Konjunkturpaket: Gewessler trifft vor Gesprächen mit Leitbetrieben Fridays for Future
Heute Donnerstag fand im Bundeskanzleramt ein Treffen zwischen Mitgliedern der Bundesregierung und den österreichischen Leitbetrieben zum Thema "Maßnahmen im Kampf gegen Corona" und "Konjunkturpaket" statt. Klimaschutz- und Innovationsministerin Leonore Gewessler hat sich im Vorfeld des Treffens auch mit Klimaaktivisten von Fridays for Future getroffen.
Die Regierungsspitze berät seit dieser Woche intensiv über ein Konjunkturpaket, um die heimische Wirtschaft wieder anzukurbeln. Zu Beginn der Woche standen Treffen mit den Sozialpartnern und Wirtschaftsforschern am Programm – der brutkasten berichtete. Heute Donnerstag folgten nun Gespräche mit den österreichischen Leitbetrieben.
Im Vorfeld des Treffens informierten Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck und Klimaschutz-und Innovationsministerin Leonore Gewessler über die Zielsetzung des Treffens. „Wir haben heute eine Runde mit den österreichischen Leitbetrieben, um Ideen zu diskutieren und Wege aus der Krise zu finden“, so Gewessler.
In diesem Zusammenhang verwies die Klimaschutz- und Innovationsministerin auf mögliche Investitionen, die im Rahmen des Konjunkturpakets in den Klimaschutz, die Digitalisierung und die Regionalisierung getätigt werden könnten.
Neben den Ideen der Leitbetrieben sollen auch Ideen von Klimaaktivisten in die Planung des Konjunkturpakets einbezogen werden, so Gewessler. Wie Gewessler mitteilte, hat sie sich kurz vor dem Treffen mit den österreichischen Leitbetrieben auch mit Aktivisten von Fridays for Future getroffen.
Schramböck: „Minus beim BIP von 5,5 Prozent“
Im Vorfeld des Treffens mit den Leitbetrieben informierte Wirtschaftsministerin Schramböck über die Wirtschaftslage. Demnach sei ein Minus beim BIP von fünf Prozent zu erwarten. Österreich liege damit auf Platz drei im europäischen Vergleich, da lediglich Luxemburg und Polen bessere Kennzahlen aufweisen würden.
Damit Österreich wieder gut aus der Krise herauskommt, braucht es laut Schramböck nicht nur das 38 Milliarden Euro Hilfspaket, sondern ein Konjunkturpaket. Dafür stehe sie laufend mit rund 260 österreichischen Unternehmen in Kontakt, so Schramböck.
Traxit: Ehemaliges Tractive-Führungsteam startet Early-Stage-Investment-Firma
Nicht weniger als 19 Mitglieder des ehemaligen Leadership-Teams von Tractive, darunter auch Gründer Michael Hurnaus, wollen mit Traxit nicht nur Kapital investieren, sondern ihre Erfahrungen weitergeben. Wir sprachen mit Co-Geschäftsführerin Maria Rupprechter.
Traxit: Ehemaliges Tractive-Führungsteam startet Early-Stage-Investment-Firma
Nicht weniger als 19 Mitglieder des ehemaligen Leadership-Teams von Tractive, darunter auch Gründer Michael Hurnaus, wollen mit Traxit nicht nur Kapital investieren, sondern ihre Erfahrungen weitergeben. Wir sprachen mit Co-Geschäftsführerin Maria Rupprechter.
Wolfgang Reisinger und Michael Hurnaus bildeten die Führungsspitze von Tractive und sind nun auch bei Traxit an Bord | (c) Tractive
Schon davor, aber spätestens im März dieses Jahres wurde Tractive zu einer der ganz großen Startup-Geschichten des Landes. Mit 900 Millionen US-Dollar (rund 770 Millionen Euro) erzielte das oberösterreichische PetTech diesen Frühling bekanntlich den vermutlich größten Startup-Exit in der heimischen Geschichte. Käufer war das durchaus umstrittene italienische Unternehmen Bending Spoons, das wenige Monate nach der Übernahme, seinem üblichen Vorgehen entsprechend, einen Stellenabbau umsetzte (brutkasten berichtete).
Schon zuvor war – ebenfalls dem Playbook des Mailänder Konzerns folgend – der überwiegende Großteil des Führungsteams ausgetauscht worden. Dieses arbeitet nun aber in einem durchaus außergewöhnlichen Schritt geschlossen an einem neuen Projekt, das heute offiziell launcht: Traxit.
Hurnaus und 18 Leadership-Mitglieder melden sich mit neuem Projekt zurück
Alle 18 Mitglieder des Leadership-Teams zum Zeitpunkt des Exits sowie ein weiteres ehemaliges Leadership-Mitglied sind im neuen Unternehmen an Bord. Tractive-Gründer und Ex-CEO Michael Hurnaus wird damit seiner Aussage gegenüber brutkasten aus dem Mai, er werde sich sechs Monate lang nur Familie und Freizeit widmen, nicht ganz gerecht.
