14.12.2021

US-Riese John Deere kauft Mehrheit an Kreisel Electric – Marke bleibt bestehen

Der US-Landmaschinenhersteller John Deere übernimmt die Mehrheit am oberösterreichischen E-Mobilitäts-Pionier Kreisel Electric. Der Standort im Mühlviertel mit rund 160 Mitarbeitern sowie die Marke sollen bestehen bleiben.
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Kreisel
(c) Kreisel

Das 2014 von den Brüdern Johann, Markus und Philipp Kreisel gegründet Unternehmen Kreisel Electric mit Sitz im Mühlviertel zählt zu den internationalen Pionieren in der Entwicklung von Batterietechnologien und Ladeinfrastruktur. Das Unternehmen beliefert einen weltweiten Kundenstamm in verschiedensten Segmenten – angefangen von Nutzfahrzeugen bis hin zum E-Motorsport.

Internationale Berühmtheit erlangte das Unternehmen als 2017 der Neffe von Arnold Schwarzenegger, Patrick Knapp-Schwarzenegger, mit einer US-Investorengruppe mit 15 Prozent einstieg. Am Dienstag erfolgte nun ein weiterer Paukenschlag mit internationaler Dimension: Wie Kreisel Electric bekannt gab, erwirbt der US-Landmaschinenhersteller John Deere die Mehrheit am oberösterreichischen Unternehmen.

Kreisel Electric: „Behördliche Genehmigung noch ausständig“

In einer Aussendung heißt es: „Deere & Company hat eine endgültige Vereinbarung zum Erwerb der Mehrheitsbeteiligung an Kreisel Electric, Inc. unterzeichnet.“ Nähere Details zur Übernahmesumme wurden nicht kommuniziert. Um die Transaktion zu finalisieren, steht allerdings noch die „endgültige behördliche Genehmigung in Österreich“ aus. Diese soll voraussichtlich in den nächsten zwei Monaten erfolgen.

Die Marke Kreisel Electric und der Standort in Rainbach im Mühlkreis sollen ersten Informationen zufolge bestehen bleiben. Aktuell beschäftigt das Unternehmen 160 Mitarbeiter. Dazu heißt es: „Das bestehende Kreisel-Team wird beibehalten und durch einige Deere-Mitarbeiter in wichtigen Führungspositionen ergänzt“.

Die Firmenzentrale von Kreisel Electric in Rainbach im Mühlkreis | (c) Kreisel

John Deere möchte Einführung von E-Fahrzeugen beschleunigen

Mit dem jüngsten Erwerb der Mehrheitsanteile am E-Mobilitäts-Pionier aus Oberösterreich möchte der US-Riese laut eigenen Angaben die Einführung von batterieelektrischen Fahrzeugen und Ladestationen im eigenen Konzern beschleunigen. In diesem Zusammenhang spielt die Nachhaltigkeitsstrategie eine entscheidende Rolle: „Insbesondere batterieelektrische Fahrzeuge stehen im Einklang mit dem Nachhaltigkeitsziel von Deere für 2022, die Umweltbelastung bei 90 Prozent der neuen Produktprogramme zu reduzieren“, so der US-Konzern.

Deere & Company ist ein börsennotiertes Unternehmen, das 1837 gegründet wurde und seinen weltweiten Hauptsitz im US-Bundesstaat Illinois hat. Die Marke John Deere ist bekannt für die Entwicklung von Lösungen in den Bereichen Landwirtschaft, Bauwesen, Straßenbau, Forstwirtschaft und Rasenpflege. Weltweit beschäftigt Deere etwa 75.000 Mitarbeiter und verkauft Produkte in mehr als 130 Ländern.

(c) Deere LinkedIn

Emissionsvorschriften als Investitionsgrund

Als Gründe für die Investition nennt Deere unter anderem die weltweit steigenden Regulierungsmaßnahmen im Bereich des Klimaschutzes. „Künftige Emissionsvorschriften werden die Kosten eines Fahrzeugs mit Verbrennungsmotor wahrscheinlich so weit in die Höhe treiben, dass ein batterieelektrisches Fahrzeug einfach kostengünstiger ist.“ Zudem sieht John Deere eine wachsende Nachfrage für batterieelektrische- oder hybride Antriebssysteme bei Produkten wie Rasenmähern, Kleintraktoren, kompakten Baumaschinen und Straßenbaumaschinen.

Neben den elektrische Batteriemodule und -packs mit hoher Energiedichte und Haltbarkeit möchte Deere unter anderem auch die Ladeinfrastrukturplattform (CHIMERO) nutzen, die vom oberösterreichischen Unternehmen entwickelt wurde.

Abschließend heißt es: „Die Batterietechnologie von Kreisel kann in der gesamten Produktpalette von Deere eingesetzt werden, und die Markterfahrung von Kreisel wird Deere beim Ausbau unseres Portfolios an batterieelektrischen Fahrzeugen zugutekommen. Deere wird das Know-how, die globale Präsenz und die Finanzierung bereitstellen, damit Kreisel sein schnelles Wachstum in den Kernmärkten fortsetzen kann.“

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Celum
© Christian Huber Fotografie - (l.) Michael Kräftner, Celum-Gründer, Chairman und Chief Vision Officer, Mark Kaslatter ist neuer Chief Executive Officer bei Celum.

