Samstag wurden zum 14. Mal die Euregio-Awards verliehen - organisiert im Rahmen der Euregio-Days beim European Forum Alpbach.
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Innovationspreis (v. l.): Jan Brilke, Pascal Schöttle, Luca Benedetti, Eva Littringer, Martin Schwarz, Florian Ennemoser, Bernhard Weiskopf, Ingrid Frank, Andreas Bangheri | © EFA/Philipp Huber

Mit den Euregio-Awards werden Jahr für Jahr junge Forscher:innen, Unternehmer:innen und Innovator:innen aus Tirol, Südtirol und Trentino vor den Vorhang geholt. Ausgezeichnet wurden die besten Forschungsarbeiten sowie innovative Produkte, Prozesse und Dienstleistungen rund um das Thema „Wettbewerbsfähigkeit“. Die Preise werden von der Wirtschaftskammer Tirol sowie den Handelskammern Bozen und Trient gestiftet.

In-Use-Mischsystem für IV-Therapie

Den diesjährigen Euregio-Innovationspreis sicherte sich das Kufsteiner Startup RevIVe Medtech rund um das Founderteam aus Eva Littringer, Alexander Liolios und Martin Schwarz. Das 2023 gegründete Unternehmen will die intravenöse (IV) Therapie grundlegend verändern. Dafür wurde eine Plattform entwickelt, die ein benutzerfreundliches Gerät mit einem In-Use-Mischsystem kombiniert. Damit soll IV-Therapie künftig sicherer, flexibler und auch außerhalb von Kliniken zugänglich werden – selbst für Anwender:innen ohne spezielle Fachkenntnisse. Die Technologie ermögliche, so das Startup, die bedarfsgerechte Herstellung und Verabreichung von Infusionen.

Auf Platz zwei landete B2 Labtech Srl aus Rovereto (Trentino). Den dritten Rang belegte die wiegon GmbH aus Landeck. Die drei Siegerprojekte wurden mit Preisgeldern in Höhe von 10.000, 5.000 und 2.000 Euro prämiert.

„Innovation macht stark. Nicht zuletzt die Siegerprojekte zeigen, dass die Unternehmen in der Euregio im internationalen Wettbewerb nicht nur dabei, sondern mittendrin sind. Unsere heimischen Betriebe können durch Innovation und Zukunftssicht mit der Konkurrenz in Europa und darüber hinaus bestens mithalten“, sagt Marcus Hofer, Jurymitglied und Geschäftsführer der Standortagentur Tirol.

Euregio-Jungforscher:innenpreis

Neben dem Innovationspreis wurde auch der Euregio-Jungforscher:innenpreis verliehen. Dieser ging heuer an Eva Casotti von der Universität Innsbruck für ihre Arbeit im Bereich Quantenphysik. Sie erhielt ein Preisgeld von 5.000 Euro.

JunforscherInnenpreis (v. l.): Valentin Wett, Julia Hofmann, Saleh Hamet, Elena Fogazzi, Marco Turrini, Eva Casotti (1. Platz). | © EFA/Philipp Huber

„Mit neuen Ideen, Technologien und Strategien trägt die Forschung nicht nur zur Stärkung des Wissenschaftsstandortes, sondern auch wesentlich zur Entwicklung der Wirtschaft bei“, so Ulrike Tappeiner, Juryvorsitzende und Präsidentin der Freien Universität Bozen. Euregio-Präsident und Südtiroler Landeshauptmann Arno Kompatscher ergänzt: „Die eingereichten Projekte sind wertvolle Ideengeber für die Euregio Tirol-Südtirol-Trentino. Mit den Auszeichnungen holen wir junge Talente und innovative Ansätze vor den Vorhang, welche Ansporn für weitere Forschung oder auch zukunftsweisende Projekte sein können.“

Fokus auf Wettbewerbsfähigkeit

Das Thema des heurigen Wettbewerbs lautete „Wettbewerbsfähigkeit“. Um diese auch international zu sichern, brauche es laut Tirols Landeshauptmann Anton Mattle „neue Ansätze, innovative Lösungen, Kreativität und Ehrgeiz“. Genau das hätten die diesjährigen Siegerprojekte eindrucksvoll gezeigt. „Es sind konkrete Projekte, die einen Mehrwert für unsere Region bringen“, so Mattle.

Auch WK-Tirol-Präsidentin Barbara Thaler sieht klaren Handlungsbedarf: Österreich brauche eine „klare Wachstumsstrategie, die Innovation, Nachhaltigkeit und Digitalisierung vereint und gleichzeitig unsere regionalen Stärken nutzt“. Die Euregio-Awards sollen dabei die Wichtigkeit von Forschungsprojekten und Innovationen für Österreichs Wettbewerbsfähigkeit hervorheben. „Nur wenn wir in junge Menschen und Wissen investieren, können wir eine wettbewerbsfähige, nachhaltige und kohärente Zukunft aufbauen“, sagt Andrea De Zordo, Präsident der Handelskammer Trient.

