24.09.2020

KTCHNG: Burgenländer Startup steht gegen Ex-PR-Agentur vor Gericht

KTCHNG will Google Konkurrenz machen und das Burgenland zum Quantum Valley machen. Mit der Arbeit der Ex-PR-Agentur war Gründerin Petra Augustyn aber so gar nicht zufrieden.
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KTCHNG-Gründerin Petra Augustyn mit Frimenwagen vor einem der Äcker in Mattersburg, auf denen das neue Quantum Valley entstehen soll
© Wang-Moritz PR: KTCHNG-Gründerin Petra Augustyn mit Frimenwagen vor einem der Äcker in Mattersburg, auf denen das neue Quantum Valley entstehen soll

In Sachen Kommunikation nach Außen gibt sich das Mattersburger Startup KTCHNG von Gründerin Petra Augustyn durchaus selbstbewusst. Ende 2019 gestartet verkündete man gleich zu Beginn, man habe „das Potenzial, Google & Co Konkurrenz zu machen“. In einer damaligen Aussendung hieß es auch: „Petra Augustyn sieht im Burgenland Ähnlichkeiten zum Silicon Valley, wo sie selbst über mehrere Jahre ihre berufliche Karriere vorantrieb, mit dem Potenzial, ein Quantum Valley zu werden“.

Dabei sollte KTCHNG mit seiner tokenisierten AR-App freilich eine wichtige Rolle spielen. Mit der App mit dem Slogan „scan more – get more – save more“ können über AR-Technologie reale Objekte gescannt werden. Dann erhalten User Informationen bzw. Angebote von Kunden des Startups dazu, die dann direkt am Point of Sale umgesetzt oder eingelöst werden können. Die User bekommen bei verschiedenen Vorgängen KTC-Token, die im Wert mit einem Euro fixiert sind. Mehrere Ausbaustufen sollen in den kommenden Monaten umgesetzt werden.

Siebenstelliges Kapital – WiBuG stieg früh ein

Mit dem Konzept überzeugte man auch die Wirtschaft Burgenland GmbH (WiBuG), die schon im Herbst 2019 30 Prozent des Startups kaufte. So sei man auf ein „niedriges siebenstelliges Investment“ gekommen, heißt es vom Startup, das inzwischen 19 Mitarbeiter beschäftigt. „KTCHNG bietet eine einzigartige Kombination aus Technologie und Markt. Augmented Reality-Lösungen für den Retail-Bereich sind nicht nur für den regionalen Markt relevant. Mit dieser Technologie kann KTCHNG weltweit Kunden gewinnen“, sagt WiBuG Geschäftsführer Harald Zagiczek, für den “ die Vision des Startups, ein Quantum Valley im Burgenland zu schaffen, ein Stück näher gerückt“ ist.

KTCHNG vor Gericht – „Außer hohen Kosten und viel Zeitaufwand war nicht viel“

Doch gerade bei so großen Zielen will das Konzept auch nach außen hin entsprechend gut kommuniziert sein. Mit der ersten PR-Agentur, die sie 2019 für das Startup beauftragte, war Gründerin Petra Augustyn jedoch so gar nicht zufrieden. Nun kommt es sogar zu einem Gerichtsprozess. „Expertise hat man im eigenen Bereich und das erhofft man sich auch von einem angesehen Partner. Die Agentur hätte gleich sagen sollen, dass sie unser Fachgebiet nicht kommunikativ umsetzen kann. Außer hohen Kosten, viel Zeitaufwand und Medienberichterstattung von eigentlich überwiegend meinen Kontakten und die des Teams, war nicht viel“, kommentiert Augustyn.

Und sie legt nach: „Ich hätte mir zumindest soviel Rückgrat gewünscht, dass man sich -nach einer gewissen Einarbeitungszeit- den offensichtlichen Graben zu uns eingesteht und man fähig ist, die Geschäftsbeziehung einvernehmlich aufzulösen. Jetzt müssen wir vor Gericht“. Den Namen der Agentur will die Gründerin auf Anfrage des brutkasten nicht nennen.

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Beyond Gravity Austria
© Beyond Gravity Austria/Canva - Kurt Kober, Geschäftsführer von Beyond Gravity Austria.

