25.11.2022

Konsum und sein Image-Problem als Verfechter des Überflusses

Das Social-Impact Startup share präsentiert zum Black Friday eine Studie zu Konsum. Es entfacht damit einen Diskurs und zeigt, dass der Begriff hierzulande durchaus kritisch gesehen wird.
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Konsum, Black Friday, share,
(c) share/APA-Fotoservice/Juhasz - (v.l.n.r.) Astrid Aschenbrenner (Content Creator und Aktivistin), Iris Braun (share-Mitgründerin) und Rainer Will (Gf. Handelsverband).

Black Friday ist. Und die Welt verfällt in einen Shopping-Wahn, auf der Suche nach den besten Angeboten. Zwischen Rabatten und Tipps, wie sich kleinere Geschäfte gegen Online-Riesen behaupten können, gibt es auch immer wieder Stimmen, die vor falschen Preisreduzierungen warnen und zu bedachtem Einkaufen aufrufen. Alle haben dabei ein Thema gemein, das zwischen Verteufelung und Hoffnung hin und her pendelt und von dem ein nachhaltiger Wandel verlangt wird: Konsum.

Konsum als Weltenretter?

Während viele Kritiker in ihm den Übel allen negativen Ursprungs sehen, was Klimaschutz oder soziale Gerechtigkeit betrifft, meinen andere, dass er „es“ nicht nur kann, sondern: „Konsum muss die Welt retten.“

Eine jener Expert:innen, die in einem Diskurs dieses Credo ausgearbeitet haben, ist Iris Braun. Die Co-Founderin des Social-Impact-Startups share legte eine Studie vor, welche die Einstellungen zum Begriff Konsum durchleuchtete und weisende Ergebnisse mit sich brachte.

Negative Konnotation

Aus jenen lässt sich nämlich herauslesen, dass Östereicher:innen (39 Prozent) das Wort in negativer Weise mit „Überfluss“ verbinden und 56 Prozent sogar meinen, dass Konsum und etwas „gutes Tun“ im Kontrast zueinander stehen. Insgesamt haben 1.000 Personen im Alter zwischen 16 und 65 Jahren aus ganz Österreich an der Umfrage teilgenommen.

Fast die Hälfte davon (48 Prozent) ist zudem der Meinung, dass, unter anderem, Unternehmen den größten Einfluss auf das Konsumverhalten haben. Hingegen sehen 45 Prozent auch die Verbraucher:innen selbst als großen Faktor.

„Ich wünsche mir, dass sich eine Form von Unternehmertum etabliert, die Gewinn und gesellschaftliche Verantwortung nicht als Entweder-oder sieht, sondern als einen sich gegenseitig verstärkenden Kreislauf“, sagt Braun.

Ökologische Nachhaltigkeit als Standard

Mit dieser Aussage schafft die Gründerin jene Überleitung zu derjenigen Entwicklung, um die es eigentlich geht. Und welche sich in einem Prozess befindet, der um sich zu greifen scheint. Sowohl auf Seite der Konsument:innen, als auch immer stärker auf der Unternehmensseite.

Denn, so die Studie, mehr als 80 Prozent der Österreicher:innen sind davon überzeugt, dass ökologische Nachhaltigkeit heute allein nicht mehr ausreicht. Und es Standard sein sollte, dass Unternehmen einen „Social Impact“ haben.

Damit dies gelingt, sei die Bildung von Transparenz über Realpreise und Lieferketten nötig, damit Konsument:innen nachvollziehen können, wie Produkte hergestellt werden und wie Preisgestaltung passiert.

„Die Verantwortung beim Konsum liegt auch bei den Konsument:innen“, betont hierzu Nora Mitterböck, Referentin beim Bundesministerium für Klimaschutz. „Wir sind es gewohnt, auch noch am Abend das gesamte Produktangebot im Supermarkt vorzufinden. Die Frage ist, ob das sein muss. Vor allem klassische „1 + 1 Aktionen“ sind sehr verlockend, führen aber dazu, dass mehr Lebensmittel weggeschmissen werden. Hier muss ein Umdenken stattfinden.“

Beim Konsum „den eigentlichen Wert erkennen“

Eine Meinung, die auch Bernadette Kamleitner, Konsumforscherin der WU, unterstützt: „Mengenrabatte sind ein großes Thema, weil es so wirkt als würden die Konsument:innen sich nicht klug verhalten, wenn sie eine Aktion nicht ausnutzen. Der reale Preis von Produkten spielt deshalb eine große Rolle. Für Konsument:innen ist es wichtig, zu verstehen, was die Produkte wirklich wert sind. Bei so großen Preisreduktionen ist es schwierig, den eigentlichen Wert zu erkennen“, sagt sie.