Tipp der Redaktion:

Zwischen KI, Kryptoregulierungen und Startup-Investments zeigt das European Forum Alpbach, welche Strategien der Kontinent für die Zukunft braucht. brutkasten gibt einen Überblick über die spannendsten Sessions für Entscheider:innen im Innovationsbereich. Mehr darüber könnt ihr auch hier erfahren. brutkasten wird auch in diesem Jahr von vor Ort berichten.

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Niceshops
© Niceshops -Firmensitz Niceshops.

Im ersten Halbjahr 2026 erzielte Niceshops, der Betreiber von rund 30 Nischen-Online-Shops in unterschiedlichen Produktkategorien in bis zu 18 Sprachen, einen Umsatz von 97,3 Millionen Euro und ein EBITDA von rund fünf Millionen Euro. Der Umsatz stieg damit um 23,6 Prozent, das EBITDA um 38,3 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2025. Während der österreichische Handel laut Wirtschaftskammer Österreich im ersten Halbjahr 2026 inflationsbereinigt um 0,7 Prozent schrumpfte, entwickelte sich Niceshops gegenläufig.

Niceshops: „Nicht um jeden Preis“

„Wir wachsen nicht um jeden Preis. Dass unser EBITDA deutlich stärker steigt als der Umsatz, zeigt, dass wir unsere Prozesse mit dem Wachstum skalieren können und gleichzeitig unsere Margen verbessern“, sagt Geschäftsführerin Carina Hödl. „Gerade in einem Marktumfeld, in dem viele Händler mit rückläufigen Umsätzen und Margendruck kämpfen, ist diese Entwicklung ein deutlicher Beleg für die Stärke unseres Geschäftsmodells.“

Die aktuellen Zahlen markieren eine Erholung nach den schwierigen Jahren 2022 und 2023. Anfang 2024 musste Niceshops rund 90 der damals etwa 450 Mitarbeiter:innen abbauen. Das entsprach rund einem Fünftel der Belegschaft – brutkasten berichtete.

Der Weg aus der Krise erforderte erhebliche Einschnitte. Geschäftsführer Christoph Schreiner beschrieb die Lehren daraus im Mai im Podcast 123C unter anderem als Mischung aus „Größenwahn und Respekt vor dem Mitbewerber“ und sprach gar von 130 Kolleg:innen, die gehen mussten. Folglich setzte das Unternehmen dabei auf eine intensive Restrukturierung gemeinsam mit den finanzierenden Banken.

2025 erfolgreichstes Geschäftsjahr

2025 folgte das bislang erfolgreichste Geschäftsjahr der Unternehmensgeschichte: Niceshops erzielte 169 Millionen Euro Umsatz und rund acht Millionen Euro EBITDA. Für 2026 hat das Unternehmen erstmals mehr als 200 Millionen Euro Umsatz als Ziel ausgegeben.

„Unser mittelfristiges Ziel ist klar. Wir wollen unser operatives Tagesgeschäft aus einem starken eigenen Cashflow finanzieren und damit aus eigener Kraft weiter wachsen“, beschreibt Firmengründer und Geschäftsführer Roland Fink die strategische Stoßrichtung.

Trotz der Erfahrungen aus der Krise investiert Niceshops weiter in seine Infrastruktur. Im Juli erwarb das Unternehmen am Standort Saaz ein 23.000 Quadratmeter großes Grundstück. Damit sollen zusätzliche Möglichkeiten für die Weiterentwicklung der Logistik geschaffen werden.

Niceshops arbeitet an Robotiklösungen

Parallel bereitet Niceshops den gezielten Einsatz von Automatisierungs- und Robotiklösungen vor. Eine vollständige Automatisierung des Standorts ist in der aktuellen Unternehmenskommunikation nicht als Ziel formuliert; vielmehr spricht man von einem gezielten Einsatz entsprechender Technologien.

Auch im firmeninternen Portfolio gibt es Wachstumsimpulse. 3DJake bleibt innerhalb der rund 30 von Niceshops betriebenen Shop-Welten der größte Umsatzbringer. Das Unternehmen bezeichnet den Spezialisten für 3D-Druck als europäischen Marktführer im Onlinehandel seines Segments. Mit Peganto hat das Unternehmen im laufenden Jahr zudem einen weiteren Online-Shop auf den Markt gebracht.

DACH dominiert

International bleibt der DACH-Raum die umsatzstärkste Kernregion, wie aus der Aussendung hervorgeht. Gleichzeitig entwickeln sich die Märkte außerhalb Deutschlands, Österreichs und der Schweiz laut Niceshops noch dynamischer. Das größte relative Wachstum verzeichnete das Unternehmen zuletzt in Ungarn – genaue Zahlen dazu werden jedoch nicht genannt. Bis zum Frühjahr 2027 sollen zwei weitere Länder erschlossen werden.

Schreiner abschließend dazu: „Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen, dass neue Märkte und Shop-Konzepte in die bestehende Technologie- und Logistikstruktur effizient integriert werden können.“

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