Beyond Gravity Austria (vormals RUAG Space Austria) zählt mit rund 57 Millionen Euro Umsatz (2025) und rund 250 Mitarbeitenden zu den größten österreichischen Weltraumtechnikunternehmen. Das Hochtechnologieunternehmen rüstet weltweit Satelliten und Trägerraketen mit Elektronik, Mechanik und Thermalisolation aus und hat eigenen Angaben nach eine Exportquote von rund 100 Prozent. Erst kürzlich hat der Weltraumzulieferer seine Produktionsfläche in Niederösterreich verdoppelt – brutkasten berichtete über den 4,5-Millionen-Euro-Ausbau.

Beyond Gravity: Navigationsempfänger für zwei NASA-Wettersatelliten

Nun wird die nächste Generation von US-Wettersatelliten mit Technologie aus Österreich ausgestattet. Beyond Gravity Austria liefert – wie man vermeldet – hochpräzise Navigationsempfänger für zwei NASA-Wettersatelliten, die ab 2032 für die US-Wetterbehörde NOAA ins All starten sollen. Gebaut werden die Satelliten vom US-Unternehmen Lockheed Martin in Colorado.

Die Navigationsempfänger aus Wien werden – so der Claim – die Position der Satelliten in rund 36.000 Kilometern Höhe mit einer Genauigkeit von weniger als 20 Metern bestimmen.

„Im Rahmen unseres ersten Vertrags mit Lockheed Martin werden wir Navigationsempfänger für zwei NASA-Wettersatelliten liefern. Je genauer die Position des Satelliten durch unseren Empfänger bestimmt wird, desto genauer sind die Wetter- und Umweltdaten“, sagt Kurt Kober, Geschäftsführer von Beyond Gravity Austria. Die Wettersatelliten namens GeoXO sollen die Vorhersage von Unwettern sowie die Überwachung von Umwelt- und Klimaphänomenen in der westlichen Hemisphäre deutlich verbessern.

Nicht die erste NASA-Partnerschaft

Beyond Gravity Austria lieferte schon mehrmals Technik für NASA-Satelliten, etwa einen Navigationsempfänger für den 2018 gestarteten NASA-Umweltsatelliten ICESat-2 oder Navigationsempfänger für den 2024 gestarteten Klimaschutzsatelliten PACE inklusive Thermalisolation für ein NASA-Instrument des Satelliten.

Die Wettersatelliten GeoXO (Geostationary Extended Observations) werden in einer geostationären Umlaufbahn über dem Äquator betrieben. In dieser Höhe von rund 36.000 Kilometern bewegen sie sich mit derselben Geschwindigkeit, wie die Erdrotation und können dadurch kontinuierlich dieselbe Region der Erde beobachten.

© zVg – Infografik zu den GeoXO-Wettermissionen.

„Unsere GEORIX-Empfänger bieten selbst in einer Entfernung von 36.000 Kilometern eine Positionsbestimmung mit einer Genauigkeit von weniger als 20 Metern. Damit setzen wir neue Maßstäbe für präzise Echtzeit-Navigation an Bord von Satelliten“, so Kober. Im Jahr 2023 wurde der erste GEORIX-Navigationsempfänger ins All geschickt; er bestimmt die Position des NASA-Klimainstruments TEMPO, das atmosphärische Gase (Ozon, Stickstoffdioxid und Formaldehyd) sowie Aerosole über Nordamerika misst.

Rund 30 Satelliten nutzen Navigationsempfänger von Beyond Gravity

Insgesamt nutzen derzeit etwa 30 Satelliten Navigationsempfänger von Beyond Gravity zur Positionsbestimmung. Die Empfänger kommen bei Satelliten von der niedrigen Erdumlaufbahn (LEO) bis zur geostationären Erdumlaufbahn (GEO) zum Einsatz, also in Entfernungen von etwa 1.000 Kilometern bis 36.000 Kilometern von der Erde. Alle weltraumgestützten Navigationsempfänger werden am österreichischen Standort von Beyond Gravity in Wien entwickelt und produziert.

Die GeoXO-Mission soll Bilder und atmosphärische Messungen der westlichen Hemisphäre der Erde und eine Echtzeit-Erfassung der Blitzaktivität liefern sowie kurzfristige Wettervorhersagen und Warnungen vor Extremwetter und Umweltgefahren unterstützen.

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