Mit Traxit startet nun ein Early-Stage-Investmentvehikel – zunächst mit einem niedrigen siebenstelligen Kapitalbetrag. „Wir haben alle Kapital eingebracht“, sagt Maria Rupprechter im Gespräch mit brutkasten. Die ehemalige Chief of Staff von Tractive übernahm gemeinsam mit Bernhard Trauner, ehemaligem VP Finance, die Geschäftsführung von Traxit.
„Können wirklich alle Aspekte abdecken“
Vergeben werden sollen von Traxit Tickets zwischen 50.000 und 150.000 Euro pro Unternehmen. Im Fokus stehen dabei Early-Stage-Unternehmen, die bereits erste Umsätze erzielen. Doch natürlich geht es nicht nur um Kapital, sondern auch und vor allem um Expertise für die Startups. „Durch die Breite unseres Teams mit der Erfahrung aus einem sehr erfolgreichen Scaleup können wir wirklich alle Aspekte abdecken“, sagt Rupprechter. Zu den Erfahrungen aus allen Führungsbereichen von Tractive kommen dabei auch Berufserfahrungen aus ehemaligen Jobs, etwa bei anderen Startups und Scaleups oder Unternehmen wie Microsoft, Amazon, Trivago, Zalando und KPMG hinzu.
Maria Rupprechter übernahm gemeinsam mit Bernhard Trauner die Geschäftsführung von Traxit | Foto bereitgestellt
Diese Expertise einzubringen, wolle man sich „nicht nur auf die Fahnen schreiben, sondern den Startups dann auch wirklich zur Verfügung stehen“, so die Co-Geschäftsführerin. Entsprechend gebe es auch von allen 19 Traxit-Gründer:innen das Commitment, Zeit für die Portfolio-Startups aufzuwenden – nicht nur in Sparring-Calls und Workshops, sondern auch bei konkreten strategischen Fragen und operativen Herausforderungen.
Pay-it-forward-Philosophie
„Wir wollen für Gründerinnen und Gründer der Angel Investor sein, den wir uns selbst am Anfang gewünscht hätten“, kommentiert Michael Hurnaus in einer Aussendung zum Launch. „Gleichzeitig hatten wir bei Tractive das große Privileg, gerade in unseren frühen Jahren außergewöhnlich viel Unterstützung aus dem österreichischen Startup-Ökosystem zu bekommen. Die Runtastic-Gründer und Hansi Hansmann haben uns nicht nur Kapital gegeben, sondern waren für uns mit Erfahrung, Kontakten und konkretem Rat da. Auch später waren Gespräche mit anderen Gründerinnen, Gründern und Scaleup-Führungskräften oft unglaublich wertvoll. Mit Traxit möchten wir genau diese Form der Unterstützung weitergeben.“
Vier Investments bereits in Signing-Phase
Die ersten vier Investments von Traxit sind bereits unter Dach und Fach – eines in Oberösterreich, eines in Wien, eines in Deutschland und eines im Vereinigten Königreich. Weitere Details könne man aktuell noch nicht verraten, weil man sich jeweils in der Signing-Phase befinde, sagt Rupprechter. Alle aktuellen Deals kommen dabei aus dem Netzwerk – konkret über Michael Hurnaus. „Unser Dealflow wird generell aus dem Netzwerk kommen. Jedes Mitglied kann Vorschläge einbringen“, erklärt die Co-Geschäftsführerin. Entschieden werde darüber dann „pragmatisch, schnell und auf kurzem Wege“ im internen Investment-Komitee.
Im Fokus stehen werden dabei „Geschäftsmodelle mit Consumer-Fokus, wiederkehrenden Umsätzen, Hardware-plus-Subscription-Modellen sowie Unternehmen aus dem PetTech- und Haustierbereich“. Gleichzeitig will Traxit aber auch „bewusst einen relevanten Teil der Investments“ in Österreich tätigen. „Entscheidend ist dabei natürlich, ob wir eine Opportunity sehen und auch, ob wir glauben, dass wir einen Beitrag über Geld hinaus leisten können“, sagt Rupprechter.
Denn, wie Hurnaus sagt: „Wir haben über viele Jahre gemeinsam Tractive aufgebaut, Probleme gelöst, Fehler gemacht, Chancen genutzt und sehr viel gelernt. Jetzt gemeinsam in großartige Unternehmerinnen und Unternehmer zu investieren und sie ein Stück ihres Weges zu begleiten, fühlt sich wie eine sehr natürliche Fortsetzung dieser gemeinsamen Reise an.“
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