Diese Awareness, die Konsument:innen aufbringen müssen, sei allerdings nicht immer einfach zu erreichen, meint Aktivistin und Medieninhaberin von „Wienerkind“ Astrid Aschenbrenner: „Ausschließlich sozialer Konsum ist nicht möglich, weil uns dafür die Regulierungen und eine transparente Lieferkette fehlen. Natürlich können sich Konsument:innen immer die Frage stellen ‚Brauche ich das wirklich?“ und bewusster konsumieren. Das ist allerdings nach wie vor eine sehr privilegierte Ausgangslage und nicht für alle Bevölkerungsgruppen möglich.“

Bio-Land Österreich

Während diese Sozialfrage noch immer ein Brennpunkt in jedem Diskurs dieser Art bleibt, so habe sich in einem anderen Bereich Österreichs die Lage spürbar verändert. Dies meint zumindest Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands.

„Eines ist Fakt: Wir hatten in Österreich noch nie so sichere und qualitativ hochwertige Lebensmittel wie jetzt – und das zu einem fairen Preis“, sagt er. „Unsere Umwelt- und Tierschutzstandards sind so hoch wie in kaum einem anderen Land. Daher setzt der heimische Lebensmittelhandel in vielen Bereichen auf österreichische Produkte. In unseren Regalen findet sich auch eine Vielzahl an regional und lokal produzierten Qualitätsprodukten. Heute hat Österreich den EU-weit höchsten Bio-Anteil im Lebensmittelhandel. Der Handel trägt damit entscheidend zum Erhalt landwirtschaftlicher Strukturen und Produzenten in Österreich bei.“

Konsum und die Lieferketten-Transparenz als wichtiger Faktor

Trotz dieses Lobgesanges sticht beim Thema Konsum ein anderer Punkt und zugleich auch möglicher Lösungsaspekt hervor, den Iris Braun abschließend herausstreicht, wenn es um die Zukunft geht.

„Unternehmen müssen mehr Verantwortung übernehmen“, sagt sie. „Das Vertrauen der Konsument:innen, dass Unternehmen zu einem Wandel beitragen können, ist nämlich da. Dabei ist es besonders wichtig als Konsument:in zu verstehen was passiert, wenn ich meinen persönlichen Konsum ändere. Transparente Lieferketten und eine nachvollziehbare Preisgestaltung sind hier entscheidende Punkte.“

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NovaLabs
© NovaLabs - Gründer von NovaLabs: Christian Gubik und David Schweiger (v. l.).

NovaLabs ist ein steirischer Produzent von Nahrungsergänzungsmitteln und hat seit der Gründung vor rund fünf Jahren den Umsatz jährlich verdoppelt: Allein heuer sollen 25 Millionen Euro erwirtschaftet werden, so das Ziel.

NovaLabs: Drei Millionen Euro in neue Anlagen

Das Wachstum veranlasste die beiden Gründer und Geschäftsführer David Schweiger und Christian Gubik nun zum nächsten Expansionsschritt: Nachdem heuer bereits rund zwei Millionen Euro in den Aufbau des kürzlich eröffneten zweiten Standorts in Graz-Rudersdorf geflossen sind, werden bis Jahresende weitere drei Millionen Euro in neue Maschinen und Anlagen investiert.

„Der Markt für Nahrungsergänzungsmittel – von Proteinen und Kollagen über Vitamine bis hin zu Mineralstoffen – wächst extrem stark. Wir haben uns als Produzent mit hohem Qualitätsanspruch einen Namen gemacht. Mit der aktuellen Investition bauen wir unsere Kapazitäten gezielt aus, um mit der steigenden Nachfrage Schritt halten zu können“, erklärt das Gründerduo unisono.