Im Februar des Vorjahres übernahm Christian Jüngling die Position des Chief Financial Officer (CFO) bei Celum, um neue Impulse für die Weiterentwicklung des Unternehmens zu setzen – brutkasten berichtete. Zudem bestellte das Management mit Bojan Bozic die neu geschaffene Position des Chief Services Officer (CSO). Nun gibt es auf höchster Ebene eine weitere Änderung.

Celum: Fokus auf Stärkung des Vertriebs

Mark Kaslatter übernimmt die Position des CEO und damit die Führung des Unternehmens. Sein Fokus soll auf der Stärkung des Vertriebs, des Partnerchannels und der weiteren nationalen und internationalen Expansion liegen. Celum-Gründer Michael J. Kräftner bleibt dem Unternehmen als „Chief Vision Officer“ erhalten und konzentriert sich künftig verstärkt auf die langfristige strategische Produktentwicklung.

Der gebürtige Tiroler Kaslatter verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung als Unternehmer und Führungskraft in der Technologiebranche. 2004 gründete er etwa das auf CRM-Lösungen spezialisierte Unternehmen k.section, baute es ohne externe Investoren auf und verkaufte es später an die an der Euronext notierten Emakina Group.

Von 2019 bis 2022 war Kaslatter Managing Director von Emakina Central & Eastern Europe und wechselte danach ins Advisory Board der Belgier. Anschließend war er gemeinsam mit Benjamin Ruschin Mitgründer und Managing Partner von Big Cheese Ventures, einem Beratungs- und M&A-Unternehmen für Tech-Startups. Er studierte Software-Engineering am Campus Hagenberg der Fachhochschule Oberösterreich und absolvierte einen MBA in General Management an der Universität für Weiterbildung Krems.

„Celum verfügt über eine starke technologische Basis, langjährige Kundenbeziehungen und großes Potenzial im internationalen Markt. Jetzt geht es darum, diese Stärken noch konsequenter in nachhaltiges und skalierbares Wachstum zu übersetzen“, sagt Kaslatter. „Der Wechsel zu Celum ist für mich mehr als eine neue Aufgabe – er ist zugleich die Rückkehr ans Steuer eines Softwareunternehmens. Die Beratung von Startups war eine spannende und bereichernde Zeit. Gleichzeitig habe ich gemerkt, wie sehr mir das unmittelbare Gestalten, das operative Doing und die umfassende unternehmerische Verantwortung gefehlt haben.“

Und weiter: „Besonders vermisst habe ich das hohe Innovationstempo und den intensiven Austausch mit Entwickler:innen. Sie schaffen mit ihren Ideen nicht nur neue Produkte, Unternehmen und Geschäftsmodelle, sondern gestalten zunehmend auch unsere Wirtschaft und Gesellschaft. Genau dieses Umfeld, diese Denkweise und die Möglichkeit, gemeinsam etwas zu bewegen, begeistern mich an meiner neuen Aufgabe bei Celum.“

„Everybody is in Sales“

Kaslatters Leitgedanke lautet: „Everybody is in Sales.“ Damit sei jedoch nicht gemeint, dass jede und jeder im klassischen Sinne im Vertrieb tätig sein muss. Vielmehr trage jede Funktion im Unternehmen dazu bei, Mehrwert für die Kundinnen und Kunden zu schaffen. Diese gemeinsame Verantwortung für den Kundenerfolg und eine konsequente Marktorientierung möchte er bei Celum weiter stärken. Deshalb sollen die Bereiche Vertrieb, Marketing, Customer Success, Produktentwicklung und Organisation künftig noch enger auf die gemeinsamen Wachstumsziele ausgerichtet werden.

„Mark Kaslatter verbindet tiefes Technologieverständnis mit ausgeprägter Vertriebskompetenz und echter unternehmerischer Erfahrung“, kommentiert Michael J. Kräftner, Gründer von Celum, die neue Personalie. „Mit Mark gewinnt Celum einen CEO, der die Verantwortung mit einem klaren Fokus auf Kunden und Markt übernimmt. Die neue Rollenverteilung ermöglicht es mir gleichzeitig, noch stärker in den Bereichen Produktstrategie und technologische Innovation aktiv zu werden. Es war für mich immer klar, dass Celum ab einer bestimmten Größe jemanden als CEO haben wird, der viel mehr auf Wachstum und Organisation wirken kann als ich. So holen wir also zusätzliche unternehmerische und vertriebliche Expertise in die Führung und verbinden Kontinuität mit frischem unternehmerischem Drive.“

Knapp 20 Mio.-Euro Umsatz

Als Chief Vision Officer soll Kräftner die langfristige Produktvision weiter vorantreiben. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Weiterentwicklung des Produktportfolios vor dem Hintergrund tiefgreifender Veränderungen durch Künstliche Intelligenz, neue Formen der Content-Nutzung und zunehmend automatisierte Content-Prozesse.

Das seit seiner Gründung eigenfinanzierte und unabhängige Softwareunternehmen steigerte seinen Umsatz von 12,5 Millionen Euro im Jahr 2021 auf 19,8 Millionen Euro im Jahr 2025. Heute beschäftigt Celum rund 130 Mitarbeitende aus 23 Nationen an den Standorten Linz, Wien und München.

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