Im Mittelpunkt des Investitionsprogramms stehen zwei neue Verpackungslinien für Kapseln am Standort Graz-Rudersdorf. Auch am Hauptsitz in Graz-Straßgang wird die Produktion erweitert: Eine neue Füllmaschine dosiert pulverförmige und optional auch flüssige Produkte automatisiert in Stickpacks. Ergänzt wird die Anlage durch eine neue Standbodenbeutel-Linie für wiederverschließbare Pulververpackungen sowie einen Pick-and-Place-Roboter. Damit soll vor allem die steigende Nachfrage nach pulverförmigen Produkten, insbesondere Kollagen, abgedeckt werden.

„Pulver im Standbodenbeutel oder in den Stickpacks ist derzeit eines der großvolumigsten Segmente am Markt. Gleichzeitig sehen wir weiterhin eine sehr starke Nachfrage nach Kapseln in unterschiedlichsten Formen und Rezepturen“, sagt Schweiger. Die neuen Anlagen werden dem Unternehmen zufolge sukzessive in den kommenden Wochen geliefert beziehungsweise in Betrieb genommen. Bis Jahresende soll das gesamte Investitionsprogramm umgesetzt sein.

Neue Mischhalle

Auch am Grazer Hauptsitz wird erweitert: In die bestehende Produktion wird eine neue Mischhalle mit drei Anlagen integriert. Dort werden Rohstoffe künftig automatisiert eingewogen, zugeführt und weiterverarbeitet. Zum Einsatz kommt unter anderem ein Kugelmischer mit einem Fassungsvermögen von rund 2.000 Litern. Zwei gegenläufig arbeitende Wellen würden dabei für eine gleichmäßige Durchmischung sorgen. Der Mischvorgang soll dadurch von bisher bis zu 20 Minuten auf rund 90 Sekunden verkürzt werden.

Dabei gehe es aber nicht nur um Geschwindigkeit, sagt Schweiger: „Die immer komplexeren Zusammensetzungen stellen auch höhere Ansprüche an die eingesetzte Mischtechnologie. Bei einer Rezeptur können beispielsweise mehrere hundert Kilogramm eines Rohstoffes mit nur wenigen Gramm eines anderen Wirkstoffes kombiniert werden. Auch bei diesen Kleinstmengen muss am Ende eine gleichmäßige Verteilung im gesamten Produkt sichergestellt werden.“ Das Gründer-Duo sieht darin auch einen Beleg für eine sich immer stärker professionalisierende Branche: „Was vor wenigen Jahren mit klassischen Fassmischern ausreichend war, genügt den heutigen Anforderungen nicht mehr.“

NovaLabs-Umsatz genährt durch Export

Bemerkenswert ist zudem, dass rund 50 Prozent des NovaLabs-Umsatzes mittlerweile im Export erzielt werden. Deutschland ist mit rund 40 Prozent des Gesamtumsatzes inzwischen der wichtigste Auslandsmarkt. Weitere Produkte gehen unter anderem in die Schweiz, nach Belgien und Frankreich. Über Kunden und Vertriebspartner gelangen die in der Steiermark hergestellten Nahrungsergänzungsmittel darüber hinaus bis nach Dubai und China. „Unsere Kunden wachsen – und wir mit ihnen. Gleichzeitig gewinnen wir laufend neue Aufträge. Unsere Aufgabe ist deshalb, die Produktion heute bereits so aufzustellen, dass sie auch mit den Mengen von morgen umgehen kann“, sagt Gubik.

Der Expansionskurs macht sich bei NovaLabs auch bei der Beschäftigung bemerkbar. Anfang des Jahres verfügte NovaLabs über 76 Mitarbeiter:innen. Rund 30 zusätzliche Stellen wurden 2026 bislang geschaffen – die Beschäftigtenzahl ist damit auf über 100 gestiegen. Weitere Neueinstellungen sind bis Jahressende geplant.

„Je automatisierter und größer wir werden, desto wichtiger werden Menschen, die Prozesse verstehen, Anlagen beherrschen und unsere Strukturen mitentwickeln“, erklärt Schweiger. Für ihn und Co-Gründer Gubik ist die Millioneninvestition daher weniger Abschluss der jüngsten Expansion als Vorbereitung auf die nächste Wachstumsstufe, so die Geschäftsführer: „Am ursprünglichen Ziel hat sich nichts geändert: Wir sind angetreten, um Europas führender Produzent für Nahrungsergänzungsmittel zu werden. Dafür schaffen wir jetzt die industrielle Basis.“

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